Siedlung an der Haldenseestraße

Die städtische Wohnungsgesellschaft GWG möchte ihre Siedlung an der Haldenseestraße in Ramersdorf-Perlach maßvoll nachverdichten und modernisieren.

Das Projekt

Masterplan mit Umgriff
Zillerplus Architekten und Stadtplaner / GWG
Masterplan mit Umgriff

Die städtische Wohnungsgesellschaft GWG möchte ihre Siedlung an der Haldenseestraße in Ramersdorf-Perlach maßvoll nachverdichten und modernisieren: Die Mietshäuser aus den 1950er Jahren sollen schrittweise abgebrochen und durch zeitgemäße Neubauten ersetzt werden. Laut Aufstellungsbeschluss sollen dort etwa 700 familienfreundliche Wohnungen entstehen.

Ein städtebaulicher und landschaftsplanerischer Wettbewerb wurde ausgelobt. Im Februar 2016 hat eine Jury den Entwurf von zillerplus Architekten und Stadtplaner mit Lex Kerfers Landschaftsarchitekten zum Sieger gekürt.

Die GWG hat die zweigeschossigen Mietshäuser in den 1950er Jahren errichtet. Die 611 Wohnungen sind überwiegend für Ein- bis Zweipersonenhaushalte geplant. Sie sind nicht barrierefrei, haben kleinste Grundrisse (durchschnittlich 39 Quadratmeter Grundfläche, teils ohne Bad) und minimale Standards bei der Ausstattung. Aufgrund der mangelhaften Bausubstanz wurde bereits in den 1990er Jahren geprüft, ob die Siedlung saniert oder erneuert werden soll. Dabei zeigte sich, dass eine Sanierung wirtschaftlich nicht sinnvoll ist.

Ziele der Planung

Die GWG möchte in der Siedlung laut Aufstellungsbeschluss vom Juli 2015 zeitgemäße Häuser mit rund 700 Wohnungen errichten, die mit durchschnittlich 67 Quadratmetern Wohnfläche auch für Familien geeignet sind. Außerdem sind Läden, zwei Kindertageseinrichtungen, Arztpraxen, öffentliche Grünflächen und soziale Einrichtungen wie Wohngemeinschaften für Senioren, ein Teenie-Treff und ein Nachbarschaftstreff geplant. Statt derzeit etwa 700 soll die Siedlung laut Aufstellungsbeschluss künftig zirka 1.800 Einwohnerinnen und Einwohner haben, davon etwa 50 Prozent Kinder und Jugendliche. 60 Prozent der neuen Wohnungen sollen im geförderten Wohnungsbau entstehen (45 Prozent nach einkommensorientierter Förderung und 15 Prozent im München Modell Miete). Den jetzigen Mieterinnen und Mietern wird Ersatzwohnraum angeboten.

Stand der Planung

Am 8. Juli 2015 hat der Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung den Grundsatz- und Eckdatenbeschluss gefasst. Im Herbst 2015 wurde ein städtebaulicher und landschaftsplanerischer Wettbewerb als Grundlage für einen Bebauungsplan ausgelobt. Die Anregungen und Empfehlungen der Bürgerinnen und Bürger aus zwei Informationsveranstaltungen sind in die Auslobung eingeflossen. Nach Abschluss des Wettbewerbsverfahrens und der Überarbeitung wurde ein Masterplan erarbeitet, der in der Zeit vom 27. März bis 10. April 2017 im Rahmen der Bürgerbeteiligung öffentlich ausgelegt wurde. Am 3. Juli 2019 fasste der Stadtrat den Billigungs- , im Dezember 2019 den Satzungsbeschluss.

Im August 2017 startete die GWG mit der Straßenrandbebauung in der Bad-Schachener-Straße 44 - 46 (erster Bauabschnitt). Die Wohnungen, die keine Zentralheizung und teilweise auch kein Bad haben, weichen für 91 zeitgemäße Wohnungen. Der erste Bauabschnitt ist vorab nach § 34 Baugesetzbuch genehmigt worden, also vor der Satzung des Bebauungsplanes. Die Realisierung des gesamten Projektes erfolgt in sieben Bauteilen und soll voraussichtlich bis 2031 fertig gestellt sein.

