BA5: Aus der Geschichte des Bezirks

Vom Dorf vor den Toren Münchens zum 5. Stadtbezirk an der östlichen Seite der Isar

Die Isar von oben
Friedhof Haidhausen

Der Stadtbezirk 5 Au – Haidhausen im Portrait

Vom Dorf vor den Toren Münchens zum 5. Stadtbezirk an der östlichen Seite der Isar
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Die Geschichte des 5. Stadtbezirks

Der Stadtbezirk Au-Haidhausen ist in der Zusammenlegung der ehemaligen Vororte Au und Haidhausen entstanden. Die geschichtliche Entwicklung der beiden Stadtteile ist unterschiedlich: Während bereits im Jahr 808, also weit vor der Stadtgründung Münchens, eine Urkunde mit der Angabe „haidhusir“ auf das Bauerndorf Haidhausen hinweist, wird die Au erst 500 Jahre später durch den Verkauf eines Grundstücks „In der Aue“ erstmals aktenkundig.

Im 15. Jahrhundert ändert sich in beiden Orten viel: In Haidhausen boomt die Ziegelproduktion, nachdem in München eine Unmenge an Baumaterial für die neue Stadtmauer, die Frauenkirche und viele andere Vorhaben gebraucht wird. Am Auer Mühlbach werden zu dieser Zeit immer mehr Mühlen für Waffenschmieden, zur Papierproduktion und für die Getreideverarbeitung gebaut - in der Au entstand damals ein beachtliches Industriegebiet.

Das Jagd- und Lustschloss der Münchner Herzöge in Neudeck wird Mitte des 16. Jahrhunderts zur Sommerresidenz mit prächtigem Park ausgebaut und bringt Wohlstand in die Au. Hunderte von Taglöhnern und Bediensteten finden Arbeit und gutes Einkommen. Als 100 Jahre später der Hof das neue Schloss in Nymphenburg als Sommerresidenz wählt und Neudeck den Paulaner Klosterbrüdern schenkt, geht die Blütezeit der Au zu Ende und die Bevölkerung verarmt.

In späterer Zeit siedeln sich immer mehr kleinere Handwerker, Kleingewerbetreibende, Arbeiter und Tagelöhner vor den Toren der Stadt an. Aus dieser Zeit sind in der Au und in Haidhausen noch eine größere Zahl kleiner Herbergshäuser erhalten, die das Stadtbild in manchen Bereichen noch prägen. Sie erinnern von Ferne an die ärmlichen und beengten Lebens- und Arbeitsverhältnisse früherer Zeiten.hnungsbau wieder errichtet worden.

Mit der Stadtexpansion der Gründerzeit des 19. Jahrhunderts werden die inzwischen zur eigenständigen Stadt erhobene Au, die Vorstadt Au, und das Dorf Haidhausen 1854 von München eingemeindet. Beide Vorstadtgebiete sind begehrtes Objekt für großflächige Gebietsentwicklungen, um den dringend benötigten Wohnraum für die wachsende Zahl der Beamten, Angestellten und Arbeiter in der Stadt zu schaffen. Nach dem gewonnenen Krieg gegen Frankreich 1870/71 entsteht in Haidhausen das „Franzosenviertel“, gegliedert nach Prinzipien französischer Stadtplanung, mit Sternplätzen und nach Kriegsschauplätzen benannten Straßen. Um 1900 kommen in beiden Stadtvierteln große Gebiete mit genossenschaftlichem Wohnungsbau hinzu.

Der 2. Weltkrieg brachte schlimme und großflächige Zerstörungen - in der Au wurden ca. 80% der Gebäude vernichtet. Sie sind in den Jahren des Wiederaufbaus zu erheblichen Teilen durch städtische Wohnungsbaugesellschaften im sozialen Wo

Städtebauliche Entwicklung des Bezirks über die letzten Jahrzehnte

Mit dem Wirtschaftsaufschwung und dem rapiden Stadtwachstum entwickelte sich seit den 60er Jahren ein zunehmender Veränderungdruck auf zwei Ebenen, der beide Stadtviertel nicht nur in sozialer Hinsicht zunehmend verändert. Auf beiden Innenstadtrandgebieten lastet seit Jahren zunehmend Entwicklungsdruck, verursacht durch wirtschaftliche Expansion des Geschäftszentrums mit zunehmender Knappheit geeigneter Geschäfts- und Büroflächen für Spezialgeschäfte und zentrale Dienstleistungen. Die Verdrängungskonkurrenz geht tendenziell zu Lasten der örtlichen Stadtteilzentren, des Einzelhandels, der Handwerksbetriebe und Dienstleistungen zur Versorgung der Bevölkerung beider Stadtteile. Hier liegt ein Schwerpunkt der BA-Arbeit, zusammen mit den örtlichen Einzelhändlern und Betrieben Maßnahmen zur Verbesserung der Attraktivität und Konkurrenzfähigkeit unserer Stadtteilzentren zu planen und durchzuführen.

