Ernst Hoferichter-Preis

Jährlich wird dieser Preis an zwei Autor*innen vergeben, die in ihrem Werk »Originalität mit Weltoffenheit und Humor« verbinden.

Über den Preis

Nach dem Tod des bekannten Münchner Publizisten Ernst Hoferichter setzte Hoferichters Witwe Franzi die Stadt 1975 als Erbin ein mit der Auflage, die Stiftung Ernst Hoferichter-Preis einzurichten. Seitdem werden im allgemeinen jährlich zwei Preise in Höhe von je 5.000 Euro von der Ernst Hoferichter-Stiftung vergeben (abhängig vom Ertrag des Stiftungsvermögens). Sie sind gedacht als Förderung für Autorinnen und Autoren, die wie Ernst Hoferichter „Originalität mit Weltoffenheit und Humor“ verbinden.

Als Preisträgerinnen und Preisträger kommen nur Autoren und Autorinnen in Betracht, die in München/der Region München leben oder in ihren Werken eine enge Verbindung zu München erkennen lassen. Über die Preisträgerinnen und Preisträger entscheidet der Stiftungsbeirat, zu dem neben dem Kulturreferenten und dem Direktor der Münchner Stadtbibliothek vier literarische Freunde Hoferichters bzw. die von ihnen bestimmten Nachfolger gehören: Wolfgang Görl, Brigitta Rambeck, Michael Skasa und Christian Ude.

Den Ernst Hoferichter-Preis erhielten

Jurybegründungen

Fee (Felicia) Brembeck

„Man spürt in jedem Moment, warum das Publikum gar nichts anderes tun konnte, als sich von dieser Fee verzaubern zu lassen.” So hymnisch kommentierte die Süddeutsche Zeitung schon 2013 die Anfänge der Wortkünstlerin Felicia Brembeck. Damals war FEE – 1994 in München geboren – noch keine zwanzig und gerade deutschsprachige Meisterin im Poetry Slam der Kategorie U20 geworden.

Es waren keine leichtfertigen Vorschusslorbeeren. 2016 konnte dieselbe Zeitung rühmend nachlegen: „Zweifelsfrei zählt FEE zur poetischen Wortakrobaten-Elite.” Das war anlässlich der Verleihung des Tassilo-Kultur-Preises der Süddeutschen Zeitung. An anderer Stelle zeigte man sich beeindruckt von ihrem „feinsinnigen Umgang mit Sprache“, der sich in „temporeichen und pointierten Texten“ Bahn breche. Hier habe jemand „wirklich etwas zu sagen – mit erstaunlichem Tiefgang und Gespür für menschliche Abgründe.”

Auf so vielversprechender Grundlage weitete FEE Brembeck ihren künstlerischen Radius von der Slampoetin zur Kabarettistin und Schriftstellerin aus und parallel dazu zur Sängerin, genauer gesagt zur Opernsängerin. All das erarbeitete sie sich auf der Basis seriöser Studien. Sie studierte Germanistik, Pädagogik und evangelische Theologie in München. Ihren Bachelor in Operngesang absolvierte sie dann an der renommierten Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin in der Klasse von Prof. Christine Schäfer und Ursula Hesse von den Steinen, sowie in der Liedklasse von Prof. Wolfram Rieger, im Sommer 2021.     

Gleichzeitig eroberte sie sich bereits ein breitgefächertes Publikum auf den unterschiedlichsten Bühnen. Unter anderem profilierte sie sich als Mitbegründerin und Akteurin des Formats „AGORÀ – Kunstlied meets Poetry Slam“ in Berlin, was nichts  an ihrer kontinuierlichen Teilnahme an Veranstaltungen in ihrer Heimatstadt änderte – zum Beispiel als Stammmitglied der Münchner Kabarett- und Leseshow „Die Stützen der Gesellschaft” im Schwabinger Vereinsheim oder im „Literarischen Seerosenkreis“ sowie der „Traumstadt Schwabing“, wo sie immer wieder sowohl ihre kabarettistischen und poetischen als auch ihre musikalischen Fähigkeiten zum Einsatz bringt. Auch das Fernsehen interessiert sich inzwischen für ihre diversen Fähigkeiten. Seit Längerem befasst sich FEE schwerpunktmäßig mit dem Thema Feminismus – sowohl auf der Bühne als auch in gedruckter Form: zum Beispiel in der Textsammlung „Feeminismus“.  Druckfrisch liegt nun im Herbst 2021 ihr erstes Sachbuch in den Buchhandlungen: „Jetzt halt doch mal die Klappe, Mann! Warum wir auf Mansplaining keinen Bock mehr haben“ (Goldmann).

