Unterstützung für Geflüchtete aus der Ukraine – www.muenchen.de/ukraine

Tanz- und Theaterproduktionen mit Laien

Förderung von Tanz- und Theaterproduktionen professioneller Kunstschaffender mit Laien

Die Förderung erhielten

Jurybegründungen

Puls der Gemeinschaft: Co-Existing Rhythms
Callie Arnold

Ein Tanzprojekt von und mit Menschen mit Depressionserfahrung

Die seit einigen Jahren fest in München verankerte Choreografin Callie Arnold bewegt sich mit ihrer Arbeit zwischen Tanz als Kunst, Therapie und Community-Aktivismus. So erforscht sie mittels choreografischer Werkzeuge die Ästhetik von Beziehungen, wie zuletzt 2020 mit ihrem Tanzprojekt mit von Depression betroffenen Menschen „Puls der Gemeinschaft: Suche nach Verbindung“. In ihrer neuen Arbeit „Puls der Gemeinschaft: Co-Existing Rhythms“ möchte Callie Arnold mit einem Team von erfahrenen Community- Choreografinnen noch einmal die Krankheit Depression in Form einer choreografischen Feldforschung untersuchen. In Auseinandersetzung mit von der Krankheit Betroffenen sollen unterschiedliche Perspektiven und individuelle körperliche Ausdrucksweisen erforscht werden. Ein besonderes Interesse von Callie Arnold gilt dabei den Echos von Schmerz, Isolation, aber auch Wandlung, die in den Körpern der Betroffenen nachhallen. Das Projekt geht zudem der Frage nach, was das Gemeinschaftsstiftende der individuellen Erfahrungen sein kann und ob sich die mannigfaltigen, persönlichen Antworten in eine kollektive, tänzerische Sprache übersetzen lassen. Die Jury empfindet das Vorhaben als überaus spannend und relevant, weil die Choreografin eine gesellschaftlich oft unsichtbare Personengruppe auf die Bühne bringt und ihr dadurch Gesicht und Ausdruck verleiht.

Gilgamesch 2022
Bellevue di Monaco eG

Theaterprojekt mit und von Laien, insbesondere mit Geflüchteten und Menschen mit Migrationsbiografie

Seit Jahren setzt sich „Bellevue di Monaco“ für die Belange geflüchteter Menschen sowohl im sozialen als auch im künstlerischen Bereich ein. Die Probleme und Herausforderungen, denen Menschen mit Fluchterfahrungen ausgesetzt sind, werden damit für eine breite Öffentlichkeit sichtbar und erfahrbar gemacht, womit die Arbeit neben der künstlerischen Qualität auch in politische Dimensionen hineinreicht. Der Wunsch nach Beschäftigung und nach Wirkungsfeldern ist gerade bei Geflüchteten sehr hoch. Künstlerische Projektarbeit fällt auf den Nährboden von Resilienz-Förderung,  Selbstermächtigung und Integration. Die Einbeziehung junger Menschen mit Migrationshintergrund in künstlerische Prozesse bietet daher nicht nur die Möglichkeit in einem professionellen Setting selbst aktiv und kreativ mitgestalten zu können, sondern eröffnet ihnen auch den Raum, als handlungsfähige, selbstwirksame und verantwortungsvolle Menschen sichtbar zu werden.

Der Projektentwurf sieht vor, fehlende Textstellen im Gilgamesch Epos zu ergänzen ohne dabei persönliche Biographien oder persönliche Fluchtschicksale im Fahrwasser von Mitleid auf die Bühne zu zerren. Vielmehr soll durch echte Partizipation ein  Angebot geschaffen werden, in dem individuelle Erfahrungen künstlerisch transformiert den Mythos ergänzen und erweitern .

Diese künstlerische Herangehensweise, der partizipative Ansatz sowie die Diversität der Projektbeteiligten hat die Jury überzeugt.

