Tanz- und Theaterproduktionen mit Laien
Förderung von Tanz- und Theaterproduktionen professioneller Kunstschaffender mit Laien.
Über die Förderung
Die Landeshauptstadt München fördert seit 2020 jährlich professionelle partizipative Tanz- und Theaterproduktionen mit Laien mit einem Budget von insgesamt 100.000 Euro:
Die Projekte sind geprägt durch vielfältige künstlerische Ausdrucksformen und werden von einem professionellen Team aus allen Bereichen der Darstellenden Kunst angeleitet. Sie zeichnen sich durch Prozessqualität, Partizipation und künstlerische Qualität aus.
Im Sinne der kulturellen Teilhabegerechtigkeit werden Projekte gefördert, die auch solche Menschen ansprechen, die in der Regel wenig Zugang zu Darstellender Kunst finden. Um dies zu erreichen, bedienen sich die Vorhaben spezifischer Inhalte, Methodiken, Proben- und Spielorte sowie Kooperationspartner.
Förderkriterien
Die Ausschreibung richtet sich an Professionelle aus allen Bereichen der Darstellenden Künste. Die Antragstellenden müssen Erfahrungen vorweisen können, die sie für die erfolgreiche Durchführung qualifizieren.
Die Projekte sollen zentrale Punkte der Konzeption Kulturelle Bildung für München befördern. Das heißt, sie bemühen sich, kulturelle Teilhabegerechtigkeit herzustellen und berücksichtigen Aspekte der Inklusion, Diversitätsförderung und Gendergerechtigkeit.
Die Vergabeempfehlung erfolgt über eine Jury.
Die Förderung erhielten
Jurybegründungen
Beige GbR, Eva Löbau: „THE AFTERGLOW Project“
„The AFTERGLOW Project“ wendet sich einem bislang vernachlässigten Themenbereich zu, der eher still vonstattengeht und keine gesellschaftliche Bühne findet: Die biografischen Brüche und körperlichen Veränderungen, die Frauen, insbesondere Lehrerinnen in der Menopause, in ihrer Lebensmitte erleben. In dieser Phase tragen sie Verantwortung für Bildung, Fürsorgearbeit und häufig auch familiäre Aufgaben, stehen unter einem immensen Druck, auf den sie oft mit tiefer Erschöpfung reagieren. Doch für all das gibt es kaum Raum, Sprache und Anerkennung. Das wollen Eva Löbau und Judith Huber mit ihrem Projekt ändern, indem sie diesen unsichtbaren Spannungszuständen Ausdruck verleihen, umgesetzt mit Poesie, Humor und künstlerischer Klarheit.
Die Arbeit der beiden Künstlerinnen, in München geschätzt bei Kritik und Publikum, basiert auf langjähriger Erfahrung in der Verbindung von Theater, Performance, Textarbeit und partizipativer Bildung. Dazu kommt ihre Expertise in der Einbindung von Laien. Ihnen ist deshalb zuzutrauen, dass sie das Sujet in künstlerisch-pädagogischen Werkstätten aufgreifen, gemeinsam mit den Teilnehmer*innen eigene Ausdrucksformen entwickeln und in einer performativen Collage umsetzen. Überzeugt hat in diesem Kontext auch die Idee eines begleitenden Salons als öffentlicher Resonanzraum, der das Projekt auf einer diskursiven Ebene weitertragen soll. Die Jury empfiehlt eine Förderung in Höhe von 19.690 Euro.
Galli-Jescheck, Babette: „Selbst-Tanz-Sein“
Mit dem Projekt „Selbst-Tanz-Sein“ stellt Barbara Galli-Jescheck gemeinsam mit ihrem Team – unter anderem mit Gina Lou Gleissner – ein herausragendes inklusives Tanzvorhaben vor, das das Verhältnis von Körperlichkeit, Naturerfahrung und der Wahrnehmung von Bewegung im öffentlichen Raum ins Zentrum der choreografischen Recherche rückt.
In einem ko-kreativen Prozess entwickelt das Ensemble tänzerisches Material, das sowohl die architektonischen Gegebenheiten des Veranstaltungsortes – etwa Garage, Eingangshalle und Flure – als auch die natürliche Umgebung des nahegelegenen Petuelparks einbezieht. Dieses choreografische Material bildet die Grundlage für die spätere Präsentation im Park und schafft eine Verbindung zwischen gebautem Raum, Natur und menschlicher Bewegung.
Die Jury würdigt den Antrag von Barbara Galli-Jescheck und ihrem Team ausdrücklich, da die inhaltliche Konzeption, die künstlerische Umsetzung und die besonderen Produktions-bedingungen in der Arbeit mit einem inklusiven Ensemble vielschichtig durchdacht, eng miteinander verzahnt und im Sinne einer aesthetics of access weitergedacht sind.
