Umgang mit Hochhäusern im Stadtgebiet

Nach einem umfangreichen Diskussions- und Beteiligungsprozess entscheidet der Stadtrat 2023 über die Anwendung der neuen Hochhausstudie.

Fortschreibung der Hochhausstudie

Wie soll mit Hochhäusern im Stadtgebiet umgegangen werden? Eine neue Studie soll Antworten geben. Bislang gab es zwei Hochhausstudien von  1977 und 1995, die sich dem Umgang mit Hochhäusern in München widmen. Aktuell wird eine Fortschreibung der Studien zum Abschluss gebracht.

Die Fortschreibung der Studie soll dazu beitragen, die Position der Landeshauptstadt München im Umgang mit Hochhäusern vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen zu klären und für Hochhausprojekte aktuelle Beurteilungsgrundlagen zu erhalten. Grundlage der Neuauflage bildet das Gutachten des Münchner Büros 03 Architekten, das dem Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung am 5. Februar 2020 vorgestellt wurde. Die Empfehlungen und Vorschläge aus diesem Entwurf der Hochhausstudie wurden in den letzten beiden Jahren mit der Bürgerschaft und Fachleuten diskutiert und weiterentwickelt. Der Austausch war konstruktiv und brachte hilfreiche Hinweise, welche Bestandteile der Studie noch besser erklärt oder auch inhaltlich ergänzt werden sollen. Häufig genannte Themen waren diese:

  • Der „Mehrwert“ von Hochhausprojekten als zentrales Anliegen: Was kann ein Hochhaus für das Quartier und die Stadtgesellschaft leisten?
  • Wie können die Qualitätsanforderungen im Planungsprozess gesichert werden?
  • Hochhäuser werden teils als Bereicherung, als neue Orientierungs- und Identifikationspunkte wahrgenommen. Veränderungen von bestimmten Blickbeziehungen in der Stadtsilhouette werden häufig kritisch bewertet – wie bringt man beides in Einklang?
  • Wie können Hochhäuser nachhaltig sein?

In Auseinandersetzung mit diesen Themen erfolgte 2021/22 die Überarbeitung des Entwurfs der Hochhausstudie. Dabei wurden bestimmte Themen vertieft oder ergänzend untersucht.

Nach der Anhörung der Bezirksausschüsse wird der endgültige Entwurf der Studie dem Stadtrat als Beschluss zur Entscheidung über die Anwendung im Planungsverfahren vorgelegt.

Vorschau auf wesentliche Inhalte:

  • Grundverständnis: die Hochhausstudie ist ein informelles Planungsinstrument, das Planer*innen und Investor*innen als Orientierungsmaterial dient. Es lässt sich kein Baurecht daraus ableiten, die Entscheidung über Projekte erfolgt durch den Stadtrat im Rahmen von Bauleitplanverfahren.
  • Haltung zu Hochhäusern - lautet kurzgefasst: „Hochhäuser ja - aber nicht um jeden Preis“. Das heißt Hochhausprojekte sind in München nur an geeigneten Standorten und unter Erfüllung hoher gestalterischer, ökologischer und gesellschaftlicher Qualität (Mehrwert) möglich.
  • Die Studie besteht aus mehreren Bausteinen:
    • Grundlagenkarten - als analytische Materialsammlung
    • Räumlicher Leitplan - zur ersten Einordnung in den gesamtstädtischen Kontext
    • Qualitätskriterien - Anforderungen an zukünftige Hochhausvorhaben
    • Planungsprozess - konkret durchzuführende Schritte im Planungsverfahren

Auch die neuen Hochhausstudie steht in der Kontinuität der „Münchner Linie“, das heißt für einen Ausgleich zwischen dem Bewahren des traditionellen Stadtbildes und der Förderung von zeitgemäßem Bauen an geeigneten Standorten. Die Studie entwickelt eine neue Methodik zur Beurteilung von Hochhausprojekten, indem sie Möglichkeitsräume aufzeigt und die Planung von Hochhäusern mit konkreten Anforderungen und Qualitätskriterien verknüpft.

