Knorr-Bremse-Areal am Oberwiesenfeld

Im Bereich des ehemaligen Knorr-Bremse-Areals sollen auf zirka zehn Hektar gewerbliche Flächen neu strukturiert werden. Geplant ist ein durchmischtes Quartier.

Das Projekt

HochhausKnorr-Bremse
Opes Immobilien GmbH / Müller Reimann Architekten
An der Ecke Moosacher Straße/Am Oberwiesenfeld dient ein Hochhaus als Blickfang.

Das neue Quartier sieht sowohl Raum für Gewerbe- und Büronutzungen vor als auch Raum für bezahlbaren Mietwohnraum, soziale Infrastrukturen sowie eine vollstationäre Pflegeeinrichtung. Durch die Umstrukturierung können neue Freiflächen geschaffen werden und das heute stark versiegelte Gebiet aufgewertet werden.

Das denkmalgeschützte Gebäude der Knorr-Bremse-Hauptverwaltung soll in einen Park eingebettet und als identitätsstiftendes Bauwerk freigestellt werden. Südwestlich davon, an der Einmündung der Straße Am Oberwiesenfeld wird ein Hochhaus als Quartierseingang entstehen. Die Firma OPES Immobilien hat für das gesamte sogenannte „Südareal“ im Jahr 2016 einen Masterplan erstellt, der an die bereits realisierte Umstrukturierung westlich der Straße Am Oberwiesenfeld anknüpft.

Zwei Realisierungswettbewerbe

Auf der Grundlage des Masterplans wurden mittlerweile Realisierungswettbewerbe für den Bereich des Hochpunktes sowie für den Wohnungsbau durchgeführt. Beim Hochhaus soll der Entwurf des zweiten Preises (Müller Reimann Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin), für der Wohnungsbereich ebenfalls der Entwurf des zweiten Preises (ingenhoven architects GmbH, Düsseldorf, mit WKM Landschaftsarchitekten, Düsseldorf) umgesetzt werden. Link zur Pressemitteilung vom 16. Juni 2021

Die Frage, wie viele Meter das Hochhaus in den Himmel ragen darf, wird erst mit der weiteren Überarbeitung geklärt. Dabei wird auch das Ergebnis einer Untersuchung des südlich der Moosacher Straße liegenden Olympia-Geländes für die Bewerbung als UNESCO-Weltkulturerbe zu berücksichtigen sein.

Der Bereich zwischen Moosacher Straße und dem DB-Nordring westlich der Lerchenauer Straße und insbesondere der Standort der Knorr-Bremse wird schon seit einigen Jahren grundlegend umgestaltet. Westlich der Straße Am Oberwiesenfeld sind eine Berufsschule, mehrere Bürogebäude sowie Hotels entstanden (Bebauungsplan Nr. 1947). Dazu kommen Wohnhäuser mit diversen kleinen Geschäften zur Nahversorgung und soziale Einrichtungen (Hofwohnen, Bebauungsplan Nr. 2073).

Östlich der Straße Am Oberwiesenfeld konzentrieren sich im „Nordareal“ die Werksgebäude der Firma Knorr-Bremse im Technology Center Knorr-Bremse. Im östlichen Teil des „Südareals“ hat sich die BMW AG mit einer Ausstellungs- und Werkstattnutzung für historische Fahrzeuge der eigenen Marke (BMW Group Classic) angesiedelt.

Verfahrensstand

Für den Planungsbereich wurde am 24. Juli 2019 der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Nr. 2142 gefasst. Derzeit werden die planerischen Grundlagen abgestimmt, um die ersten Verfahrensschritte wie frühzeitige Beteiligung der Behörden und frühzeitige Unterrichtung der Öffentlichkeit vorbereiten zu können.

