Pflege Angehöriger – und jetzt?

Der Umgang mit Hilfe- und Pflegebedürftigkeit ist eine große Herausforderung. Informationen für pflegende Angehörige und Betroffene.

Informationen und Hinweise für pflegende Angehörige sowie Betroffene

Pflege Angehöriger - und jetzt?
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Pflegebedürftigkeit und Krankheiten können das alltägliche Leben und Planungen für die Zukunft stark verändern. Oft müssen in kürzester Zeit Lösungen gefunden werden.

Der Umgang mit Hilfe- und Pflegebedürftigkeit ist eine große Herausforderung. Wir möchten Ihnen mit folgenden Informationen helfen, sich besser zu Recht zu finden.

Wissenswertes

Er entsteht

  • meist durch ein akutes Ereignis wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Sturz,
  • oft langsam, beispielsweise durch eine fortschreitende Demenzerkrankung oder andere Krankheiten,
  • infolge des Älterwerdens, wenn Körperfunktionen nachlassen (zum Beispiel sich bewegen, essen und trinken, in der zeitlichen und örtlichen Orientierung)
  • bei Kindern und Jugendlichen zum Beispiel nach Komplikationen bei der Geburt, chronischen Er­krankungen, Unfällen

Bevor Pflegebedarf entsteht, ist oft Unterstützung im Haushalt notwendig (beispielsweise Einkaufen, Kochen, Reinigen der Wohnung, Wäsche waschen).

Wichtige Entscheidungen sollten mit allen Beteiligten besprochen werden. So kann man klären, wie viel Hilfe  jemand braucht und was die bestmögliche Lösung sein könnte. Die meisten Menschen wollen auch bei Pflegebedürftigkeit zu Hause blei­ben und durch Angehörige versorgt werden. Dennoch ist zu überlegen, ob eine Aufteilung der Versorgung möglich und sinnvoll ist. Bei schlecht geeignetem Wohnumfeld oder sozialer Isolation kann ein Umzug in eine andere Versorgungsform (zum Beispiel eine vollstationäre Pflegeeinrichtung oder ambulant betreute Wohngemeinschaft ) sinnvoll sein.

Im Krankenhaus ist das Gespräch mit den Ärzt*innen sowie dem Sozialdienst oder der Pflegeüberleitung oder der*dem Case Manager*in sehr wichtig. Ziel des Case Managements ist unter anderem, statio­näre und ambulante Behandlungen zu vernetzen (beispielsweise Einstufung Pflegegrad, Beschaffung von Hilfsmitteln wie Rollstuhl und Pflegebett, Beantragung eines Reha-Aufenthalts , einer Anschlussheilbehandlung oder auch einer Kurzzeitpflege ).

Für die Pflegebedürftigkeit ist der Grad der Selbstständigkeit ausschlaggebend. Im Rahmen einer Begutachtung werden verschiedene Bereiche berücksichtigt:

Mobilität, kommunizieren, wahrnehmen und denken, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Selbstversorgung, Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen, Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte.

Ist die Pflegebedürftigkeit kürzer als sechs Monate (zum Beispiel nach einer Operation), kann ein Anspruch auf Häusliche Krankenpflege bestehen.

Wichtige Informationen hierzu finden Sie im Online-Ratgeber des Bundesministeriums für Gesundheit.

Es gibt fünf Pflegegrade . Eine Besonderheit ist der Pflegegrad 1 . Hier gibt es nur den Entlastungsbetrag von monatlich bis zu 125 Euro.

Er dient der Entlastung pflegender Angehöriger und ist unter anderem zu verwenden für

  • Kosten von Tages- und Nachtpflege, Kurzzeitpflege
  • Angebote zur Unterstützung im Alltag

Viele Informationen finden Sie auch in der Sozial-Fibel des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales

Tritt der Pflegefall ein, muss ein Antrag auf Pflegeleistungen bei der (Pflege)Kasse, bei der Betroffene auch krankenversichert sind, gestellt werden. Dies muss nicht in Schriftform sein, sondern kann auch telefonisch erfolgen.

Die Pflegekasse lässt ein Gutachten erstellen, damit Grad und Dauer der Pflegebedürftigkeit ermittelt werden können. Dazu vereinbaren der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder bei privat Versicherten das Unternehmen MEDICPROOF einen Termin mit Ihnen.

Beim Begutachtungstermin ist es sinnvoll, wenn Familienangehörige oder Pflegepersonen anwesend sind. Hilfreich ist ein Pflegetagebuch . Darin können Sie genau dokumentieren, welcher Pflegebedarf besteht und somit die*den Gutachter*in unterstützen.

Die*der Gutachter*in kann auch zu geeigneten Pflegehilfsmitteln beraten und Vorschläge zu Umbaumaßnahmen in der Wohnung machen.

Die Pflegekasse erteilt nach der Begutachtung einen Bescheid über das Ergebnis der Untersu­chung. Sie ist verpflichtet, spätestens fünf Wochen nach der Antragstellung schriftlich mitzu­teilen, ob und in welchen Pflegegrad jemand eingestuft wurde.

Sollten Sie mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein, können Sie innerhalb von vier Wochen, nachdem Sie den Bescheid erhalten haben, schriftlich Widerspruch einlegen.

Wenn Sie denken, dass ein Pflegegrad nicht mehr ausreicht, sollten Sie dies mit Ihrer*Ihrem Hausärztin*Hausarzt oder dem ambulanten Pflegedienst besprechen und einen Antrag auf Höher­stufung stellen.