FEEs besondere Aufmerksamkeit gilt derzeit ihrem Masterstudium Operngesang an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn-Bartholdy in Leipzig und ihrem Debüt in der Welturaufführung  von „unser Vater/Vater unser“ an der Deutschen Oper Berlin.                                     Aber sie wäre nicht Felicia Brembeck, wenn nicht gleichzeitig noch Zeit bliebe für die Vorbereitung ihres Soloprogramms „Wenn schlau das neue schön wäre.“ Nomen est Omen: Diese Felicia (die Glückliche, Fruchtbare) ist ganz in ihrem Element.


Alex Rühle

Originalität, Weltoffenheit und Humor: Diese besonderen Eigenschaften sind nicht nur an und für sich ein Gewinn; sie qualifizieren sogar für Preise – insbesondere für den Ernst-Hoferichter-Preis. Und dass dieser einmal an den Journalisten und Autor Alex Rühle gehen musste, war nur eine Frage der Zeit.

In der Welt ist Alex Rühle häufig unterwegs: Seit 2010 arbeitet er als Redakteur beim Feuilleton der Süddeutschen Zeitung und reiste dafür in das krisengeplagte Griechenland (2009), nach Lampedusa kurz nach dem Flüchtlingsdrama von 2013, nach Kanada zum großen Fotografen Robert Frank. Und nach Paris, ob zu einem Bericht über Karl Lagerfelds Couture-Show, zu einem Interview mit der Sängerin Zaz oder zu einer Reportage über die brennenden und verwüsteten Bibliotheken in Frankreichs Banlieues. Für seine Reportage "Ruhig strahlend wie die Gleise vor uns" erhielt er 2009 den Deutsch-Französischen Journalistenpreis. Die Jury lobte die "humorvolle Art", mit der er bei seiner Stadtreise durch Paris die verschiedenen Viertel und Vororte abseits der üblichen Touristenpfade beschreibt.
Mit seinem Buch „Ohne Netz. Mein halbes Jahr offline“ (2010) wurde Alex Rühle auch als Sachbuchautor bekannt. Es ist die penible und sehr persönliche Dokumentation eines Selbstversuches: Sechs Monate geht der bekennende Internetsüchtige offline: „Ich will einfach wissen, wie es ohne ist, gerade weil ich mir ein Leben ohne Netz nicht mehr vorstellen kann“. Heraus kommt ein „Entzugstagebuch“ voller Humor und Sprachwitz, der Bericht einer Abenteuerreise in die analoge Welt. Sein Fazit: „Ausgebleicht ist gar nichts, das Leben ist farbintensiver als zuvor.“
 
Immer wieder lässt sich Alex Rühle auf Selbstversuche ein, verlässt den gewohnten Alltag und schenkt seinen Leserinnen und Lesern erkenntnisreiche und unterhaltsame feuilletonistische Reportagen. Etwa wie es ist, als Stadtmensch ganz allein draußen im dunklen Wald zu  übernachten, wo die Geräusche der Nacht die wildesten Assoziationen hervorrufen: „Der ganze Wald ein Hörspiel, und Regie führt die eigene Angst“ (SZ Magazin Heft 32/2009). Seit 2018 veröffentlicht Alex Rühle auch Kinderbücher, u.a. gemeinsam mit der Münchner Illustratorin und Comiczeichnerin Barbara Yelin das gereimte Bilderbuch „Giga-Guhl und das Riesen-Glück“ für ganz Groß, Groß und Klein.

Ein wichtiges Thema ist für Alex Rühle auch die Zukunft des Lebens in den großen Städten der Welt. Er ist der Herausgeber des Buches „Megacitys – Die Zukunft der Städte“ (2008), in dem er 12 Geschichten über das Leben in Millionenstädten wie Los Angeles, Bombay, Lagos, Peking oder Johannesburg versammelt. Dass ihm auch seine Heimatstadt München, in der er 1969 geboren wurde und heute noch lebt, am Herzen liegt, zeigt er mit Engagement und guten Ideen: Gemeinsam mit dem Veranstalter Till Hofmann und dem Filmemacher Christian Ganzer gründete er 2012 die „Goldgrund Immobilien Organisation“, mit der sie auf gut gelaunte, pfiffige Weise auf die Auswüchse der Gentrifizierung und die rasant steigenden Mieten und Immobilienpreise aufmerksam machen. Alex Rühle engagiert sich als Mitinitiator des Flüchtlingsprojekts „Bellevue di Monaco“, das sich für Wohnungen und Kulturräume für Menschen mit Fluchthintergrund einsetzt – weltoffen, originell und humorvoll.

