Theaterstipendien

Mit dem Stipendium soll die künstlerische Weiterbildung beziehungsweise die Erarbeitung eines neuen künstlerischen Konzepts gefördert werden.

Zur Weiterbildung

Die eingereichten Vorschläge werden durch die freie Theaterjury bewertet.

Künstler*innen sowie Gruppen, die auf der Basis nachgewiesener professioneller Arbeit erste künstlerische Erfolge erzielt haben, können sich um ein Stipendium bewerben. Die Stipendien sind vorhabensbezogene Arbeits- und Weiterbildungsstipendien, mit denen sowohl jüngere als auch etablierte Theaterschaffende gefördert werden sollen. Die Förderung beträgt maximal 8.000 Euro.

Es besteht keine Altersbegrenzung. Der Wohnsitz der Bewerberinnen und Bewerber muss im S-Bahn Bereich München sein.

Die Einreichung muss bis 1. Juni für das darauffolgende Kalenderjahr erfolgen.

Theaterstipendien haben erhalten

  • Demjan Duran; Camille Hafner; Evelyn Hriberšek; Christiane Huber; Felix Kruis; Christina M. Lagao; Alexandra Martini; Verena Regensburger; Anna Winde-Hertling;

Demjan Duran: Unparteiisch

Die Recherche setzt sich mit der Figur und der Ausstrahlung von Schiedsrichter*innen im Fußball und ihrer möglichen gesellschaftlichen Repräsentation, Wirkung und Bedeu­tung auseinander. Das Interesse zielt dabei auf unterschiedlich spannende Fragestellun­gen, wie beispielsweise die Ambivalenz der Figur Schiedsrichter*in, die öffentlich und zugleich ein Stück „entpersönlicht“ dem Spiel dient, zugleich aber mit getroffenen Entscheidungen auch als Privatperson leben muss. Kann das Spielfeld als zentraler Veranstaltungsort der Ausbildung einer gemeinschaftlichen Identität dienen und trainiert der Ort geradezu einen gemeinschaftlichen Gerechtigkeitssinn? Die Recherche fokussiert politische und soziale Aspekte des Schiedsrichter*innen-Seins und eruiert eine mögliche performative Übersetzung auf die Theaterbühne. Der Ansatz inspiriert durch seine Fragestellungen bezüglich eines Aufspürens theatraler Komponenten rund um das Spielfeld und das Thema unparteiischen Agierens und interessiert im Sinne einer Umsetzung in ein größe­res Theaterprojekt. Die Jury empfiehlt, das Interview-, und Analysevorhaben mit einem Arbeits- und  Fortbildungsstipendium in Höhe 8.000 Euro zu unterstützen.

Camille Hafner: Die Sandkastenstudien

Die Idee zu „Die Sandkastenstudien“ folgt einem sehr pragmatischen Ausgangsszenario: in welcher Form schaffen es Eltern, bzw. schafft es die Antragsstellerin als Mutter, ihrem eigenen Anspruch als Regisseurin nach zu kommen, wenn die widerstreitenden Rollen­anforderungen schwerlich mit den Bedürfnissen der Kinder in Einklang zu bringen sind? Wie schmerzlich ist die Auseinandersetzung mit Theorien, Bildern und Abbildern von Müttern und Vätern? Und: können die eigenen Kinder in die kreativen Arbeitsprozesse einbezogen werden, und wie kann mit ihnen gearbeitet werden? Welche Ergebnisse können aus der Zusammenarbeit der gesamten Familie und der gegenseitigen Berück­sichtigung von Neugier, Fantasie und Chaos-Potential zutage gefördert werden? Das Experiment gemeinsamen Arbeitens im Rahmen von „Die Sandkastenstudien“ wird von einer Dramaturgin begleitet und im Sinne einer Außenperspektive betreut. Auch wenn Fragen der Machbarkeit und auch Übertragbarkeit auf weiterführende Produktionspro­zesse bleiben, erscheint die Idee spannend, neuartige und familientaugliche Produkt­ionsformen aufzuspüren und dabei mögliche Ansätze zu finden, wie nicht trotz, sondern mit Kindern kreatives Schaffen entstehen kann. Die Jury ist neugierig auf die Recher­cheergebnisse des Familienverbundes und spricht sich für die Förderung eines Arbeits- und Fortbildungsstipendiums in Höhe 5.350 Euro aus.