Barbara Galli-Jescheck knüpft mit „Selbst-Tanz-Sein“ an frühere Arbeiten mit inklusiven Ensembles an, in denen sie die spezifischen künstlerischen, dramaturgischen und organisatorischen Anforderungen solcher Produktionsprozesse mit großer Umsicht integrierte.
„Selbst-Tanz-Sein“ versteht Tanz nicht nur als künstlerische Praxis, sondern als gesellschaftliches Handeln: Das Projekt will Räume zurückerobern, Zugehörigkeit schaffen und vielfältige Körperlichkeiten sichtbar machen. Die Jury empfiehlt für das Projekt eine Förderung in Höhe von 16.365 Euro.
Gschnitzer, Anna: „Wer pfeift?“
Das Projekt “Wer pfeift?“ von Studio Moa (unter organisatorischer und künstlerischer Leitung von Anna Gschnitzer) ist ein partizipatives Theaterprojekt für FLINTA*-Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren, das sich mit Erfahrungen von Unsicherheit und Belästigung im öffentlichen Raum auseinandersetzt.
Studio Moa ist eine konzeptionelle Umstrukturierung des satirischen, queer-feministischen Kollektivs Molestia. Durch einen ausgesprochen reflektierten Umgang mit der eigenen künstlerischen und politischen Praxis werden Räume für kollektive Fürsorge, Empowerment und politische Teilhabe geschaffen. Die Antragstellenden zeigen ein tiefes Verständnis für die Lebensrealitäten von Jugendlichen und agieren mit hoher Sensibilität in der Gestaltung partizipativer Prozesse. Zudem weist das Team um Studio Moa ein fundiertes, intersektionales Wissen zu strukturellen, aber auch alltäglichen Diskriminierungsdynamiken auf. Die Jury erkennt in dem Vorhaben ein hohes Potenzial, Jugendliche auf nachhaltige Weise zu erreichen, ihnen sowohl kulturelle als auch soziale und politische Selbstermächtigung zu ermöglichen und Netzwerke aufzubauen, die über das Einzelprojekt hinaus Bestand haben können. Die Jury spricht sich für eine Förderung in Höhe von 19.350 Euro aus.
Hohenester, Chris: „Young Pathos Kollektiv: WG gesucht“
Das Projekt „WG gesucht! – Pathos WG“ des Young Pathos Kollektivs unter der Leitung von Chris Hohenester überzeugt durch eine klare und spielerische Auseinandersetzung mit einem hochaktuellen Thema: der prekären Wohnsituation junger Menschen in München. Die Projektidee verbindet soziale Relevanz und künstlerische Kreativität, indem das Theater selbst zur WG umgestaltet wird, und die Teilnehmenden gemeinsam mit dem Publikum den Mikrokosmos einer Wohngemeinschaft erproben. Auf diese Weise entsteht ein performatives Labor für Fragen des Zusammenlebens, in dem Alltagserfahrungen humorvoll und kritisch reflektiert werden.
Das Kollektiv arbeitet mit jungen Erwachsenen zwischen 16 und 25 Jahren mit vielfältigen Hintergründen und schafft eine authentische Abbildung der Gesellschaft. Besonders hervorzuheben ist die partizipative Arbeitsweise, die biografische Erfahrungen der Teilnehmenden mit künstlerischen Mitteln wie Tanz, Performance, Musik und Text verbindet.
Das Projekt ist niedrigschwellig, zugleich aber künstlerisch anspruchsvoll angelegt. Es eröffnet jungen Menschen einen geschützten kreativen Raum für Ausdruck, Teilhabe und Empowerment. Die Kooperation mit dem Pathos Theater gewährleistet eine professionelle Umsetzung sowie die Anbindung an ein junges, theateraffines Publikum.
Die Jury empfiehlt die Förderung des Projekts mit 20.000 Euro, da es gesellschaftlich relevante Fragestellungen mit einer innovativen künstlerischen Form verbindet und jungen Menschen ermöglicht, im Rahmen eines kollektiven Prozesses ihre Stimme sichtbar und hörbar zu machen.
Polianska, Olena: „What is intimacy?“
Das Projekt „What is Intimacy?“ von Olena Polianska überzeugt durch außergewöhnliche künstlerische und konzeptionelle Tiefe. Mit großer Sensibilität erforscht die ukrainische Künstlerin die Verbindung von Körper, Erinnerung und Migration und schafft dabei einen Raum, in dem sich persönliche und kollektive Erfahrungen auf eindrucksvolle Weise begegnen. Im Zentrum der Forschungsarbeit steht die Frage: Was bedeutet es, sich in einem neuen Land, in einer neuen Sprache zu bewegen – mit einem Körper, der sich noch erinnert? Aufbauend auf ihrem partizipativen „TanzLab“ ermöglicht Polianska jungen Ukrainer*innen
ohne professionelle Tanzerfahrung einen Schaffensprozess, der ästhetisch überzeugend und zugleich zutiefst menschlich ist.
