Tanzstipendien

Mit dem Tanzstipendium soll die künstlerische Weiterbildung bzw. die Erarbeitung eines neuen künstlerischen Konzepts gefördert werden.

Arbeitsstipendien zur Weiterbildung

Die eingereichten Vorschläge werden durch die Juries der freien Tanzgruppen.

Die Vergabeempfehlungen der Juries orientieren sich an den Grundlagen und Richtlinien der Förderung aktueller darstellender Kunst. Danach werden Künstlerinnen und Künstler sowie Gruppen gefördert, die auf der Basis nachgewiesener professioneller Arbeit erste künstlerische Erfolge erzielt haben. 

Bewerben können sich Künstlerinnen und Künstler sowie Gruppen im Bereich Tanz und Theater, die in ihren Wohnsitz in der Region München haben. Die Stipendien sind vorhabensbezogene Arbeits- und Weiterbildungsstipendien, mit denen sowohl jüngere als auch etablierte Choreographinnen und Choreographen gefördert werden sollen. Es besteht keine Altersbegrenzung. Die Förderung beträgt maximal 8.000 Euro.

Die Einreichung der Bewerbungen ist bis 1. Juni für das Folgejahr möglich.

Das Tanzstipendium erhielten

  • Manasvini K. Eberl; Stephanie Felber; Lena Grossmann; Stephan Herwig; Judith Hummel; Nicola Kötterl; Playground GbR

Manasvini K. Eberl: Tanz und Malerei – ein kinästhetisches Interesse

Die Analyse der kinästhetischen Erfahrung im Malprozess steht im Fokus des For­schungsinteresses der Tänzerin und Choreographin Manasvini K. Eberl und der Perfor­mancekünstlerin Sarah-Lena Brieger. Was passiert somatisch im Entstehungsprozess eines Bildes, welche Körperlichkeit, welche Bewegungsqualitäten des Malenden stehen dabei im Vordergrund? Durch Teilnahme an unterschiedlichen, künstlerischen Gestal­tungsworkshops wollen Eberl und Brieger tiefer in die Materie Malerei eintauchen und herausfiltern, welche Materialien und Maltechniken welche Bewegungsqualitäten und Bewegungsabläufe hervorrufen. Dabei werden unterschiedliche Techniken und Malwei­sen, wie zum Beispiel Aquarell, Acryl, Ölkreide, Tusche, Spachteln, und das Collagieren und Verwendung unterschiedlichster Materialien erforscht und körperlich konnotiert – immer mit der Intention, die Körperlichkeit und die verschiedenen Qualitäten beim eige­nen Gestalten bewusst mit diversen Wahrnehmungssträngen zu erleben und zu ver­innerlichen und diese kinästhetisch, haptisch und taktil aber auch visuell und auditiv auf­zunehmen. Das gefundene Konzentrat an Bewegung und sensitivem Empfinden soll dann unabhängig vom inhaltlichen Malprozess und vom entstandenen Bild stehen und mit choreographischen Gestaltungskriterien als Tanz verändert, variiert und festgelegt werden. So werden kinästhetisch gespeicherte Bewegungen und sensitive Körperzu­stände als Ausgangsmaterial für neues Tanzmaterial gewonnen, auch mit der Fragestel­lung, welche Ansätze sich daraus ergeben, die performativ auf der Bühne zum Einsatz kommen können. Der Forschungsprozess soll im gegenseitigen Filmen dokumentiert werden: Das praktische Tun, die Bildgestaltungen daraus und die Übertragungen auf körperliche Zustände, Bewegungsabläufe und auf neue choreographische Ansätze. Die Jury ist von der Konzeption des Forschungsprojekts überzeugt und empfiehlt, dieses mit einem Arbeits- und Fortbildungsstipendium in Höhe von 8.000 Euro zu fördern.