Ein Räumlicher Leitplan trifft für das gesamte Stadtgebiet Aussagen dazu, wo sich bauliche Überhöhungen in unterschiedlichen Höhenstufen umsetzen ließen. Die Verfasser der Studie messen dem bestehenden Stadtbild einen hohen Wert zu und sehen für weite Teile den Erhalt und die Stärkung der Traufe oder nur eine moderate Akzentuierung vor. Dennoch werden Hochhäuser als selbstverständlicher Bestandteil der Stadt betrachtet. Der räumliche Leitplan definiert keine exakt positionierten Standorte für Hochpunkte und kann nicht als vorweggenommene Machbarkeitsstudie für Einzelprojekte verstanden werden.

Der Plan wird flankiert durch einen Katalog von Qualitätskriterien. Sie bilden die „Messlatte“ für die besonderen Anforderungen an Hochhausplanungen und den Mehrwert, den ein Hochhausprojekt für die Stadt und ihre Bewohner*innen leisten muss. Dabei werden Vorgaben zur städtebaulichen Begründung, architektonischen Ausformulierung, dem gesellschaftlichen Mehrwert sowie der nachhaltigen und klimagerechten Umsetzung von Hochhausprojekten gemacht.

Für die Planung und Umsetzung von Hochhausprojekten wird ein klar strukturierter Planungsprozess vorgeschlagen, in dem definiert wird, in welchem Planungsschritt welche Nachweise und Anforderungen zu erfüllen sind.

Dialog zur Hochhausstudie

Luftbild Schwabinger Tor
Gina Bolle

Alle Bezirksausschüsse, die Fachöffentlichkeit und Fachgremien, wie auch die allgemeine Öffentlichkeit wurden im Dialog 2020/2021 mit unterschiedlichen Formaten angesprochen. In der öffentlichen Gesprächsreihe „Hoch hinaus?“ wurde  das Thema Hochhaus in vier digitalen Veranstaltungen aus unterschiedlichen Perspektiven und von unterschiedlichen Gästen beleuchtet. Die Veranstaltungen wurden aufgezeichnet und können hier noch einmal angesehen werden.

Digitale Gesprächsreihe

5. Oktober 2021

Zur Aufzeichnung der Veranstaltung

Im vierten Teil der Diskussionsreihe wurden die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit Hochhausprojekten beleuchtet. Wie nachhaltig kann die Bauform Hochhaus in Zeiten von Klimaschutz und Klimawandel sein? Wie sieht ein nachhaltiges und klimaneutrales Hochhaus heute und zukünftig aus? Welche Anforderungen müssen an Hochhausprojekte gestellt werden? Diese und weitere Fragen wurden beantwortet. Gäste: Jörg Finkbeiner (Partner und Partner Architekten, Berlin), Jan Knikker (MVRDV, Rotterdam), Prof. Thomas Auer (Lehrstuhl für Gebäudetechnologie und klimagerechtes Bauen, TU München)

19. Januar 2021

Zur Aufzeichnung der Veranstaltung
Mit dieser Veranstaltung wurde die Gesprächsreihe abgeschlossen, die Funktionen und Qualitäten von Hochhäusern standen im Mittelpunkt. Was macht ein gutes Hochhaus aus? Wie müssen Hochhäuser gestaltet sein, damit sie einen Mehrwert für die Stadtgesellschaft bieten? Das diskutierten Matthias Sauerbruch, Sauerbruch Hutton Berlin, Aika Schluchtmann, Aika Schluchtmann Architekten und Stadtplaner München, Prof. Ludwig Wappner, Allmann Sattler Wappner München, und Eike Becker, Eike Becker_Architekten Berlin.

15. Dezember 2020
Zur Aufzeichnung der Veranstaltung

Wie ist die öffentliche Wahrnehmung? Wie werden Hochhäuser in der Stadtgesellschaft gesehen? Welche architektonische Bedeutung wird Hochhäusern beigemessen? Und welche Aspekte spielen aus soziologischer Sicht eine Rolle? Das diskutierten Prof. Dr. Christine Hannemann, Universität Stuttgart, Claudia Meixner, Meixner Schlüter Wendt, und Benedict Esche, Kollektiv A.