Evelyn Hriberšek: Theatrale Repräsentation und Archiv zwischen social media, metaverse und blockchain

Allen Versprechen der Digitalisierung zum Trotz wird in den Künsten und Kulturinstitutionen ein Verlust an kulturellem Gedächtnis spürbar. Die Gründe sind vielgestaltig, meistens eher machtpolitischer als technischer Natur, die Effekte eher unmerklich, etwa wenn sich als sicher geglaubte Kopien nur mehr als nicht abspielbarer Datenmüll entpuppen. Das von Evelyn Hriberšek beantragte Recherchestipendium Theatrale Repräsentation und Archiv widmet sich aus kundiger Perspektive diesem aktuellem Themenkomplex. Dabei erscheinen der Jury besonders die Beschäftigung der Künstlerin mit Alternativen zum Plattformkapitalismus von großem Interesse. Die Jury empfiehlt daher eine Förderung eines Arbeits- und Fortbildungsstipendiums in Höhe von 8.000 Euro.

Christiane Huber: Theater & the Authority of Sound Listening Practices

Die Münchner Künstlerin Christiane Huber, die in der Freien Szene in München seit Jah­ren durch gesellschaftspolitische Arbeiten mit vielgestaltigen künstlerischen Formaten und Praktiken große Beachtung erlangt hat, wird sich im Rahmen des Arbeits- und Fort­bildungsstipendiums mit den strukturellen Hierarchien und der politischen Dimension von Klang im öffentlichen Raum auseinandersetzen. Dabei geht sie vom Klangkörper der Glocke aus und erforscht Strategien der medialen Kommunikation sowie Praktiken des Zuhörens und Nicht-Zuhörens. Da der öffentliche Raum durchdrungen ist von Klängen und Geräuschen, stellt er ein akustisches Kräftefeld dar, das sich der Mensch in Aushandlungsprozessen immer wieder neu zu eigen machen muss. Ihre künstlerische Forschung wird der Erkundung widerständiger politischer Dimensionen des Klangs gel­ten und wie sich Menschen mit performativen Praktiken zur Autorität des Klangs in Be-ziehung setzen können. Hubers Interesse gilt der Rhythmisierung, Strukturierung und Unterbrechung der alltäglichen Routinen. Ihre Erkenntnisse wird sie auf das Theater als Medium der Kommunikation und Klangproduktion zurückwenden, Strategien der Aus­handlung und der Aufmerksamkeitsinszenierung sollen dabei berücksichtigt werden, um letztlich dann wieder in den öffentlichen Raum übersetzt zu werden. Das Stipendium wird eine Vorrecherche für eine performative Sound-Installation sein. Da das originäre Forschungsvorhaben die Jury sehr überzeugt hat, wird eine Förderung eines Arbeits- und Fortbildungsstipendiums in Höhe von 8.000 Euro befürwortet.

Felix Kruis: 3D-(Sound)theater

Bereits in der Vergangenheit haben sich Felix Kruis und Julian Kämper vielfach mit Sound-Dramaturgien beschäftigt. In diesem Rahmen haben sie sich mit wissenschaft­lichen Erkenntnissen und Theorien aus der Wahrnehmungspsychologie, Musik-, Me­dien-, Kunst- und Kulturwissenschaften sowie Philosophie auseinandergesetzt, um dann die gewonnenen Erkenntnisse für das Medium Theater weiterzudenken. Ihr Arbeits- und Fortbildungsstipendium zielt in diesem Sinne auf die Erforschung von neuen dramaturgi­schen, erzählerischen und rezeptionsästhetischen Spielräumen des Theaters durch den Einsatz von 3D-Kopfhörern. Der Einsatz der Kopfhörertechnologie ermöglicht einen Per­spektivwechsel, indem der Blick des Zuschauenden von außen nach innen verlegt wird, so dass die Vorgänge aus der Perspektive der Akteur*innen verfolgt werden können. Der somit gewonnene neue immersive Erfahrungsraum, unterschiedliche Erlebniswelten durch eine dreidimensionale Klanglandschaft zugänglich zu machen und für vielfältige Erzählperspektiven zu öffnen, charakterisiert das innovative Potenzial ihrer künstleri­schen Forschung. Durch das Stipendium soll erkundet werden, welche erzählerischen Strategien sich aus den Erkenntnissen des genuin theatralen 3D-Kopfhörer-Setups er­geben und welche Potenziale Texturen haben können, die speziell für das Kopfhörer-Theater entwickelt werden und das technologische Know-how bewusst in die Konzept­ion von Texten einbeziehen. Dieser Frage soll praxisnah im Rahmen von Labortagen mit Schauspieler*innen und den Münchner Theatertexter*innen nachgegangen werden. Durch das vollends überzeugende Forschungsinteresse empfiehlt die Jury, das Vorha­ben mit einem Arbeits- und Fortbildungsstipendium in Höhe von 8.000 Euro zu fördern.

