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Popmusik-Produktionsstipendien

Mit diesen Stipendien sollen aus allen Genres der Popmusik anspruchsvolle und aufwändige Musikproduktionen, die zur Veröffentlichung gedacht sind, gefördert werden.

Förderung der Münchner Popmusik

Die Landeshauptstadt München vergibt ab 2022 fünf Popmusik-Produktionsstipendien in Höhe von jeweils 8.000 Euro für die Produktion von Musikalben oder von Formaten vergleichbarer künstlerischer Relevanz und ähnlichen Umfangs. Darüber hinaus werden 2022 erstmals vier weitere Produktionsstipendien in Höhe von jeweils 2.000 Euro für die Produktion kleinerer Projekte vergeben. Es ist nicht möglich, sich gleichzeitig für beide Fördersummen zu bewerben.

Mit diesen Stipendien sollen aus allen Genres der Popmusik anspruchsvolle und aufwändige Musikproduktionen, die zur Veröffentlichung gedacht sind, gefördert werden. Dies umfasst nicht nur traditionelle Formate wie CDs sondern auch beispielsweise digitale Alben oder Videos. Die Vergabe ist dabei sowohl an Einzelmusiker*innen als auch an Bands/Ensembles/Gruppen und anderen möglich. Durch die Stipendien sollen vorwiegend noch nicht etablierte Musikschaffende gefördert werden. Die Stipendienvergabe für Projekte im Rahmen eines Studiums oder für unterrichtsbegleitende Projekte ist ausgeschlossen.

Eine vom Stadtrat der Landeshauptstadt München berufene Jury, bestehend aus ehrenamtlichen Mitgliedern des Münchner Stadtrats und Fachleuten, erarbeitet die Vergabevorschläge für den Stadtrat aufgrund der eingegangenen Bewerbungen. Nach Abschluss der durch das Stipendium ermöglichten Arbeit legen die Stipendiatinnen und Stipendiaten dem Kulturreferat einen schriftlichen Sachbericht und den Produktionsnachweis vor (beispielsweise durch Vorlage des ermöglichten Tonträgers oder des Downloadlinks zur Aufnahme).

Zur inhaltlichen Zielrichtung: Dieser Ausschreibung liegt ein breites Verständnis von Popmusik zugrunde – damit sind alle Genres der Popmusik wie beispielsweise Rock, Hip-Hop, Metal, Reggae, Techno, Blues und all ihren Subgenres jeglicher Ausprägung (ebenso wie abstrakte oder experimentelle Ansätze) gemeint.

Das Popmusik Produktionsstipendium erhielten

Carl Gari, G.Rag y los Hermanos Patchekos, Kim_Twiddle, Malva, Tom Wu, Beifer, Momo Novus, Stabat Kater, USCHI

Jurybegründungen

Carl Gari

Die Münchner Gruppe Carl Gari existiert seit 2014 und gehört aktuell zu den spannendsten und vor allem international gefragtesten Gruppen der Landeshauptstadt. Einladungen auf Bühnen und Festival wie das Münchner Haus der Kunst, das Berlin Atonal oder auch das ReWire Festival in Den Haag und euphorische Berichte in internationalen Medien wie Pitchfork, The Wire oder Factmag sprechen eine deutliche Sprache: Carl Gari spielen in der höchsten Liga der internationalen (Pop-)Musikwelt mit und haben sich zwischen der Clubkultur und der Kunstwelt eine eigene Nische geschaffen.
Ihr Sound ist dabei abstrakt und experimentell, aber nie verkopft, denn immer emotional höchst eindringlich. In kunstvollster Manier verwischen sie die Grenzen zwischen atmosphärischen Stilen wie Ambient, Drone & Dub mit den Rhythmen der elektronischen Tanzmusik von Electro, Techno & Trance. Damit erzeugen sie einen fesselnden Strom aus dystopischen Klängen, der sich in die Gehörgänge und Gedanken bohrt und in seiner manischen, wie gleichwohl stoischen Eindringlichkeit nicht zu vergessen ist. Das besondere dabei: Der Klang ist organisch, von E-Gitarre & E-Bass geprägt und mit elektronischen Klängen und digitalen Sampling-Techniken erweitert, ihre Verwurzelung im Punk und Wave scheint dabei stets durch.
Mit dem Stipendium möchte die Band, die bereits auf ihrem ersten, aber sicher nicht letzten Höhepunkt ihres Schaffens steht, nun ihr erstes Album veröffentlichen. Standen die letzten Veröffentlichungen im Zeichen der fruchtbaren Kollaboration mit dem ägyptischen Musiker Abdullauh Miniawy, wird sich die Band mit dem kommenden Debütalbum ein eigenes, vielseitiges, aber gewohnt tiefgreifendes Zeugnis ihrer außergewöhnlichen Fähigkeiten und ihres einzigartigen Stils schaffen. Mit dem Popmusik-Produktionsstipendium soll die Band dabei unterstützt werden, die Produktion zu finanzieren als auch die bisherige, in München noch nicht ausreichend bekannte Arbeit der Band zu würdigen.

