Tanzstipendien

Mit dem Tanzstipendium soll die künstlerische Weiterbildung bzw. die Erarbeitung eines neuen künstlerischen Konzepts gefördert werden.

Über die Förderung

Die Landeshauptstadt München vergibt jährlich Arbeits- und Weiterbildungsstipendien im Bereich Tanz in Höhe von maximal 8.000 Euro. Mit dieser Förderung soll die künstlerische Weiterbildung beziehungsweise die Erarbeitung eines neuen künstlerischen Konzepts unterstützt werden.

Mit den projektbezogenen Stipendien sollen sowohl jüngere als auch etablierte Tanzschaffende unterstützt werden. Es besteht keine Altersbegrenzung. Die eingereichten Vorschläge werden durch die Freie-Tanzschaffenden-Jury bewertet.

Das Tanzstipendium erhielten

Hummel, Judith: Geschwisterschaft – Léonie, Adrien, Didier
Die Performerin und Choreografin Judith Hummel ist seit vielen Jahren eine feste Größe in der Münchner Tanzszene und überzeugt stets durch konzeptionell kluge sowie atmosphärisch und sinnlich präzise Arbeiten. Aus dem Stipendium 2022 entwickelte sich der filmische dritte Teil ihres Langzeitprojekts „Wo komme ich her?“, in dem Hummel mit Live-Installationen und im Film den Fluchtweg der Großmutter 1944 von Rumänien nach Deutschland nachzeichnete und physisch nachging. In den künstlerischen Forschungsfeldern Körper als Archiv, Familiengeschichte und Migration bewegt sich auch die neue Recherche: Die unbekannten Zweitfamilien mit Halbgeschwistern afrikanischer Herkunft gaben den Themen Identität und Erinnerung eine spezielle Brisanz. Dass es nicht um eine rein private Geschichte um den verschollenen Vater gehen wird, sondern um interkulturelle Lebenswege und Begegnungen, dafür bürgen Hummels Arbeitsweise an der Schnittstelle von Bewegung und bildender Kunst sowie speziell ihr Vermögen, persönliche Archive und kulturelles Gedächtnis, Intimität und unterschiedliche Wahrnehmungsmöglichkeiten zu verbinden. Die Jury empfiehlt deshalb die Förderung mit einem Stipendium in Höhe von 8.000 Euro.

Grossmann, Lena: Brüchige Körper, Strategien der Unschärfe – eine choreografische Recherche
Lena Grossmann hat in ihren bisherigen Arbeiten wie „Mimetic Bodies“ und „What do you need to see – on being watched“ eine künstlerische Form der Feldstudie im öffentlichen Raum entwickelt. Diese spezifische Form der Recherche setzt sie nun zum Thema Unschärfe und Unsichtbarkeit fort. Im Zentrum des Interesses steht dabei der Körper, der einer Situation entfliehen möchte, sich nicht zeigen will. Lena Grossmann stellt sich die Frage, wie Bewegungen, die sonst nicht in performancebezogenen Kontexten auftauchen, in neue Formen der Sichtbarkeit gebracht werden können. Die Erstellung einer choreografischen Sammlung soll die Basis für einen Projektantrag im Folgejahr werden. Das Vorhaben stellt eine originelle Weiterführung ihrer bisherigen künstlerischen Praxis dar. Der Antrag überzeugt durch eine ausgesprochen gute Kontextualisierung und klare Auswertungsziele wie Vernetzung und Weitergabe der erarbeiteten Inhalte. Daher empfiehlt die Jury die Förderung in Höhe von 8.000 Euro.

Purucker, Micha: dox.now.new
Micha Purucker blickt auf eine langjährige Erfahrung als Choreograf zurück. In seinem Stipendienantrag verweist er auf die Archivierung seiner Werke und problematisiert die vieldiskutierte Unzulänglichkeit der filmischen Dokumentation. Micha Purucker liefert mit seinem Vorhaben einen originellen und innovativen Beitrag zu dieser Debatte. Statt seine Werke filmisch zu dokumentieren, schlägt er ein Verfahren vor, das Fotografien aneinanderreiht. Die Momente zwischen den Bildern werden von ihm als Leerstellen formuliert, die durch die betrachtende Instanz gefüllt werden sollen. Gerade in der Unterbrechung der Kontinuität verortet Micha Purucker das Potential einer neuen Erzählweise. Erste Experimente der Bildreihung möchte er weiterführen und professionalisieren. Für das Stipendium arbeitet er mit den Videokünstler:innen Deva Acharya und Ali Al Aubaidi zusammen. Daher empfiehlt die Jury die Förderung in Höhe von 7.500 Euro.

