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Tanzstipendien

Mit dem Tanzstipendium soll die künstlerische Weiterbildung bzw. die Erarbeitung eines neuen künstlerischen Konzepts gefördert werden.

Arbeitsstipendien zur Weiterbildung

Die eingereichten Vorschläge werden durch die Juries der freien Tanzgruppen.

Die Vergabeempfehlungen der Juries orientieren sich an den Grundlagen und Richtlinien der Förderung aktueller darstellender Kunst. Danach werden Künstlerinnen und Künstler sowie Gruppen gefördert, die auf der Basis nachgewiesener professioneller Arbeit erste künstlerische Erfolge erzielt haben. 

Bewerben können sich Künstlerinnen und Künstler sowie Gruppen im Bereich Tanz und Theater, die in ihren Wohnsitz in der Region München haben. Die Stipendien sind vorhabensbezogene Arbeits- und Weiterbildungsstipendien, mit denen sowohl jüngere als auch etablierte Choreographinnen und Choreographen gefördert werden sollen. Es besteht keine Altersbegrenzung. Die Förderung beträgt maximal 8.000 Euro.

Die Einreichung der Bewerbungen ist bis 1. Juni für das Folgejahr möglich.

Das Tanzstipendium erhielten

  • Alina Belyagina, Léonard Engel, Judith Hummel, Kathrin Knöpfle, Sabine Karb, Simone Lindner-Bungert, Katja Wachter,

Belyagina, Alina: Death was matt-black and looked like a long, low motorbike (AT)

Der Antrag auf Recherche für die Entwicklung eines Tanzstücks besticht durch die Perspekti­ven, die die Tänzerin Alina Belyagina mitbringt und in Kontext zu setzen wünscht: Da ist einer­seits ihre russische Herkunft sowie ihre Ausbildung zur Journalistin und Tänzerin, sowie ihr Weg über Polen nach Deutschland, wo sie zunehmend tänzerisch in Erscheinung trat und Auszeichnungen in Leipzig und Stuttgart erhielt. Zudem kommt ihr aktives Interesse an der Verknüpfung komplexer Themenfelder wie Schamanismus (aus Nord- und Westsibirien), Transidentitäten und Genderstudien. Aktuelle Diskurse und außereuropäischer Blickwinkel auf die Thematik sind dabei bestechend. Die Jury möchte dieses ambitionierte Unterfangen unter­stützen und empfiehlt, die Recherche mit einem Arbeits- und Fortbildungsstipendium in Höhe von 8.000,00 Euro zu fördern.

Engel, Léonard: Giving Men a Body. Eine choreografische Recherche über die Darstellung des männlichen Körpers auf der Bühne

Léonard Engel hat als choreographische Stimme in der Münchner Freien Tanzszene in den letzten Jahren seine Position gefunden. Seit 2018 überzeugt der ehemalige Solist des Baye­rischen Staatsballetts mit einem originellen Zugriff auf gesellschaftliche Themen und einer dif­ferenzierten künstlerischen Umsetzung. Ließ er im mit einer Debütförderung bedachten Pro­jekt „How to get rid of my body. A magic manual“ (2019) den eigenen Körper mithilfe von ver­schiedenen Materialien und Textilien verschwinden, setzte er in „Parotia“ (2021) dieses Inter­esse an der Exploration von Materialien und Textilien fort und entwickelte darüber hinaus eine transkulturelle Perspektive auf Techniken des Drehens im Tanz. In seinem aktuellen For­schungsvorhaben möchte er sich eingehender mit der Darstellung von Männlichkeit auf der Bühne beschäftigen. Hierbei interessiert ihn besonders die Position von Männern in der Ge­sellschaft sowie ihre Darstellung in verschiedenen Medien mit einem Fokus auf soziologische, philosophische und ethische Implikationen des Umgangs mit Männlichkeit aus einem feministi­schen Blickwinkel. Das Forschungsvorhaben ist zweigeteilt: in eine theoretische Auseinander­setzung mit verschiedenen Positionen innerhalb der Gender Studies und in einen praktisch orientierten Teil, in welchem eine künstlerische und choreografische Skizze im Austausch mit anderen Künstler*innen zu den theoretischen Erkenntnissen um die Frage „Wie kann man Männern einen Körper geben?“ entstehen soll. Der konzeptionell und inhaltlich gut ausge­arbeitete Antrag lässt bereits eine reiche Basis für eine zukünftige Umsetzung als Bühnen­produktion erwarten. Die Jury empfiehlt daher, Léonard Engels Antrag mit einem Stipendium in Höhe von 8.000,00 Euro zu unterstützen.