G.Rag y los Hermanos Patchekos

G.Rag y los Hermanos Patchekos sind ein Kollektiv aus vielen bekannten Münchner Musiker*innern, die ihren Bekanntheitsgrad nicht zuletzt über die diversen musikalischen Projekte um Andreas Stäbler und dem angeschlossenen Kosmos des Gutfeeling-Plattenlabels erreicht haben. Eine derartige Institution ist für die Stadt München, aber auch für das nationale und internationale Publikum eine große Bereicherung. „Künstlerisch eigenwillig, geschäftlich unabhängig und wirtschaftlich unsinnig” hat sich die Band dabei auf die Fahnen geschrieben. Denn seit nunmehr 20 Jahren rumpelt sich die Band durch alle möglichen Genres dieser Erde und taumelt zwischen kaputten Cumbia, Blues, Punk oder bayrischen Cajun, um nur einige wenige Genres zu nennen.
Die Band, welche die Jury für unbedingt förderungswürdig hält, ist ein nicht mehr wegzudenkender Fels in der subkulturellen Brandung Bayerns und vor allem Münchens. Hier steht nicht das Individuum für die Band, sondern das gemeinschaftliche und kameradschaftliche im Vordergrund. Sie sind damit eine wichtige Inspiration für die Münchner Musikszene und regen zur weiteren Vernetzung und Kollaboration an: dem Grundstein jeder vitalen Musik- und Kulturszene.
Klanglich bedient sich die quietschbunte Gruppe dabei gerne an bereits existierenden Musikstücken von seltenen Platten aus den hintersten Regalen der obskursten Genre-Ecken der von ihnen geschätzten Underground-Plattenläden. Sie interpretieren diese Stücke jedoch auf ihr ganz eigene, spezielle Form, sodass hier ein neues, eigenes, wahrlich unvergleichliches Genre für sich entsteht, das die Band liebevoll selbst als “Mediterranean Caribbean Trash Folk” beschreibt. Das Popmusik-Produktionsstipendium soll dabei genutzt werden, das 9. Studioalbum der Band zu unterstützen.

Kim_Twiddle

Kim Ramona Ranalter alias Kim_Twiddle ist Musikkünstler*in, Produzent*in von elektronischer Tanzmusik und spielt Ihre Gigs als Techno-DJ* Live mit analoger Hardware, ganz ohne Laptop. Seit 2019 tritt Kim_Twiddle mit Ihrem Soloprogramm “(UPCOMING)LIVE” auf: “Twiddle-Sound zwischen Nostalgie, SciFi und konkret analogem Urknall” lautet Ihre Definition, welche die Hörer*innenschaft mit Ambient, Hip-Hop, Brazilelectro, House, Techno und Trance konfrontiert. Zu finden sind Ihre akustischen Arbeiten aber auch im öffentlichen Raum, (dann vorwiegend) in verschiedenen virtuellen “Augmented Reality Apps” oder in internationalen Theaterproduktionen. Das Stipendium möchte sie dafür nutzen, das Live-Set “KIM_TWIDDLE (UPCOMING!) LIVE”  als EP zu produzieren und die B-Seite mit queer-feministischen Artists “of all Backgrounds” zu erweitern, beispielsweise mit Lucy Wilke von der Band Blind&Lame oder der Soul&Reggae Singer-Songwriterin Zoe Mazah. Entstehen werden “rotzig beseelte Songs”, die bei einem Release-Konzert in Kooperation mit only FLINTA* (Female, Lesbian, Inter*, Non-binary, Trans*, Agender) aufgeführt werden.

Die Jury ist sich sicher, dass das Soundkonzept und die künstlerische Herangehensweise, die politische Positionierung sowie die Verwendung von analogen Musikproduktionsstudios, Samplern und Vintage-Synthesizern sowohl in der experimentellen Szene in München, als auch darüber hinaus ihresgleichen sucht und die Kombination verschiedener Medien und Genres einen besonders innovativen Beitrag für die Münchner Pop Kulturlandschaft leistet.

