Alte Akademie

Die Alte Akademie in der Neuhauser Straße wird umgebaut. Das Bebauungsplanverfahren ist abgeschlossen.

Das Projekt

Alte Akademie: Perspektive
Morger Partner Architekten, Maurus Schifferli
Alte Akademie: Perspektive

Die Alte Akademie in der Neuhauser Straße ist historisch und baukulturell eines der bedeutsamsten Gebäude in der Innenstadt. Nach Verkauf des Grundstücks hat die neue Eigentümerin einen Realisierungswettbewerb ausgelobt. Der nun anstehende Umbau erfolgt nach der Überarbeitung der prämierten Wettbewerbsarbeit.

Historie

Das ehemalige Jesuitenkolleg bildet eines der ersten und großartigsten Beispiele klösterlicher Monumentalarchitektur der Renaissance. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Gebäude nach Aufgabe der kirchlichen Nutzung für unterschiedliche wissenschaftliche Zwecke genutzt. Die gesamte Anlage steht nach dem Wiederaufbau und der Beseitigung erheblicher Kriegsschäden heute unter Denkmal- und Ensembleschutz. Der kriegszerstörte Westflügel (Neuhauser Straße 10) wurde von 1953 bis 55 nach dem Entwurf von Professor Josef Wiedemann (1910-2001) für das Textilkaufhaus Hettlage völlig neu errichtet und ist repräsentativ für die städtebauliche und architekturgeschichtliche Wiederaufbautätigkeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

Wettbewerb

Der Freistaat Bayern hat als Eigentümerin die Eigentums- und Nutzungsrechte neu geregelt: Das Grundstück an der Neuhauser Straße wurde 2013 nach einem mehrstufigen Bieterverfahren im Erbbaurecht der München Alte Akademie Immobilien GmbH & Co. KG, einem Unternehmen der SIGNA-Gruppe, auf 65 Jahre zur Nutzung überlassen. Die Firma SIGNA hat 2015 als Bauherrin nach Abstimmung mit der Landeshauptstadt München einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb ausgelobt. Das Preisgericht empfahl im April 2016 mit großer Mehrheit, die Verfasser des ersten Preises - das Baseler Büro Morger Partner Architekten und den Berner Landschaftsarchitekten Maurus Schifferli - mit den Planungsleistungen zu beauftragen und im Zuge des weiteren Planungsprozesses das Ergebnis des Wettbewerbs zu überarbeiten.

Ziele

Die Bauherrin beabsichtigt einen behutsamen Umbau der Gebäudeteile. Künftig soll es in dem historischen Gebäudekomplex in der Fußgängerzone eine Mischung aus Einzelhandel, Gastronomie und Wohnen geben. Damit einher gehen aber auch Veränderungen im Gebäude-Inneren, Anpassungen am Gebäude-Äußeren und der Rückbau der bestehenden Arkaden an der Neuhauser- und Kapellenstraße. Diese sollen mit dem Denkmalschutz abgestimmt werden.

Verfahrensstand

Der Stadtrat hat am 15. Mai 2019 den Bebauungsplanentwurf Nr. 1975a gebilligt. Damit wurden die Planungsziele des Stadtrats bezüglich der Zukunft der Arkaden in Planungsrecht umgesetzt. Der Bebauungsplanentwurf ordnet die Arkadenflächen neu und reduziert die Flächen für den öffentlichen Raum.

Im Rahmen der frühzeitigen Unterrichtung der Öffentlichkeit gemäß § 3 Absatz 1 Baugesetzbuch (BauGB) fand am 11. Juli 2018 eine öffentliche Erörterungsveranstaltung statt. Es gingen zahlreiche Äußerungen ein, die geprüft und gewichtet wurden.

Ebenso wurde das Beteiligungsverfahren der Behörden und Träger öffentlicher Belange durchgeführt. Hierbei gingen Stellungnahmen ein, die in das laufende Verfahren einbezogen und geprüft wurden.

Das Ergebnis der Abwägung der privaten und öffentlichen Belange ist Bestandteil des Beschlusses und wurde im Juni / Juli 2019 mit dem Entwurf des Bebauungsplans und der Begründung nebst Satzungsentwurf für die Dauer eines Monats öffentlich ausgelegt (Beteiligungsverfahren gemäß § 3 Absatz 2 BauGB).

