Tukanpreis

Eine Auszeichnung für eine sprachlich, formal und inhaltlich herausragende literarische Neuerscheinung.

Über den Preis

Der Tukan-Preis, dotiert mit 8.000 Euro, ist eine Auszeichnung für die sprachlich, formal und inhaltlich herausragende literarische Neuerscheinung eine*r Münchner Autor*in, unter Berücksichtigung der Qualität der bisherigen künstlerischen Arbeit der Autor*in. Der Preis wird jährlich verliehen. Die Verleihungsveranstaltung erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Tukan-Kreis.

In die Auswahl kommen alle belletristischen Neuerscheinungen von Autor*innen, die in München/der Region München leben, (ausgenommen Veröffentlichungen im Selbstverlag oder in sogenannten Selbstkostenverlagen, als Book on Demand oder im Internet). Eigenbewerbung ist möglich, allerdings in den meisten Fällen nicht nötig. Die Neuerscheinungen werden im Kulturreferat anhand der Verlagskataloge erfasst. Eigenbewerbung empfiehlt sich, wenn das Buch in einem kleinen Verlag erscheint; in diesem Fall genügt eine informelle Meldung der Neuerscheinung mit  Verlagsangabe per E-Mail (siehe unten).
Die Jury trifft sich mehrmals, um über die Neuerscheinungen im Frühjahr und im Herbst zu beraten. Die Preisträger*innen werden von der Jury vorgeschlagen; die endgültige Entscheidung trifft der Kulturausschuss der Stadt.

Den Tukanpreis erhielten

Jurybegründung

Martin Kordić für seinen Roman „Jahre mit Martha“

Ein Buch, das man langsam lesen will, damit es länger hält. Oder gleich zweimal. Man folgt Jimmy, der eigentlich Željko heißt, und Martha, die Grenzen überschreitet und dabei nie zudringlich wird. Martin Kordić erzählt nicht nur die Geschichte einer Liebe, sondern viele Geschichten parallel: von einem Jungen, der im Flur hinterm Vorhang auf einem Sofa schläft und aus dem Altpapier anderer Leute Wissen saugt. Von einem Jungen, der die Grenzen seiner Herkunft mit sanfter Entschiedenheit sprengt, nie naiv, sondern mit ungeheurer Souveränität. Kordić erzählt von Martha, die seinem Zauber erliegt. Von Željkos Großmutter, die so weise ist wie ihr Enkel. Scheinbare Nebenfiguren zeichnet er mit einer Plastizität, die mit wenigen Strichen auskommt und dabei konkrete Persönlichkeiten erschafft. Als Leser lernt man viel: über Beerdigungsriten in der Herzegowina, über gewiss nicht einzigartige Situationen an der Hochschule, über die Gepflogenheiten auf dem Autoschwarzmarkt zwischen Deutschland und dem Balkan. Man erinnert sich an den eigenen Segelkurs und an die Knotenübungen; und man weiß wieder, warum Michael Jackson nie stirbt. Martin Kordić hat mit Željko eine Figur erfunden, die man ab dem ersten Satz ins Herz schließt.

Kordićs Sprache ist nur scheinbar schlicht, dabei vielschichtig und still wie tiefes Wasser. Die Dramaturgie ist unaufdringlich klug und spiegelt Željkos Sicht auf die Welt: Rückblenden und Reflektionen führen in eine Gegenwart, in der das Schlimmste und Schönste überstanden ist und in ruhige Zuversicht mündet. Željko ist erwachsen geworden.

Martin Kordić, 1983 in Celle geboren und in Mannheim aufgewachsen, lebt in München und arbeitet als Lektor. Für seinen ersten Roman „Wie ich mir das Glück vorstelle“ wurde er mit dem Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis und der Alfred-Döblin-Medaille ausgezeichnet. Mit dem Tukan-Preis würdigt die Landeshauptstadt München seinen sehr gelungenen zweiten Roman „Jahre mit Martha“.