Malva

„Lost Generation“ nennt Malva sich und ihre desillusionierten Leidensgefährt*innen. Die 19-jährige Künstlerin aus München hat in ihrem jungen Leben die Welt bereits für das erkannt, was sie ist – und kam nicht umhin, darüber in Kummer zu verfallen. All der Tristesse, dem Gefühl der Ausweglosigkeit und den Zukunftsängsten möchte sie mit ihrer Musik etwas gegenüberstellen. Etwas, das Mut macht; eine gewisse Leichtigkeit, die die Schwere der Vernunft für einen Moment aufzubrechen weiß. Es ist diese Verbindung zwischen Weltschmerz und Jugend, die Malvas Musik so besonders macht. Sie zeichnet das Bild einer Generation, die mit weit geöffneten Augen einer beängstigenden Zukunft gegenübersteht – jedoch nicht erstarrt, sondern klug und mit ohrenbetäubender Ruhe zu kämpfen bereit ist.
Zusammen mit dem ebenfalls 19-jährigen Quirin Ebnet, als Multiinstrumentalist und Produzent an den Münchner Kammerspielen tätig, hat Malva ihre Songs zu Jahresbeginn analog im Proberaum eingespielt. Ihre Songtexte und vertonten Gedichte schreibt die junge Musikerin auf Deutsch und Englisch, die Musikvideos zum selbst komponierten Indiepop-Chanson dreht sie ebenfalls selbst: Malva ist eben ein Allround-Talent. Sie ist ehrlich, hat Angst, hat Mut, will sich ausdrücken und gehört werden. Ihre Musik strahlt Wärme und Zärtlichkeit aus, ist minimalistisch arrangiert und platziert gleichzeitig alle Details genau dort, wo sie hingehören. Die Jury ist beeindruckt von der stilvollen Kreativität der jungen Münchnerin und freut sich, sie mit dem Popmusik-Produktionsstipendium direkt am Anfang ihrer vielversprechenden musikalischen Karriere zu unterstützen.

Tom Wu

Thomas Wühr ist seit 2010 als singender, fulminanter Solo-Schlagzeug Performer unter dem Namen “Tom Wu” in München unterwegs. Seine Musik vereint New Wave-artige Synthesizer, massive Basslines, Lofi- Soundflächen und gelegentlich Flöten-, Gitarren- aber auch Trompeten-Arrangements. Seine Stücke sind vertrackt, hin und wieder auch ambivalent. Tom Wu arbeitet sich ekstatisch am Schlagzeug ab, bedient gleichzeitig Synthesizer via Touchpads und schreit ungehemmt, manchmal auch etwas schwermütig, ins Mikrofon. Das Publikum nimmt er dabei Konzert für Konzert auf eine tanzbare Reise in fremde Welten. Die Texte wirken wie Collagen, erzählen Außenseitergeschichten von Einsamkeit, Perversion, sexuellem Verlangen, von Abgründen und Albernheiten.
Support bekommt Tom Wu bei seinen Konzerten vom Lichtkünstler Anton Kaun. Manchmal besuchen ihn psychedelisch anmutende Tänzer:innen, etwa die Peitschen-Frau oder Spandex, auf der Bühne.
Tom Wühr ist Absolvent des Richard Strauss Konservatoriums, gibt unter anderem Schlagzeugunterricht und arbeitet immer wieder an unterschiedlichen Theaterhäusern wie den Münchner Kammerspielen, dem Residenztheater oder dem Volkstheater München. Er ist aber nicht nicht nur als Solokünstler aktiv, denn er arbeitet auch regelmäßig mit anderen tollen Künstler:innen zusammen, wie z.B. Albert Pöschl (ECHOKAMMER-Label und Urgestein der Münchner Subkultur) Ex-Franz-Ferdinand-Gitarrist Nick McCarthy, Susanne Beck, Paulina Nolte, Anna McCarthy, Daniel Murena uva.
Das Popmusik-Produktionsstipendium wird Tom Wu die Realisierung der Produktion und Veröffentlichung eines neuen Albums sowie eines Musikvideos ermöglichen.

Beifer

Sebastian „Beifer“ Pfefer verbindet in seinen Kompositionen verschiedenste Genres, elektronische, sphärische, sanfte und warme Klänge, um daraus etwas Neues zu erschaffen. Seit 2018 studiert der junge Musiker Jazz-Klavier an der Hochschule für Musik und Theater in München und experimentiert mit Elementen aus der elektronischen Musik und aus dem Jazz. Dies klingt faszinierend und spannend zugleich. Die Jury möchte die vielversprechenden Ansätze des jungen Musikers mit einem Popmusik-Produktionsstipendium in Höhe von 2000€ weiter unterstützen.

