Stipendien Musik

Mit den Arbeitstipendien sollen konkrete, besonders anspruchsvolle musikalische Arbeitsvorhaben unterstützt werden.

Förderung für junge Künstler*innen

Die Landeshauptstadt München vergibt seit 1980 jährlich Stipendien für Musik. Ab 2022 stehen sechs mit jeweils 8.000 Euro dotierte Stipendien für Musik zur Verfügung, von denen eines für Akteur*innen vorgesehen ist, die im Kinder- und Jugendbereich tätig sind. Zusätzlich kann ein Leonhard und Ida Wolf-Gedächtnispreis für Musik, dotiert mit 3.000 Euro, vergeben werden.

Mit den Stipendien sollen konkrete, besonders anspruchsvolle musikalische Arbeitsvorhaben in den Bereichen Komposition, Programmerarbeitung oder berufliche Fortbildung außerhalb Münchens (z.B. durch ein gemeinsames Projekt mit ausländischen Musiker*innen oder einer Hospitanz/Assistenz bei einer bekannten, erfahrenen auswärtigen Musikerpersönlichkeit) unterstützt werden.

Die Stipendien können für Einzel- als auch Ensembleleistungen in allen Musikgattungen und -bereichen vergeben werden, allerdings mit besonderer Berücksichtigung der zeitgenössischen Erscheinungsformen. Gefördert werden sollen vorwiegend jüngere, noch nicht etablierte Künstler*innen bzw. Ensembles. Die Stipendienvergabe für Projekte im Rahmen eines Studiums oder für unterrichtsbegleitende Projekte ist dabei ausgeschlossen. Eigenbewerbung ist erforderlich.

Bitte beachten Sie, dass Produktionen von Musikalben oder -videos im Bereich Popmusik seit 2019 durch ein eigenes Vergabeverfahren gefördert werden und im Rahmen dieser Ausschreibung nicht berücksichtigt werden können.

Das Stipendium für Musik erhielten

Die Musikstipendien 2022 gingen an:

  • Shuteen Erdenebaatar

  • Nils Kugelmann

  • Sonic Art Collective

  • Kai Wangler-Helbig

  • Hannah Weiss

Jurybegründungen

Shuteen Erdenebaatar

Die seit einigen Jahren bestehende Kooperation der Musikhochschulen von München und Ulan Bator hat schon einige erstaunliche Musiker*innen hervorgebracht, die die mongolische Musiktradition mit dem Jazz zu etwas schillerndem Neuen verbinden. In dieser Reihe steht nun die Pianistin und Komponistin Shuteen Erdenebaatar. Klassisch ausgebildet, hatte sie erst mit 16 durch das münchnerisch-mongolische „Jazzlabor“ die erste Begegnung mit dem Jazz, für den sie aber sofort entbrannte. 2018 zum Jazzklavier- und Kompositionsstudium nach München gekommen, gewann sie schon im Januar 2020 den Kurt Maas Jazz Award und bekam daraufhin den Zuschlag für eine der begehrten „Jazz Summer Weeks“ in der Unterfahrt. Ihre exzellente Technik stellt Erdenebaatar ganz in den Dienst ihrer swingenden, sehnsuchtsvollen und schlüssigen, immer lyrischen Modern-Jazz-Stücke. Deren Aufbau folgt meist symphonischen Klangwelten, weshalb sie neben ihrer vier- oder fünfköpfigen Band mit einigen der größten Talente der süddeutschen Jazzszene auch ein 20-köpfiges, genreübergreifend besetztes Kammerjazz-Ensemble unterhält. Dessen Umsetzung von Erdenebaatars Kompositionen kann sich nach Ansicht der Jury bereits jetzt mit Vergleichbarem so renommierter Großformationen wie der Maria Schneider Big Band, dem Andromeda Mega Express Orchestra oder dem Metropol Orkest messen. Umso wünschenswerter, dass diesem herausragenden, aber kostenintensiven Projekt dank eines Stipendiums eine professionelle Aufnahme ermöglicht wird.