Eine Demenzerkrankung entwickelt sich langsam. Es ist nicht einfach, die ersten Anzei­chen von „altersgemäßen Gedächtnislücken“ oder einer Depression zu unterscheiden. Die Symptome einer De­menz hängen von der Art der Erkrankung ab. Nur ein Arztbesuch bringt Sicherheit, ob und falls ja, um welche Form der Demenz es sich handelt.

Zunächst sollten Sie sich an die zuständige Pflegekasse wenden. Jede Pflegekasse hat einen gesetzlichen Bera­tungsauftrag . Aber es gibt noch ein Netz von Stellen und Organisationen, an das sich Angehörige von Pflegebedürftigen wenden können.

Pflegebedürftige Menschen können mittlerweile in vielfältigen Versorgungsformen betreut werden. Abhängig von den Wünschen und Bedürfnissen, aber auch dem erforderlichen Pflegeaufwand, gibt es verschiedene Möglichkeiten.

 

Oft reichen die Leistungen der Pflegekasse und eigene Mittel (beispielsweise Rente, Gehalt, Vermögen) nicht aus, um die nötige Versorgung sicher zu stellen. Im Rahmen der Sozialhilfe können unge­deckte Restkosten (wenn beispielsweise die Rechnung des ambulanten Pflegedienstes höher ist, als das Geld von der Pflegekasse) beim zuständigen Sozialhilfeträger beantragt werden.

Der Bezirk Oberbayern ist für alle Personen zuständig, die Hilfe zur Pflege (oder Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen) benötigen und diese nicht selbst finanzieren können. Dies gilt für die Versorgung zu Hause (ambulant ) wie auch in einer stationären Einrichtung (Pflegeheim, Tagespflege).

Über die Servicestelle des Bezirks Oberbayern oder bei verschiedenen Beratungsstellen können Sie sich informieren.

Wer außerhalb Bayerns wohnt, wendet sich an die zuständige Bezirkssozialverwaltung.

Wer Schwierigkeiten hat, seinen Haushalt selbstständig zu erledigen und/oder geringfügige Unterstützungsleistungen (zum Beispiel beim Einkaufen, Kochen, Haare waschen) benötigt, kann Hilfen im Haushalt im Sozialbürgerhaus der Landeshauptstadt München beantragen.

Unterstützung ist möglich für Personen, die keinen Pflegegrad 2 oder höher haben.

Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt kann bei Bedarf eine Verordnung von Hilfsmitteln (wie Rollstuhl, Pflegebett, Erhöhung des Toilettensitzes) ausstellen. Informationen zur Hilfsmittelversorgung finden Sie bei Rehadat sowie beim Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) .

Wenn Pflegende einen Unfall haben und ins Krankenhaus müssen, könnten Angehörige zu Hause un­versorgt bleiben. Für diesen Fall wurde eine Notfallkarte entwickelt. Auf der Karte tragen Sie den Namen der pflegebedürftigen Person ein und wo eine Notfallcheckliste zu finden ist. Hier sind Eintragungen wie zur Erkrankung, behandelnden Ärzt*innen und so weiter möglich.

Beides sowie weitere Informationen zum Gesundheitsschutz für pflegende Angehörige finden Sie auf der Internetseite www.beim-pflegen-gesund-bleiben.de .

Es kann sein, dass eine pflegebedürftige Person ihre Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht (mehr) regeln kann. Bereits im Vorfeld können Regelungen getroffen werden, die den Angehörigen und Bezugspersonen Entscheidungen im Sinne der Betroffenen erleichtern.

Informationen zu

Fragen zur pflegerischen Versorgung und Unzufriedenheit gibt es in allen Versorgungsformen. Es ist wichtig, Probleme mit allen Beteiligten frühzeitig anzusprechen. Wenn sich die Probleme nicht lösen lassen oder keine Verbesserung eintritt, können Sie sich an die zuständige Pflegekasse wenden.

Die Städtische Beschwerdestelle für Probleme in der Altenpflege kann Sie bei Unstimmigkeiten mit ambulanten Pflegediensten, Tages- oder Nachtpflegeeinrichtungen oder vollstationären Pflegeeinrichtungen un­terstützen.

Der Patienten- und Pflegebeauftragte der Bayerischen Staatsregierung steht auch direkt als Ansprechpartner zur Verfügung oder sagt Ihnen, an wen Sie sich mit Ihren Problemen wenden können.

Viele Unternehmen und Organisationen unterstützen ihre Mitarbeitenden dabei, Beruf und Pflege zu vereinbaren. Erkundigen Sie sich bei Ihrer*Ihrem Arbeitgeber*in, welche Möglichkeiten es gibt. Schauen Sie auch in den für Sie geltenden Tarifvertrag. Hier können Leistungen zur Verein­barkeit von Beruf und Familie geregelt sein, die über die gesetzlichen Regelungen hinausgehen.

Zu den nachstehenden Ansprüchen gibt es Informationen durch das Bundesministerium für Gesundheit:

Die Beschäftigung mit den Themen Sterben und Tod ist besonders bei Pflegebedürftigkeit früher oder später unausweichlich. In München gibt es viele Institutionen und Einrichtun­gen, die Betroffene und ihre Angehörigen, Bezugspersonen oder Freunde unterstützen können. Dazu gehören zum Beispiel Hospiz- und Palliativeinrichtungen oder Helfervereine.

Das Gesundheitsreferat hat entsprechende Informationen, die Sie nachlesen können.

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