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Umgang mit Hochhäusern im Stadtgebiet

Wie soll mit Hochhäusern im Stadtgebiet umgegangen werden? Eine neue Studie soll Antworten geben. 2020/21 fand ein Dialog dazu statt.

Die Hochhausstudie: Erklärfilm

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Fortschreibung der Hochhausstudie

Wie soll mit Hochhäusern im Münchner Stadtgebiet umgegangen werden? Um darauf eine Antwort zu geben, wurden bislang zwei Hochhausstudien erarbeitet – 1977 und 1995. Aktuell wird an einer Fortschreibung der Studien gearbeitet.

Grundlage der Neuauflage bildet das Gutachten des Münchner Büros 03 Architekten, das dem Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung am 5. Februar 2020 vorgestellt wurde. Die Empfehlungen und Vorschläge aus diesem Entwurf der Hochhausstudie wurden  in einem Informations- und Beteiligungsprozess mit der Bürgerschaft und Fachleuten diskutiert.

Hintergrund

Viele der in der Studie von 1995 vorgeschlagenen Standorte wurden inzwischen realisiert und die Rahmenbedingungen für Hochhausprojekte haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Immer weniger bebaubare Flächen, steigende Einwohnerzahlen, neue Nutzungskonzepte, neue Möglichkeiten in der Bautechnik und die aktuellen wirtschaftlichen Voraussetzungen für Projektentwicklungen machten eine Weiterentwicklung der Hochhausstudie nötig. Am 7. März 2018 hat der Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung den Auftrag dafür gegeben.

Ziele

Die Fortschreibung der Studie soll dazu beitragen, die Position der Landeshauptstadt München im Umgang mit Hochhäusern vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen zu klären und für Hochhausprojekte aktuelle Beurteilungsgrundlagen zu erhalten. Dabei sollte nicht nur überprüft werden, ob und wo es Bereiche gibt, die für eine gezielte Weiterentwicklung mit Hochhäusern besonders geeignet sind, sondern auch, welche Bereiche von Hochhausentwicklungen freigehalten werden sollen.

Inhalt

Der Entwurf der neuen Hochhausstudie steht in der Kontinuität der „Münchner Linie“, das heißt für einen Ausgleich zwischen dem Bewahren des traditionellen Stadtbildes und der Förderung von zeitgemäßem Bauen an geeigneten Standorten. Die Studie entwickelt eine neue Methodik zur Beurteilung von Hochhausprojekten, indem sie Möglichkeitsräume aufzeigt und die Planung von Hochhäusern mit konkreten Anforderungen und Qualitätskriterien verknüpft. Der vorliegende Entwurf definiert keine exakt positionierten Standorte für Hochpunkte und kann nicht als vorweggenommene Machbarkeitsstudie für Einzelprojekte verstanden werden.

Bausteine

Der sogenannte Zonenplan trifft für das gesamte Stadtgebiet Aussagen dazu, wo sich bauliche Überhöhungen in unterschiedlichen Höhenkategorien umsetzen ließen. Der Plan wird flankiert durch eine ausdifferenzierte Zusammenstellung von Kriterien, die sich an Akteure aus Verwaltung und Planung richten und zur Sicherung der architektonischen und stadträumlichen Qualitäten Münchens beitragen sollen. Die gestalterischen Kriterien betreffen zum Beispiel den Bezug zum Maßstab der Umgebung oder zum öffentlichen Raum. Zudem wurden programmatische und technische Anforderungen formuliert, etwa zu öffentlicher Zugänglichkeit, Nutzungsmischung und nachhaltiger Bauweise. Für die Umsetzung für Hochhausprojekte wird ein klar strukturierter Planungsprozess vorgeschlagen, in dem definiert wird, in welchem Planungsschritt welche Anforderungen zu erfüllen sind.