Nils Kugelmann

Ob Valentin Preissler, Luca Zambito, Valentin Gerhardus, Zithong Xu oder Moritz Stahl, wenn eine der jungen Größen der hiesigen Jazzszene einen Bassisten sucht, dann ist Nils Kugelmann die erste Wahl. Dabei ist der 1996 geborene Münchner viel mehr als das: ein Multiinstrumentalist und echter Alleskönner. Schon am musischen Pestalozzi-Gymnasium hat er alles ausprobiert: Gesang, Klarinette, Piano oder Synthesizer, dann vor allem Bass. Als Teenager spielte er alle Instrumente in seinem Projekt Deebex selbst ein und balancierte zwischen komponierter und improvisierter Musik, zwischen Jazz und Pop, zwischen Handgemachtem und Elektronik. Diesen eklektischen Ansatz hat er im Bass-Studium bei Henning Sieverts an der Münchner Musikhochschule zu seinem eigenen Stil verdichtet. Zu hören etwa am Klavier im auf der EP „Dancing Rhapsody“ festgehaltenen Duo mit dem Schlagzeuger Sebastian Wolfgruber oder auf der seltenen Kontra-Altklarinette im Duo mit Shuteen Erdenebaatar, vor allem aber am Bass in seinem Trio mit Luca Zambito und Sebastian Wolfgruber. Dieses Trio will er nun zum um klassische Instrumentalist*innen an Horn, Geige, Bratsche oder Fagott ergänzten Ensemble ausbauen, um seine jazzige und seine klassische Seite zusammenzubringen. Auch weil er sich dabei vor allem an ein jüngeres Publikum richten will, hält die Jury dieses Projekt für unbedingt förderungswürdig.

Sonic Art Collective

Selten wird das Thema Digitalisierung so spannend und greifbar dargestellt wie in der Performance des Münchner Sonic Art Collective, bestehend aus Antonia und Carlotta Dering sowie Leonhard Kuhn. Die drei Protagonist*innen bringen in dem Projekt ihre durchaus unterschiedlichen Arbeitsfelder ganz ein und verbinden Musik, Tanz, Technik und Design zu einer futuristisch anmutenden Gesamtperformance, die einer Luc Besson-Verfilmung entsprungen sein könnte.

In den zwei Kurzvideos „Sonic Glove“ und der Arbeitsprobe zu „SON is rising“ veranschaulicht das Ensemble den Zwischenstand der Arbeit, konkretisiert die künstlerische Vision und macht neugierig auf die angestrebte 50-minütige Musik-Performance, die mit Hilfe des Stipendiums realisiert werden soll. Dramaturgisch soll sich in dieser die Roboterfrau SON in eine menschenähnliche künstliche Intelligenz verwandeln. Die Performance spiegelt dabei auf mehreren Ebenen das gesellschaftliche Phänomen, dass Technik – manchmal erwünscht, manchmal unerwünscht und unvermeidlich -- viele Lebensbereiche durchdringt, prägt und mitgestaltet.

Im Zentrum des Geschehens steht dabei der von Carlotta Dering entwickelte Sonic Suit, ein schwarz silbernes Kostüm, das aufgrund eingebauter Bewegungs-Sensoren und Mikrofone Tanzbewegung und Gesten in Klangveränderungen, Rhythmen und elektronische Musik übersetzt – und so in direkter Wechselwirkung zu der Klangerzeugung von Außen steht.

Das Sonic Art Collective möchte so sein Publikum mit den Fragen und Ängsten des Individuums in einer digitalisierten Gesellschaft künstlerisch konfrontieren – es steht die soziologische Frage im Raum, wer wen reguliert: Steuert die Technik – der Beat und die von Leonhard Kuhn gewählten Sounds – die Tänzerin und Sängerin Antonia Dering, oder bestimmt die Tänzerin durch ihre Bearbeitung der Vorgabe das Klanggeschehen, oder verschmilzt alles zu einem untrennbar verbundenen Ereignis?

Die Jury freut sich, das Sonic Art Collective bei der Umsetzung ihrer gesellschaftlich relevanten und außergewöhnlichen Performance „SON is rising“ mit dem Stipendium zu unterstützen.