Stephanie Felber: Aurale Choreographie

Wie können Raum und Bewegung bei einer Performance akustisch erfahrbar gemacht werden? Im vorliegenden Antrag stellt die Künstlerin dar, wie gewinnbringend eine inten­sivierte Recherche dieser Zusammenhänge für ihre eigene Praxis sein kann. In erster Li­nie besticht ihr Vorhaben durch die gut recherchierten Weiterbildungsgelegenheiten, die die Künstlerin wahrzunehmen und in Kontext zu setzen wünscht: anhand von Seminaren der DEGA (Deutsche Gesellschaft für Akustik) möchte sie die Wechselwirkung von Raum und Akustik erforschen. AMOENUS (gemeinnützige Kunstorganisation, die immersive Kunst rund um 3D-Sound kuratiert und fördert) und IKLECTIK (Plattform für zeitgenössische Kunst, experimentelle Musik und künstlerische Praxis) in London sind weitere Ziele auf ihrem akustischen Fortbildungsweg. Zudem plant sie, an der Schnitt­stelle zwischen künstlerischer Praxis und Wissenschaft zu forschen, was sie durch einen Austausch mit gezielt ausgesuchten Wissenschaftler*innen und Künstler*innen umzu­setzen gedenkt. Prof. Jan St. Werner und das lettische Künstlerduo IevaKrish können ihr hier einschlägige Erfahrung im Bereich akustischer Forschung und/oder deren Einbin­dung in eine choreographierte Klanginstallation bieten. Ein Rechercheergebnis soll über performative Labore mit anderen Künstler*innen teilweise auch mit der Öffentlichkeit ge­teilt werden. Das durchdachte Vorgehen mit sichtbarem Mehrwert für die Weiterentwick­lung dieser Künstlerin hat die Jury überzeugt, weshalb sie empfiehlt, die Recherche mit einem Arbeits- und Fortbildungsstipendium in Höhe von 8.000 Euro zu fördern.

Lena Grossmann: BETRACHTEN – BETRACHTET WERDEN – eine choreographische Recherche

Lena Grossmann erhielt 2019 die Debütförderung für eine von Tänzer*innen aktivierte performative Raumstruktur, die sie 2020 im Kunstraum München realisierte; seinerzeit erschien von ihr auch eine Publikation zur Bewegungsnotation. Seither hat die in musi­kalischer Komposition an der Züricher Hochschule der Künste sowie als Meisterschü­lerin von Prof. Olaf Nicolai an der Münchner Akademie der Bildenden Künste ausgebil­dete Künstlerin zahlreiche Projekte realisiert. Ihr Diplomprojekt an der Akademie 2022 aktivierte mittels Scores Wahrnehmung und Verhalten des Publikums. Eine Residenz an den Kammerspielen erprobte dies im öffentlichen Raum an der Münchner Freiheit. Mit einem offenen Atelier bei einer Residenz im schwere reiter gab sie Einblick in ihre Erfor­schung von „MIMETIC BODIES“ und im Sommer 2022 münden diese Performances in der Lothringer13 in eine Ausstellung. Alle Arbeiten zeichnen sich aus durch präzises, subtiles und innovatives Denken zu Gesten- und Bewegungsrepertoires, zu Bezug­nahmen zum Raum und zu interpersonellem (mimetischem) Verhalten. Dieser Ansatz soll nun in einer Recherche „BETRACHTEN – BETRACHTET WERDEN“ weiterent­wickelt werden. Das Verständnis der körperlichen Kommunikation will die Künstlerin hin­sichtlich der aktiven und passiven Aspekte der Wahrnehmung vertiefen und – im Dialog mit Tanzschaffenden und Theoretiker*innen – anhand der Fragestellung „Wie werden Strategien und Machtstrukturen in der Wahrnehmung in Tanz- und Performanceformaten eingesetzt?“ erörtern. Die Jury empfiehlt, das Vorhaben der Künstlerin mit einem Arbeits- und Fortbildungsstipendium in Höhe von 8.000 Euro zu unterstützen.