Au und Haidhausen waren traditionell stark durch Handwerksbetriebe geprägte Viertel. Im Zuge der Stadtsanierung mit Hinterhofentkernung, der Verlagerung der kleinen Betriebe in Gewerbe- und Handwerkerhöfe sind hier viele Arbeitsplätze weggefallen. In den letzten Jahren entstanden im und am Rande des Viertels zahlreiche Bürobauten. Die Arbeitsplätze verlagern sich also in den Dienstleistungsbereich. Durch die geplante Neubebauung des Ostbahnhofgeländes/Werksviertels wird sich diese Tendenz noch verstärken.

Seit vielen Jahren ist die Durchsetzung von Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung ein Schwerpunkt der Bezirksausschussarbeit. Mit der Mehrheit des damaligen Bezirksausschusses 14 - Haidhausen wurde die Verkehrsberuhigung in Haidhausen eingeführt. Bereits in der zweiten Hälfte der 80er-Jahre kamen aus Haidhausen die ersten Forderungen in München zur Einführung einer Parklizensierung. Mit der Wiedereinführung von Einwohnervorrechten im „Parkraummanagement“ zum 1. Oktober 1990, für die der BA sich jahrelang eingesetzt hat, gibt es Beschränkungen für Parkende. Die vorhandene gute Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln muss weiter ausgebaut werden, der öffentliche Raum auch für Fußgängerinnen und Fußgänger sowie Radfahrerinenn und Radfahrer sicher und attraktiv gemacht werden.

Im positiven Sinn gestaltend für die Arbeitsplatzentwicklung ist der Bezirksausschuss auf einer anderen Ebene. Im Zusammenhang mit der Stadtteilsanierung und den damit dominierenden Interessen, lukrative Wohnverhältnisse durchzusetzen, wurden Hinterhöfe entkernt. Handwerker mußten gehen, zahlungskräftige wurden umgesetzt in Handwerkerhöfe. Dieser Umstrukturierungsprozess hat bewirkt, daß ein Großteil der kleinen Handwerksbetriebe mit ihren Beschäftigungsmöglichkeiten aufgeben mußte. Die Mehrheit im Bezirksausschuss hat jahrelang dagegen gehalten und dafür gesorgt, daß sich mittlerweile diese Planungsvorgaben geändert haben. Jetzt gibt es in vielen Hinterhöfen noch manch alten und auch neue Betriebe, die sich dort wieder ansiedeln konnten. Durch das Herbergenprogramm – „Haidhauser Herbergen für Haidhauser Handwerker“ – wurden zusätzlich Familienbetriebe und Handwerkerhaushalte gehalten.

Mit der Änderung der Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt besteht auf einer zweiten Ebene starker Druck zu Lasten der ansässigen Bevölkerung. Wohnen und Arbeiten in der Stadt ist wieder gefragt, vor allem von jungen und zahlungskräftigen Einzelpersonen und Haushalten, die die großzügig geschnittenen und sanierten Altbauwohnungen aus der Gründerzeit bevorzugen. In der Konkurrenz unterliegen meist die Familien der ansässigen Bevölkerung, die angewiesen sind auf die noch relativ preisgünstigen Altbaumieten: Haushalte mit Kindern, Alleinerziehende, Studenten, Rentner. Wie der Armutsbericht der Stadt zeigt, haben Haushalte der unteren Einkommensgruppen immer noch starkes Gewicht in der Bevölkerung beider Stadtteile, trotz aller Veränderungen in der Sozialstruktur der vergangenen Jahre. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Sanierung in Haidhausen mit dem guten Vorsatz durchgeführt worden, die Stadterneuerung im Sinne der hier ansässigen Bevölkerung durchzuführen. Die Erfahrungen aus der Arbeitspraxis des BAs belegen aber, dass die Stadtsanierung trotz vieler Schutzmaßnahmen auf die Interessen der Auer und Haidhauser nur wenig Rücksicht genommen hat und allenfalls negative Entwicklungen abgefedert und in den Auswirkungen gemildert hat. In dieser Lage konzentriert sich die Arbeit des BAs auf das verbliebenen Instrumentarium für Schutzmaßnahmen aus dem Baugesetzbuch: Der Erlass von Erhaltungssatzungen und deren Fortschreibung zur Verhinderung von Luxussanierung zu Lasten der ansässigen Bevölkerung. Arbeitsschwerpunkt ist ebenso die Überwachung und Verhinderung von Wohnraum-Zweckentfremdungen.