Nach der „förmlichen Auslegung“ wurden die fristgemäß eingegangenen Stellungnahmen geprüft und dem Stadtrat mit einem neuen Vorschlag für eine Abwägungsentscheidung vorgelegt. Diesem Vorschlag lag das Angebot der Bauherrin zu Grunde, Teile der Arkaden mit dem Umbau wieder neu zu errichten. Die Sicherung sollte über einen städtebaulichen Vertrag erfolgen. Das Angebot resultiert aus den vielfältigen Stellungnahmen und Einwänden gegen die ursprünglichen Absichten, die Arkaden nicht mehr zu erhalten.

Das Angebot hat der Stadtrat in seiner Beschlussbehandlung am 19. Februar 2020 zustimmend angenommen. Der Bebauungsplan Nr. 1975a wurde gesatzt.

Chronologie

2/2020Satzung des Bebauungsplans Nr. 1975a
5/2019: Billigung des Bebauungsplan-Entwurfes
7 – 08/2018: Frühzeitige Unterrichtung der Öffentlichkeit mit Erörterung
2/2018: Bekanntgabe des Wettbewerbsergebnisses und Auftrag an die Verwaltung, unter Maßgabe des Stadtratsbeschlusses das Bebauungsplanverfahren fortzusetzen
11/2015 – 04/2016: Durchführung des Realisierungswettbewerbs
11/2015: Stadtratsbeschluss zu den Rahmenbedingungen für die Auslobung des Wettbewerbs
12/2005: Stadtratsbeschluss zur Aufstellung des Bebauungsplans mit Grünordnung Nr. 1975

Details zum Wettbewerb

Beschränkter Realisierungswettbewerb

1. Preis

Morger Partner Architekten, Basel, mit Maurus Schifferli Landschaftsarchitekten, Bern

Weitere Preise

2. Preis: Christ & Gantenbein Architekten, Basel, mit Müller Illien Landschaftsarchitekten, Zürich

3. Preis: Caruso St. John Architects, London, mit Vogt Landscape, London

Ausloberin

München Alte Akademie Immobilien GmbH & Co. KG

Lage

Das Wettbewerbsgrundstück liegt im 1. Stadtbezirk Altstadt-Lehel direkt an der Fußgängerzone in der Neuhauser Straße zwischen Karlsplatz (Stachus) und Marienplatz. Es umfasst das Flurstück Nr. 162 (Neuhauser Straße 8 und 10) und ist 6.055 Quadratmeter groß.

Anlass und Ziel des Wettbewerbs

Die München Alte Akademie Immobilien GmbH & Co. KG, ein Unternehmen der Signa-Gruppe, hat vom Freistaat Bayern das Erbbaurecht an einem Teil der so genannten Alten Akademie in der Münchner Innenstadt erworben. Das Geviert, zu dem auch die Kirche St. Michael gehört, stellt einen der historisch, stadträumlich und architektonisch bedeutsamsten Gebäudekomplexe in den Grenzen der Altstadt dar. Ursprünglich Jesuitenkolleg, später in Teilen Akademie der Bildenden Künste, danach – und bis heute - Herberge verschiedenster kirchlicher, staatlicher und privater Nutzungen, soll der wechselhaften Geschichte des Ortes nun ein neues, zukunftsweisendes Kapitel hinzugefügt werden.

Sämtliche Bestandsgebäude stehen unter Denkmalschutz. Bis vor kurzem waren hier das Bayerische Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung und das Textilkaufhaus Hettlage untergebracht. Nach dem Auszug der Behörde aus den ihr zu eng gewordenen Räumen und dem Auslaufen des Mietvertrages für das Textilkaufhaus wurde die Immobilie durch den Freistaat im Erbbaurecht veräußert.

Mit der künftigen Nutzung des Grundstücks soll eine neue Mischung aus Einzelhandels- und gastronomischen Nutzungen, aus Büros und innerstädtischem Wohnen in die Alte Akademie integriert werden. Der Schmuckhof, bislang eine rein intern genutzte Fläche, soll der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Das Vorhaben stellt auf viele Jahre hinaus eine der bedeutendsten Baumaßnahmen in der Münchner Innenstadt dar. Es soll dem Geviert der Alten Akademie in seinem denkmalgeschützten Bestand Rechnung tragen und es zugleich angemessen und qualitätsvoll weiterentwickeln.

