Entwicklungszusammenarbeit

Münchens Projekte und Kooperationen, Schwerpunkte und Ziele in der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit (KEZ).

Engagement für eine gerechtere Welt

Die 17 Nachhaltigkeitsentwicklungsziele der Vereinten Nationen.
UN
Die 17 Nachhaltigkeitsentwicklungsziele der Vereinten Nationen (SDGs)

Um einen Beitrag für eine gerechtere Welt zu leisten, ist auch die Landeshauptstadt München in der Entwicklungszusammenarbeit aktiv. Im Vordergrund des Münchner Engagements stehen zwei Ziele:

  • die Verbesserung der Lebensbedingungen in sogenannten Entwicklungs- und Schwellenländern und
  • die gemeinsame Bewältigung globaler Herausforderungen.

Deshalb kooperiert München mit Kommunen weltweit, um gemeinsam ihre Interessen zu vertreten und um Lösungsansätze für kommunale Herausforderungen zu erarbeiten. Darüber hinaus unterstützt sie die Arbeit der Eine-Welt-Gruppen in München und bietet diverse Veranstaltungen zur Vernetzung aller entwicklungspolitischer Akteure an.

Hintergrund

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Ballungszentren. In vielen Städten konzentrieren sich Armut, Versorgungsengpässe oder Umweltschäden. Städte sind aber auch Orte, in denen diese Probleme nachhaltig gelöst werden können. Deshalb sind Kommunen gefragte Akteure in der Entwicklungszusammenarbeit. Die Vereinten Nationen und die Europäische Union haben dies ebenso erkannt wie die Bundesregierung und die Bundesländer und begrüßen das entwicklungspolitische Engagement der Kommunen. Vor allem das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstützt die entwicklungspolitischen Vorhaben mit diversen Förderprogrammen.

Internationale Abkommen betonen die wachsende Rolle der Kommunen: 2015 wurde die Agenda 2030 verabschiedet, das globale Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen. Kernstück sind die 17 Nachhaltigkeitsentwicklungsziele – die „Sustainable Development Goals“ (SDGs) – mit über 170 Unterzielen und Indikatoren. Sie fordern eine nachhaltige Entwicklung mit gemeinsamer Verantwortung für Menschen und Planeten im Norden und Süden; anstelle der früheren Einteilung in „Geber“ und „Nehmer“ oder in „erste“, „zweite“ und „dritte Welt“. Städte sind ausdrücklich als wichtige Akteure und Handlungsfelder benannt.

Kofi Annan, ehemaliger UN-Generalsekretär betonte bereits 2005: Unsere Ziele sind global, aber sie können am effektivsten durch das Wirken der kommunalen Ebene erreicht werden.

Strategie in der Entwicklungszusammenarbeit

Radweg in Kapstadt
Bruce Sutherland

Die Stadtverwaltung möchte ihre Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung wahrnehmen und einen Beitrag dazu leisten, dass die weltweiten Ressourcen und Entwicklungschancen gerechter verteilt werden. Den Rahmen für das Engagement bildet das Konzept zur kommunalen Entwicklungszusammenarbeit. Es beinhaltet Kriterien, Leitziele und Themenschwerpunkte sowie Qualitätsstandards für die Projektarbeit. Verschiedene Instrumente für kommunale Entwicklungszusammenarbeit sind aufgelistet und beschrieben.

Das Rahmenkonzept zur kommunalen Entwicklungszusammenarbeit wurde von der Vollversammlung des Stadtrats im Juni 2010 erstmals verabschiedet und im Juni 2013 sowie im Mai 2020 fortgeschrieben.

Schwerpunkt Flucht und Entwicklung

Die Landeshauptstadt möchte die Fluchtursachenbekämpfung systematisch in der Stadtverwaltung verankern. Ein referatsübergreifendes Handlungskonzept setzt die Schwerpunkte.
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Ziele und Schwerpunkte

Präambel

Die Landeshauptstadt München verpflichtet sich durch mehrere Abkommen, ihrer Verantwortung für eine weltweit nachhaltige Entwicklung auch durch Kooperationen im Rahmen von internationalen Partnerschaften (kommunale Entwicklungszusammenarbeit) gerecht zu werden. 2016 hat sich die LHM ausdrücklich zu den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs) bekannt und erklärt, sich konkret für nachhaltige Entwicklung zu engagieren. Die nachstehenden strategischen Ziele, die gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aller städtischen Referate und einigen externen Beratern entwickelt wurden, sollen dazu dienen, in der Stadtverwaltung eine offizielle Basis und ein Bewusstsein für diese Aufgabe zu schaffen und das Engagement der Referate, der städtischen Unternehmen und Einrichtungen anzuregen und zu stabilisieren. Dem entsprechen auch die Kriterien für die Entwicklungszusammenarbeit der Landeshauptstadt München und die Qualitätsstandards für die Projektarbeit (sh. Kapitel 4.1 des Konzepts).