Judith Hummel: Wo komme ich her? Gehen – von Rumänien nach Deutschland. Etappe 3 von Österreich nach München

Die Performerin und Choreographin Judith Hummel hat bisher stets, seit ihrem Debüt „AKT tracing, remembering, finding poses from Venus, Olympia and us“ (2014) bis heute, höchst sensibel mit Materialien und Medialitäten agierende Körper- und Rauminszenierungen präsen­tiert. Das Themenfeld ihrer geplanten Trilogie „Wo komme ich her“ – Herkunft und Familienge­schichte, Flucht und Migration – ist und bleibt virulent, und Judith Hummel ist es in den beiden ersten Teilen (2020 beim Festival RODEO, 2021 bei DANCE, coronabedingt filmisch realisiert) gelungen, persönliche Aspekte und künstlerisch spannende Formulierungen zu verbinden. Die dritte Etappe ihrer Spurensuche, der Nachvollzug des Fluchtwegs der Großmutter 1944, soll sich der Suche nach Häusern und dem Pferd als Wegbegleiter widmen sowie dem Austausch mit Personen vor Ort und den Erfahrungen anderer mit Flucht, Herkunft und Zuhause. Die Jury empfiehlt, diese historische und kulturelle Forschung als Basis für die Komplettierung der Trilo­gie mit einem Stipendium in Höhe von 8.000, 00 Euro zu fördern.

Karb, Sabine: Zeitblasen

In dem Rechercheprojekt „Zeitblasen“ erforscht Sabine Karb das Aufeinandertreffen verschie­dener Lebensrhythmen und die daraus entstehenden bizarren Bewegungsmuster. Ein lebendi­ges Beispiel ist die Abholsituation im Vorraum eines Kindergartens: hier stehen sich die unter­schiedlichen Zeitblasen der langsamen Anziehversuche der Kinder und die Hektik der aus der Arbeit herangehetzten Eltern gegenüber. Anscheinend fällt es uns schwer, von einem Lebens­tempo auf das andere umzuschalten. Was passiert mit uns an diesen Schnittstellen? Gibt es auch unmerkliche, feinere Transformationen? Sabine Karb unterteilt ihre Recherche zum Zeit­empfinden und dem Aufeinandertreffen verschiedener „Zeitblasen“ in drei Arbeitsschritte: Den Beginn macht ein für Münchner Tanzschaffende kostenloser Vortrag zum Thema „Zeitvielfalts­qualitäten – Pausen, Warten, Anfänge, Abschlüsse, Übergänge“ gemeinsam mit Jonas Geißler von times and more, Institut für Zeitberatung, anhand dessen zeitwissenschaftliche, soziologi­sche und physikalische Erkenntnisse eruiert werden sollen. Im zweiten Teil werden aus frage­bogengestützten Interviews mit Münchner Bürger*innen und Bewegungsbeobachtungen an „schnellen“ und „langsamen“ Orten im öffentlichen Raum Zeitinterventionen erarbeitet und die Reaktionen auf deren Durchführung im öffentlichen Raum dokumentiert und gefilmt. Der dritte Teil der Recherche widmet sich der künstlerisch-tänzerisches Reflexion im Studio, welche als Basis für ein zukünftiges spartenübergreifendes Projekt aus Tanz, Theater und Hörspiel dienen soll. Die Jury ist von der Thematik, dem Aufbau und der vielschichtigen Herangehensweise an das Thema überzeugt und empfiehlt die Recherche mit einem Arbeits- und Forschungsstipen­dium in Höhe von 7.200,00 Euro zu fördern.

Knöpfle, Kathrin: Mother Tongue

Kathrin Knöpfle ist als Tänzerin und Performerin in der Münchener Szene fest verankert und unternimmt seit ein paar Jahren erste Schritte eigene choreografische Arbeiten zu entwickeln, oft an der Schnittstelle zur bildenden Kunst, in dem sie Tanz und Objekte zu bewegten Instal­lationen verknüpft.
Für das Stipendium schlägt sie nun eine gesellschaftliche Thematik vor und untersucht das selten beleuchtete Tabuthema arrangierter Ehen in Deutschland, das sie an Hand ihrer eige­nen Lebensgeschichte zu hinterfragen beginnt. Die schwierigen Identitätsfragen von Kindern, die in eine Heimat und in eine Familie geboren wurden, die die Mutter nicht aus Liebe oder freien Stücken gewählt hat, werden zum Ausgangspunkt der Recherche. Knöpfle stellt wichtige Fragen zu Macht-/Ohnmacht Konstellationen innerhalb von Paaren, genetischer Vererbung von Familientraumata und der Selbstfindung in der Reibung mit transkulturellen und feminis­tischen Themen innerhalb einer solchen Migrationsbiografie. Sie möchte für die Recherche Literatur, Interviews und Gespräche in der eigenen Familie und mit anderen Betroffenen ge­nauso nutzen wie Familienaufstellungen sowie somatische und therapeutische Tanzmethoden. Das erworbene Wissen wird sie in Workshops und in einer Lecture teilen. Die Jury empfiehlt dieses relevante Recherchevorhaben als Grundlage für eine darauf aufbauende Produktion mit einem Fortbildungsstipendium in Höhe von 8.000,00 Euro zu unterstützen.

