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Theaterstipendien

Mit dem Stipendium soll die künstlerische Weiterbildung beziehungsweise die Erarbeitung eines neuen künstlerischen Konzepts gefördert werden.

Zur Weiterbildung

Die eingereichten Vorschläge werden durch die freie Theaterjury bewertet.

Künstler*innen sowie Gruppen, die auf der Basis nachgewiesener professioneller Arbeit erste künstlerische Erfolge erzielt haben, können sich um ein Stipendium bewerben. Die Stipendien sind vorhabensbezogene Arbeits- und Weiterbildungsstipendien, mit denen sowohl jüngere als auch etablierte Theaterschaffende gefördert werden sollen. Die Förderung beträgt maximal 8.000 Euro.

Es besteht keine Altersbegrenzung. Der Wohnsitz der Bewerberinnen und Bewerber muss im S-Bahn Bereich München sein.

Die Einreichung muss bis 1. Juni für das darauffolgende Kalenderjahr erfolgen.

Theaterstipendien haben erhalten

  • Franziska Angerer, Oliver Exner, Anna Gschnitzer, Evelyn Hriberšek, Sebastian Hirn, Anne Sophie Kapsner, Charlotte Mednansky, Bülent Kullukcu, Kim Mira Meyer, Keilit King Mpunga, Lulu Obermayer, Thalia Schoeller, Caitlin van der Maas, Oliver Zahn

Franziska Angerer: Hexenlinien

Auch in dieser stofflichen Sondierung und Erschließung im umfangreichen Themenfeld der Hexerei macht Franziska Angerer wie bereits in der vorausgegangenen geförderten Arbeit „Usambaraveilchen“ den Animismus zum Ausgangspunkt für die Entwicklung eines möglichen Projekts. So beschäftigt sie sich mit Historie und Thematisierung von Hexerei im abendländisch-westlichen Diskurs, um herauszufiltern, welche Umwertungen animistische Praktiken im Laufe der Geschichte erfahren haben und in welchem Zusammenhang sie stehen mit der sich verändernden Dichotomie von Natur und Kultur, Religion und Wissenschaft, Abwertung und Ausgrenzung von Weiblichkeit. Des weiteren setzt sie sich auseinander mit Hexenpraktiken und schamanistischen Ritualen, insbesondere in indigenen Kulturen und forscht zu animistischen und fetischisierenden Praktiken in der westlichen (Theater)Kunst. Im Zuge dieser Fragestellungen und Wissensvertiefung wird Franziska Angerer den Austausch mit Wissenschaftler*innen und Kunstschaffenden suchen, um bewusst „sinnliches Wissen“ zu generieren und im besten Fall Zusammenarbeiten für eine kommende Produktion zu fundieren. Für diesen Rechercheprozess empfiehlt die Jury eine Förderung mit einem Arbeits- und Fortbildungsstipendium in Höhe von 8.000,00 Euro.

Oliver Exner: Heimat in der Fremde – ein weites Land

Mit „Heimat in der Fremde – ein weites Land“ betitelt Oliver Exner sein biographisches Recherchevorhaben im Kontext von Identität und globaler Geschichte. Daraus soll die Entwicklung einer performativen Installation hervorgehen mit dem Ziel die Erfahrungswelt afro-deutscher Menschen begehbar und als ästhetische Erfahrung greifbar zu machen.
Die Jury überzeugt dieser biographische Zugang, der gleichermaßen künstlerisch aufbereitet gedacht ist und einen interaktiven Austausch von Künstler*innen und Interessierten einbezieht und empfiehlt ein Arbeitsstipendium für Oliver Exner in Höhe von 8.000,00 Euro.

Anna Gschnitzer: Schule der Fürsorge (AT)

In ihrer Recherche möchte Anna Gschnitzer aktuelle und alternative Bilder und Perspektiven auf Verletzlichkeit und Sorge sowie Care-Arbeit untersuchen. Sorge bezieht die Autorin dabei nicht nur auf Menschen, sondern auch auf nicht-menschliche Entitäten: Pflanzen, Tiere, Materie etc. Zudem sollen diese Bilder in eine globale wirtschaftliche Perspektive gerückt werden. Das unter anderem durch Interviews gesammelte dokumentarische Material soll in einem theatralen Text verdichtet und dieser wiederum Grundlage für ein interaktives Theaterprojekt werden. Die durch die Pandemie noch einmal an Brisanz gewonnen Fragestellung sowie die Konsequenz des Arbeitsvorhabens haben die Jury überzeugt. Daher empfiehlt sie die Vergabe eines Arbeits- und Fortbildungsstipendiums an Anna Gschnitzer in Höhe von 8.000,00 Euro.