Leitziel

München leistet durch kommunale Entwicklungszusammenarbeit einen effektiven Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung und für eine gerechtere Welt. Mit diesem Beitrag wird auch angestrebt, gemeinsam mit anderen international tätigen Kommunen durch eine Verbesserung der Lebensbedingungen Fluchtursachen weltweit entgegen zu wirken.

Ziel 1 München stärkt durch fachlichen Know-how-Transfer die kommunale Selbstverwaltung in Ländern des globalen Südens.

Das in der Stadtverwaltung München vorhandene fachliche Know-how wird sowohl im Rahmen von eigenen Partnerschaften als auch in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Entwicklungsorganisationen und Netzwerken zur Verbesserung der kommunalen Dienstleistungen und zur Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung in Ländern des globalen Südens eingesetzt.

Ziel 2 Mit kommunaler Entwicklungszusammenarbeit wird die interkulturelle und fachliche Kompetenzbildung in der Stadtverwaltung und Stadtgesellschaft Münchens gefördert.

Kommunale Entwicklungszusammenarbeit wird in München gezielt auch zur Bildungsarbeit im Bereich nachhaltige Entwicklung, zur interkulturellen Kompetenzbildung und zur fachlichen Kompetenzerweiterung in der Verwaltung eingesetzt.

Ziel 3 Städtepartnerschaften mit Harare und Kiew werden für fachliche Zusammenarbeit genutzt.

Im Rahmen der Städtepartnerschaften mit Kiew und Harare werden verstärkt Projekte der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit umgesetzt. Diese dienen sowohl der Information und Begegnung mit der Partnerstadt als auch der fachlichen Zusammenarbeit.

Ziel 4 Entwicklungspolitische Kooperationen mit EU-Partnern werden ausgebaut.

Die Landeshauptstadt München initiiert und baut Kooperationen mit schwach entwickelten Regionen innerhalb der EU, der Nachbarstaaten und assoziierten Staaten aus.

Ziel 5 München leistet Katastrophenhilfe in den Partnerregionen.

Im Fall von Katastrophen oder sonstigen akuten Notlagen in unseren Partnerregionen leistet die Stadt München (im Rahmen ihrer Möglichkeiten) schnelle und effektive Soforthilfe. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit der Münchner Zivilgesellschaft und in Abstimmung mit den vor Ort tätigen Hilfsorganisationen.

Ziel 6: München berücksichtigt die Menschenrechtssituation im Partnerland.

Die Landeshauptstadt München berücksichtigt bei ihren internationalen Kooperationsprojekten die Menschenrechtssituation im Partnerland und die Grundsätze von Demokratie und Gleichberechtigung der Geschlechter.

Ziel 7 München vertritt kommunale Interessen in internationalen Initiativen.

München ist in allen wesentlichen überregionalen Gremien und Publikationen präsent. Münchens Aktivitäten zur kommunalen Entwicklungszusammenarbeit sind lokal, national, international bekannter. Die Landeshauptstadt München nutzt ihre stärkere Präsenz als entwicklungspolitische Akteurin auch dazu, neben lokalen Interessen allgemeingültige kommunale Interessen auf nationaler und internationaler Ebene besser zu vertreten.

Ziel 8 München unterstützt und vernetzt lokale Akteure der Entwicklungszusammenarbeit.

Hilfestellungen für und Maßnahmen zur Qualifizierung von engagierten Akteuren aus Verwaltung und Zivilgesellschaft (z.B. Fortbildungen, Information über und Vermittlung von Finanzierungen) werden angeboten. Der Informationsfluss und die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren aus Verwaltung, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft wird intensiviert. Migrantinnen und Migranten werden verstärkt als Brückenbauer der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit eingebunden. Dies dient zum einen dem Ausdruck der Wertschätzung ihrer Kompetenzen und zum anderen der Qualitätssteigerung von Projekten der Entwicklungszusammenarbeit.

Ziel 9 München bindet Unternehmen in internationale Kooperationsprojekte ein.