Mit dem Städtebauförderungsgesetz wurde 1971 den Kommunen die Möglichkeit gegeben, städtebauliche Sanierung mit sozialen Zielen zu verbinden. Sanierungsträger und Sozialplanung konnten Hand in Hand arbeiten, um unerwünschte Sanierungsfolgen so weit wie möglich zu verhindern. Die Landeshauptstadt München hat diesen integrierten Weg frühzeitig eingeschlagen und in Haidhausen das Projekt der sozialen Stadterneuerung auf den Weg gebracht. Die Sanierung Haidhausens wurde 2009 für beendet erklärt - für einen großen Bereich Haidhausens gilt weiterhin die Erhaltungssatzung.
 

Resümee über die Sanierung von der ehemaligen Vorsitzenden des Bezirksausschusses, Frau Dietz-Will

Haidhausen - entstanden aus einer eigenständigen dörflichen Ansiedlung mit Kleinhäusern, Herbergen und Bauernhäusern und 808 erstmals urkundlich erwähnt – wurde nach der Eingemeindung 1854 ergänzt durch ein systematisch geplantes Stadtviertel mit symmetrischen Plätzen und repräsentativen Straßenzügen, dem so genannten „Franzosenviertel“ zwischen dem alten Dorfkern und dem Ostbahnhof. Vorherrschend ist heute eine 4 bis 5- geschossige Blockstruktur aus der Jahrhundertwende, von der im 2. Weltkrieg glücklicherweise relativ wenig zerstört wurde. Bis auf die Reparatur von Kriegsschäden sind von den Hausbesitzern Investitionen in den Erhalt und die Erneuerung der Bausubstanz in den allermeisten Fällen jahrzehntelang unterblieben.

Um den zunehmenden städtebaulichen und strukturellen Missständen zu begegnen und die ab Mitte der siebziger Jahre einsetzende Bodenspekulation zu steuern, wurden 1976 insgesamt 21 Blöcke als Sanierungsgebiet förmlich festgelegt und damit die Voraussetzung geschaffen, Städtebauförderungsmittel einzusetzen.

Die Sanierungsmaßnahmen in Haidhausen sind mittlerweile abgeschlossen. Sukzessive wurden 17 Sanierungsblöcke aus der Sanierung entlassen und die jeweilige Sanierungssatzung aufgehoben. Auch die restlichen Einzelentlassungen von Block 19, 20, 22 und 25 mit Aufhebung der Sanierungssatzungen sind zwischenzeitlich abgeschlossen.

Wir haben im Bezirksausschuss 5 diese Beschlüsse sukzessiv zur Kenntnis genommen – zur Kenntnis genommen deshalb, weil die Situation nach Aufhebung der Sanierungssatzung erhebliche Änderungen nach § 136 des Baugesetzbuches mit sich bringt.

Deshalb hat der BA frühzeitig – vor Beginn der Einzelentlassung der ersten Sanierungsblöcke – die Erhaltungssatzung gefordert. Diese Satzung haben wir seit 1996. Sie läuft 2011 aus und muss nochmals fortgeschrieben werden.

Die uns vorgelegte Beschlussvorlage enthielt in Punkt B „Gesamtabschluss der Sanierung in Haidhausen“ eine durchgängig positive Bewertung des Sanierungserfolges. Dies wird für ganz Haidhausen behauptet, gilt aber nur für die durch die MGS sanierten Häuser, die allein Gegenstand der Untersuchung der GFS waren.

Nach Jahrzehnten ging nun die Geschichte der Stadtteilsanierung Haidhausens zu Ende: 368 Mio. Euro wurden dafür eingesetzt und Haidhausen ist nach der Sanierung in seiner Attraktivität so aufgewertet, dass sich hier Immobilienkäufer aus ganz Deutschland einfinden. In den 21 Sanierungsblöcken hat die MGS 372 sozial gebundene und 92 frei finanzierte Wohnungen modernisiert und 627 mit öffentlichen Mitteln geförderte sowie 74 frei finanzierte Wohnungen neu gebaut – insgesamt also 1.165 Wohnungen (999 mit öffentlichen Mitteln, und 166 freifinanzierte Wohneinheiten).