  • 2021
    Wolfgang Ettlich, Jaromir Konecny, Barbara Yelin
  • 2020
    Dana von Suffrin, Rudi Hurzlmeier
  • 2019
    Dieter Hanitzsch, Christine Wunnicke (wurde von der Preisträgerin abgelehnt)
  • 2018
    Karl-Heinz Hummel
  • 2017
    Thomas Grasberger
  • 2016
    Ali Mitgutsch
  • 2015
    Christoph Süß
  • 2014
    Sarah Hakenberg, Marcus H. Rosenmüller
  • 2013
    Gerd Holzheimer, Luise Kinseher
  • 2012
    Jörg Maurer, Hans Pleschinski
  • 2011
    Kerstin Specht, Jan Weiler
  • 2010
    Frank-Markus Barwasser/Erwin Pelzig, Hermann Unterstöger
  • 2009
    Lena Gorelik, Matthias Politycki
  • 2008
    Ernst Augustin, Christine Grän
  • 2007
    Monika Gruber, Albert Sigl
  • 2006
    Zé do Rock, Dagmar Nick
  • 2005
    Anatol Regnier, Walter Zauner
  • 2004
    Wellküren (Veronika Lilla, Burgi Well, Monika Well-Hösl)
  • 2003
    Hans Meilhammer und Claudia Schlenger, Tilman Spengler
  • 2002
    Georg Maier, Fabienne Pakleppa
  • 2001
    Franz Xaver Bogner, Ernst Maria Lang
  • 2000
    Albert Ostermaier, Hella Schlumberger
  • 1999
    Herbert Achternbusch, Maria Peschek
  • 1998
    Renate Just, Georg Ringsgwandl
  • 1997
    Axel Hacke, TamS (Eberhard Kürn, Anette Spola, Rudolf Vogel)
  • 1996
    Franz Geiger, Keto von Waberer
  • 1995
    Doris Dörrie, Sten Nadolny
  • 1994
    Gabi Lodermeier, Willy Purucker
  • 1993
    Lothar Günther Buchheim, Asta Scheib, Helmut Seitz
  • 1992
    Anne Rose Katz, Joseph von Westphalen
  • 1991
    Ernestine Koch, Herbert Rosendorfer
  • 1990
    Barbara Bronnen, Bruno Jonas
  • 1989
    Ernst Günther Bleisch, Karl Heinz Kramberg
  • 1988
    Wolfgang Ebert, Alexeji Sagerer, Michael Skasa
  • 1987
    Karl Hoche, Hanns-Christian Müller, Ponkie, George Tabori
  • 1986
    Hannes Burger, Rachel Salamander, Herbert Schneider, Klaus Peter Schreiner
  • 1985
    Biermösl Blosn (Christoph, Hans und Michael Well), Franz Xaver Kroetz, Siegfried Zimmerschied
  • 1984
    Philip Arp, Oliver Hassencamp, Ellis Kaut, Marianne Sägebrecht
  • 1983
    Carl Borro Schwerla, Sigi Sommer, Ernst Wendt
  • 1982
    Jörg Hube, August Kühn, Kurt Seeberger
  • 1981
    Sarah Camp, Armin Eichholz, Hannes König
  • 1980
    Peter de Mendelssohn, Gerhard Polt, Herbert Riehl-Heyse
  • 1979
    Franziska Bilek, Dieter Hildebrandt, Konstantin Wecker
  • 1978
    Effi Horn, Wilhelm Lukas Kristl, Hellmut von Cube
  • 1977
    Rolf Flügel, Anton Sailer, Martin Sperr
  • 1976
    Eugen Roth, Karl Spengler, Karl Ude
  • 1975
    Carl Amery, Isabella Nadolny

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Arbeitsstipendien im Bereich Literatur

Für literarische Projekte von Münchner Autor*innen.

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Die Literaturstipendien für den literarischen Nachwuchs werden alle zwei Jahre vergeben.

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In Kooperation mit den Münchner Kammerspielen, die die Werke auch zur Uraufführung bringen.