Die Landeshauptstadt München hat im Rahmen ihrer kommunalen Entwicklungszusammenarbeit auch die Interessen der Münchner Wirtschaftsunternehmen im Blick, soweit diese einer nachhaltigen Entwicklung nicht entgegenstehen. Sie bindet die Unternehmen möglichst in Kooperationsprojekte ein oder vermittelt Kontakte zu potentiellen Wirtschaftspartnern.

Die folgenden Themenschwerpunkte wurden aufgrund der speziellen Fachkompetenz der Stadtverwaltung München oder aufgrund der besonderen Relevanz des Themas ausgewählt. Gender und Gleichstellung liegen dabei quer zu allen folgenden Schwerpunkten und finden stets Berücksichtigung:

a) Good Governance – Gute kommunale Regierungsführung

b) Klimaschutz / CO2- Einsparung/ regenerative Energien

c) Wasser

d) Abfall-/Kreislaufwirtschaft

e) Digitalisierung

f) Geoinformationssysteme

g) Flucht und Entwicklung

h) Berufliche Qualifizierung und Bildung

i) Gender und Gleichstellung

a) Ausbau der Zusammenarbeit mit bestehenden Projektpartnerstädten und -regionen

Mit den bestehenden Projektpartnerstädten und Projektregionen Münchens hat sich über Jahre eine gute, engagierte und beständige Zusammenarbeit entwickelt, die erfreulicherweise auf beiden Seiten intensiv von bürgerschaftlichem Engagement begleitet wird. Diese Beziehungen sollen gepflegt und ausgebaut werden und dienen als Basis für weitere Kooperationsprojekte.

b) Kooperationen mit Schwellenländern

Bei neuen Projektpartnerschaften wird vor allem auch die Zusammenarbeit mit Städten in Schwellenländern gesucht, wo – aufgrund der materiellen Möglichkeiten der Städte – das Münchner Know-how von besonderem Nutzen sein kann. Dazu kommt, dass Schwellenländer oft als Motor und Vorbild für andere Länder in der Region wirken und damit eine Ausstrahlung weit über das eigentliche Projekt hinaus entfalten.

c) Herkunfts- und Aufnahmeländer von Geflüchteten

Mit der Aufnahme des Themenschwerpunkts „Flucht und Entwicklung“ (sh. Kapitel 3.1 im Konzept) soll auch eine regionale Fokussierung der internationalen Zusammenarbeit mit Fluchtherkunfts- und Aufnahmeländern (z.B. in der MENA-Region) erfolgen. Dabei geht es einerseits um die Unterstützung der Städte und Gemeinden, die rund um die Krisenregionen in erheblichem Umfang Geflüchtete aufgenommen haben (sog. host communities). Andererseits sollen Kommunen (z.B. in der Maghreb-Region) dabei unterstützt werden, die Lebensbedingungen vor Ort zu verbessern, etwa durch die Stärkung dezentraler Demokratisierungsprozesse.

Entwicklungspolitische Akteure der Münchner Zivilgesellschaft und der Stadtverwaltung haben - angelehnt an die Erfahrungen professioneller Entwicklungsorganisationen gemeinsam Qualitätsstandards für Projekte der Entwicklungszusammenarbeit entwickelt. Die im Rahmen einer Fachtagung im Jahr 2010 und mehreren Folgeveranstaltungen definierten Qualitätsstandards sollen sowohl zur Selbstreflektion des eigenen Engagements dienen als auch zum Erfahrungsaustausch mit anderen Organisationen und Kooperationspartnern über die Projektarbeit.

Die Qualitätsstandards lauten:

  • Das Projekt muss die lokalen, sozialen und kulturellen Gegebenheiten berücksichtigen.
  • Das Projekt muss die fremden Kulturen und Religionen sowie die international gültigen Menschenrechte und Abkommen achten.
  • Die Herstellung von Synergien und Vernetzung sollen integraler Bestandteil des Projektes sein.
  • „Ownership“ ist wichtig, um den langfristigen Erfolg des Projekts zu sichern. Dazu müssen angemessene Eigenleistungen vorgesehen sein und auch zugelassen werden.
  • Die Partner sollen voneinander und miteinander lernen.
  • Vor Projektbeginn müssen die Partner umfangreich über Herkunft und Verwendung der Mittel informiert werden.
  • Es sollen keine Einzelpersonen sondern Gruppen unterstützt werden, Genderaspekte müssen berücksichtigt werden.
  • Das Projekt soll sich an das Prinzip der nachhaltigen Entwicklung anlehnen.
  • Sachspenden müssen auf schlüssig begründete Einzelfälle beschränkt bleiben.
  • Kontrolle, Transparenz auf allen Ebenen und eine Projektauswertung sind ein Muss für jedes Projekt.
  • Entwicklungspolitische Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit hierzulande sollen Bestandteil des Projekts sein.
  • Jedes Projekt soll auch die „Bekämpfung der Ursachen“ im Auge behalten.

