Theaterstipendien

Mit dem Theaterstipendium soll die künstlerische Weiterbildung beziehungsweise die Erarbeitung eines neuen künstlerischen Konzepts gefördert werden.

Über die Förderung

Die Landeshauptstadt München vergibt jährlich Arbeits- und Weiterbildungsstipendien im Bereich Theater in Höhe von maximal 8.000 Euro. Mit dieser Förderung soll die künstlerische Weiterbildung beziehungsweise die Erarbeitung eines neuen künstlerischen Konzepts unterstützt werden.

Mit den projektbezogenen Stipendien sollen sowohl jüngere als auch etablierte Theaterschaffende unterstützt werden. Es besteht keine Altersbegrenzung. Die eingereichten Vorschläge werden durch die Freie-Theaterschaffenden-Jury bewertet.

Theaterstipendien erhielten

Bardutzky, Raphaela: Performing Power
Die Theaterautorin und Dramaturgin Raphaela Bardutzky plant in Zusammenarbeit mit Tänzer*in und Choreograf*in Quindell Orton Sprache und Gestik in ihrer Wechselwirkung mit Macht zu beforschen. Wie dominieren Personen bewusst oder unbewusst über Sprache, Gestik und Körperlichkeit? Welche unausgesprochenen Vereinbarungen spielen dabei eine Rolle? Welche Codes markieren das Machtgefälle zwischen Personen? Mit diesen und ähnlichen Fragen setzen sich die Künstler*innen literarisch-soziologisch-historisch und körperlich-praktisch auseinander. Vielfältiges Material von Rhetorik-Ratgebern für Führungskräfte bis hin zu historischen und zeitgenössischen Reden von Politiker*innen fließen mit ein. Die Künstler*innen entwickeln erstes Text- und Bewegungsmaterial und bringen dieses spielerisch in Zusammenhang. Ziel der Recherche ist die Erarbeitung von Skizzen als Grundlage für eine Stückentwicklung. Die Jury empfiehlt, dieses Vorhaben mit einem Stipendium von 8.000 Euro zu fördern.

Geiersberger, Ruth: Knochen Räume
Die Künstlerin Ruth Geiersberger möchte mit diesem Arbeitsstipendium theatrale Recherchen zum Thema ‚Knochen‘ und dazu, wie und in welchen Räumen diese (re-)präsentiert werden, finanzieren. Ziel ist es, Knochen als Artefakte des Lebens künstlerisch zu befragen. Auch die künstliche Prothese als Substitut organischen Materials aufgrund von Verschleiß oder äußerer – teilweise gewaltsamer – Einwirkungen soll untersucht werden. Dazu sind sowohl Recherchereisen an Orte wie die Pariser Katakomben, die Kapuzinergruft in Palermo oder zu paläontologischen Instituten in Wien und Berlin geplant wie auch Begegnungen vor Ort mit entsprechenden Expert*innen. Die Ergebnisse sollen Grundlage sein für die Erarbeitung eines performativen Abends in München. Die Jury empfiehlt die Förderung dieses Recherchevorhabens in Höhe von 8.000 Euro.

Oestreicher, Katharina Mirella: Ich will Eulen nach Athen tragen
Mirella Oestreicher möchte mit diesem Arbeitsstipendium das absurde Potenzial Münchens performativ ausloten. In Anlehnung an Dadaismus und Surrealismus möchte sie neue Auseinandersetzungen mit den ureigenen Herausforderungen der Stadt in Tryout-Performances erproben. Dabei sind auch Interaktionen und der Dialog mit der Öffentlichkeit gewünscht und angestrebt. So sollen, humorvoll und spielerisch, ungeschriebene Gesetze und Eigenheiten hinterfragt und dekonstruiert werden. Der bewusst ‚un-sinnige‘, experimentelle Umgang, mit dem Oestreicher Stadt und Denkweisen herausfordern möchte, sowie die Fortsetzung ihres künstlerischen Schaffens in diesem Kontext erscheint der Jury förderwürdig. Sie empfiehlt daher die Förderung dieses Recherchevorhabens mit 8.000 Euro.