Visionen
Chris Hohenester und Young Pathos Kollektiv

Tanztheaterperformance mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Chris Hohenester spricht für ihre neue Arbeit VISIONEN mit dem am Pathos Theater angedockten Young Pathos Kollektiv Jugendliche von 16 -24 Jahren an. Die Regisseurin und Schauspielerin interessiert sich für die Zukunft junger Menschen, insbesondere in den Zeiten von Pandemie und Klimakrise.

In Anlehnung an die Arbeitsweise ihres jüngsten Projekts mit dem Young Pathos Kollektiv, „Energie“, das auf dem Tanztreffen der Jugend eingeladen wurde, möchte Hohenester auch in diesem Stück mit selbst entwickeltem, teilweise biografischem Material der Jugendlichen arbeiten. Hierzu befragt sie junge Menschen: Wie sieht eure Vorstellung von Zukunft aus? Was ist eure Vision? Gemeinsam nähern sie sich den individuellen Visionen und wählen vier künstlerische Elemente, die auf der Bühne zusammenwirken: Musik, Tanz, Text und Malerei / Aktionskunst. Das Ziel ist, jungen Menschen als gleichberechtigte Partner*innen und Künstler*innen zu begegnen und ihnen durch das Theater eine Stimme zu geben.

Insbesondere durch die Beschäftigung des Pathos Theaters mit Adultismus stellen sich die Kunstschaffenden neue Fragen zu den Verhältnissen von Jugendlichen und Erwachsenen im Theater für junges Publikum. Hier gewonnene Erfahrungen und Erkenntnisse fließen auch in diesen neuen Prozess mit ein.

Als Regisseurin und Choreografin entwickelt Chris Hohenester seit vielen Jahren künstlerische Produktionen mit Jugendlichen. Bereits mehrere ihrer Produktionen wurden zum Tanztreffen der Jugend nach Berlin eingeladen. Die SZ schreibt in einem Portrait über Chris Hohenester: „Sie lässt die jungen Darsteller sich selbst spielen. Das führt zu erstaunlichen Ergebnissen.“

Die Jury ist überzeugt von dem Konzept und der professionellen Arbeitsweise mit jungen Menschen.

Du. Er. Sie. Wir! ZUSAMMEN-geh-HÖREN
Andrea Marton & Stephanie Felber

Ein urbaner Audiowalk für und mit Menschen von 12-100 Jahren

Wie erklingt unsere Stadt, wenn wir in sie hinein hören? Wie füllen unsere Bewegungen sie aus und was spielt der urbane Raum wiederum an uns zurück? Welche Rolle nimmt dabei unser gesellschaftlicher Status ein?

Im partizipativen Performance-Projekt „Ich. Du. Er. Sie. Wir! ZUSAMMEN-geh-HÖREN“ der beiden Choreografinnen Andrea Marton und Stephanie Felber begibt sich eine Gruppe kreativ Forschender auf einen performativen Streifzug durch München. Die Teilnehmenden zwischen 12-100 Jahren treten in Dialog mit dem öffentlichen Raum und dem Publikum: Anhand verschiedener Bewegungssprachen, mit eigens entwickelten choreografischen Modulen sowie mit ihren Stimmen spüren sie u.a. Verflechtungen von Macht, Diversität, Teilhabe, Barrierefreiheit, Privilegien, Architektur und Körper im Stadtraum (physisch) nach. Zwischen Körper und Stimme changierend befragen sie verschiedene Formen der alltäglichen Kommunikation und begegnen dabei wiederum anderen, stets im Spannungsfeld zwischen ich, du, er, sie, wir. Eine neue Gemeinschaft auf Zeit entsteht.

Andrea Marton und Stephanie Felber knüpfen mit „Ich. Du. Er. Sie. Wir! ZUSAMMEN-geh-HÖREN“ an ihre bereits bestehende künstlerische Zusammenarbeit an. Ihr äußerst differenziertes Konzept verspricht eine kraftvolle künstlerische Sprache, die in höchst anspruchsvoller Weise gesellschaftliche Fragestellungen ästhetisch reflektiert und es dabei ebenso vordergründig schafft, einer sich im Live-Moment immer wieder zufällig konstituierenden Gemeinschaft eine starke, kollektive Stimme zu geben. Neben der klugen inhaltlichen und formalen Ausrichtung, den geplanten performativen Stadterkundungen, die dem eigentlichen Walk als Recherchephasen vorausgehen sollen und der Workshop-basierten Anfangsphase des Projekts, überzeugt die Jury der dezidiert partizipative Ansatz, der von Anfang an nicht nur mitgedacht wird, sondern ein essenzielles Moment des künstlerischen Vorhabens bildet.