Kai Wangler-Helbig

Das Akkordeon ist ein ungemein vielseitiges Instrument. Das beweist Kai Wangler-Helbig in der Münchner Musikszene seit langem. Der 1981 geborene Musiker spielt neue und zeitgenössische Musik; und bereichert das örtliche Konzertleben. Dem Akkordeon – gerade in Bayern auch als traditionelles Instrument der Volksmusik bekannt – verleiht Wangler-Helbig konstant neue Klänge; auch durch elektronische Zuspielungen. Darauf zielt auch sein neuestes Projekt: In einem zweiteiligen Konzertprogramm – geplant für Herbst 2022 und Herbst 2023 – will er die Beziehung seines Instruments zur elektronischen Musik ausloten: in Kompositionen von 1971 bis heute. Angefangen mit Arne Nordheims Werk „Dinosauros“ bis zu einer Uraufführung von Gregor A. Mayrhofer. Kai Wangler-Helbig, der sich in seiner künstlerischen Arbeit auch durch eine ungemein bedachte und präzise Herangehensweise auszeichnet, hält zu allen lebenden Komponist*innen seines Konzertprogramms Kontakt. Die Werke, die Wangler-Helbig so in München zum Klingen bringt, die Musik, die durch seine Arbeit entdeckt werden kann, ist in der Stadt so alleinstehend wie herausragend.

Hannah Weiss

Ihre ungarische Urgroßmutter war Konzertpianistin, ihre Mutter ist Opernregisseurin, ihr Vater Schauspieler, der Vater ihrer Stiefmutter Jazztrompeter. Seit ihrer Kindheit war sie mit Musik umgeben, von Eric Satie bis zu Al Jarreau. Kein Wunder also, dass die Deutsch-Schweizerin Hannah Weiss bei der Musik landete. Vom musischen Gymnasium in Zürich ging es zum Jazz-Gesangsstudium nach München. Wo sie seither eine beachtliche Karriere hingelegt hat: Ob sie in Tizian Josts ,Feindsender‘-Programmen deutschen Swing der Dreißigerjahre sang, ob mit verschiedenen Ensembles Modern Jazz, ob sie sich in der Jazzrausch Bigband oder bei Ark Noir im Umfeld von Techno- oder Electro-Jazz bewegte oder ob sie mit ihrer eigenen Hannah Weiss Group Pop-Themen in einen improvisierenden Jazz-Zusammenhang stellte – Hannah Weiss glänzt stets mit makelloser Gesangstechnik, dem Feeling für den jeweiligen Song und einer imponierenden Natürlichkeit und Ausstrahlung. Jetzt bereitet die BMW Welt Young Artist Jazz Award-Preisträgerin 2019 (die seither auch als Moderatorin des „großen“ BMW Welt Jazz Awards glänzt) mit „Explorative Sensibilities“ etwas ganz Neues vor: Eine minimalistische, Song-Strukturen auflösende Suite in der ungewöhnlichen Trio-Besetzung mit Theresa Allgaier an der Geige und Melis Com an der Harfe. Die Jury hat keinen Zweifel daran, dass ihr dabei etwas Besonderes gelingen wird und möchte dies mit einem Musikstipendium der Landeshauptstadt München unterstützen.

Café Unterzucker

Café Unterzucker ist eine Münchner Band, die sich auf besondere Art der Kinderkultur widmet. Die Texte von Richard Oehmann und die Kompositionen von Tobias Weber sind aufrichtig, unterschätzen die Kinder nicht und begegnen ihnen auf Augenhöhe. Ihre Musik wirkt dadurch weder niedlich, noch verkrampft und ist gnadenlos witzig - so witzig, dass Kinder und Eltern auch nach unzähligem Hören noch mitsingen. Café Unterzucker singen ihre anarchisch genialen Texte auf hochdeutsch und bairisch. So entstehen Bluegrass, Latin, Rock’n’Roll, Jazz, Seemannslieder: Kinderkultur ohne Kitsch – eine echte Erholung für alle geschundenen Kinder- und Elternohren. Diese Band hat ihr Ohr – auch bei der kommenden Albumproduktion – ganz nah an der ganz jungen Generation und scheut sich auch nicht, aktuelle Themen aufzugreifen und, mal frech, mal ernsthaft, mit Nachdruck oder zwischen den Zeilen aufblitzend, in Musik umzusetzen. Die hohe künstlerische Qualität der Band, die seit 2018 auch das Singspiel zum Starkbieranstich am Münchner Nockherberg musikalisch prägt, speist sich aus dem breiten Musikverständnis aller Beteiligten, ihrer hohen Professionalität, Authentizität und ihrer klanglichen und humoristischen Experimentierfreude. Damit gehört sie zum Wertvollsten, was man Kindern heutzutage an musikalischer Unterhaltung anbieten kann.

Mit dem Votum der Jury, das in diesem Jahr erstmals gezielt für Akteur*innen im Kinder- und Jugendbereich vergebene Musikstipendium an Café Unterzucker auszureichen, werden Maßstäbe gesetzt, die nicht nur den musikalischen Nachwuchs, sondern alle humoraffinen Erwachsenen begeistern dürften.

