Arbeitsstipendien für Münchner Autor*innen

Für literarische Projekte von etablierten Münchner Autor*innen.

Für literarische Projekte

Die Landeshauptstadt München vergibt alljährlich zwei mit je 8.000 Euro dotierte Arbeitsstipendien für Münchner Autor*innen, die sich mit ihrem Werk bereits literarisch ausgewiesen haben und im Literaturbetrieb in Erscheinung getreten sind: durch Veröffentlichungen in Verlagen, Lesungen, Auszeichnungen oder Rezensionen. In erster Linie werden Prosaprojekte aller Genres (Romane, Erzählungen, Romanbiografien, literarische Essays) berücksichtigt, es werden aber auch anspruchsvolle Lyrikprojekte in die Auswahl einbezogen.

Eigenbewerbung ist erforderlich.
Eine gleichzeitige Bewerbung für das Arbeitsstipendium und das Literaturstipendium der Stadt München (für Nachwuchsautorinnen und -autoren) ist nicht möglich.
Eine vom Stadtrat berufene Jury übernimmt die Auswahl aus den eingesandten Bewerbungen; die Entscheidung obliegt dem Stadtrat.

Bewerbungen sind bis zum 24. März 2022 möglich.

Das Arbeitsstipendium für Münchner Autor*innen erhielten

Jurybegründungen

Barbara Yelin für ihr Graphic Novel-Projekt „Aber ich lebe“

Barbara Yelin zeichnet Geschichten mit Bildern. In ihrem Graphic Novel-Projekt „Aber ich lebe“ über Emmie Arbel, einer 1937 in Den Haag geborenen Jüdin, die im Alter von sechs bis acht Jahren drei Konzentrationslager überlebte, lehrt sie uns das genaue Hinschauen: Teile der Dialoge, die Barbara Yelin in Interviews mit Emmie Arbel geführt hat, verwebt sie mit Emmies innerem Monolog. Gegenwart und Vergangenheit prallen immer wieder aufeinander, einzelne Erzähl- und Bildstränge verdichten sich zu einem simultanen Beziehungsgeflecht. Die Künstlerin kennt ebenso die Momente, wo es schwierig ist hinzusehen, wo die realen Schrecken der Shoah Emmies Psyche überformen, oder wo deren Erinnerung vom Alter schon getrübt ist. „Ich erinnere mich nicht“, lässt sie sie sagen, wenn es um die Aufnahme eines Fotos aus früher Kindheit geht. „Das ist, woran ich mich erinnere“, steht dagegen, sobald Emmie schildert, wie es war zu sterben, als der Tod zu ihr in die Krankenstation des Lagers kam. Barbara Yelin demonstriert tiefsinnig und filigran die Stärken und Schwächen Emmies, aber auch deren erschütterndes Vermächtnis an die Nachwelt. Den Titel „Aber ich lebe“ ihrer literarisch-zeichnerischen Biografie stellt sie dabei kongenial in den Mittelpunkt. Das Graphic Novel-Projekt wurde 2019 von der University of Victoria, Canada, initiiert zur Erzählung von biografischen Graphic Novels auf Basis mündlicher Zeugnisse von heute noch lebenden Holocaust-Überlebenden.

Die 1977 in München geborene Autorin und Zeichnerin für Comics und Graphic Novels lebt und arbeitet in München und veröffentlicht seit 2004 Bücher, die in zahlreiche Sprachen übersetzt worden sind. Yelin kuratiert und moderiert seit 2018 das Format „ComicBar“ für die Stadtbibliothek München. 2021 erhielt sie den Ernst-Hoferichter-Preis.

P. Czoik, 26.09.21


Fridolin Schley für seinen Roman „Amok“

2003 erscheint in Polen der Roman „Amok“. Darin erzählt Krystian Bala von einem hedonistischen Intellektuellen, der scheinbar grundlos eine Freundin umbringt und nie gefasst wird. Zwei Jahre später wird der Autor angeklagt: Der unaufgeklärte Mord an einem Geschäftsmann im Jahr 2000 Tat weist Parallelen zu Balas fiktionalem Plot auf. Das Gericht verurteilt ihn anhand von Indizien zu 25 Jahren Haft.

Was wie der Klappentext eines Kriminalromans klingt, ist tatsächlich passiert – und bildet für Fridolin Schley das „Rahmengerüst für eine verspielte Buch-im-Buch-Konstruktion, die die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verweht“.  

Sein Ich-Erzähler Felix reist von München nach Breslau, um Witold Jaglo (eine von Bala inspirierte Figur) im Gefängnis zu interviewen. Dass Felix die Forschungsarbeit eines verstorbenen Freundes fertigstellen möchte, erweist sich als Vorwand. Hier geht es um eine Reise zu sich selbst, um die Flucht aus der eigenen Beziehung, ja einem ganzen Leben.

Angelegt auf etwa 500 Seiten, ist „Der nördliche König“ Schleys bislang umfangreichstes literarisches Projekt – und auch Form und Sprache sind ambitioniert. So poetisch wie feinsinnig führt er atmosphärisch dicht in teils ausschweifend langen Sätzen tief hinein in ein „Buch der Unruhe“, in dem Welt, Literatur und Träume auf zwei Erzählebenen verschmelzen.

Der gebürtige Münchner (Jahrgang 1976) studierte an der Hochschule für Fernsehen und Film sowie Germanistik, Philosophie und Politik an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Freien Universität Berlin und wurde 2012 mit einer Arbeit über W. G. Sebald promoviert. Für sein literarisches Werk wurde Schley mehrfach ausgezeichnet; 2007 erhielt er für den Erzählband „Wildes schönes Tier“ den Tukan-Preis.
 

Mitglieder der Jury

Knut Cordsen (Bayerischer Rundfunk), Dr. Peter Czoik (BSB / Literaturportal Bayern), Inge Kindermann (Büchergalerie Westend), Christiane Pfau (Pfau PR), Tina Rausch (Lektorin, Journalistin)und Martina Scherf (Süddeutsche Zeitung) sowie die Stadträtinnen und Stadträte Marion Lüttig (Die Grünen-Rosa Liste), Thomas Niederbühl (Die Grünen-Rosa Liste), Beatrix Burkhardt (CSU) und Kathrin Abele (SPD/Volt).

  • 2021
    Barbara Yelin, Fridolin Schley
  • 2020
    Björn Bicker, Sandra Hoffmann
  • 2019
    Andrea Heuser, Norbert Niemann
  • 2018
    Eva Gesine Baur / Lea Singer, Lena Gorelik
  • 2017
    Christoph Poschenrieder, Susanne Röckel
  • 2016
    Kilian Leypold, Franz Maria Sonner
  • 2015
    Fabienne Pakleppa, Sylvia Kabus

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