München – Augenblick mal!
Verena Regensburger

Audiorundgang - Momentbetrachtungen und Visionen der Stadt für Menschen mit und ohne Seheinschränkung

Die Münchner Regisseurin Verena Regensburger hat in den vergangenen Jahren mit einer Reihe von Theaterprojekten auf sich aufmerksam gemacht, in deren Fokus partizipative und teamorientierte Ansätze standen. Ein besonderes Interesse der Künstlerin gilt dabei den unterschiedlichen Aspekten von Kommunikation und der Auseinandersetzung mit einem Gegenüber, das ganz anders als ich selbst sein kann. Auch im Münchner Stadtraum hat sie als Co-Regisseurin von „What Is the City but the People?“ bereits gearbeitet. Nachdem Verena Regensburger sich zuletzt mit Fragen der Kommunikation zwischen hörenden und gehörlosen Menschen beschäftigt hat, wird sie in „München – Augenblick mal!“ die speziellen ‚Sichtweisen‘ blinder Menschen aus München in einem Audio-Walk aufgreifen. Sie richtet sich dabei sowohl an Menschen mit und ohne Sehbehinderung. Die Jury interessiert, wie die Wahrnehmung einer Stadt wie München, die doch zunächst sehr visuell geprägt scheint, durch blinde oder seheingeschränkte Menschen erfolgt. Die Bedeutung der Stadt als kommunikativer Begegnungsort könnte dadurch erweitert werden um Fragestellungen zu eigenen und fremden Wahrnehmungsformen in einem sich verändernden, inklusiven Stadtraum. Darin sieht die Jury auch Erkenntnismöglichkeiten für eine inklusive Stadtgesellschaft.

Ein szenisches gespieltes und getanztes Live-Hörspiel zum Thema „Corona“ erarbeitet und dargestellt von Jugendlichen gemeinsam mit Profis
Caroline Tajib-Schmeer

Die globalen Nachrichten zur Corona-Pandemie nehmen keine Ende. Insbesondere Jugendliche sind weiterhin hart von Einschränkungen und Herausforderungen in allen Lebensbereichen betroffen. Welches Ausmaß die Folgen des Verzichts auf Schule, Sportverein und gemeinsame Live-Erlebnisse mit Freund*innen haben werden ist heute noch nicht vollständig absehbar. Eine intensive Auseinandersetzung mit dieser spezifischen Situation von Jugendlichen in der Pandemie wird im Projekt der Tanzpädagogin und Choreografin Caroline Tajib-Schmeer von Jugendlichen und Profis künstlerisch bearbeitet .

Bei einer gemeinsamen Stückentwicklung bringen die Teilnehmer*innen ihre individuellen Erfahrungen und Erlebnisse während der Pandemie ein. Im Laufe der Workshops wird aus den persönlichen Geschichten eine fiktive Handlung, in der die von den Jugendlichen entwickelten Charaktere eigene Wege gehen. Alle werden ihre individuelle „Heldenreise“ antreten, um im gemeinsamen Plot Erlösung zu finden. „Corona“ dient als Rahmen und Ausgangsbasis für eine Reise, deren Verlauf uns momentan noch unbekannt ist. Dargebracht wird das Projekt in Form eines Live-Hörspiels vor Publikum - untermalt mit Musik, Gesang und Geräuschen. Dabei handelt es sich um ein Format, in dem szenisches Spiel ebenso Raum bekommt wie Tanz. Auf der Bühne werden die Jugendlichen Seite an Seite mit dem Schauspieler Sebastian Knötzinger als Sprecher und Christina Güllich als Sprecherin und Musikerin auftreten.