Stöckle, Leonie: Killing me softly
Mit dem Rechercheprojekt „Killing me softly“ beweist die Münchner Tänzerin Leonie Stöckle gemeinsam mit dem Kollektiv TJLJ (TBD) eine bemerkenswerte Initiative im Bereich des choreografischen Nachwuchses. Die vier Tänzer*innen, allesamt am Zentrum für Zeitgenössischen Tanz der Hochschule für Musik und Tanz Köln ausgebildet, widmen sich einem hochaktuellen und gesellschaftlich dringlichen Thema: der körperlichen und emotionalen Dimension von Konflikten, Machtdynamiken und Konfrontation. Das Vorhaben besticht durch die konkrete Bewegungspraxis, die bereits bei einer ersten Residenz in der Tanztendenz München erprobt wurde und auf solidem Material aufbaut. Stöckle und ihr Team dekonstruieren performative Aspekte des Kampfes – wie das ‚Clinchen’ oder den klassischen ‚Stare-Down‘ im Muay Thai – und befragen diese jenseits von heteronormativen und patriarchalen Narrativen nach ihrem Potenzial für Intimität, Verletzlichkeit und Nähe. Das Kollektiv zeigt eine klare Vision, wie diese physischen Grenzgänge sowohl in eine spätere Performance als auch in zukunftsweisende Vermittlungsformate für Kinder und Jugendliche (in Kooperation mit Fokustanz e.V.) einfließen können. Die Einbindung der erfahrenen Münchner Mentor*innen Johanna Richter und Zufit Simon garantiert eine professionelle Begleitung und eine tiefere Verankerung in der lokalen Szene. Ein absolut unterstützungswürdiges Stipendium für eine vielversprechende Recherche. Die Jury empfiehlt eine Förderung in Höhe von 8.000 Euro.

Thron, Vanessa: Where is the child I used to be? Encounters in a foreign space called ‚body‘
Mit ihrer Arbeitsrecherche legt Vanessa Thron einen reflektierten und künstlerisch vielversprechenden Stipendienantrag vor. Ausgehend von einer persönlichen Fragestellung nähert sie sich mit dem Thema sexualisierter Gewalt, das gesellschaftlich hochrelevant und in der Tanzkunst bislang selten bearbeitet wurde, mit Sensibilität und intellektueller Tiefe. Im Mittelpunkt der Recherche steht die Auseinandersetzung mit dem Körper als Erinnerungsraum und der Frage, wie sich biografische Erfahrungen in den Körper einschreiben und choreografisch erforschen lassen. Der Antrag überzeugt durch präzise konzeptionelle Herleitung sowie die Verbindung persönlicher Motivation mit übergeordneter künstlerischer und gesellschaftlicher Fragestellung. Auch wenn Thron choreografisch bislang noch wenig in Erscheinung getreten ist, lässt der Antrag eine eigenständige künstlerische Handschrift und ein deutliches Entwicklungspotenzial erkennen. Die Jury würdigt die Arbeitsrecherche der inklusiven Tanzschaffenden daher als inhaltlich überzeugenden Beitrag und empfiehlt die Vergabe eines Arbeitsstipendiums in Höhe von 8.000 Euro.

  • 2025
    Matteo Carvone; Cristina D’Alberto; Diego Tortelli & Miria Wurm GbR; Sahra Huby; Judith Hummel; Jasmine Ellis Projects gUG; Jin Lee; Quindell Orton
  • 2024
    Alina Belyagina; Bruch GbR; Léonard Engel; Playground GbR; Alfredo Zinola
  • 2023
    Manasvini K. Eberl; Stephanie Felber; Lena Grossmann; Stephan Herwig; Judith Hummel; Nicola Kötterl; Playground GbR
  • 2022
    Alina Belyagina, Léonard Engel, Judith Hummel, Kathrin Knöpfle, Sabine Karb, Simone Lindner-Bungert, Katja Wachter,
  • 2021
    Callie Arnold, Sophie Becker, Sahra Huby, Kolja Huneck, Carolin Jüngst, Quindell Orton, Susanne Schneider, Lucy Wilke
  • 2020
    Sandra Chatterjee, Leonard Engel, Angela Guerreiro, Mario Lopes Vieira da Silva, Ceren Oran, Zufit Simon, Alfredo Zinola
  • 2019
    Ingeborg Maria Engel, Sabine Glenz, Martina La Ragione, Katrin Schafitel, Rosalie Wanka
  • 2018
    Sandra Chatterjee, Léonard Engel, Stephanie Felber, Ceren Oran
  • 2017
    Anna Donderer, Judith Hummel, Katrin Schafitel, Zufit Simon
  • 2016
    Stephanie Felber, Sarah Huby, Mia Lawrence, Ceren Oran
  • 2015
    Stephan Herwig, Sarah Huby, Judith Hummel, Alfredo Zinola
  • 2014
    Annett Göhre, Yvonne Pouget, Micha Purucker, Mey Sefan, Sarah Israel (Debütförderung)

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