10. Dezember 2020
Zur Aufzeichnung der Veranstaltung

Am ersten Abend richtete sich der Blick über die Stadtgrenzen hinaus: Welche Konzepte gibt es für die städtebauliche Planung von Hochhäusern in anderen Städten? Worin liegen Herausforderungen und Chancen für eine nachhaltige Stadtentwicklung? Diese Gäste stellten Hochhauskonzepte im Schnellformat vor: Tobias Vogel, Stadtplanungsamt Frankfurt am Main, Anina Böhme, Senat für Stadtentwicklung und Wohnen Berlin, Dr. Bernhard Steger, Magistrat der Stadt Wien, Frank Argast, Amt für Städtebau Zürich, und Torsten Brune, Referat für Stadtplanung und Bauordnung München.

Die Hochhausstudien von 1977 und 1995

Für München sind bisher zwei Hochhausstudien erarbeitet worden - 1977 und 1995. Sie definieren den Umgang mit dieser besonderen Bauform im Stadtgebiet im Sinne einer „Münchner Linie“.

Unter "Münchner Linie" ist zu verstehen, dass schützenswerte Bereiche in ihrem Charakter erhalten und frei von Hochhäusern bleiben. Gleichzeitig erlauben die Studien eine Weiterentwicklung der Stadt durch den Vorschlag geeigneter Standorte für den Bau höherer Gebäude.

Untersuchung Hochhausstandorte (Detlef Schreiber, 1977)

Die Studie weist als Ergebnis "Schutz- und Untersuchungsbereiche" aus. Schutzbereiche sind zum Beispiel die Altstadt, Dorfkerne, Hangkanten, der Übergang zu bestimmten Grünflächen und ganz allgemein Siedlungen oder Gebiete mit besonderem Charakter, in denen höhere Gebäude eine starke Veränderung der gewachsenen Baustruktur bedeuten würden. In den Untersuchungsbereichen ist eine höhere Bebauung nur nach einer genauen Prüfung zulässig.

Hochhäuser im Rahmen der Strukturverdichtung (Professor Ferdinand Stracke) und Fortschreibung der Hochhausstudie (Detlef Schreiber, 1995)

Die Ergebnisse der ersten Untersuchung wurden 1995 konkretisiert und um aktuelle Aspekte ergänzt. Die neue Hochhausstudie besteht aus zwei sich ergänzenden Teilen:

Der erste Teil der Studie von Professor Ferdinand Stracke versteht Hochhäuser als eine Möglichkeit, städtische Bereiche flächensparend zu verdichten. In der Ergebniskarte gibt es zwei Arten von Flächen: Die einen als mögliche Standorte für Hochhäuser, die anderen als potenzielle Flächen für eine generelle Verdichtung über eine kompakte, dichtere Bebauung, die das Profil der Umgebung nicht beziehungsweise nur geringfügig überschreitet.

Der zweite Teil der Studie von Detlef Schreiber ergänzt die Strukturverdichtung um ein Höhenentwicklungskonzept für die Gesamtstadt unter stadtgestalterischen Gesichtspunkten. Neben vereinzelten Hochhäusern als Quartiers- oder Stadtzeichen wird für einige Stadtbereiche eine straßenbegleitende Anhebung der Traufhöhe vorgeschlagen. Die unterschiedlichen Stadträume erhalten so eine eigene Qualität, eine klare Gliederung und neue Sichtbeziehungen untereinander. Die Studie wurde am 9. April 1997 vom Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung als Grundlage zur Beurteilung von städtebaulichen Planungen und Einzelplanungen empfohlen.

Münchens Hochhäuser im internationalen Vergleich

↓ Höhe in m (gerundet) // Gebäude // Stadt I Stadtbezirk // Jahr der Fertigstellung