Die besondere Herausforderung dieses Projekts liegt in der Interaktion, die viel Fingerspitzengefühl erfordert. Der Entstehungsprozess bietet den Jugendlichen die Chance, die eigenen Möglichkeiten und Grenzen zu hinterfragen und die Frage nach „Was heißt eigentlich Normalität?“ künstlerisch zu überprüfen. Auf diese Weise wird der Bogen zum Hier und Jetzt, zur momentan allgegenwärtigen Ausnahmesituation geschlagen.

Das multidisziplinäre Projekt verspricht, nicht nur künstlerisch spannend zu sein, sondern es wird im hohen Maße partizipativ mit der Zielgruppe entwickelt.

Mitglieder der Jury

An der Jurysitzung haben teilgenommen: Karen Breece, Julia Opitz, Josef Eder, Mustafa Akça, Simone Schulte-Aladağ, Denijen Pauljević und vom ehrenamtlichen Stadtrat: Marion Lüttig (Die Grünen/RL), Thomas Niederbühl (Die Grünen/RL), Beatrix Burkhardt (CSU/FW), Julia Schönfeld-Knor (SPD/Volt), Nicola Holtmann (ÖDP/ML).

 

  • 2022
    Callie Arnold: „Puls der Gemeinschaft: Co-Existing Rhythms“
    Bellevue di Monaco eG: „Gilgamesch 2022“
    Chris Hohenester und Young Pathos Kollektiv: „Visionen“
    Andrea Marton & Stephanie Felber: „Du. Er. Sie. Wir! ZUSAMMEN-geh-HÖREN“
    Verena Regensburger: „München – Augenblick mal!“
    Caroline Tajib-Schmeer: Ein szenisches gespieltes und getanztes Live-Hörspiel zum Thema „Corona“ erarbeitet und dargestellt von Jugendlichen gemeinsam mit Profis
  • 2021
    Iris Mirjam Behnke: „#the truth will set U free – vom Suchen und Verlieren von Wahrheit“
    Bellevue Di Monaco EG: „Arriving in Munich – I‘ve got a paper“
    Barbara Galli-Jescheck & Philipp Jescheck: „Lieblingsorte #domagk“
    Kultur Le Muc: „Deutsche Sagen leicht gekürzt“
    What you See is what you get – Theaterkollektiv: „Als ich mal anders war“ (AT)

  • 2020
    Callie Arnold: „Puls der Gemeinschaft: Suche nach Verbindung“
    Angela Guerreiro: „WIR“
    AsylArt e.V.: „Kommen wir zusammen?“
    Theaterkollektiv „what you see is what you get“: „Die Resi und der Kasperl“
    Chris Hohenester: „Young Pathos Kollektiv“
    Marie Nüzel: „Der kleine Wassermann“
    Spielen in der Stadt e.V.: „Tanz.Die.Invasion“

Förderung Tanz- und Theaterproduktionen mit Laien - wird jährlich vergeben.
Die nächste Ausschreibung für die Förderung 2023 wird im Sommer 2022 veröffentlicht.

Über die Förderung

Die Landeshauptstadt München fördert seit 2020 jährlich professionelle partizipative Tanz- und Theaterproduktionen mit Laien mit einem Budget von insgesamt 100.000 Euro:

Die Projekte sind geprägt durch vielfältige künstlerische Ausdrucksformen und werden von einem professionellen Team aus allen Bereichen der Darstellenden Kunst angeleitet. Sie zeichnen sich durch Prozessqualität, Partizipation und künstlerische Qualität aus.

Im Sinne der kulturellen Teilhabegerechtigkeit werden Projekte gefördert, die auch solche Menschen ansprechen, die in der Regel wenig Zugang zu Darstellender Kunst finden. Um dies zu erreichen, bedienen sich die Vorhaben spezifischer Inhalte, Methodiken, Proben- und Spielorte sowie Kooperationspartner.

Die Vergabeempfehlung erfolgt über eine Jury.

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