Stephan Herwig: Recherche über Arbeitsweisen von Künstler*innen anderer Sparten

Jahrelang dienten Stephan Herwig andere Künste als Inspiration. Schlüssig erläutert der seit 2006 in München etablierte Choreograf im vorliegenden Antrag, weshalb nach Jah­ren unablässiger künstlerischer Produktion eine Auszeit nötig ist, um den eigenen Inspi­rations- und Kreationsprozess neu anzuregen: Zum einen soll diese Phase des Innehal­tens einer Reflektion der bisherigen eigenen Arbeiten dienen. Zum anderen möchte Stephan Herwig diese Zeit zur Recherche der Arbeitsweisen anderer Kunstsparten nutzen, zum Blick über den eigenen Tellerrand seiner Disziplin und in Arbeitsprozesse anderer Künstler*innen, da nicht nur Inhalte, sondern auch Produktionsbedingungen und äußere Umstände eine Kreation maßgeblich mitformen: beispielsweise können durch extreme physische Einschränkungen ganz andere kreative Prozesse freigesetzt werden. Die Umsetzung seines Vorhabens plant der Künstler mittels eines Fragebogens zu Arbeitsweisen von Künstler*innen anderer Disziplinen (und deren teilweise Veröffentlichung auf seiner Website) und durch Reisen und Besuche in deren Arbeitsräume. Die Jury empfiehlt, das Vorhaben von Stephan Herwig mit einem Arbeits- und Fortbildungsstipendium in Höhe von 8.000 Euro zu fördern.

Judith Hummel: „Walk with me“ (AT) – Vermittlungsstrategien zur künstlerischen Praxis

Seit vier Jahren beschäftigt sich die Münchner Choreografin und Performerin Judith Hummel mittlerweile mit der Praxis des Gehens. In ihrem dreiteiligen Projekt „Wo komme ich her? Gehen – von Rumänien nach Deutschland“ verfolgte sie den Fluchtweg ihrer Großmutter aus dem rumänischen Săcălaz nach Deutschland. Gehen ist dabei für Hummel nicht eine kontemplative Selbsterfahrung, sondern Basis für die Weitergabe künstlerischer Impulse. Während des Gehens sammelte sie Objekte, Video- und Tonaufnahmen und verwob diese zu kondensierten Performances, die bei den Münchner Festivals RODEO 2020 und DANCE 2021 zu sehen waren. Der Akt des Gehens und des sich im öffentlichen Raum Bewegens ist nicht zuletzt durch die Pandemie neu erfunden worden. Auch im tänzerisch-performativen Bereich spielte das Gehen besonders seit den 1960er Jahren eine wesentliche Rolle als künstlerische Inspiration und wurde im Laufe der Geschichte immer wieder zu einem selbstermächtigenden bzw. politischen Akt, wie es etwa Rebecca Solnits Untersuchung „Wanderlust – A History of Walking“ zeigt. Im Rahmen eines Arbeits- und Fortbildungsstipendiums will Hummel sich eingehender mit Vermittlungsstrategien ihrer künstlerischen Praxis auseinandersetzen und Formate in Form von ‚walking experiences‘ entwickeln, die für Menschen in München und Frankfurt verschiedenen Alters, Geschlechts und Herkunft angeboten werden sollen. Der klar formulierte und einem dichten Netz an Referenzen folgende Antrag legt ihr Forschungsinteresse dar: Zunächst wird sie drei walking-Formate entwickeln und Gehen als performative Praxis historisch-theoretisch aufbereiten und kontextualisieren; daraufhin folgt die praktische Vermittlung der Formate im Stadtraum sowie die Aufbereitung und Dokumentation dieser. Nachdem bereits die Einzelprojekte von Hummel gefördert wurden, ist es nur konsequent auch ihren neuen Ansatz, aus der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Praxis des Gehens ein Vermittlungsformat zu kreieren, zu fördern. Daher spricht sich die Jury für die Vergabe eines Arbeits- und Fortbildungsstipendiums in Höhe von 8.000 Euro aus.