Das sind nicht einmal 10 Prozent des Haidhauser Wohnungsbestandes von schätzungsweise 15.000 Wohnungen bei 33.635 Bewohnern. Die Übersicht auf Seite 9 bzw. 20 und 21 der MGS-Broschüre zeigt die Sanierungsblöcke und die durch die MGS sanierten bzw. neu gebauten Objekte, die sich punktuell verteilen. Es dominiert – entgegen den Zielvorstellungen der Stadtteilsanierung – die Sanierung in privater Trägerschaft. Absicht war, dass durch die öffentliche Sanierung Impulse gesetzt werden für private Sanierung. Aber auch diese sollte nach Stadtratsbeschluss den sozialen Zielen der öffentlichen Sanierung entsprechen.

Offizieller Bericht

Unsere Isar – ein Gebirgsfluss mitten in der Stadt

Vor hundert Jahren glaubte man, mit Begradigungen und Überschwemmungswiesen die Isar in ein Korsett zwingen zu können. Heute ist klar, dass sich die Natur davon nicht beeindrucken lässt – der Isarplan wurde geboren.

Ab der Großhesseloher Brücke wurde seit 1999 das Flussbett ausgeweitet, die Ufer abgeflacht. Die Isar kann frei fließen, neue Kiesbänke ausbilden, ihr Gesicht immer wieder verändern. Die Wasserqualität wurde durch UV-Desinfektionsanlagen (siehe unten bei "Externe Links) im Oberlauf verbessert.

Seine erste Bewährungsprobe bestand der Isarplan beim Hochwasser 2005. Obwohl der Pegel wieder einen Rekord aufstellte, hielten die Deiche, das Flussbett bot der „Reissenden“ ausreichend Platz.

Dann kam die Isarrenaturierung auch mitten in der Großstadt an. Heftig gestritten wurde von 2003 bis 2005 um den Bereich zwischen Braunauer Eisenbahn- und Corneliusbrücke. Die Jury hatte beim Architektenwettbewerb 2003 einen Entwurf prämiert, der vor allem der SPD vor Ort, den Bürgern und dem Bezirksausschuss viel zu gerade und viel zu betonlastig war. Nach vielen Diskussionen gelang aber dann ein naturnaher Kompromiss.

Bei der Reichenbachbrücke wurde vom April 2007 bis April 2009 ein „Spartentunnel“ gegraben, mit dem das Mischwasser aus den Regenüberläufen abgeleitet wird, um die Wasserhygiene zu verbessern. Erst dann begann die eigentliche Renaturierung des vorläufig letzten Abschnitts, der dann 2011 abgeschlossen wurde.

Die 1873 errichtete Wehranlage an der Praterinsel, unterhalb der Maximilansbrücke, wurde durch das Hochwasser 2005 stark in Mitleidenschaft gezogen und musste komplett erneuert werden. Nach der ursprünglichen Planung sollten dabei die Kaskaden wegfallen.

Aber der über fünf Stufen abstürzende Wasserfall ist eine Attraktion, auch für Spaziergänger. Durch das kräftige Rauschen des fallenden Wassers wird zusätzlich der Verkehrslärm wirksam übertönt.

Die Kaskaden sind auch Teil der Denkmäler „Isarkai“ und „Maximiliansbrücke“. Für den Bezirksausschuss war das Grund genug, für die Kaskaden zu kämpfen. Mit Erfolg – das Wahrzeichen blieb in seiner historischen Form bei der Sanierung (2009-2010) erhalten.

Im Zuge der Sanierung wurde ein Gemeinschaftsprojekt der Green City Energy AG und den SWM realisiert, nämlich ein Wasserkraftwerk an der Praterinsel. Das Praterkraftwerk erzeugt im Herzen Münchens klimafreundlichen Strom für über 4.000 Haushalte. Angetrieben von der natürlichen Kraft der Isar, strömen maximal 34.000 Liter Wasser pro Sekunde durch den Stollen unter dem Flussbett, um an seinem Ende eine 30 Tonnen schwere Hightech-Turbine anzutreiben. Mit dem Praterkraftwerk wurde zwischen 2009 und 2010 ein weiteres Projekt im Rahmen der ‚Ausbauoffensive Erneuerbare Energien‘ erfolgreich realisiert. Das Kraftwerk ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert, vor allem, weil es mitten in der Stadt, unterirdisch und damit unsichtbar, CO2-frei Energie erzeugt. Hier sind auf beispielhafte Weise die Anforderungen von regenerativer Energieerzeugung, Ökologie und auch Stadtgestaltung berücksichtigt worden. Am linken Ufer oberhalb des Praterwehrs wird das Wasser der Großen Isar in das Einlaufbauwerk abgeleitet, wo es über eine unterirdische Druckleitung unter dem Flussbett zur Turbine geschleust wird. Sie ist das Herz der Anlage, die unter den Kaskaden an der Maximiliansbrücke eingebettet ist und den Generator antreibt.