Stipendien Kinder- und Jugendtheater
Die Stipendien sollen den Akteur*innen der freien Szene Arbeits- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten eröffnen und sie in ihrem künstlerischen Schaffen voranbringen.
Über das Stipendium
Das Kulturreferat der Landeshauptstadt München vergibt seit 2022 jährlich Stipendien an professionelle, freischaffende Künstler*innen (Einzelpersonen) im Bereich der Darstellenden Kunst für junges Publikum. Ausgeschrieben werden bis zu vier Stipendien à 8.000 Euro. Die Stipendien sollen den Künstler*innen der freien Szene wichtige Arbeits- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten eröffnen und sie in ihrem individuellen künstlerischen Schaffen voranbringen. Gefördert werden insbesondere folgende Aktivitäten:
- Recherchen auch ohne unmittelbaren Bezug zu einer geplanten Produktion
- Das Erarbeiten von neuen Konzepten und künstlerischen Ansätzen
- Die Teilnahme an umfangreicheren Fort- und Weiterbildungen, Fachaustausch, Visitationen etc.
Über die Vergabe der Stipendien entscheidet der Stadtrat der Landeshauptstadt München auf Empfehlung einer Jury.
Das Stipendium für Kinder- und Jugendtheater erhalten
Steinhöfel, Laura: „Die Kunst des Verbündet-Seins. Allyship als künstlerische Praxis im inklusiven Kinder- und Jugendtheater“
Laura Steinhöfel ist als deutsch-peruanische Regisseurin, Schauspielerin und Kulturpädagogin schon seit mehreren Jahren eng mit den freien Darstellenden Künsten für junges Publikum verbunden. Ihr Ausbildung hat sie nach dem Studium der Theaterwissenschaft in München mit Theaterregie in Salzburg und Schauspiel in London komplettiert. Ihr Forschungsvorhaben reflektiert ihre Erfahrungen in der inklusiven Zusammenarbeit mit Künstler*innen. So produzierte sie im Jahr 2025 zusammen mit Tauben Künstler*innen das nonverbale Stück „Tanzwald“. Davon ausgehend entwickelte sich eine zentrale Frage für ihr Recherchevorhaben: „Wie können Künstler*innen mit unterschiedlichen Voraussetzungen gemeinsam künstlerische Prozesse gestalten, ohne bestehende Machtverhältnisse unbewusst zu reproduzieren?“. Laura Steinhöfels Suche nach der „Kunst des Verbündetseins“ geht dabei über bekannte Diskurse rund um Inklusion und Barrierenabbau hinaus und greift virulente gesellschaftliche Debatten auf. Bezogen auf künstlerische Prozesse im Kinder- und Jugendtheater stellt sie grundlegende Fragen nach Autor*innenschaft, Verantwortung und Macht. In der Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen stellen sich diese Fragen regelmäßig und werden in Laborformaten mit Künstler*innen, Kindern und Jugendlichen neu gestellt. Ihre Erfahrungen aus dem Tanz bedeuten für Laura Steinhöfel, dass der Körper nicht ausgeblendet, sondern aktiv einbezogen wird, wenn es darum geht, wie wir kommunizieren, entscheiden, Kunst schaffen und Unterschiedlichkeit produktiv machen. Die Jury ist beeindruckt, wie ernsthaft die Künstlerin den bereits eingeschlagenen Weg weiterverfolgen möchte und ist überzeugt, dass hier ein Forschungsvorhaben skizziert wird, dessen Erkenntnisse und Thesen langfristig zukünftige Produktionen positiv beeinflussen können. Das geplante Recherche-Dossier soll öffentlich gemacht werden und eine breite Diskussion der Arbeitsergebnisse ermöglichen. So trägt das Stipendium letztlich dazu bei, dass Kinder und Jugendliche die Vielfalt der Gesellschaft als Ausgangspunkt für kreative Prozesse und Quelle verbindender Kunsterlebnisse erleben.
Silzle, Rinus: „Motion Capture“
Der mehrfach ausgezeichnete Autor und Regisseur Rinus Silzle setzt sich seit einigen Jahren schon mit zeitgenössischen digitalen Themen auseinander: der Künstlichen Intelligenz, den Medien oder den digitalen Lebenswelten von Jugendlichen. Mit diesem Stipendium Kinder- und Jugendtheater möchte er diesen Weg weiterverfolgen und sich in die Technik des Motion Capture vertiefen. Bewegungen von Menschen werden hierbei auf virtuelle 3D-Modelle übertragen und in Videos ausgespielt. Dafür kooperiert er mit einer Münchner Virtual Reality Agentur, die die benötigte Technik zur Verfügung stellt. In der Verwendung für das Theater sieht Silzle die Möglichkeit, das Spiel und den Live-Moment von Theater auszustellen und in die digitale Welt zu übertragen. So macht die Live-Übertragung von Bewegung die Schauspieler*innen zu Puppenspieler*innen ihrer selbst. Mit dem Einsatz dieser Technik bei gleichzeitiger Wertschätzung der leiblichen Kopräsenz eröffnet Silzle eine vielversprechende Möglichkeit, ein junges Publikum auf der Höhe der Zeit für das Theater zu begeistern. Das Vorhaben steht in engem Bezug zu Silzles Handschrift als Regisseur. In seinem aktuell geförderten Kinder- und Jugendtheaterstück „Vlogging.Ego“ beschäftigt er sich mit der theatralen Darstellung einer Gleichzeitigkeit von analoger und digitaler Welt. Die Recherche ist auf die Frage hin perspektiviert, ob Motion Capture ermöglicht, die Trennung dieser Räume auf der Bühne schärfer abbilden zu können. Die Jury empfiehlt die Vergabe des Stipendiums Kinder- und Jugendtheater für dieses innovative, künstlerisch relevante und gut durchdachte Recherchevorhaben.
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2026
Alina Aladag; Philipp Jescheck; Katharina Bianca Mayrhofer; Anna Möhrle; Helene Sophia Schmitt
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Marie-Sophie Ernst; Marianne Klausen; Karen Modrei - 2024
Gabi Altenbach; Annette Geller; Thalia Schoeller; Laura Steinhöfel - 2023
Jörg Baesecke; Dominik Burki; Léonard Engel; Rinus Silzle - 2022
Ines Honsel; Verena Regensburger; Susanne Schneider; Jochen Strodthoff; Caitlin van der Maas