Lindner-Bungert, Simone: plays in place

Simone Lindner studierte Theater-, Film und Medienwissenschaft an der Universität Wien und absolvierte eine Ausbildung in zeitgenössischem Tanz an der Iwansonschule. Nach ihrem Studium arbeitete sie zunächst als Kulturvermittlerin und Tanzpädagogin, realisierte auch mit verschiedenen Partner*innen erfolgreiche Projekte. Der Antrag auf das Stipendium zielt darauf ab, in kollektiver Zusammenarbeit mit Barbara Galli-Jescheck, Lara Paschke sowie der Archi­tektin Katharina Voigt zu tänzerischen Interventionen im Stadtraum zu forschen, Weiterbildung zu ermöglichen sowie eine gemeinsame Testproduktion dieses Formats zu realisieren. Von besonderem Interesse ist die tänzerische Auseinandersetzung mit der Architektur und der Stadt, wobei es gleichermaßen darum geht, mit tänzerischen Mitteln Bewusstsein für die Räume des Zusammenlebens und des gemeinsamen Erlebens von Tanz zu schaffen und andererseits Akteur*innenschaft im Tanz sowie in der Stadt zu hinterfragen. Die Jury ist von dieser kollektiven Recherchearbeit überzeugt, deren Umsetzung vielversprechend für die Präsenz des zeitgenössischen Tanzes im öffentlichen Raum in München ist und empfiehlt daher ein Arbeits- und Fortbildungsstipendium in Höhe von 8.000,00 Euro.

Wachter, Katja: Workshop/Coaching in digitalen Musik- und Bildprogrammen

Katja Wachters jahrelanges künstlerisches Wirken zeichnet sich u.a. durch ihre spartenüber­greifende Arbeitsweise, ihre hohe künstlerisch-choreographische Qualität und ihre stetige Re­cherche zu innovativen Performanceformaten aus. So etablierte sie bereits seit einigen Jahren das Format „Daily Post“, in dem die Einflussnahme des allumfassenden digitalen Alltags in hervorragender Weise gespiegelt, pointiert und in einen tänzerisch-künstlerischen Kontext ge­bracht wird. Als Choreographin arbeitet Katja Wachter in engem Austausch mit Künstler*innen aus dem auditiven und visuellen Bereich. Ton/Musik und Video stehen in ihren Arbeiten oft in symbiotischer Verbindung zum tänzerisch-darstellerischen Geschehen. Mit dem Stipendium möchte Katja Wachter ihre eigenen Kompetenzen im Bereich der digitalen Medien erweitern und tiefer in das Fachvokabular und die digitalen Arbeitsprozesse eintauchen. Zur Stärkung der gemeinsamen Grundlage mit den technisch-künstlerischen Gewerken sollen die Möglich­keiten der Musik- und Videokreation genauer ausgelotet werden (Programme, Formate, neue­ste Entwicklungen im Bereich Animation etc.). Dazu werden verschiedene Künstler*innen in einer Art Soloworkshop Einblicke in ihre Arbeitsweisen geben. Anvisiert sind die Bereiche Visuals, Sound und Visuals sowie Komposition und Musik. Der intensive Austausch erlaubt Allianzen für zukünftige Stücke vorzubereiten, und dient damit als Grundlage für weitere künstlerische Projekte. Die Jury ist von der Zielsetzung des Stipendiums überzeugt und empfiehlt, Katja Wachter mit einem Arbeits- und Weiterbildungsstipendium in Höhe von 4.000,00 Euro zu unterstützen.

 

  • 2021
    Callie Arnold, Sophie Becker, Sahra Huby, Kolja Huneck, Carolin Jüngst, Quindell Orton, Susanne Schneider, Lucy Wilke
  • 2020
    Sandra Chatterjee, Leonard Engel, Angela Guerreiro, Mario Lopes Vieira da Silva, Ceren Oran, Zufit Simon, Alfredo Zinola
  • 2019
    Ingeborg Maria Engel, Sabine Glenz, Martina La Ragione, Katrin Schafitel, Rosalie Wanka
  • 2018
    Sandra Chatterjee, Léonard Engel, Stephanie Felber, Ceren Oran
  • 2017
    Anna Donderer, Judith Hummel, Katrin Schafitel, Zufit Simon
  • 2016
    Stephanie Felber, Sarah Huby, Mia Lawrence, Ceren Oran
  • 2015
    Stephan Herwig, Sarah Huby, Judith Hummel, Alfredo Zinola
  • 2014
    Annett Göhre, Yvonne Pouget, Micha Purucker, Mey Sefan, Sarah Israel (Debütförderung)

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