  • 2021
    BUFFZACK, Double Drums, Miriam Hanika, Sophia Schambeck
  • 2020
    Carlos Cipa, Ludwig Himpsl, June Young Kim, Adrian Pereyra & Ruben Mattia Santorsa
  • 2019
    Brigitte Helbig, Joasihno, Philipp Schiepek, Umme Block
  • 2018
    Vincent Crusius, Hanna Sikasa, Zentaur-Quartett
  • 2017
    Henrik Ajax, Fazer, Trio Clockwork
  • 2016
    Arcis Saxophon Quartett, Daniel Tanqueray aka Daniel Murena, Valerie Trebeljahr aka Lali Puna
  • 2015
    Christian Elsässer, Vasiliki Krimitza, Johannes Öllinger
  • 2014
    Komalé Jonathan Akakpo, Monika Roscher, Diana Syrse Valdés Rosado
  • 2013
    Nihan Devecioglu, Oliver Klenk, Peter Pichler
  • 2012
    Judith Egger, Geoffrey Goodman, Carola Grey
  • 2011
    Nélida Béjar, Monika Roscher, Arash Safaian
  • 2010
    Laura Konjetzky, Mathis B. Nitsche, Eva Sindichakis
  • 2009
    Stefan Schulzki, Stefanie Schumacher
  • 2008
    Atac Sezer, Stefan Temmingh, Ensemble Zeitsprung
  • 2007
    Markus Muench, Andreas Skouras, Barbara Thun, Anno Schreier
  • 2006
    Hamid Khezri, Jürgen Schneider, Markus Zahnhausen
  • 2005
    Dieter Dolezel, Sabine Liebner, Michael Bastian Weiß
  • 2004
    Johanna Varner, Maxim Seloujanov, Siegfried Rössert - Ulrich Müller/ 48nord
  • 2003
    Stephan Lanius, Minas Boboudakis, Heinz Friedl / Klaus Schedl
  • 2002
    Werner Klausnitzer, Bettina Koziol, Christoph Reiserer
  • 2001
    Ensemble Go Guitars, Cornelia Melián, Tom Sora 1980
  • 2000
    Helga Pogatschar, Christofer Varner, Trio Présence
  • 1999
    Gerlinde Sämann, Darioush Shirvani, Kalle Laar,Werner Gruber
  • 1998
    Elmar H.-Guantes, Bernhard Weidner, Sebi Tramontana
  • 1997
    Zoro Babel, Gerhard Gschlössl, Florian Ludwig, Jürgen Schneider
  • 1996
    Klaus Herbert Schedl, Christoph Reiserer, Ariane Metz, Anna-Maria Bogner
  • 1995
    Peter Frey, Volker Nickel, Alexander Strauch, Emanuel Rueffler
  • 1994
    Ignaz Schick, Sabina Margit Sciubba, Lutz Landwehr von Pragenau, Michael Blümel
  • 1993
    Johannes Brunner / Raimund Ritz, Elisabeth Zawadke
  • 1992
    Sandeep Bhagwati Moritz Eggert
  • 1991
    Fredrik Schwenk, Markus Schmitt, Cornelius Claudio Kreusch
  • 1990
    Henning Sieverts, Martin Zehn, Leonhard Rieckhoff, Limpe Fuchs
  • 1989
    Choo-Choo Big Band, Max Märkl, Alex Frank Singer, Arcis-Bläser-Quintett
  • 1988
    Martin Focke, Georg Glasl, Franz David Baumann, Werner Gruber
  • 1987
    Stephan Micus, Tour de Force, Rudi Spring, Thomas Zoller
  • 1986
    Peter Tuscher, Florian Pedarnig, Michael Hirsch, Modern String Quartet, Leitung Jörg Widmoser
  • 1985
    Rudi Zapf, Stephan Wunderlich, Margit Kinzel, Karl Betz
  • 1984
    Hans Joachim Friedl, Gabriele Seidel, Klaus F. Hübler, Siegfried Schwab
  • 1983
    Günther Klatt, Olaf Dressler
  • 1982
    Margarita Höhenrieder, Arnold Mehl, Kay Westermann, Roland Leistner-Mayer
  • 1981
    Russel Smith, Max Beckschäfer, Siegfried Mauser, Michael Oechsner
  • 1980
    Andreas Va

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