Chronologie

6/2021: Bekanntgabe Wettbewerbsergebnis Wohnbereich im Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung des Stadtrats.
6/2020: Preisgericht Wettbewerb Wohnbereich
7/2019: Aufstellungsbeschluss des Stadtrats für den Bebauungsplan Nr. 2142
4/2018: Preisgericht Wettbewerb Hochhaus
7/2016: Vorlage Masterplan in der Stadtgestaltungskommission

Details zum Wettbewerb

1. Preis

Hilmer Sattler Architekten Ahlers Albrecht Gesellschaft von Architekten mbH, München

Weitere Preise

2. Rang: Müller Reimann Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin

Ausloberin

OPES Grundstücksverwaltungs- und -verwertungs GmbH, in Abstimmung mit der Landeshauptstadt München.

Die Ausloberin hat sich für die Realisierung des 2. Preises (Müller Reimann) entschieden.

Lage

Der Umgriff des Wettbewerbs für ein Bürohochhaus liegt im 11. Stadtbezirk Milbertshofen-Am Hart auf dem heutigen Firmengelände der Knorr-Bremse AG an der Ecke Moosacher Straße / Am Oberwiesenfeld, wo sich deren Hauptsitz befindet. Das Hochhaus ist in unmittelbarer Nähe südwestlich zum denkmalgeschützten Verwaltungsgebäude im dort festgesetzten MK1 des bestehenden rechtsverbindlichen Bebauungsplans Nr. 1947 geplant.

Nördlich und östlich, auf dem heutigen Werksgelände der Knorr-Bremse AG, ermöglicht der Bebauungsplan zirka 20 sowie teils bis 24 Meter hohe Gebäude mit Gewerbe- und Kerngebietsnutzung. Im Nordareal befindet sich der Standort für das Technologie-Center. Westlich der Straße Am Oberwiesenfeld entsteht derzeit ein gemischt genutztes Quartier mit Büronutzung, Studentenwohnheim, Boardinghouse und Hotel, welches die bereits bestehenden Büro- und Dienstleistungsnutzungen entlang der Moosacher Straße und ein Wohnquartier (Olympia Wohn Park) im nördlichen Bereich ergänzt. Prägendes Element wird ein 21-geschossiges Hotelhochhaus sein.

Im Süden wird das Planungsgebiet durch die Moosacher Straße begrenzt, die zusammen mit dem Frankfurter Ring eine der wichtigsten Ost-West-Verbindungen im Münchner Norden bildet. Südlich der Moosacher Straße liegt das Olympische Dorf mit bis zu 46 Meter hohen Terrassenhäusern sowie das weitläufige Gelände der zentralen Hochschulsportanlage. Beide sind Bestandteile des denkmalgeschützten Ensembles „Olympiapark“.

Anlass und Ziel des Wettbewerbs

Das Areal der Knorr-Bremse AG erfährt derzeit eine umfassende städtebauliche Neuordnung. Diese Entwicklung spiegelt die zunehmende Verlagerung des Nutzungsschwerpunktes von industrieller Produktion zu hoch qualifizierten Arbeitsplätzen in den Bereichen Forschung, Entwicklung und Montage wieder.

Entsprechend soll im Nordteil das Technologie-Center Knorr-Bremse ausgebaut und vergrößert werden. Der Südteil soll dagegen freigeräumt und umstrukturiert werden. Der Bereich unmittelbar entlang der Moosacher Straße soll durch Kerngebietsnutzung weiter arrondiert werden. Deren ganz nördlicher Teil soll zugunsten einer Wohnbebauung mit südlich anschließendem zentralen Park umgeplant werden.

Eine Teilfläche im Südwesten mit dem denkmalgeschützten Hauptsitz der Knorr-Bremse AG bleibt im Firmengelände. Hier soll in unmittelbarer Nachbarschaft zum historischen Bau nun bereits in einem ersten Schritt ein neues, hohes Bürogebäude entstehen, das zusammen mit dem benachbarten Hotelhochhaus Moosacher Straße 82 den Auftakt zum neuen Quartier nördlich der Moosacher Straße bildet.

