Quartier an der Ratold- und Raheinstraße

Östlich des S- und U-Bahnhofes Feldmoching soll auf den Brachflächen an der Ratold- und Raheinstraße ein Quartier mit etwa 900 Wohnungen entstehen.

Das Projekt

Perspektive Raheinstraße, Blick nach Norden
CA IMMO Projektentwicklung Bayern GmbH & Co. KG Grünwald

Neben den Wohnungen sind drei Kindertagesstätten geplant.

Das 11,6 Hektar große Planungsgebiet liegt an der Bahnlinie München-Regensburg und befindet sich überwiegend im Eigentum der Firma CA Immo Deutschland und der Landeshauptstadt München. 750 Wohnungen und zwei Kindertagesstätten sollen südlich der Dülferstraße entstehen, etwa 150 Wohnungen und eine Kindertagesstätte nördlich. Außerdem sind hochwertige Freiräume und eine durchgehende, attraktive Verbindung für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen in Nord-Südrichtung geplant. Das Gebiet ist durch U- und S-Bahn und den Regionalbahnhof Feldmoching hervorragend erschlossen.

Wettbewerb

2016 lobten die CA Immo Deutschland und die Landeshauptstadt München einen nichtoffenen städtebaulichen Wettbewerb mit elf teilnehmenden Büros aus. Eine zentrale Herausforderung waren die unmittelbar angrenzenden Bahnlinien und die damit verbundene Immissionsbelastung. Mit dem ersten Preis wurden 03 Architekten, München, mit ver.de landschaftsarchitektur, Freising, ausgezeichnet. Der Siegerentwurf sieht einen zentralen Platz und weitere Plätze, einen Hochpunkt in der Quartiersmitte und einen durchgängigen Radweg an der Westseite vor.

Anlass der Planung

Der Großteil des Areals war Teil des Bundeseisenbahn­vermögens und ging nach Privatisierung der Bahn an die CA Immo (ehemals Vivico) über. Die Flächen wurden lange von einer Überplanung ausgenommen, da unter anderem eine neue Staatsstraße 2342 dort im Gespräch war. Mit der Aktualisierung des Verkehrsent­wicklung­skonzeptes 2014 für den Münchner Norden wurden diese Planungen jedoch aufgegeben.

Beteiligung der Öffentlichkeit

Im Herbst 2015 fand ein zweitägiger Bürger*innenworkshop statt. Die Teilnehmer*innen konnten sich dabei aktiv in die Planung einbringen. Die Dokumentation ist in den Aufstellungs- und Eckdatenbeschluss eingeflossen. Auch wurden Anregungen mit in den Auslobungstext für den Wettbewerb aufgenommen. Des Weiteren wurde auf der Grundlage des Siegerentwurf des Wettbewerbs weiterentwickelten Rahmenplan 2017 eine frühzeitige Unterrichtung der Öffentlichkeit durchgeführt.

Vom 29. Juli bis zum 8. September 2021 fand die öffentliche Auslegung gemäß § 3 Absatz 2 des Baugesetzbuches (BauGB) und der Änderung des Flächennutzungsplans statt.

Chronologie

7-9/2021: Öffentliche Auslegung gemäß § 3 Absatz 2 des Baugesetzbuches (BauGB) und Änderung des Flächennutzungsplans
16.06.2021: Billigungsbeschluss
4.12.-29.12.2020: Erneute Beteiligung der Behörden und Träger öffentlicher Belange
28.6.-31.7.2019: Beteiligung der Behörden und Träger öffentlicher Belange
16.10.-16.11.2017: Frühzeitige Unterrichtung der Öffentlichkeit und frühzeitige Beteiligung der Behörden und Träger öffentlicher Belange
18.1.2017: Bekanntgabe des Wettbewerbsergebnisses im Stadtrat
26.7.-5.8.2016: Ausstellung zum Wettbewerb
12.7.2016: Preisgerichtssitzung zum Wettbewerb
25.4.2016: Podiumsdiskussion zum Wettbewerb
11.4.2016: Auslobung zum Wettbewerb
16.3.2016: Aufstellungs- und Eckdatenbeschluss
10.10.2015: Bürgerworkshop

Ansichten des Siegerentwurfs

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Details zum Wettbewerb

Städtebaulicher und landschaftsplanerischer Wettbewerb

1. Preis

03 Architekten GmbH, München, mit Ver.de Landschaftsarchitektur GbR, Freising

Ausloberin

CA Immo Projektentwicklung Bayern GmbH & Co. KG, Grünwald

Weitere Preise

2. Preis: Teamwerk Architekten, München, mit HinnenthalSchaar Landschaftsarchitekten GbR, München

3. Preis: Florian Krieger Architektur und Städtebau GmbH, Darmstadt, mit Grabner Huber Lipp Landschaftsarchitekten und Stadtplaner Partnerschaft mbb, Freising