Panholzer, Julia Martina: A few words about breasts II
Julia Martina Panholzer recherchiert zu Körper, Weiblichkeit und Zuschreibungen und geht dabei von eigenen Erfahrungen aus. Was persönlich beginnt, öffnet sich auf gesellschaftliche Fragen: Wer spricht über Körper und wer wird besprochen? Die Jury überzeugt die Klarheit, mit der hier eine eigene Fragestellung formuliert wird, und die Offenheit der Recherche. Nach einem starken Debüt ist dies ein folgerichtiger nächster Schritt, aus dem eine eigenständige theatrale Form entstehen kann. Daher empfiehlt die Jury die Förderung des Arbeitsstipendiums in Höhe von 8.000 Euro.

Steinhöfel, Laura: Was nicht in den Akten steht. Was keinen Ort hat
Die Regisseurin und Schauspielerin Laura Steinhöfel setzt sich in ihrem Stipendienvorhaben „Was nicht in den Akten steht. Was keinen Ort hat“ mit den sichtbaren und unsichtbaren Folgen von häuslicher Gewalt auseinander. In den Prozessen polizeilicher Ermittlungen, juristischer Verfahren und von Begutachtungen geht es vor allem um Feststellungen und Entscheidungen. Psychoemotionale und körperliche Erfahrungen bleiben in der Regel unsichtbar. Dabei hinterlassen gerade diese die seelischen Spuren, die das Leben von Opfern nachhaltig prägen. „Was nicht in den Akten steht…“ ist ein Versuch, in die Lücke zwischen dokumentierter Wirklichkeit und individuell Erlebtem zu stoßen. Steinhöfel befragt, welche Möglichkeiten in den darstellenden Künsten liegen, eben jene Erfahrungen sichtbar und nachvollziehbar zu machen, die nicht in den Gerichten, in Gutachten oder in der öffentlichen Berichterstattung zum Ausdruck kommen. Für diese Recherche empfiehlt die Jury ein Stipendium über 8.000 Euro.

Truong, Benjamin: Boat People
Benjamin Truong entwickelt aus der Geschichte der vietnamesischen Boat People eine Recherche über Erinnerung, Migration und die Weitergabe familiärer Erfahrungen über Generationen hinweg. Der Antrag zeichnet sich durch seine persönliche Motivation und eine zugleich offene künstlerische Herangehensweise aus. Die geplante Recherche verbindet biografische Perspektiven mit historischen und gesellschaftlichen Fragestellungen und schafft damit eine überzeugende Grundlage für eine spätere Theaterarbeit. Besonders positiv bewertet die Jury die reflektierte Darstellung des eigenen Arbeitsprozesses sowie die Bereitschaft, Erkenntnisse aus früheren Produktionen in die weitere künstlerische Entwicklung einfließen zu lassen. Daher empfiehlt die Jury die Förderung des Vorhabens in Höhe von 8.000 Euro.

Wilke, Lucy Alena: Lulu la Chapelle
Die Recherche erforscht die zentrale Frage nach dem Wert des Menschen, im speziellen des Menschen mit nichtnormativem Körper, dem Begehren, Heirat, Elternschaft und Selbständigkeit gesellschaftlich nicht selbstverständlich zugesprochen werden. Durch ihre Schwerbehinderung mit dieser Entwertung konfrontiert, installiert Lucy Wilke, Schauspielerin, Sängerin, Tänzerin, Regisseurin, Autorin und Trägerin der Förderpreis Theater 2026, ein virtuelles Alter Ego auf einer Erotik-Plattform, eine Kunstfigur, die sich dort zahlenden Nutzer*innen präsentiert. Die Rückläufe der virtuellen Begegnungen bilden die Grundlage für eine spätere theatrale Umsetzung, in der Lucy Wilke selbst als Performerin auftritt, um die Muster genormter Wertvorstellungen zu entlarven. Die klare Vorstellung des anvisierten Vorhabens und die Idee, virtuelle und analoge öffentliche Präsenz analytisch zu verknüpfen, hat die Jury inhaltlich und formal beeindruckt. Sie empfiehlt daher eine Förderung in Höhe von 8.000 Euro.