In einem Realisierungswettbewerb sollte eine Lösung für diese anspruchsvolle Bauaufgabe gefunden werden. Die gesamte zu realisierende Geschossfläche beträgt rund 15.000 Quadratmeter. Die Freiflächenplanung ist nicht Bestandteil der Auslobung.

Die Wettbewerbsteilnehmer sollten im Weiteren prüfen, ob auch ein Hochhaus mit größerer Höhenentwicklung im Kontext möglich wäre; dazu sollte in einer Variante in Form einer Modell- und Fassadenstudie gezeigt werden, wie das vorgeschlagene Gebäude mit einer größeren Höhenentwicklung aussehen könnte. Die Studie jedoch wird nicht in die Beurteilung des Wettbewerbsentwurfs einbezogen.

Würdigung des Preisgerichts (1. Preis)

„Die Arbeit wird aus dem städtebaulichen Kontext heraus schlüssig und nachvollziehbar entwickelt. Gesucht wird das Ensemble und der Dialog mit den Nachbarn, dem geplanten Hochhaus im Westen und dem Bestandsgebäude im Osten. Dank der Vielschichtigkeit und skulpturalen Komplexität des Baukörpers, der aus zwei ineinander verschränkten Volumen mit einem gemeinsamen Sockel besteht, gelingt es dem Entwurf, angemessen auf die unterschiedlichen städtebaulichen Bedingungen der verschiedenen Seiten zu reagieren.

Der vom Entwurfsverfasser formulierte Gedanke der ‚antimonolithischen’, also filigranen, plastisch gewebten Fassade wird vom Preisgericht kontrovers diskutiert. Ausdrücklich gelobt wird dabei der Ansatz, mit zwei Fassadenvariationen auf die unterschiedlichen Seiten zu reagieren. Dieser Ansatz unterstützt das städtebauliche Ziel des Ensembles. Ob es jedoch einer so elaborierten, komplexen Fassadentektonik bedarf, wird nicht nur hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit, sondern auch der Themenvielfalt kritisch gesehen.

Die Überschreitung des Baufensters Richtung Süden und Norden wird vom Preisgericht als Qualität gesehen, zumal gerade Richtung Süden das Volumen sich in Form einer öffentlichen Arkadenreihe dem Straßenraum öffnet. Das Erdgeschoss führt den Gedanken eines transparenten und durchlässigen Gebäudes fort. Begrüßt wird die Gleichwertigkeit der Öffnungen und Zugänglichkeiten in drei Himmelsrichtungen (im Süden zur Moosacher Straße, im Osten zum Platz und im Westen zur U-Bahn-Station). Das ist aus Sicht des Preisgerichtes die richtige Antwort auf diese prominente und polyvalente Ecklage. Zu begrüßen wäre, wenn die vom Verfasser vorgeschlagene Erdgeschossnutzung auch tatsächlich später umgesetzt werden würde.

Im Weiteren erlauben die Regelgrundrisse eine gute, effiziente und qualitätvolle Nutzung des Gebäudes. Eine Teilbarkeit in mehrere Mieteinheiten ist leicht und wirtschaftlich möglich. Dank des gewählten, aus zwei Volumen zusammengesetzten Gebäudetypus' mit einem Mittelkern im dunklen Überschneidungsbereich wird ein hoher Prozentsatz an Fensterarbeitsplätzen angeboten. Die ornamentalen Absturzsicherungen werden begrüßt, wenngleich gerade bei einem Hochhaus auf ausreichende Transparenz und Durchblick von innen nach außen zu achten ist. Bei einer eventuellen Überarbeitung sollte jedoch weiterhin besonderes Augenmerk darauf gelegt werden.“

Bewertung des Preisgerichts zur Variante mit größerer Höhe:

„Die Variante mit 78 Metern Gebäudehöhe zeigt einige positive Aspekte auf. So wirken die gestreckten Proportionen, insbesondere beim oberen Abschluss des Gebäudes, durchaus eleganter und überzeugender als bei der niedrigeren Variante. Das Volumen erscheint dadurch schlanker und für den Ort und das ganze in Entstehung begriffene Quartier angemessen. Es wird vom Preisgericht angeregt, die Begrenzung auf 78 Meter zu hinterfragen und auch größere Gebäudevolumen zu prüfen. Insbesondere auf die bedeutsame Wirkung auf den gegenüberliegenden Olympiapark wird dabei verwiesen.“

Würdigung des Preisgerichts (2. Preis; wird von der Ausloberin realisiert)

„Das vorgeschlagene Gebäude versteht sich als konturiertes Volumen, das aus einem nahezu quadratischen Perimeter erwächst. Dieser besetzt nur einen Teil des möglichen Bauraums. Aus dieser gleichmäßigen Grundrisskontur wird ein fünfgeschossiger Sockel entwickelt, der sich in seiner Höhe auf den Bestand des Baudenkmals Knorr Hauptverwaltung bezieht. An seiner NW und SO Ecke formt dieser Sockel zweigeschossige, von Kolonnaden gesäumte Eingangsbereiche aus. Über diesem Sockel ragt der durch zwei diagonal gegenüber eingeschriebene Kerbungen vertikal konturierte, neungeschossige Schaft.

Den oberen Abschluss des Volumens schafft ein als Laterne ausgeformtes überhohes Dachgeschoss, das nur eines der Teilvolumen ausfüllt. Die gewählten Proportionen der einzelnen Gebäudeteile im Volumen sind gut aufeinander abgestimmt. Das Maß der jeweiligen konturierenden Einschnitte ist angemessen. Die entstehende Grundrissform verspricht in den Regelgeschossen des Schaftes eine große Zone gut natürlich belichteter Arbeitsplätze.

Das Gebäude wird von Westen, aus Richtung der U-Bahn, über den Kolonnadenraum erschlossen. Ein weiterer Eingang findet sich im Südosten. Neben der gezeigten Eingangshalle findet sich eine ergänzende Cafeteria, die über einen weiteren Außenzugang erschlossen ist. Die Außenwirkung dieser Erdgeschosszone bedarf einer stärkeren Präsenz im Gesamtkonzept. Die Fassade kann mit ihrer ruhigen, subtil gesetzten Profilierung überzeugen. Die Ausbildung der Fensterelemente als geschuppte geschosshohe Rahmen bestimmt dabei die Erscheinung des Gebäudes. Fensterformate und die Wahl der technischen Mittel zur natürlichen Belüftung und des Sonnenschutzes überzeugen. Ob die zurückhaltende Einfachheit dieser Mittel bei der Bezugnahme zur Umgebung, besonders der Situation mit dem benachbarten Hotel gerecht wird, wird diskutiert.

Die Größen der gezeigten Einheiten und die gewählte Grundrisskonfiguration lassen eine flexible und wirtschaftliche Nutzung erwarten. Insgesamt stellt die Arbeit einen guten Betrag zur Weiterentwicklung des Stadtraums an der Moosacher Straße dar. Die gewählten gestalterischen Mittel sind gut und angemessen und versprechen eine klare und elegante Architektur."

Bewertung des Preisgerichts zur Variante mit größerer Höhe

"Die Variante des erhöhten Gebäudes stellen die Verfasser als eine konsequente, vertikale Skalierung des oben beschriebenen Gebäudes vor. Dabei erscheint das Verhältnis von Sockel, Schaft und Laterne in dieser 95 Meter hohen Version nicht optimal proportioniert. Hier wäre größere Schlankheit wünschenswert.“

Preisgerichtssitzung

17. April 2018

Koordination

bgsm Architekten Stadtplaner, München

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Bilder Wettbewerb Wohnbereich

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