Die Jury würdigt die künstlerische Klarheit und die präzise Verknüpfung theoretischer Reflexion mit künstlerischer Praxis, auch wenn Polianska in ihrem Konzept wenig Wissen über die Teilnehmenden teilt. Ihre Arbeit verspricht jedoch die Eröffnung von Resonanzräumen, in denen Fragen nach Intimität, Zugehörigkeit und Erinnerung auf sinnlich-poetische Weise verhandelt werden. Zudem macht die Auseinandersetzung mit außergewöhnlichen Orten wie St. Lukas oder dem Amphitheater im Westpark neugierig auf die Verbindung von Architektur, Körper, Stimme und Publikum.
Mit „What is Intimacy?“ schafft Olena Polianska ein Werk, das ästhetisch überzeugt, gesellschaftlich relevant ist und eine tiefgehende Auseinandersetzung mit Körperwissen, Migration und kollektiver Präsenz ermöglicht – eine Bereicherung für die lokale Tanz- und Kulturlandschaft. Die Jury ist gespannt auf das Ergebnis des Prozesses und empfiehlt eine Förderung in Höhe von 19.890 Euro.
- 2026
Beige GbR, Eva Löbau: „THE AFTERGLOW Project“
Galli-Jescheck, Babette: „Selbst-Tanz-Sein“
Gschnitzer, Anna: „Wer pfeift?“
Hohenester, Chris: „Young Pathos Kollektiv: WG gesucht“
Polianska, Olena: „What is intimacy?“ - 2025
Bellevue di Monaco eG „Odyssee München“
Sophie Haydee Colindres Zühlke „IDENTITY“
Andrea Marton „Alter-na-rra-tive Körper“
Open House am PATHOS Theater: „Fressen oder gefressen werden“
Laura Saumweber: ”Choreografische Werkstatt: Ode an die Dinge XXL“
Spagat Theater, Horizont e. V.: „Traumzirkus #LOVEdomagk IV“ - 2024
Bellevue di Monaco eG „Global Player: Menschen und Märkte“
Chris Hohenester, Young Pathos Kollektiv „Make love not war“
Kathrin Knöpfle „Naturkreislauf – Tanz und Kunst in der Natur“
Sophie Haydee Colindres Zühlke: „INSIDE KLDSKP“
Stella Neuner, Open House Project „Sich verstecken”
- 2023
Iris Mirjam Behnke „memory – generationenübergreifendes Tanz-Performance-Projekt“
ELLE Kollektiv GbR „Graulieschen“
Sabine Sabine „Fast Fashion – Tanztheater“
Kulturbühne Spagat / HORIZONT e.V. „EMOTIONS - DOMAGK DANCE PROJECT“
Lara Paschke „playing places“
Thalia Schöller „Freispruch“ - 2022
Callie Arnold: „Puls der Gemeinschaft: Co-Existing Rhythms“
Bellevue di Monaco eG: „Gilgamesch 2022“
Chris Hohenester und Young Pathos Kollektiv: „Visionen“
Andrea Marton & Stephanie Felber: „Du. Er. Sie. Wir! ZUSAMMEN-geh-HÖREN“
Verena Regensburger: „München – Augenblick mal!“
Caroline Tajib-Schmeer: Ein szenisches gespieltes und getanztes Live-Hörspiel zum Thema „Corona“ erarbeitet und dargestellt von Jugendlichen gemeinsam mit Profis -
2021
Iris Mirjam Behnke: „#the truth will set U free – vom Suchen und Verlieren von Wahrheit“
Bellevue Di Monaco EG: „Arriving in Munich – I‘ve got a paper“
Barbara Galli-Jescheck & Philipp Jescheck: „Lieblingsorte #domagk“
Kultur Le Muc: „Deutsche Sagen leicht gekürzt“
What you See is what you get – Theaterkollektiv: „Als ich mal anders war“ (AT) -
2020
Callie Arnold: „Puls der Gemeinschaft: Suche nach Verbindung“
Angela Guerreiro: „WIR“
AsylArt e.V.: „Kommen wir zusammen?“
Theaterkollektiv „what you see is what you get“: „Die Resi und der Kasperl“
Chris Hohenester: „Young Pathos Kollektiv“
Marie Nüzel: „Der kleine Wassermann“
Spielen in der Stadt e.V.: „Tanz.Die.Invasion“