Nicola Kötterl: Variations on Caesar

Eine Ausstellung 1972 in München erinnerte an die deutschen Ausgrabungen in Olympia und die sportlichen Wettkämpfe im antiken Griechenland. Zahlreiche Exponate berei­chern seither das Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke München. Die Athleten waren Helden und wurden, wie Gottheiten und Staatsmänner, in Skulpturen verewigt. Nicola Kötterl möchte zu deren Pathos und Posen – im Rahmen eines Arbeits- und Fort­bildungsstipendiums – ein künstlerisches Konzept entwickeln, das im Herbst 2023 in eine Aufführung im Museum für Abgüsse klassischer Bildwerke münden soll. Die erneute Hinterfragung, aus aktueller Sicht, solcher heroischer Körperbilder im Hinblick auf Gen­der, Repräsentation und Tradierung ist ein schlüssiger Ansatz, da diese »idealen« und herrscherlichen Darstellungen lange als hohes Bildungsgut galten und bis heute ideolo­gisch Wirkungen zeitigen. Die Arbeiten von Nicola Kötterl, ausgebildet in Tanz und Cho­reographie wie auch im Bereich Neue Medien und Bildhauerei, bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Tanz und bildender Kunst. Entsprechend soll die angezielte Per­formance zwischen Tänzerinnen, Publikum und den Skulpturen im Raum neue Verbin­dungen schaffen. Kötterl hat bereits mehrere spannende Installationen und Performan­ces realisiert. Die Dekonstruktion (sowie Rekombination) solcher wirkmächtiger Skulpturen-Posen verspricht choreographisch wie ideologiekritisch im Hinblick auf Image-Ideale, Body Perfection und Körperinszenierungsstrategien interessante Ergeb­nisse. Die Jury empfiehlt deshalb das Vorhaben der Künstlerin mit einem Arbeits- und Fortbildungsstipendium in Höhe von 7.414 Euro zu unterstützen.

Playground GbR: NOMADIC SOLIDARITY

Die Playground GbR hat sich zuletzt für Künstler*innen in Not aus der Ukraine einge­setzt und möchte das Stipendium dafür nutzen, auf den gewonnenen Erfahrungen auf­zubauen und Ressourcen mit Künstler*innen in Not zu teilen. So sollen zum Beispiel testweise kleine Tandem-Kooperationen zwischen jeweils einer Münchner Künstler*in und einer Künstler*in in Not gestartet werden; in dem eine Woche ein Begegnungsformat in einem Studiosetting realisiert wird und so bereichernde künstlerische Impulse entstehen. Zudem soll getestet werden, wie die Unterstützung von Künstler*innen in Not aus der Entfernung aussehen könnte, z.B. als digitale Formate und online-Austausch. Aus der Recherche sollen Ideen und Möglichkeiten entstehen, diese Form der künstlerischen Solidarität zu verstetigen und zu fragen: „Wie können wir unsere und die globale Arbeit mehr als ein Ökosystem verstehen?“ Die Jury empfiehlt, dieses relevante und solidarische künstlerische Vorhaben mit einem Arbeits- und Fortbildungsstipendium in Höhe von 8.000 Euro zu unterstützen.

  • 2022
    Alina Belyagina, Léonard Engel, Judith Hummel, Kathrin Knöpfle, Sabine Karb, Simone Lindner-Bungert, Katja Wachter,
  • 2021
    Callie Arnold, Sophie Becker, Sahra Huby, Kolja Huneck, Carolin Jüngst, Quindell Orton, Susanne Schneider, Lucy Wilke
  • 2020
    Sandra Chatterjee, Leonard Engel, Angela Guerreiro, Mario Lopes Vieira da Silva, Ceren Oran, Zufit Simon, Alfredo Zinola
  • 2019
    Ingeborg Maria Engel, Sabine Glenz, Martina La Ragione, Katrin Schafitel, Rosalie Wanka
  • 2018
    Sandra Chatterjee, Léonard Engel, Stephanie Felber, Ceren Oran
  • 2017
    Anna Donderer, Judith Hummel, Katrin Schafitel, Zufit Simon
  • 2016
    Stephanie Felber, Sarah Huby, Mia Lawrence, Ceren Oran
  • 2015
    Stephan Herwig, Sarah Huby, Judith Hummel, Alfredo Zinola
  • 2014
    Annett Göhre, Yvonne Pouget, Micha Purucker, Mey Sefan, Sarah Israel (Debütförderung)

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