Hier finden Sie das gesamte Dokument „Qualitätsstandards für Projekte der Entwicklungszusammenarbeit“ , das die Hintergründe und die einzelnen Standards ausführlich erläutert.

Nothilfen

Illustrationsbild
Heinz Schulze

Corona-Pandemie: Stadt unterstützte indigene Familien in Peru 2020

Die Stadt München unterstützte indigene Familien im zentralen Regenwald Perus, die besonders hart von der Corona-Pademie betroffen sind. Die Soforthilfe in Höhe von 15.000 Euro wurde für die Versorgung mit Lebensmitteln, Basismedikamenten und medizinischem Material wie beispielsweise Atemschutzmasken dringend benötigt. München verbindet seit 1997 eine enge Klimapartnerschaft mit dem indigenen Volk der Asháninka im peruanischen Amazonasgebiet.

Besonderes Augenmerk bei der Verteilung der Münchner Soforthilfe wurde auf die Vermeidung des Kontakts mit den indigenen Bewohnerinnen und Bewohnern gelegt, da sie besonders anfällig für jede Art von Infektionen sind. Es gibt leider drastische Erfahrungen mit Malaria, Hepatitis und aktuell auch wieder mit dem Denguefieber.

Die Klimapartnerschaft München-Asháninka hat ihren Ursprung in der Mitgliedschaft Münchens im Europäischen Klima-Bündnis, einem Zusammenschluss von mehr als 1.700 europäischen Städten. Ziel ist es, klimaschädliche Treibhausgase zu reduzieren und den tropischen Regenwald im Amazonasbecken zu schützen. Durch Partnerschaften auf Augenhöhe werden indigene Völker unterstützt, ihren Lebensraum zu erhalten und sich für den Klimaschutz einzusetzen.

Zur Meldung in der Rathaus Umschau 2020

Humanitäre Hilfe - Unterstützung der Landeshauptstadt 2014 und 2015

Der Bürgerkrieg in Syrien, die systematische Zerstörung der Infrastruktur und die gnadenlose Verfolgung aller Andersgläubigen durch den Islamischen Staat (IS) im Nahen Osten haben zu der größten Flüchtlingsbewegung dieser Zeit geführt: Mehr als 12 Millionen wurden zu Vertriebenen. Diese Menschen benötigen die Unterstützung der gesamten Weltgemeinschaft.

Deshalb hat der Münchner Stadtrat am 22. Oktober 2014 zugesagt,

  • 100.000 Euro Soforthilfe für Projekte des Bischöflichen Hilfswerks Misereor im Nord-Irak und in Syrien zur Verfügung zu stellen und
  • den Münchner Verein Orienthelfer beim Betrieb einer Schule für mehrere hundert syrische Flüchtlingskinder im Libanon durch einen Spendenaufruf an die Münchner Bevölkerung zu unterstützen und die bis Ostern 2015 eingegangenen Spenden zusammen mit der Stadtsparkasse München zu 100% aufzustocken.

 

Soforthilfe nach dem schweren Erdbeben 2010

Bereits vor der Katastrophe am 12.01.2010 zählte Haiti zu eines der ärmsten Länder der Welt. Die Situation des Landes verschlimmerte sich zusätzlich durch das schwere Erdbeben. Die Folgen der Katastrophe sind enorm: Mit etwa 220.000 Toten und 300.000 Verletzten zählt das Beben der Stärke 7,3 zu einer der verheerendsten Katastrophen des 21. Jahrhunderts. Ein Großteil der Häuser und der Infrastruktur des Landes wurden zerstört. Auch die Krankenhäuser und Gesundheitsstationen waren von den Zerstörungen stark betroffen.

Deshalb hat der München Stadtrat am 27. Januar 2010 auf Antrag aller Stadtratsfraktionen beschlossen, 100.000 Euro als Soforthilfe für die Erdbebenopfer in Haiti zur Verfügung zu stellen. Nach einem Aufruf des Oberbürgermeisters gingen weitere Spenden aus der Münchner Bevölkerung ein. Die Münchner Katastrophenhilfe wird in Zusammenarbeit mit zwei in München ansässigen Hilfsorganisationen - Ärzte der Welt und Handicap International – umgesetzt, die über umfangreiche Erfahrung in der Entwicklungszusammenarbeit und der Katastrophenhilfe verfügen. Für die Landeshauptstadt München sind beide Organisationen bekannte und bewährte Partner.