Anerkennung

Peter Haimerl Architektur mit Leonardhautum, München, und Mettler Landschaftsarchitektur, Berlin

Details

Lage

Das 14 Hektar große Wettbewerbsgebiet befindet sich im Münchner Norden im 24. Stadtbezirk Feldmoching – Hasenbergl. Das Planungsgebiet wird im Norden und Osten begrenzt von der Rahein- und der Ratoldstraße, im Westen von der Bahnlinie München-Regensburg und im Süden reicht der Umgriff bis zur Lerchenstraße.

Anlass und Ziel des Wettbewerbs

Die überwiegenden Flächen im Wettbewerbsumgriff waren Teil des Bundeseisenbahn­vermögens und gingen nach Privatisierung der Bahn an die CA Immo (ehemals Vivico) über. Das Wettbewerbsgebiet umfasst Brachflächen, die durch die Lage am S- und U-Bahnhof sowie den Regionalbahnhof Feldmoching hervorragend erschlossen sind.

Diese Flächen entlang der Bahntrasse sind lange von einer Beplanung ausgenommen worden, da unter anderem die Schaffung einer neuen Staatsstraße 2342 geplant war. Mit der Überplanung des Verkehrsent­wicklung­skonzeptes 2014 für den Münchner Norden wurden diese Planungen aufgegeben.

Die CA Immo beabsichtigt nun zusammen mit der Landeshauptstadt München, ein attraktives neues Wohnquartier auf diesem Areal zu entwickeln. Ziel des Wettbewerbs war es, die städtebaulichen und freiraumplanerischen Voraussetzungen für ein attraktiv zu gestaltendes, lebenswertes Stadtquartier zu schaffen. Aufgrund der guten Lage am S- und U-Bahnhalt sollte ein verdichtetes Gebiet mit etwa 900 Wohneinheiten entstehen, das die städtebaulichen Herausforderungen des „Dorfes in der Stadt“, das auf Einfamilienhausstrukturen und auch Siedlungsstrukturen aus den 70er Jahren mit bis zu 16 Stockwerken trifft, bewältigt und qualitativ hochwertige Freiräume für die neue Bevölkerung bietet. Dies war insbesondere unter dem Aspekt der unmittelbar angrenzenden Bahnlinien und der damit verbundenen Immissionsbelastung des Areals eine der zentralen Herausforderungen.

Im Sinne einer Nutzungsmischung und kurzer Wege im Stadtquartier waren im Planungsgebiet neben Wohnflächen für verschiedene Nutzergruppen auch zukunftsträchtige Einzelhandelsflächen und Flächen für soziale Infrastruktureinrichtungen vorzusehen. Das neue Wohnquartier sollte eine hohe Identifikation mit Feldmoching und eine lebendige Nachbarschaft ermöglichen. Auch eine attraktive Durchwegung des Gebiets insbesondere zur Anbindung an den ÖPNV und die wichtigen Naherholungsgebiete im Münchner Norden sowie mit der umliegenden Nachbar­schaft ist hierzu von Bedeutung. Darüber hinaus sollte ein Angebot an unterschiedlichen Arten von Freiflächen ein angenehmes Wohnumfeld schaffen. Entlang der Bahnlinie war zur Vernetzung der wichtigen Magerstandorte im Münchner Norden ein nicht begehbarer, aber einsehbarer Biotopverbund zu integrieren.

Würdigung des Preisgerichts

„Aus der sensiblen Auseinandersetzung der Verfasser mit dem nicht eben einfachen Ort resultiert ein höchst differenziertes und identitätsstiftendes Gesamtkonzept. Es entstehen Orte mit besonderem Charakter, die in ein überzeugendes Gesamtkonzept eingebettet sind. Identität wird hier zum Programm. Ganz besonders hervorzuheben ist dabei, dass die Arbeit entspannt, ja beinahe lässig auf die Umgebung eingeht und dennoch ein Quartier mit besonderer Eigenart kreiert.