Kernaussagen

Die Verfasser der Studie messen dem bestehenden Stadtbild einen hohen Wert zu und sehen für weite Teile den Erhalt und die Stärkung der Traufe oder nur eine moderate Akzentuierung vor. Dennoch werden Hochhäuser als selbstverständlicher Bestandteil der Stadt betrachtet. Tatsächlich hat München schon einen großen Bestand an hohen Häusern - allein in der Kategorie über 40 Meter sind es über 200. Aus Sicht der Gutachter sind Hochhäuser ein wichtiges städtebauliches Gestaltungsmittel und am richtigen Standort und unter Beachtung der formulierten Qualitätsanforderungen ein Gewinn für das Stadtbild. Die Studie arbeitet nicht mit einer grundsätzlichen Höhenbegrenzung für Hochhäuser auf 100 Meter, sondern schlägt einen differenzierten Ansatz mit unterschiedlichen Höhenkategorien vor, um Denk- und Gestaltungsspielräume nicht grundsätzlich einzuschränken. Die Verfasser der Studie sehen nur für wenige Bereiche Zonen für stadtbildprägende Hochhäuser mit einer Höhe von über 80 Metern für geeignet, etwa entlang der Bahngleise zwischen Hauptbahnhof und Pasing, im Gewerbeband entlang dem DB-Nordring sowie in den Gewerbegebieten am östlichen Stadteingang.

Zum Thema Wohnungsbau führen die Verfasser aus, dass das Hochhaus in der Regel mit höheren technischen Baukosten verbunden ist. Daher werden Potenziale für den preisgünstigen Wohnungsbau, nur mit moderater Höhenentwicklung gesehen. Der große Bedarf an kostengünstigen Wohnraum wird nicht zu einem entscheidenden Anteil durch Wohnhochhäuser gelöst werden.

Erarbeitungsprozess

Das Büro 03 Architekten hat den Entwurf der Hochhausstudie als fachliches Gutachten zur Fortschreibung erstellt. Nach einer Behandlung in der Kommission für Stadtgestaltung im November 2019 und der Kenntnisnahme durch den Stadtrat im Februar 2020 wurde das Referat für Stadtplanung und Bauordnung beauftragt einen Beteiligungs und Diskussionsprozess mit Veranstaltungen für die Öffentlichkeit, zur Beteiligung der Bezirksausschüsse und zur Einbindung von Verbänden, Fachleuten bzw. -gremien durchzuführen. Erst auf dieser Basis wird der Stadtrat entscheiden, wie mit den Ergebnissen der neuen Hochhausstudie umgegangen wird.

Dialog zur Hochhausstudie

Luftbild Schwabinger Tor
Gina Bolle

2020 und 2021 fanden vier digitale Veranstaltungen statt, bei denen das Thema Hochhaus aus unterschiedlichen Perspektiven und von unterschiedlichen Gästen beleuchtet wurde. Die Veranstaltungen wurden aufgezeichnet und können hier noch einmal angesehen werden.

Außerdem gab es eine Ausstellung im PlanTreff und weitere Formate: Bei BDAtalk, dem Debattenmagazin des Bundes Deutscher Architekten, konnten Interessierte zur Frage "Neue Hochhäuser für München?" Stellung nehmen. Die Hochhausstudie wurde in allen Bezirksausschüssen vorgestellt und diskutiert.

Ausblick

Alle Anregungen werden gegenwärtig ausgewertet und fließen in die Beschlussvorlage ein, die im Frühjahr 2022 in den Stadtrat eingebracht werden soll.

Digitale Gesprächsreihe

5. Oktober 2021

Zur Aufzeichnung der Veranstaltung

Im vierten Teil der Diskussionsreihe wurden die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit Hochhausprojekten beleuchtet. Wie nachhaltig kann die Bauform Hochhaus in Zeiten von Klimaschutz und Klimawandel sein? Wie sieht ein nachhaltiges und klimaneutrales Hochhaus heute und zukünftig aus? Welche Anforderungen müssen an Hochhausprojekte gestellt werden? Diese und weitere Fragen wurden beantwortet. Gäste: Jörg Finkbeiner (Partner und Partner Architekten, Berlin), Jan Knikker (MVRDV, Rotterdam), Prof. Thomas Auer (Lehrstuhl für Gebäudetechnologie und klimagerechtes Bauen, TU München)

19. Januar 2021

Zur Aufzeichnung der Veranstaltung
Mit dieser Veranstaltung wurde die Gesprächsreihe abgeschlossen, die Funktionen und Qualitäten von Hochhäusern standen im Mittelpunkt. Was macht ein gutes Hochhaus aus? Wie müssen Hochhäuser gestaltet sein, damit sie einen Mehrwert für die Stadtgesellschaft bieten? Das diskutierten Matthias Sauerbruch, Sauerbruch Hutton Berlin, Aika Schluchtmann, Aika Schluchtmann Architekten und Stadtplaner München, Prof. Ludwig Wappner, Allmann Sattler Wappner München, und Eike Becker, Eike Becker_Architekten Berlin.