Momo Novus

Momo Novus ist der Künstlername von Pascal Momboisse. Neben dem Rap ist der gebürtige Münchner auch als Theaterschauspieler aktiv und gibt u.a. auch Musik-Workshops wie im Bellevue Di Monaco, einem Kulturzentrum für Geflüchtete. In seinen street-smarten und stilistisch vielfältigen Raps verhandelt und hinterfragt er auf Deutsch und teilweise auch auf Französisch Konzepte wie Nationen, Grenzen oder starre Gender-Normen.
Geprägt wird seine Musik von einem DIY Ethos und einem jahrelang in verschiedenen Münchner Formationen perfektioniertem Rap-Handwerk, das auch zu einigen Features mit gleich gesinnten Artists wie Waseem oder Boshi San führte. Momo Novus beschäftigt sich dabei bewusst eher mit gesellschaftlichem Fortschritt als mit Luxuslimousinen, sein Zugang bleibt dabei aber sprachlich und lebensweltlich trotzdem wohltuend näher an der Straße als es die behandelten Thematiken vermuten ließen.
Das Popmusik-Produktionsstipendium in Höhe von 2000€ wird Momo Novus nutzen, um drei neue Songs zu produzieren, dabei das Mixing und Mastering abzudecken sowie zwei Musikvideos und Artworks erstellen zu lassen, die bei der weiteren Promotion helfen sollen. Thematisch werden die neuen Tracks sich sowohl um das klassische „Representen“ drehen als auch sensiblere Themen wie z.B. Depressionen reflektieren.

Stabat Kater

Stabat Kater sind ein junges Duo aus München, bestehend aus Korbinian Guggenmos und Boris Saccone. Ihre Vision von Post-Punk und Indie-Kultur ist von Anfang bis Ende bereits sehr durchdacht und stimmig konzipiert. Der DIY-Ansatz aus Lofi-Wohnzimmer Recordings und der Videomachart in Kollaboration mit unterschiedlichen Künstler*innen, Grafiker*innen beeindruckt die Jury, die bereits die künftigen Arbeiten dieser Formation antizipiert. Das Duo Stabat Kater überzeugt dabei eben nicht nur musikalisch, sondern auch konzeptionell. Die Jury möchte den spannenden, formatübergreifenden Ansatz der Band mit einem Popmusik-Produktionsstipendium in Höhe von 2000€ unterstützen.

USCHI

USCHI ist eine Münchner Band, die sich als Kollektiv von Musiker*Innen versteht, seit 2016 gemeinsam Musik macht und aktuell aus drei aktiven Mitgliedern besteht: Sophie Neudecker am Schlagzeug, Charlotte Scheidegger am Bass und Vincent Mundinger an der Gitarre. Alle Mitglieder singen und schreiben die Texte/Songs gemeinsam.
Mittlerweile haben sich USCHI in Richtung Post Punk, mit mehr Gesang und Noise-Gitarrenriffs, entwickelt. In ihrem Bandraum wird gemeinschaftlich an Themen wie Frauenrechten, Umweltschutz, Politik, Gleichberechtigung, Tierrechten oder das Klarkommen im Alltag gearbeitet. Und abseits des Proberaums schaffen sie mit der Konzertreihe Zombie Sessions im Rahmen des gleichnamigen Kollektivs faire Auftrittsmöglichkeiten für Musiker*innen abseits des Mainstreams.
Mit Hilfe des Popmusik-Produktionsstipendiums in Höhe von 2000€ soll USCHI unterstützt werden, die Herstellung ihrer kommenden EP in DIY-Manier umzusetzen.

Jury

Theresa Bittermann (WUT-Kollektiv), Franzi Deege (Kafe Kult), Jakob Döring (Fachstelle Pop), Marcus Graßl (Aloa Input, Heppel & Ettlich), Danijela Kufner (Initiative Musik), Michael Schild (Import Export), David Süß (Fraktion Die Grünen-Rosa Liste), Thomas Niederbühl (Fraktion Die Grünen-Rosa Liste), Sabine Bär (Fraktion der CSU mit FREIE WÄHLER), Ulrike Grimm (Fraktion der CSU mit FREIE WÄHLER) und Roland Hefter (Fraktion SPD/Volt).

  • 2021
    ATP Crew, Bi Män, Victoryaz
  • 2020
    Elena Rud, Florian Paul und die Kapelle der letzten Hoffnung, SEDA
  • 2019
    ENDLICH RUDERN, Tiger Tiger, Aloa Input