Beteiligung der Öffentlichkeit

Die Bürgerinnen und Bürger wurden schon sehr früh in die Planung eingebunden: Am 2. Juni 2014 organisierte die GWG eine Veranstaltung, bei der der aktuelle Planungsstand erläutert und verschiedene Bebauungsvarianten (Testentwürfe) ergebnisoffen diskutiert wurden. Die Ergebnisse sind in den Grundsatz- und Eckdatenbeschluss eingeflossen. Nach Beschlussfassung fand eine weitere Informationsveranstaltung am 29. September 2015 statt, bei der die Bürgerinnen und Bürger über die Inhalte der Wettbewerbsauslobung informiert wurden. Die Ergebnisse des Wettbewerbs wurden am 21. Dezember bei einem Info-Abend präsentiert und mit den Bürgerinnen und Bürgern diskutiert. Am 27. März 2017 fand eine weitere Bürgerinformationsveranstaltung statt. Diese bildete den Auftakt der Öffentlichkeitsbeteiligung (§ 13a Absatz 3 Satz 1 Nr. 2 BauGB; 27. März bis 10. April 2017).

Chronologie

12/2019: Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan Nr. 2100
9/2019: Öffentliche Auslegung des Bebauungsplan-Entwurfs
7/2019: Billigungsbeschluss des Stadtrats
7/2017: Baubeginn 1. Bauabschnitt (Genehmigung nach § 34 BauGB)
3/2017 - 04/2017: 4. Informationsveranstaltung und Öffentlichkeitsbeteiligung
4/2016 - 05/2016: 2 Ausstellungen der überarbeiteten Wettbewerbsergebnisse
4/2016: Bekanntgabe des Wettbewerbsergebnisses im Stadtrat
2/2016: Preisgericht im städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerb
12/2015: 3. Informationsveranstaltung und Ausstellung der Preisgruppe im Wettbewerb
9/2015: 2. Informationsveranstaltung
7/2015: Eckdaten- und Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan mit Grünordnung Nr. 2100
6/2014: 1. Informationsveranstaltung

Details zum Wettbewerb

Städtebaulicher und landschaftsplanerischer Planungswettbewerb

1. Preis nach Überarbeitung

zillerplus Architekten und Stadtplaner, München, mit Lex Kerfers Landschaftsarchitekten, Bockhorn

Zur Überarbeitung aufgefordert

  • Steidle Architekten, München, mit lohrer.hochrein Landschaftsarchitekten, München
  • De la Ossa Architekten München, mit Grassinger Emrich Architekten, München, mit NRT Narr Rist Türk, Landschaftsarchitekten, Marzling

Ausloberin

GWG Städtische Wohnungsgesellschaft München mbH

Lage

Das Planungsgebiet liegt im Norden des 16. Stadtbezirks Ramersdorf-Perlach zwischen den U-Bahn-Haltestellen Innsbrucker Ring und Michaelibad und umfasst eine Fläche von etwa sieben Hektar.

Anlass und Ziel des Wettbewerbs

Die GWG Städtische Wohnungsgesellschaft München mbH plant den Abbruch und Neubau der in den 50er Jahren erbauten sanierungsbedürftigen Siedlung rund um die Haldenseestraße. Im Planungsgebiet sollen künftig etwa 700 Wohnungen sowie zwei Kindertageseinrichtungen, Läden, soziale Einrichtungen und öffentliche Grünflächen entstehen.

Mit der Planung soll ein eigenständiges Siedlungsgefüge mit eigener Identität unter Berücksichtigung der umgebenden baulichen Strukturen geschaffen werden. Um für diese wichtige Aufgabe eine qualitätvolle Entwicklung auf hohem städtebaulichen, architektonischen und freiraumplanerischen Niveau zu gewährleisten, wurde durch die GWG in enger Abstimmung mit der Landeshauptstadt München ein städtebaulicher und landschaftsplanerischer Planungswettbewerb ausgelobt.

Das Wettbewerbsverfahren wurde im Dezember 2015 mit der Wahl einer Preisgruppe aus drei Arbeiten abgeschlossen. Im Februar 2016 hat eine Jury die Überarbeitung der Arbeiten beurteilt und einen Siegerentwurf gekürt.