Christina M. Lagao: (Be)longing (AT)

„Wann schaue ich eine Heimat nur von außen an, und wann verstehe ich mich mitten drin als Teil von ihr?“ Im Rahmen ihres Projekts „(Be)longing (AT)“ verfolgt die Sängerin und Darstellerin Christina M. Lagao die Recherche und konzeptionelle Vorarbeit für ein musiktheatrales Projekt zur reichen philippinischen Liedtradition, insbesondere der Formen „Harana“ und „Kundiman“. Aus der Sicht einer in Deutschland geborenen Filipina erlaubt diese Art von ‚Reclaiming‘ und Neuinterpretation der Tradition eine sowohl biographische als auch musikalisch-kreative Auseinandersetzung mit dem von vielen Immigrant*innen zweiter und dritter Generation geteilten Gefühl einer ‚Zwischen-Identität‘ im Spannungsfeld von Identitätssuche, Sehnsucht nach (künstlerischer) Heimat fern von Klischees und Schubladen-Denken, nach Zugehörigkeit und Sichtbarkeit philippinischer Nachkommen in Deutschland, die wenig sichtbar und vernetzt sind. In Zusammenarbeit mit philippinisch-deutschen Künstler*innen werden daher erste praktische Versuche unternommen, sich diese in Deutschland völlig unbekannten Formen philippinischer Liedtradition wieder bzw. auf ganz eigene Weise anzueignen. So entsteht ein Netzwerk an Menschen, die sich künstlerisch mit ihrer spezifischen deutsch-philippinischen Herkunft und Interkulturalität auseinandersetzen. Ein Ideen- und Materialpool wird zur Grundlage für eine musiktheatrale Umsetzung, sei es ein szenischer Liederabend, eine Klanginstallation, ein Audiowalk oder eine lecture performance. Für diesen intensiven Recherche- und Findungsprozess empfiehlt die Jury eine Förderung mit einem Arbeits- und Fortbildungsstipendium in Höhe von 8.000 Euro.

Alexandra Martini: The Feminist Power of the Idiot

Die Schauspielerin und Theatermacherin Alexandra Martina möchte für „The Feminist Power of the Idiot“ das künstlerische und politische Potential einer feministischen Clowns-Praxis erforschen und in München sichtbar machen. Clowns-Kunst, Comedy, das gesamte „Humor-Business“ ist immer noch sehr männlich geprägt. Inspiriert von Lucy Hopkins, dem britischen Vorbild, möchte Alexandra Martini das Spektrum erweitern und Workshops für weibliche Clowns und Comedians organisieren, ein Netzwerk für witzige Frauen und nicht-binäre Menschen etablieren und ihm durch eine regelmäßige feministische Comedy Night in München einen Raum geben. Die sehr konsistente Moti­vation, die Originalität des Vorhabens mit Relevanz sowie die klare Konzeption des For­schungsvorhabens haben die Jury überzeugt. Die Jury empfiehlt daher eine Förderung mit einem Arbeits- und Fortbildungsstipendium in Höhe von 8.000 Euro.