15. Dezember 2020
Zur Aufzeichnung der Veranstaltung

Wie ist die öffentliche Wahrnehmung? Wie werden Hochhäuser in der Stadtgesellschaft gesehen? Welche architektonische Bedeutung wird Hochhäusern beigemessen? Und welche Aspekte spielen aus soziologischer Sicht eine Rolle? Das diskutierten Prof. Dr. Christine Hannemann, Universität Stuttgart, Claudia Meixner, Meixner Schlüter Wendt, und Benedict Esche, Kollektiv A.

10. Dezember 2020
Zur Aufzeichnung der Veranstaltung

Am ersten Abend richtete sich der Blick über die Stadtgrenzen hinaus: Welche Konzepte gibt es für die städtebauliche Planung von Hochhäusern in anderen Städten? Worin liegen Herausforderungen und Chancen für eine nachhaltige Stadtentwicklung? Diese Gäste stellten Hochhauskonzepte im Schnellformat vor: Tobias Vogel, Stadtplanungsamt Frankfurt am Main, Anina Böhme, Senat für Stadtentwicklung und Wohnen Berlin, Dr. Bernhard Steger, Magistrat der Stadt Wien, Frank Argast, Amt für Städtebau Zürich, und Torsten Brune, Referat für Stadtplanung und Bauordnung München.

Die Hochhausstudien von 1977 und 1995

Für München sind bisher zwei Hochhausstudien erarbeitet worden - 1977 und 1995. Sie definieren den Umgang mit dieser besonderen Bauform im Stadtgebiet im Sinne einer „Münchner Linie“.

Unter "Münchner Linie" ist zu verstehen, dass schützenswerte Bereiche in ihrem Charakter erhalten und frei von Hochhäusern bleiben. Gleichzeitig erlauben die Studien eine Weiterentwicklung der Stadt durch den Vorschlag geeigneter Standorte für den Bau höherer Gebäude.

Untersuchung Hochhausstandorte (Detlef Schreiber, 1977)

Die Studie weist als Ergebnis "Schutz- und Untersuchungsbereiche" aus. Schutzbereiche sind zum Beispiel die Altstadt, Dorfkerne, Hangkanten, der Übergang zu bestimmten Grünflächen und ganz allgemein Siedlungen oder Gebiete mit besonderem Charakter, in denen höhere Gebäude eine starke Veränderung der gewachsenen Baustruktur bedeuten würden. In den Untersuchungsbereichen ist eine höhere Bebauung nur nach einer genauen Prüfung zulässig.

Hochhäuser im Rahmen der Strukturverdichtung (Professor Ferdinand Stracke) und Fortschreibung der Hochhausstudie (Detlef Schreiber, 1995)

Die Ergebnisse der ersten Untersuchung wurden 1995 konkretisiert und um aktuelle Aspekte ergänzt. Die neue Hochhausstudie besteht aus zwei sich ergänzenden Teilen:

Der erste Teil der Studie von Professor Ferdinand Stracke versteht Hochhäuser als eine Möglichkeit, städtische Bereiche flächensparend zu verdichten. In der Ergebniskarte gibt es zwei Arten von Flächen: Die einen als mögliche Standorte für Hochhäuser, die anderen als potenzielle Flächen für eine generelle Verdichtung über eine kompakte, dichtere Bebauung, die das Profil der Umgebung nicht beziehungsweise nur geringfügig überschreitet.

Der zweite Teil der Studie von Detlef Schreiber ergänzt die Strukturverdichtung um ein Höhenentwicklungskonzept für die Gesamtstadt unter stadtgestalterischen Gesichtspunkten. Neben vereinzelten Hochhäusern als Quartiers- oder Stadtzeichen wird für einige Stadtbereiche eine straßenbegleitende Anhebung der Traufhöhe vorgeschlagen. Die unterschiedlichen Stadträume erhalten so eine eigene Qualität, eine klare Gliederung und neue Sichtbeziehungen untereinander. Die Studie wurde am 9. April 1997 vom Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung als Grundlage zur Beurteilung von städtebaulichen Planungen und Einzelplanungen empfohlen.

