Unterstützung für Geflüchtete aus der Ukraine – www.muenchen.de/ukraine

Übersetzungspreis

Ein Preis für Übersetzungsleistungen in den Bereichen Belletristik und Essayistik, aber auch im Bereich Sachbuch mit literarischer Qualität.

Informationen zum Preis

Der mit 10.000 Euro dotierte Übersetzungspreis der Landeshauptstadt München wurde im Jahr 2000 erstmals verliehen und ist – analog dem Literatur– und Publizistikpreis – die Auszeichnung für ein Gesamtwerk. Gewürdigt werden die hohe Qualität der Arbeiten und die besonderen Verdienste einer Münchner Übersetzer*in ⁄ eines Münchner Übersetzers für die Vermittlung fremdsprachiger Literatur. Der Preis berücksichtigt primär Übersetzungsleistungen in den Bereichen Belletristik und Essayistik, aber auch im Bereich Sachbuch mit literarischer Qualität.

Vergabekriterien

Vorausgesetzt wird, dass die Preisträger*innen in München beziehungsweise in der Region München leben. Die Person wird von einer vom Stadtrat berufenen Fachjury vorgeschlagen. Die Entscheidung liegt beim Kulturausschuss der Stadt München. Eigenbewerbung ist nicht möglich.

Den Übersetzungspreis erhielten

Jurybegründung

Agnes Relle stammt aus einer ungarischen Familie, die 1956 nach Deutschland floh, dort wurde sie 1959 geboren. Bevor sie sich 1992 als freiberufliche Übersetzerin selbstständig machte, hat sie Deutsch an der ELTE und am Goethe-Institut Budapest unterrichtet. Nach der Wende wurde sie zu einer der zentralen Vermittlerinnen ungarischer Literatur in Deutschland. Exemplarisch dafür können zwei Bände der Literaturzeitschrift die horen stehen, die sie herausgegeben hat: „Bestiarium Hungariae“ erschien 1999 anlässlich des Gastlandauftrittes Ungarns auf der Frankfurter Buchmesse; 17 Jahre später folgte „Von der unendlichen Ironie des Seins. Ungarische Ungereimtheiten“. Im Vorwort zu dieser herausragenden Anthologie ungarischer Gegenwartsliteratur zeichnet sie 2016 ein differenziertes Bild von der politischen Situation im Ungarn Viktor Orbáns, den großen Unterschieden zwischen Stadt und Land und der longue durée des Grabens zwischen Nationalisten und Liberalen, der auch ein Graben zwischen West- und Osteuropa ist. Nicht zuletzt zeigt sie, dass wir auf diese klugen und hellsichtigen Intellektuellen und Autor*innen aus Ungarn nicht verzichten können, um Europa heute zu verstehen.

Die besondere Musikalität ihrer Übersetzungen beweist sich in ihrer Hellhörigkeit für die unterschiedlichen Schwingungen der beiden Sprachen. Etwas von dem Schweben des Ungarischen bringt sie auch in die deutsche Sprache hinüber – die mal einfachen, mal gestaffelten, sich zunehmend verdichtenden, sodann klangvoll ausschwingenden Satzgebilde in Imre Kertész‘ Roman „Fiasko“ sind dafür ein Beispiel. Geradezu akrobatische sprachliche und intellektuelle Gelenkigkeit beweist sie mit ihrer Übersetzung des hochreflektierten, die Unerzählbarkeit des Holocaust umkreisenden Romans „Die schattige Hauptstraße“ von László Márton, während sie in den absichtsvoll unartistischen, am Mündlichen orientierten Erzählungen und Prosaskizzen von Zsuzsa Selyem und Noémi Kiss zu einem nüchternen, spöttischen, manchmal fast aggressiven Ton findet. Bei den Novellen und Romanen von László Darvasi, Gergely Péterfy und Attila Bartis kam ihr der untrügliche Sinn für die Bildkraft und die rhythmische Prägnanz dieser ausgefeilten, dunklen Prosa zugute.

Der Münchner Übersetzungspreis 2021 ehrt ein engagiertes Lebenswerk. Er ehrt eine vielseitige, engagierte Übersetzerin, die uns unverwechselbare Stimmen großer Autorinnen und Autoren auf Deutsch zugeführt hat und die sich unermüdlich für die Kenntnis neuer Werke und Entwicklungen einsetzt. Der Übersetzungspreis für Agnes Relle ist ein europäischer Preis.


Mitglieder der Jury

Der Jury für die Vergabe des „Übersetzungspreises 2021“ gehörten unter der Leitung von Herrn Kulturreferent Anton Biebl gemäß Stadtratsbeschluss an:

Frau Claudia Amthor-Croft (Goethe-Institut), Frau Dr. Katrin Lange (Literaturhaus), Herr Prof. Dr. Tobias Döring (LMU), Herr Dirk van Gunsteren (Übersetzer), Herr Dr. Holger Pils (Lyrik Kabinett), Frau Dr. Katrin Sorko (Blessing Verlag)

sowie aus dem Stadtrat

Frau Mona Fuchs, Fraktion Die Grünen-Rosa Liste, Herr Thomas Niederbühl, Fraktion Die Grünen-Rosa Liste, Herr Matthias Stadler, Fraktion der CSU, Herr Klaus Peter Rupp, Fraktion SPD/Volt, Frau Sonja Haider, Fraktion ÖDP/FW

  • 2018
    Dirk van Gunsteren
  • 2015
    Melanie Walz
  • 2012
    Dagmar Ploetz
  • 2009
    Rudolf Hermstein
  • 2006
    Burkhart Kroeber
  • 2003
    Rosemarie Tietze
  • 2000
    Herbert Schlüter

Ähnliche Artikel

This is a carousel with rotating cards. Use the previous and next buttons to navigate, and Enter to activate cards.

Arbeitsstipendien im Bereich Literatur

Für literarische Projekte von etablierten Münchner Autor*innen.

Literaturstipendien

Die Literaturstipendien für den literarischen Nachwuchs werden alle zwei Jahre vergeben.

Förderpreis für junge Dramatik

In Kooperation mit den Münchner Kammerspielen, die die Werke auch zur Uraufführung bringen.

Förderung interkultureller Projekte

Förderung von interkulturellen Projekten Müncher Kunstschaffende*r