Würdigung der Jury (Auszug)

„Die städtebauliche Idee des Entwurfs wird von den Verfassern gleichsam naturgesetzlich aus der Geschichte des Ortes und dem Gebäudebestand abgeleitet.

Das Quartier gliedert sich in große Bögen, die dem Fußabdruck der bestehenden Siedlung folgen. Die im Raumprogramm vorgegebene Erhöhung der städtebaulichen Dichte wird vorrangig durch tiefere Gebäudekörper erreicht – eine durchaus plausible Weiterentwicklung der Siedlung. Mit der Zonierung des Baugebiets nach dem klassischen Prinzip „Straße - Wohnung - Hof“ gelingt es, die Siedlungstypologie mit dem Bildungsgesetz klassischer europäischer Stadtquartiere zu verbinden.

Nicht die allseitig vom Freiraum umspülte Zeile soll den Ort zukünftig prägen, sondern Gebäudereihen, die einen gekrümmten spannungsvollen Straßenraum begleiten.

Ein stadträumlich überzeugendes Konzept: Jeder Wohnung wird eine Adresse am gut proportionierten öffentlichen Raum zuteil, jede Wohnung partizipiert an einem großzügigen und durchgrünten Innenhof. So einfach sich der Quartiersgrundriss darstellt, so tragfähig dürfte er sich im langfristig angelegten Realisierungsprozess beweisen.

Die Entscheidung der Verfasser, die Tiefgaragen konsequent unter den Gebäuden und den ohnehin versiegelten Straßen anzuordnen, erlaubt es, eine große Zahl von Bestandsbäumen zu erhalten.

Die klare städtebauliche Ordnung wird durch eine Folge öffentlicher Grünflächen aufgebrochen, die eine Freiraumverbindung von der Krumbadstraße bis zur U-Bahn-Haltestelle Michaelibad herstellen soll.

Die Entscheidung der Verfasser für geneigte Dächer ist prinzipiell zu begrüßen, trägt sie doch zur Stärkung des Ortsbezugs bei. Mit der baulichen Umsetzung hadert die Jury jedoch: Kritisiert werden die breiten Giebel an der Bad-Schachener-Straße insbesondere im Zusammenhang mit den hier angeordneten Treppenräumen und Tiefgaragenrampen, der unmotivierte Wechsel der Dachformen beidseits der bestehenden Kindertagesstätte und im Übergang zum Hochpunkt an der Ecke Bad-Schachener-Straße / Hechtseestraße und die weiterhin unentschieden wirkende Behandlung dieser städtebaulich prägnanten Ecksituation. Hier erscheint das Potential des Entwurfsansatzes bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Auch die Gestaltung der Gebäude- und Dachecken an der Hechtseestraße kann nicht befriedigen.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Anlehnung des Konzepts am historischen Siedlungsgrundriss erhebliches Potential für den Umbau der Siedlung bereithält. Der Nachweis, dass die geneigten Dächer auf hochwertigem architektonischen Niveau mit dem Siedlungsgrundriss harmonieren, ist hingegen noch nicht erbracht.“

Empfehlung der Jury (Auszug)

„Die Jury empfahl, den Siegerentwurf zur Grundlage des weiteren Verfahrens zu machen.

Der ausgewählte Beitrag wird dem Bebauungsplan für das Quartier Haldenseestraße zugrunde gelegt. Zur Klärung der noch offenen architektonischen Themen werden zur Qualitätssicherung und parallel zum Bebauungsplanverfahren Gestaltleitlinien erarbeitet, denen eine differenzierte Untersuchung der Themen Dachneigung und Dachnutzung, Anteil von giebel- und traufständigen Häusern, Verbindung zwischen den Gebäudeflügeln zugrunde gelegt wird. Insbesondere für die Bebauung entlang der Bad-Schachener-Straße und an der städtebaulich bedeutenden Ecksituation Bad-Schachener-Straße / Hechtseestraße ist eine Ausdifferenzierung der städtebaulichen Lösung sowie der Architektur notwendig.“

Preisgerichtssitzung

26. Februar 2016

Koordination

bgsm Architekten Stadtplaner, München

Ansichten des Siegerentwurfs

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  • Referat für Stadtplanung und Bauordnung

    Stadtplanung - Planungsgruppe Bezirk Ost (Stadtbezirk 13 und 16)

    Blumenstraße 28b

    089-23322035

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