Grundlage für den Wettbewerb waren der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan mit Grünordnung Nr. 1975 der Landeshauptstadt München aus dem Jahre 2005 und die dort enthaltenen städtebaulichen Zielvorstellungen für die Entwicklung des Planungsbereiches, die darauf aufbauenden umfangreichen Voruntersuchungen sowie der Beschluss des Ausschusses für Stadtplanung und Bauordnung vom 11. November 2015 mit der Konkretisierung der städtebaulichen Rahmenbedingungen.

Würdigung des Preisgerichts (Auszug)

„Die Verfasser verstehen sich nicht als Autoren, sondern als Interpreten des Gebäudeensembles – und es gelingt ihnen. Minimale Eingriffe oder Adaptionen reichen aus, um den Geist der unterschiedlichen Historie der Gebäude hervorzuheben. So wird das ehemalige Hettlage-Gebäude unter denkmalgerechtem Erhalt der Fassade rückgebaut und weiterentwickelt. Fassade und Arkade repräsentieren mit neuer Nutzung die Vergangenheit des Wiedemann-Gebäudes. Zitate aus der Architektursprache der Zeit unterstreichen die Feinfühligkeit der „neuen“ Architektur. Das Kopfgebäude der Alten Akademie – derzeit als Arkade ausgebildet – erhält eine Verkaufsnutzung und seine historische Fassade einschließlich des östlichen Mittelportals.

Dieses steht nun wieder in direktem visuellen Bezug zur Neuhauser Straße. Der Schmuckhof wird durch einen großzügigen Durchgang über die bestehende Eingangshalle attraktiv erschlossen. Bodenbelag und Decken werden hierbei erhalten.

Mit der neuen Arkade im Schmuckhof als Zitat der Architektursprache der 50er-Jahre wird dieser reizvoll ergänzt und die notwendige Abschirmung zu den darüber liegenden Wohnungen geschaffen.

Der denkmalgeschützte Hofbelag bleibt erhalten. Die Gastronomienutzung im Erdgeschoss des Schmuckhof-Flügels wird für die Attraktivierung und Belebung des nun öffentlich- genutzten Hofes positiv gesehen.

Leider weist der Entwurf eine Reihe funktionaler Defizite auf. Die vielen und sehr großen Erschließungskerne mit angegliederten Nebenflächen wirken sich ungünstig auf die Flächeneffizienz aus. Die Verkaufsfläche im Bauteil Hettlage wird durch ein Treppenhaus zerschnitten, in der Retailfläche im Kopfbau werden Rolltreppen vermisst.

Die vorgeschlagene Geschosshöhe im ersten Obergeschoss erscheint zu gering. Das Wohnungsangebot im Schmuckhof kann nicht überzeugen, insbesondere hinsichtlich der Erschließung und Belichtung.

Insgesamt jedoch stellt der Beitrag einen wertvollen Lösungsansatz zur gestellten Aufgabe dar, der insbesondere durch die differenzierte Betrachtung der unterschiedlichen Epochen der einzelnen Gebäudeteile und deren architektonische Weiterentwicklung auch in denkmalfachlicher Sicht besonders überzeugen kann.“

Empfehlung des Preisgerichts

„Das Preisgericht empfiehlt mit großer Mehrheit, die Verfasser des ersten Preises mit den ausgelobten Planungsleistungen zu beauftragen. Dabei sollen die im Beurteilungstext enthaltenen Hinweise beachtet werden.

Der weitere Planungsprozess soll in Abstimmung mit dem Stadtrat und der Verwaltung Folgendes beinhalten:

Die Arkade an der Kapellenstraße ist zu prüfen.

Die konkrete Reduzierung der Tiefe der Arkadenzone im Hettlagebau zur Neuhauser Straße ist zu prüfen mit der Maßgabe, eine funktional ausreichende Durchwegung sicherzustellen.

Die Beibehaltung der Torbögen an der Ostseite des Kopfbaus soll geprüft werden."

Preisgerichtssitzung

22. April 2016

Koordination

bgsm Architekten Stadtplaner, München

Ansichten des Siegerentwurfs

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  • Referat für Stadtplanung und Bauordnung

    Stadtplanung - Planungsgruppe Bezirk Mitte (Stadtbezirk 1, 2 und 5)

    Blumenstraße 28b

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