Evelyn Hriberšek: Through the looking smart scifi-glass

Evelyn Hriberšek möchte, vor dem Hintergrund des rasanten digitalen Wandels in allen Bereichen, mit ihrem künstlerischen Forschungsstipendium Chancen und Risiken für die gegenwärtige sowie zukünftige Kunstproduktion erforschen, die Augmented und/oder Mixed Reality bieten. Spezifizieren möchte sie dies am Gegenstand der sogenannten smarten SciFi-Glasses. Die Ergebnisse dieser Recherche sollen in die Konzeption einer neuen interaktiven Großproduktion an der Schnittstelle von Musiktheater, Gaming und Hightech fließen. Die Jury möchte diese Unternehmung unterstützen und empfiehlt die Vergabe eines Arbeits- und Fortbildungsstipendiums in Höhe von 8.000,00 Euro.

Sebastian Hirn: unwritten archives - (re)constructing the past

Das Stipendium soll die Grundlage zu einer ausgiebigen Recherche bilden, die in dem Theaterprojekt „unwritten archives - (re)constructing the past“ münden werden. So soll eine Zusammenarbeit mit Künstler*innen, Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen in Namibia, insbesondere aus dem Stamm der Herero und Nama, begonnen und historische wie aktuelle Bezüge und Dokumente für die künstlerische Arbeit vor Ort dokumentiert und aufgearbeitet werden. Die eurozentristische Sicht auf die Geschichte kann so durch die Perspektive der Nachkommen der Opfer des ersten deutschen Völkermords korrigiert und ergänzt werden. Die Jury empfiehlt daher die Stipendienvergabe in Höhe von 8.000,00 Euro.

Anne Sophie Kapsner, Charlotte Mednansky: FIASKO: Auf den Scheiterhaufen mit ihr!Eine Suche nach dem Sound des Abstiegs. (AT)

Längst ist das Credo neoliberaler Psychopolitik - durch Techniken der Selbstoptimierung mehr Leistung, mehr Erfolg, mehr Perfektion und mehr Wachstum zu generieren - von uns verinnerlicht worden. Scheitern und Misserfolg haben in der modernen Leistungsgesellschaft keinen Platz mehr und werden als persönliche Defizite empfunden. Doch was sind die Kriterien für Erfolg und Scheitern? Was entscheidet, ob wir zu den gesellschaftlichen Gewinner*innen oder Verlierer*innen gehören? Diesen Fragen will das Kollektiv Kapsner/Mednansky in einer tiefgründigen Recherche nachgehen. Im Rahmen des Arbeits- und Recherchestipendiums planen sie, sich mit den Widersprüchen des Scheiterns durch den Einbezug von Expert*innen wie auch durch persönliche Erfahrungsberichte auseinanderzusetzen. Als Profis im Scheitern be­absichtigen sie durch die Gründung eines „Instituts für performatives Scheitern“ an der Umschreibung der gesellschaftlichen Konnotation von Scheitern zu arbeiten und die produktiven Potentiale missglückter Ansätze für den persönlichen Erfahrungszuwachs freizulegen. Aufgrund der gesellschaftlichen Relevanz und der Ideenfülle im künstlerischen Umgang mit diesem Thema, empfiehlt die Jury ein Arbeitsstipendium in Höhe von 8.000,00 Euro.

Bülent Kullukcu: FUTUR

Bülent Kullukcu wird mit einem Stipendium seine historisch informierte Erarbeitung einer Gilgamesch-Adaption fortsetzen. Im Zentrum der Recherche werden dabei visuelle und akustische Ausdrucksparameter der frühen Theateravantgarde der 20er Jahre stehen. Die Überkreuzung einer der ältesten schriftlich fixierten deutschsprachigen Literaturübersetzungen mit einer der ältesten audiovisuell fixierten deutschsprachigen Agitprop-Quellen erscheint der Jury durchaus originell und empfiehlt daher ein Arbeitsstipendium in Höhe von 8.000,00 Euro.