  • 2026
    Sandra Chatterjee; Anna Gschnitzer; Martin Kindervater; Verena Stefanie Konietschke; Bülent Kullukcu; Cornelia Maschner, Pandora Pop GbR; Sahar Rahimi; Marion Weber
  • 2025
    Michael Heiduk; Keith King Mpunga; Julia Prechsl; Olivia Rosendorfer; Anastasiya Shtemenko; Jan Struckmeier;  Oliver Zahn
  • 2024
    Marie-Sophie Ernst; Daniela Gancheva; Ruth Geiersverger; Christiane Huber; Caroline Ann Kapp; Keith King Mpunga; Gladys Mwachiti; Sahar Rahimi; Christina Ruf; Edith Saldanha; Otone Sato; Oliver Zahn;
  • 2023
    Demjan Duran; Camille Hafner; Evelyn Hriberšek; Christiane Huber; Felix Kruis; Christina M. Lagao; Alexandra Martini; Verena Regensburger; Anna Winde-Hertling
  • 2022
    Franziska Angerer, Oliver Exner, Anna Gschnitzer, Evelyn Hriberšek, Sebastian Hirn, Anne Sophie Kapsner, Charlotte Mednansky, Bülent Kullukcu, Kim Mira Meyer, Keilit King Mpunga, Lulu Obermayer, Thalia Schoeller, Caitlin van der Maas, Oliver Zahn
  • 2021
    avec, Dziomber & Sühnel, Silvia Bauer, Helena Eckert, BUERO GRANDEZZA E.V., Benno Heisel, Caroline Kapp, Manon Haase, Cornelia Mélian, Lulu Obermayer, Gesche Piening, Gineke Pranger, Jan Struckmeier,
    Frauke Zabel
  • 2020
    Jonny Bongers, Dominik Burki, Burchard Dabinnus, Tomma Galonska, Jan Geiger, Barbara Balsei / Astrid Behrens, Matthias Leitner, Gina Penzkofer und Demjan Duran, Oliver Zimmer
  • 2019
    Tuncay Acar und Peter Arun Pfaff, Antonia Beermann, Klemens Hegen, Niels Klaunick, Anna McCarthy, Cornelia Melian, Christiane Mudra, Pia Richter, Otone Sato, Jan Struckmeier, Julian Warner
  • 2018
    Sandra Chatterjee, Léonard Engel, Stephanie Felber, Ceren Oran
  • 2017
    Emre Akal, ausbau.sechs, Raphaela, Seraphin, Theresa Bardutzky, La Shut, Katrin Petroschkat, Anta Helena Recke
  • 2016
    Ziad Adwan, CADAM, GIESCHEand GbR, Caitlin van der Maas, Raphael Samay / Patrik Thomas
  • 2015
    Tomma Galonska, Inga Helfrich
  • 2014
    Emre Akal, Ana Zirner: Erarbeitung, Ines Honsel, Isabel Kott, Christiane Mudra
  • 2013
    Emre Akal und Tunay Önder, Institut für Glücksfindung/Stefanie Fleckenstein, Christina Ruf
  • 2012
    Judith Huber, Lorenz Seib, Leila Semaan
  • 2011
    Dirk Engler, Ruth Geiersberger, Sebastian Linz/ausbau.sechs
  • 2010
    Cornelie Müller, Katrin Dollinger und Kai Schmidt, Ruth Geiersberger, Gisela Müller und Walter Siegfried

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