291m // Olympiaturm // Milbertshofen-Am Hart // 1968
_____
259m // Commerzbank Tower // Frankfurt am Main // 1997
_____
220m // DC Towers // Wien // 2014
_____
210m // Tour Montparnasse // Paris // 1973
_____
185m // EZB Turm // Frankfurt am Main // 2014
_____
180m // 30 St Mary Axe („The Gherkin“) // London // 2004
_____
178m // Roche-Turm // Basel // 2015
_____
146m // o2-Tower („Uptown München“) // Moosach //  2004
_____
134m // Uni-Center // Köln // 1973
_____
126m // Highlight Tower 1 // Schwabing-Freimann // 2004
_____
125m // Park Inn by Radisson // Alexanderplatz Berlin // 1970
_____
114m // Hypo-Hochhaus („HVB-Tower“) // Bogenhausen // 1981
_____
113m // Highlight Tower 2 // Schwabing-Freimann // 2004
_____
101m // BMW-Hochhaus // Milbertshofen-Am Hart // 1972
_____
100m // Hochhaus Süddeutscher Verlag // Bogenhausen // 2007
_____
99m // Frauenkirche // Altstadt-Lehel // 1488
_____
92m // ADAC-Zentrale // Sendling-Westpark // 2011
_____
88m // Olympia Tower Milbertshofen-Am Hart // 1972
_____
87m // Seniorenwohnen am Westpark // Laim // 1972
_____
86m // Werk 4 // Berg am Laim // 2020
_____
85m // Münchner Tor // Schwabing-Freimann // 2003
_____
85m // Central Tower München // Schwanthalerhöhe // 2003
_____
84m // THE m.pire („Skyline Tower“) // Schwabing-Freimann // 2010
_____
84m // Sky Tower (Bavaria Towers) // Bogenhausen // 2018
_____
83m // Riesstraße 82 // Moosach // 1972
_____
76m // Helene-Mayer-Ring 10 // Milbertshofen-Am Hart // 1972
_____
75m // Siemens-Hochhaus // Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln // 1963
_____
75m // Arabellahaus // Bogenhausen // 1969
_____
72m // Blue Tower (Bavaria Towers) // Bogenhausen // 2018
_____
70m // MO82 // Milbertshofen-Am Hart // 2018
_____
68m // BR-Hauptfunkhaus // Maxvorstadt // 1976
_____
68m // Mercedes-Benz-Hochhaus // Neuhausen-Nymphenburg // 2003
_____
65m // The Westin Grand München (ehem. Sheraton) // Bogenhausen // 1971
_____
65m // Fraunhofer-Haus // Sendling-Westpark // 2003
_____
65m // Highrise One // Berg am Laim // 2017
_____
64m // DEBA-Hochhaus // Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln // 1969
_____
63m // Technisches Rathaus // Berg am Laim // 2000
_____
61m // BayWa-Sternhaus // Bogenhausen // 1969
_____
60m // Universitätsklinikum // Hadern // 1977
_____
60m // Hanns-Seidel-Haus // Schwabing-Freimann // 1973
_____
58m // Pharao-Haus // Bogenhausen // 1974
_____
57m // Rümannstraße 61 // Schwabing-West // 1967
_____
54m // The Seven // Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt // 2014
_____
54m // White Tower (Bavaria Towers) // Bogenhausen // 2018
_____
53m // Wohnhochhaus an der Johann-Fichte-Straße 11 // Schwabing-Freimann // 1971
_____
53m // Friends // Neuhausen-Nymphenburg // 2017
_____
51m // Sternhochhäuser // Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln // 1954
_____
50m // Südseite // Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln // 2013
_____
50m // Berufsgenossenschaft Holz und Metall // Pasing-Obermenzing // 1999
_____
50m // Ten Towers // Berg am Laim // 2005
_____
50m // S10 am Schwabinger Tor // Schwabing-Freimann // 2017
_____
46m // Star Tower (Bavaria Towers) // Bogenhausen // 2018
_____
46m // Orpheus und Eurydike // Schwabing-Freimann // 1973
_____
46m // Altes Technisches Rathaus // Altstadt-Lehel // 1929
_____
43m // Park Plaza / Steidle-Hochhaus // Schwanthalerhöhe // 2002
_____
40m // Sparkassenhochhaus // Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln // 1962

  • Referat für Stadtplanung und Bauordnung

    Abt. 4 Räumliche Entwicklungsplanung, Flächennutzungsplanung

    Blumenstraße 31

    +49 89 233-22583

Ähnliche Artikel

This is a carousel with rotating cards. Use the previous and next buttons to navigate, and Enter to activate cards.

Nachhaltige Stadtentwicklung

Analysen, Konzepte und Projekte für ein klimaneutrales München

Perspektive München

Das Stadtentwicklungskonzept setzt den Handlungsrahmen für die Zukunft der Stadt.

Innenstadtkonzept

Die Fortschreibung startet am 27. Oktober mit einer digitalen Auftaktveranstaltung und einer dreiwöchigen Online-Beteiligung.

Studie zur Freiraumnutzung

Wie und von wem werden Münchens Parks, Plätze und Straßen genutzt?