 

Wiederaufbau in Sri Lanka nach der verheerenden Tsunami-Katastrophe 2004

m zweiten Weihnachtsfeiertag 2004 verwüstete ein Tsunami die Küsten mehrerer asiatischer Länder, Millionen Menschen kamen dabei ums Leben, Hunderttausende wurden obdachlos.

Kurz danach wurde in München eine große Hilfsaktion ins Leben gerufen: Der Stadtrat bewilligte 700.000 Euro für den Wiederaufbau der weitgehend zerstörten Stadt Batticaloa in Sri Lanka, mit der München schon seit mehreren Jahren eine Projektpartnerschaft verbindet. Weitere 50.000 Euro wurden für den Wiederaufbau der Region Aceh in Nord-Sumatra zur Verfügung gestellt. Die Münchener Bevölkerung sowie Wirtschaft spendeten in den folgenden Monaten zusätzlich mehr als 600.000 Euro.

In Zusammenarbeit mit UN-Habitat leistete die Landeshauptstadt Soforthilfe in Batticaloa. Um die dortige Stadtverwaltung in die Lage zu versetzen, selbst Teile der notwendigen Infrastruktur für ihre Bürgerinnen und Bürger wieder aufzubauen, wurden von den Hilfsgeldern Münchens als erstes verschiedene Fahrzeuge angeschafft: ein Radlader mit Baggerschaufel, zwei Kipplaster, ein PKW mit Allrad-Antrieb, ein Traktor mit Wasser-Anhänger. Weiter wurden im vergangenen Jahr Dükerbauwerke, Brücken und Abflusskanäle für Starkregen-Ereignisse wieder hergestellt. Zusammen mit der Reparatur von Straßen sorgten diese Maßnahmen dafür, dass die Bürger von Batticaloa und der umliegenden Siedlungen wieder ungehinderten Zugang zu Schulen, Märkten und Geschäften in der Stadt haben. Auch Spielgeräte für den Wiederaufbau eines öffentlichen Kinderspielplatzes wurden von den Münchner Hilfsgeldern angeschafft. Darüber hinaus entstanden 70 Häuser, deren Bau die Begünstigten selbst – unter Beratung und Kontrolle der Stadtverwaltung Batticaloa – organisierten. Ein weiterer Teil der Gelder ging an ein Rehabilitationscenter für Kinder aus Notunterkünften und für die Tsunami-Waisen. Dieses Teilprojekt, das nach dem Tsunami als ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe begonnen hatte, konnte mit Unterstützung des Vereins Knorr Bremse Global Care e.V. vergrößert und professionalisiert werden. Auf Wunsch von Münchner Schulen wurden deren Spenden vor Ort im Schulbereich eingesetzt, sodass für zwei Schulen Möbel, Bücher, Musikinstrumente und Spielplatzgeräte angeschafft werden konnten.

Auf dieser Ersthilfe heraus entstand 2005 das neue von der EU finanzierte Kooperationsprojekt WASSER - Water and Sanitation for Settlements in Eastern Sri Lanka. Ziel des Projektes ist es, die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung und damit die Lebensbedingungen der Menschen in Batticaloa und Kalmunai zu verbessern. In Zusammenarbeit mit lokalen Fachbehörden wurde die Einrichtung eines effektiven Abwassermanagements geplant und umgesetzt. Mit dem Aufbau einer Schule zum Bau von Brunnen sowie Anlagen zur Speicherung von Trinkwasser wurde die ansässige Bevölkerung aktiv in den Wiederaufbau einer funktionierenden Trinkwasserversorgung einbezogen. Darüber hinaus hat die Aus- und Weiterbildung in der Brunnenbauerschule auf dem Gelände der städtischen Wasserversorgung für die Menschen in Sri Lanka neue Einkommensquellen geschaffen. Die im Zuge des Projekts erstellten Trainingsmaterialien stehen in den Landessprachen Tamil und Sinhala zur Verfügung.

Das Referat für Umwelt und Gesundheit der Landeshauptstadt München arbeitete dabei mit der Organisation EMAS e.V. zusammen. EMAS unterstützt seit mehreren Jahren Menschen in Bolivien bei der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung und war bereits unmittelbar nach dem Tsunami in Batticaloa mit der Bohrung von Trinkwasserbrunnen betraut.

Kinder in Kenia

Partnerschaften und Projekte von Münchner Schulen

Münchner Schulen engagieren sich in formellen Schulpartnerschaften und Projektpartnerschaften.
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