Kim Mira Meyer: „Namibia“

Kim Mira Meyer möchte mit Workshops am National Theater in Windhoek/Namibia ihre Kenntnisse in den Bereichen Schauspiel und Tanz ausweiten und Workshops in afrikanischer Musik, Rhythmus, Body Percussion und „Authentic Namibian Performance“ belegen. Darüber hinaus soll zusammen mit dem namibischen Komponisten Eslon Hindundu die erste Nationaloper Namibias entstehen (gesungen in Deutsch und Otjiherero). Themen sind die Verbrechen deutscher Kolonialherrschaft, aber auch lokale Mythen. In gegenseitiger Beeinflussung verschmelzen deutsche wie namibische Musiktradition und Geschichte in einem Opernkonzept, um eine neuartige rhythmische performative Darstellungsform zu erzeugen.
Die Jury beeindruckt dieser transkulturelle, musikalische Ansatz und empfiehlt Kim Mira Meyer mit einem Arbeitsstipendium in Höhe von 8.000,00 Euro zu unterstützen.

Keilit King Mpunga: Qultur files

„Qultur files“ ist ein Forschungsprojekt, das die Verbindungen zwischen queerem Nachtleben, Identitäten, Kunst, Performance und Politik untersucht. Eines der Dinge, auf die sich queerbeziehen kann, ist das offene Geflecht von Möglichkeiten, Überschneidungen, Dissonanzen und Resonanzen, Lücken und Exzessen, wenn die konstituierenden Elemente des Geschlechts oder der Sexualität einer Person nicht zu monolithischen Bedeutungen gemacht werden (oder nicht gemacht werden können). Das Forschungsvorhaben von Keith King Mpunga wird als wichtiger künstlerischer Beitrag zur gesellschaftlich geführten Verhandlung in Bezug auf die LGBTIQ*-Thematik gesehen; entsprechend empfiehlt die Jury ein Arbeitsstipendium für Keith K. Mpunga in Höhe von 8.000,00 Euro.

Lulu Obermayer: „Lulu – eine künstlerische Recherche“

In ihrer künstlerischen Praxis beschäftigt sich Lulu Obermayer mit weiblichen Figuren und deren Dekonstruktion aus feministischer Perspektive. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Namensgebung wird nun als ein weiter zu beforschendes Thema begriffen, um sich dem Theaterstück von Frank Wedekind, dem Film von G.W. Pabst und der Oper von Alban Berg sowie Schauspielerinnen, die Lulu verkörpert haben, zuzuwenden. Der umfangreiche Prozess soll zudem auf Social Media-Plattformen dokumentiert und mit Posts und Stories begleitend reflektiert werden. Die Arbeit von Lulu Obermayer und ihre Motivation, feministische Blickrichtung, persönliches Storytelling und musiktheoretische Recherche zu verbinden, interessiert. Die Jury spricht sich dafür aus, das beantragte Arbeitsstipendium in Höhe von 8.000,00 Euro zu gewähren.

Thalia Schoeller: Forschung zur Inszenierung von Sicherheit im medizinischen Kontext

Thalia Schoeller beabsichtigt eine Uraufführung im PATHOS-Theater zur Inszenierung von Sicherheit, Professionalität und Autorität, die in medizinischen Kontexten generell und im gegenwärtig politischen, gesellschaftlichen und medizinischen Umgang mit Krankheit von großer Relevanz sind. Für die künstlerische Durchdringung der Komplexität und Dringlichkeit des Themas erachtet sie es als notwendig, eine fundierte Grundlage an Wissen über Körper sowie an Wissen über Unwissen über Körper im Austausch mit Ärzt*innen, Neurolog*innen, Medizinstudierenden und Krankenpfleger*innen zu schaffen. Dafür ist sowohl Recherche allein und in Form von vielen detaillierten Gesprächen auch zu den Themen Vertrauensbildung und Unwissenheit bei Ärzt*innen und Patient*innen notwendig, als auch eine theatrale Grundlagenfor­schung nach Möglichkeiten von Spiel an der Grenze von Körper, Krankheit und Behandlung in Inszenierungen, vor Publikum, an Publikum. Die Jury empfiehlt, diese grundlegende Einarbeitung mit einem Arbeits- und Fortbildungsstipendiums in Höhe von 8.000,00 Euro zu fördern.

Caitlin van der Maas: Freiheit, Tod, Leben und.