Münchens Hochhäuser im internationalen Vergleich

↓ Höhe in m (gerundet) // Gebäude // Stadt I Stadtbezirk // Jahr der Fertigstellung

291m // Olympiaturm // Milbertshofen-Am Hart // 1968
_____
259m // Commerzbank Tower // Frankfurt am Main // 1997
_____
220m // DC Towers // Wien // 2014
_____
210m // Tour Montparnasse // Paris // 1973
_____
185m // EZB Turm // Frankfurt am Main // 2014
_____
180m // 30 St Mary Axe („The Gherkin“) // London // 2004
_____
178m // Roche-Turm // Basel // 2015
_____
146m // o2-Tower („Uptown München“) // Moosach //  2004
_____
134m // Uni-Center // Köln // 1973
_____
126m // Highlight Tower 1 // Schwabing-Freimann // 2004
_____
125m // Park Inn by Radisson // Alexanderplatz Berlin // 1970
_____
114m // Hypo-Hochhaus („HVB-Tower“) // Bogenhausen // 1981
_____
113m // Highlight Tower 2 // Schwabing-Freimann // 2004
_____
101m // BMW-Hochhaus // Milbertshofen-Am Hart // 1972
_____
100m // Hochhaus Süddeutscher Verlag // Bogenhausen // 2007
_____
99m // Frauenkirche // Altstadt-Lehel // 1488
_____
92m // ADAC-Zentrale // Sendling-Westpark // 2011
_____
88m // Olympia Tower Milbertshofen-Am Hart // 1972
_____
87m // Seniorenwohnen am Westpark // Laim // 1972
_____
86m // Werk 4 // Berg am Laim // 2020
_____
85m // Münchner Tor // Schwabing-Freimann // 2003
_____
85m // Central Tower München // Schwanthalerhöhe // 2003
_____
84m // THE m.pire („Skyline Tower“) // Schwabing-Freimann // 2010
_____
84m // Sky Tower (Bavaria Towers) // Bogenhausen // 2018
_____
83m // Riesstraße 82 // Moosach // 1972
_____
76m // Helene-Mayer-Ring 10 // Milbertshofen-Am Hart // 1972
_____
75m // Siemens-Hochhaus // Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln // 1963
_____
75m // Arabellahaus // Bogenhausen // 1969
_____
72m // Blue Tower (Bavaria Towers) // Bogenhausen // 2018
_____
70m // MO82 // Milbertshofen-Am Hart // 2018
_____
68m // BR-Hauptfunkhaus // Maxvorstadt // 1976
_____
68m // Mercedes-Benz-Hochhaus // Neuhausen-Nymphenburg // 2003
_____
65m // The Westin Grand München (ehem. Sheraton) // Bogenhausen // 1971
_____
65m // Fraunhofer-Haus // Sendling-Westpark // 2003
_____
65m // Highrise One // Berg am Laim // 2017
_____
64m // DEBA-Hochhaus // Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln // 1969
_____
63m // Technisches Rathaus // Berg am Laim // 2000
_____
61m // BayWa-Sternhaus // Bogenhausen // 1969
_____
60m // Universitätsklinikum // Hadern // 1977
_____
60m // Hanns-Seidel-Haus // Schwabing-Freimann // 1973
_____
58m // Pharao-Haus // Bogenhausen // 1974
_____
57m // Rümannstraße 61 // Schwabing-West // 1967
_____
54m // The Seven // Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt // 2014
_____
54m // White Tower (Bavaria Towers) // Bogenhausen // 2018
_____
53m // Wohnhochhaus an der Johann-Fichte-Straße 11 // Schwabing-Freimann // 1971
_____
53m // Friends // Neuhausen-Nymphenburg // 2017
_____
51m // Sternhochhäuser // Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln // 1954
_____
50m // Südseite // Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln // 2013
_____
50m // Berufsgenossenschaft Holz und Metall // Pasing-Obermenzing // 1999
_____
50m // Ten Towers // Berg am Laim // 2005
_____
50m // S10 am Schwabinger Tor // Schwabing-Freimann // 2017
_____
46m // Star Tower (Bavaria Towers) // Bogenhausen // 2018
_____
46m // Orpheus und Eurydike // Schwabing-Freimann // 1973
_____
46m // Altes Technisches Rathaus // Altstadt-Lehel // 1929
_____
43m // Park Plaza / Steidle-Hochhaus // Schwanthalerhöhe // 2002
_____
40m // Sparkassenhochhaus // Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln // 1962

  • Referat für Stadtplanung und Bauordnung

    Abt. 4 Räumliche Entwicklungsplanung, Flächennutzungsplanung

    Blumenstraße 31

    +49 89 233-22583

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