Jurymitglieder

Dr. Peter Czoik (BSB / Literaturportal Bayern), Marianna Geier (Buch & Bohne Buchhandlung), Antonio Pellegrino (Bayerischer Rundfunk), Christiane Pfau (Pfau PR), Tina Rausch (Lektorin, Journalistin), Sabine Reithmaier (Süddeutsche Zeitung)

sowie aus dem Stadtrat:
Stadträtin Marion Lüttig (Fraktion Die Grünen-Rosa Liste), Stadtrat Thomas Niederbühl (Fraktion Die Grünen-Rosa Liste), Stadtrat Andreas Babor (Fraktion der CSU mit FREIE WÄHLER), Stadträtin Beatrix Burkhardt (Fraktion der CSU mit FREIE WÄHLER), Stadträtin Kathrin Abele (Fraktion SPD/Volt)

  • 2022
    Martin Kordić: „Jahre mit Martha“
  • 2021
    Fridolin Schley: „Die Verteidigung“
  • 2020
    Markus Ostermair: „Der Sandler“
  • 2019
    Herbert Kapfer: „1919. Fiktion“
  • 2018
    Susanne Röckel: „Der Vogelgott“
  • 2017
    Jonas Lüscher : „Kraft“
  • 2016
    Björn Bicker: „Was glaubt ihr denn. Urban Prayers“
  • 2015
    Lilian Loke: „Gold in den Straßen“
  • 2014
    Nina Jäckle: „Der lange Atem“
  • 2013
    Dagmar Leupold: „Unter der Hand“
  • 2012
    Marc Deckert: „Die Kometenjäger“
  • 2011
    Steven Uhly: „Adams Fuge“
  • 2010
    Benjamin Stein: „Die Leinwand“
  • 2009
    Robert Hültner: „Inspektor Kajetan kehrt zurück“
  • 2008
    Christine Wunnicke: „Serenity“
  • 2007
    Fridolin Schley: „Wildes schönes Tier“
  • 2006
    Friedrich Ani: „Idylle der Hyänen“
  • 2005
    Thomas Palzer: „Ruin“
  • 2004
    Thomas Meinecke: „Musik“
  • 2003
    Simon Werle: „Der Schnee der Jahre“
  • 2002
    Hans Pleschinski: „Bildnis eines Unsichtbaren“
  • 2001
    Uwe Timm: „Rot“
  • 2000
    Hassouna Mosbahi: "Rückkehr nach Tarschisch" und die Übersetzerin Regina Karachouli
  • 1999
    Susanne Röckel: "Chinesisches Alphabet – Ein Jahr in Shanghai"
  • 1998
    Günter Ohnemus: "Der Tiger auf deiner Schulter"
  • 1997
    Klaus Böldl: "Studie in Kristallbildung"
  • 1996
    Ernst Augustin: "Gutes Geld"
  • 1995
    Christine Scherrmann: "Frau mit grünen Schuhen", Hans Pleschinski: "Brabant"
  • 1994
    Maxim Biller: "Land der Väter und Verräter"
  • 1993
    Helmut Krausser: "Melodien"
  • 1992
    Uwe Dick: "Pochwasser. Eine Biographie ohne Ich"
  • 1991
    Günter Herburger: "Thuja"
  • 1989
    Herbert Achternbusch, Barbara Maria Kloos, Fred Hepp
  • 1987
    Uwe Dick, Eberhard Horst, Michael Wachsmann
  • 1985
    Walter Kolbenhoff, Hans F. Nöhbauer
  • 1983
    Michael Krüger, Rudolf Riedler, Barbara König, Carla Maria Heim, Jörg Graser, Grete Weil
  • 1981
    Hermann Stahl, Carl Borro Schwerla, Franz Freisleder, Dagmar Nick, Jörg Krichbaum, Barbara Bronnen
  • 1979
    Carl Amery, Janosch (Horst Eckert), Dr. Kurt Seeberger
  • 1977
    Ernst Günther Bleisch, Karl Hoche, Dr. Ursula Knöller, Irina Korschunow, Herbert Rosendorfer, Herbert Schlüter
  • 1975
    Wolfgang Bächler, Charlotte Birnbaum, Heinz Coubier, Armin Eichholz, Herbert Günther, Helmut Walbert
  • 1973
    Marianne Langewiesche, Dr. Wolfgang Petzet, Kuno Raeber
  • 1971
    Herbert Asmodi, Angelika Mechtel, Heinz Piontek, Martin Gregor–Dellin, Dr. Rolf Flügel
  • 1969
    Anton Sailer, Wilhelm Lukas Kristl, Christa Reinig, Günter Spang, Heinrich Fischer, Trankred Dorst
  • 1967
    Karl Ude, Oliver Hassencamp, Nina Keller
  • 1966
    Rudolf Schmitt–Sulzthal, Eugen Skasa–Weiß, Isabella Nadolny, Gunter Groll, Carola von Crailsheim, Curt Hohoff
  • 1965
    Otto Freiherr von Taube, Paul Mommertz, Georg Schwarz, Roland Ziersch, Alfons Freiherr von Czibulka, Horst Lange

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