Während in den Niederlanden seit 2002 die Beihilfe zum Suizid legalisiert wurde, war der assistierte Selbstmord in Deutschland bis Ende Februar 2020 noch strafbar. Erst durch eine Klage von Betroffenen, Sterbehilfen und Ärzten entschied sich das Bundesverfassungsgericht, das Verbot der Selbsttötung als verfassungswidrig zu erklären. Eine historische Entscheidung, die nicht nur einen verfassungsrechtlichen Einschnitt, sondern einen mentalitätsgeschichtlichen Wandel markiert, der die Regisseurin Caitlin van der Maas zu einer Recherche über Sterbehilfe in Deutschland inspirierte. In diesem Kontext will sie den Fragen nachspüren, was den Wert von Leben ausmacht, was betroffene Menschen zu diesem Schritt drängt und wie das nahestehende Umfeld damit umgeht. Ihr Recherchevorhaben wird auf Interviews mit Betroffenen, Begleiter*innen, Ärzt*innen und Interessensverbänden basieren. Den so gewonnenen Erfahrungsgewinn plant sie perspektivisch in ein dokumentarisches Musiktheater zu überführen. Das van der Maas‘ Vorhaben verspricht eine wichtige Auseinandersetzung mit einem immer noch gesellschaftlich tabuisierten Thema sowie eine Reflexion der eigenen künstlerischen Mittel und die Suche nach neuen Erzählformen im zeitgenössischen Musiktheater. Daher empfiehlt die Jury ein Arbeitsstipendium in Höhe von 8.000,00 Euro.

Oliver Zahn: Nachlassenschaften

Oliver Zahn befasst sich mit dem Vergessen als soziale Praxis (LOB DES VERGESSENS), dem Imaginieren von Zukünften und dem Umgang mit imperialer Architektur (RUINEN), sowie mit der Sicherung von Kulturerbe (ERINNERUNGSARCHITEKTUREN). Diese Themenfelder sollen nun vertieft und um Aspekte von gesellschaftlicher Vererbung erweitert werden. Es geht um die Fragen, was „wir“ als Gesellschaften zurück lassen werden, und wie „wir“ mit unserer Rolle als zukünftige Vorfahren umgehen. Wie wird das Erbe vorbereitet, das zukünftige Generationen nach uns vorfinden werden? Wie wird im Jetzt auf verschiedene Art und Weise gehandelt, die auf das Leben unserer Nachfahr*innen Einfluss nimmt?
Die Jury empfiehlt die Förderung für die Erforschung dieser spannenden Fragen und Erarbeitung einer Stückvorlage in Höhe von 8.000,00 Euro.
 

  • 2021
    avec, Dziomber & Sühnel, Silvia Bauer, Helena Eckert, BUERO GRANDEZZA E.V., Benno Heisel, Caroline Kapp, Manon Haase, Cornelia Mélian, Lulu Obermayer, Gesche Piening, Gineke Pranger, Jan Struckmeier,
    Frauke Zabel
  • 2020
    Jonny Bongers, Dominik Burki, Burchard Dabinnus, Tomma Galonska, Jan Geiger, Barbara Balsei / Astrid Behrens, Matthias Leitner, Gina Penzkofer und Demjan Duran, Oliver Zimmer
  • 2019
    Tuncay Acar und Peter Arun Pfaff, Antonia Beermann, Klemens Hegen, Niels Klaunick, Anna McCarthy, Cornelia Melian, Christiane Mudra, Pia Richter, Otone Sato, Jan Struckmeier, Julian Warner
  • 2018
    Sandra Chatterjee, Léonard Engel, Stephanie Felber, Ceren Oran
  • 2017
    Emre Akal, ausbau.sechs, Raphaela, Seraphin, Theresa Bardutzky, La Shut, Katrin Petroschkat, Anta Helena Recke
  • 2016
    Ziad Adwan, CADAM, GIESCHEand GbR, Caitlin van der Maas, Raphael Samay / Patrik Thomas
  • 2015
    Tomma Galonska, Inga Helfrich
  • 2014
    Emre Akal, Ana Zirner: Erarbeitung, Ines Honsel, Isabel Kott, Christiane Mudra
  • 2013
    Emre Akal und Tunay Önder, Institut für Glücksfindung/Stefanie Fleckenstein, Christina Ruf
  • 2012
    Judith Huber, Lorenz Seib, Leila Semaan
  • 2011
    Dirk Engler, Ruth Geiersberger, Sebastian Linz/ausbau.sechs
  • 2010
    Cornelie Müller, Katrin Dollinger und Kai Schmidt, Ruth Geiersberger, Gisela Müller und Walter Siegfried

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