Verena Regensburger: Treibgut des Erinnerns

Wie erinnern wir uns? Wie erinnern wir uns an Menschen? Wie erinnern wir uns an Ver­storbene? In ihrem Recherchevorhaben möchte die Theatermacherin Verena Regens­burger Mechanismen des Erinnerns mit der spezifischen Frage danach verbinden, was von einem Menschen nach seinem Tod bleibt. Erinnern, Trauern, Vermissen – höchst in­dividuellen Phänomenen und Gefühlen soll ein größerer, universeller Rahmen gegeben werden. Mittels Studie entsprechender Forschung, der Recherche zu künstlerischen Po­sitionen zum Thema, durch Gesprächszyklen anhand von Fragebogen und spontanen Befragungen soll ein Stücktext entstehen, der Ausgangspunkt für eine Aufführung bildet, in der dann auch – so die Hoffnung und Empfehlung der Jury – Dimensionen der Unkon­trollierbarkeit und Unwillkürlichkeit von Erinnerung eine Rolle spielen können. Die bereits in ähnlichen Projekten zu sehende Fähigkeit von Verena Regensburger, ihre Themen analytisch zu durchdringen und künstlerisch originell umzusetzen, die klar umrissene Fragestellung und der konkrete Fahrplan der Forschung haben die Jury überzeugt. Die Jury empfiehlt daher eine Förderung mit einem Arbeits- und Fortbildungsstipendium in Höhe von 8.000 Euro.

Anna Winde-Hertling: Weißes Gold

Das Recherchestipendium dient der Stückentwicklung eines alternativen Alpenkrimis, in dem die Entwertung eines über Generationen gültigen Glaubenssatzes aufgedeckt wird: Milch ist gesund. Anna Winde-Hertling widmet sich damit der Inszenierung von Lebens-mitteln und Ernährungsstilen, die zwischen industrieller Landwirtschaft, Selbstoptimie­rung und persönlicher Erfahrung – wer müsste nicht essen und trinken? – changiert. Wie wurde die Milch, einst unhinterfragte Schulspeisung und Inbegriff bayerischen Lokalkolo­rits, zum Menetekel der Massentierhaltung? Die Jury überzeugte die Verknüpfung des Recherchekomplexes Ernährung mit der unterhaltenden Krimi-Dramaturgie. Sie empfiehlt daher eine Förderung mit einem Arbeits- und Fortbildungsstipendium in Höhe von 8.000 Euro.

  • 2022
    Franziska Angerer, Oliver Exner, Anna Gschnitzer, Evelyn Hriberšek, Sebastian Hirn, Anne Sophie Kapsner, Charlotte Mednansky, Bülent Kullukcu, Kim Mira Meyer, Keilit King Mpunga, Lulu Obermayer, Thalia Schoeller, Caitlin van der Maas, Oliver Zahn
  • 2021
    avec, Dziomber & Sühnel, Silvia Bauer, Helena Eckert, BUERO GRANDEZZA E.V., Benno Heisel, Caroline Kapp, Manon Haase, Cornelia Mélian, Lulu Obermayer, Gesche Piening, Gineke Pranger, Jan Struckmeier,
    Frauke Zabel
  • 2020
    Jonny Bongers, Dominik Burki, Burchard Dabinnus, Tomma Galonska, Jan Geiger, Barbara Balsei / Astrid Behrens, Matthias Leitner, Gina Penzkofer und Demjan Duran, Oliver Zimmer
  • 2019
    Tuncay Acar und Peter Arun Pfaff, Antonia Beermann, Klemens Hegen, Niels Klaunick, Anna McCarthy, Cornelia Melian, Christiane Mudra, Pia Richter, Otone Sato, Jan Struckmeier, Julian Warner
  • 2018
    Sandra Chatterjee, Léonard Engel, Stephanie Felber, Ceren Oran
  • 2017
    Emre Akal, ausbau.sechs, Raphaela, Seraphin, Theresa Bardutzky, La Shut, Katrin Petroschkat, Anta Helena Recke
  • 2016
    Ziad Adwan, CADAM, GIESCHEand GbR, Caitlin van der Maas, Raphael Samay / Patrik Thomas
  • 2015
    Tomma Galonska, Inga Helfrich
  • 2014
    Emre Akal, Ana Zirner: Erarbeitung, Ines Honsel, Isabel Kott, Christiane Mudra
  • 2013
    Emre Akal und Tunay Önder, Institut für Glücksfindung/Stefanie Fleckenstein, Christina Ruf
  • 2012
    Judith Huber, Lorenz Seib, Leila Semaan
  • 2011
    Dirk Engler, Ruth Geiersberger, Sebastian Linz/ausbau.sechs
  • 2010
    Cornelie Müller, Katrin Dollinger und Kai Schmidt, Ruth Geiersberger, Gisela Müller und Walter Siegfried

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