Ausgehend von der U- und S-Bahnstation Feldmoching, die mit dem hohen Gebäude und der anschließenden P+R-Anlage in ihrer Zentralität richtig betont wird, entsteht ein Platz, der sowohl für die neuen Bewohner als auch die alteingesessenen Feldmochinger einen besonderen Ort schafft. Gleichzeitig wird durch die Setzung des Hochpunktes in der Quartiersmitte die Signifikanz des Quartiers bahnseitig erlebbar. Der bauliche Akzent an der Feldmochinger Mobilitätsdrehscheibe wird in der Jury als Akzent an der richtigen Stelle begrüßt, die Höhe des Gebäudes wird allerdings kontrovers diskutiert. Eine Nutzung als Hotel oder gewerbliches Wohnen ist vorstellbar. Die Einzelhandelsflächen an der P+R-Anlage sind noch zu verifizieren.

Sehr gekonnt reagiert die Arbeit auf die vorhandenen Quartiere, indem gegenüber jeder Einmündung einer Straße ein kleiner Eingangsplatz entsteht, der das neue Quartier beiläufig, aber wirksam mit dem Bestand vernäht. Gleichzeitig werden weitere Plätze in einem wechselvollen Rhythmus entlang der Ratold- und Raheinstraße angeboten, sodass eine sehr angenehme Rhythmisierung der Straßenräume entsteht.

Der südliche Auftakt des neuen Quartiers weist bereits auf die kristalline Gesamtidee hin und zeigt, dass individuelle Einzelhäuser in einen städtebaulichen Zusammenhang eingebettet und harmonisch zu einem Ganzen zusammengefügt werden können. Die privaten Innenhöfe bieten vielfältige einmalige Raumsequenzen, die sich zu einem Kontinuum zusammenschließen, ohne die Idee einer individuellen Prägung der Quartiere und einer Adressbildung durch identifizierbare Einzelgebäude aufzugeben.

Grundsätzlich wird der durchgängige Radweg an der Westseite begrüßt, wenngleich in Teilabschnitten eine benutzerfreundlichere Führung erforderlich wäre.

Die Verfasser stellen einen durchwegs funktionsfähigen Biotopverbundkorridor dar: Geringfügige Unterschreitungen der verlangten Mindestbreite werden an anderen Stellen überkompensiert. Positiv gewürdigt wird die Geländemodellierung, die Biotop- und Erholungsflächen wirksam voneinander trennt und die Biotopfläche als Teil eines zusammenhängenden Grünraums erlebbar macht.

Die freien, teilweise sehr tiefen polygonalen Baukörper lassen hohe Anforderungen an effiziente Grundrisse erkennen. Der vorliegende Grundrissnachweis überzeugt noch nicht. Um sich die Möglichkeiten vorzustellen, die im souverän vorgetragenen städtebaulichen Ansatz liegen, muss die Jury daher ihre eigene Phantasie bemühen. Die Anzahl der Wohneinheiten liegt im unteren Bereich, eine moderate Erhöhung ggfs. einzelner „Polygone“ vorzugsweise an der Westseite ist denkbar.

Im weiteren Verfahren sollte die Dachlandschaft hinsichtlich gemeinschaftlich nutzbarer Dachterrassen untersucht werden.

Insgesamt kann mit dieser Arbeit das Versprechen an die alteingesessene Bevölkerung auf eine städtebauliche Ergänzung mit Augenmaß eingelöst werden. Der Lärmschutz funktioniert, eine Verschattung der angrenzenden Bebauung ist nicht zu befürchten. Attraktive Freiräume versprechen einen Mehrwert – für Neubürger Feldmochings wie für alteingesessene Nachbarn. Die Jury lobt einen kreativen Entwurf, der aufgrund eines außergewöhnlichen Raumkonzepts, aufgrund seines angemessenen städtebaulichen Maßstabs sowie seiner individuellen Bautypologien ein Alleinstellungsmerkmal im Münchner Baugeschehen erhalten könnte.“

Empfehlung des Preisgerichts

Das Preisgericht empfiehlt einstimmig, die Arbeit des Teams 03 Architekten mit ver.de Landschaftsarchitekten, die mit dem 1. Preis ausgezeichnet wurde, der weiteren Bearbeitung zu Grunde zu legen und die Verfasser auf der Grundlage ihres Wettbewerbsentwurfs mit weiteren Planungsleistungen zu beauftragen.

Die Anmerkungen aus den Beurteilungen sind der weiteren Bearbeitung zu Grunde zu legen, wobei vorausgesetzt wird, dass die in den schriftlichen Beurteilungen getroffenen Festlegungen, Bedenken und Anregungen jeweils im Einvernehmen mit der Ausloberin berücksichtigt werden.

Preisgerichtssitzung

12. Juli 2016

Wettbewerbsbetreuung

Dragomir Stadtplanung GmbH, München

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