Tanz- und Theaterproduktionen mit Laien

Förderung von Tanz- und Theaterproduktionen professioneller Kunstschaffender mit Laien

Über die Förderung

Die Landeshauptstadt München fördert seit 2020 jährlich professionelle partizipative Tanz- und Theaterproduktionen mit Laien mit einem Budget von insgesamt 100.000 Euro:

Die Projekte sind geprägt durch vielfältige künstlerische Ausdrucksformen und werden von einem professionellen Team aus allen Bereichen der Darstellenden Kunst angeleitet. Sie zeichnen sich durch Prozessqualität, Partizipation und künstlerische Qualität aus.

Im Sinne der kulturellen Teilhabegerechtigkeit werden Projekte gefördert, die auch solche Menschen ansprechen, die in der Regel wenig Zugang zu Darstellender Kunst finden. Um dies zu erreichen, bedienen sich die Vorhaben spezifischer Inhalte, Methodiken, Proben- und Spielorte sowie Kooperationspartner.

Die Vergabeempfehlung erfolgt über eine Jury.

Information

Förderung Tanz- und Theaterproduktionen mit Laien - wird jährlich vergeben.
Die nächste Ausschreibung für die Förderung 2024 wird im Sommer 2023 veröffentlicht.

Die Förderung erhielten

Jurybegründungen

Iris Mirjam Behnke „memory – generationenübergreifendes Tanz-Performance-Projekt“

Iris-Mirjam Behnke hat in den letzten Jahren erfolgreich partizipative, generationsübergreifende Tanztheaterprojekte an verschiedenen Orten Münchens entwickelt. Ihr Spezialgebiet ist dabei der forschende Blick auf Körper und Körpersprache und die damit verbundene Biografiearbeit. In „memory“ planen Iris-Mirjam Behnke und ihr professionelles Team eine spannende, spielerische Stückentwicklung zur Reflexion und Erinnerung an die jeweils eigene Großelterngeneration. Das Projekt verfolgt die Umsetzung einer Art Gedächtnis-Forschung über eine körperliche Praxis. Einer Recherchephase zu kollektiven Erinnerungsgefügen folgt die Phase der Überführung in das Kreieren persönlicher Bewegungsmaterialien der einzelnen Teilnehmer*innen. Aus diesen Materialien erstellt Iris Miriam Behnke zusammen mit der Dramaturgin Ulrike Wörner von Faßmann eine abendfüllende Tanz-Performance.
Die Jury begrüßt den prozesshaften Zugang und die Absicht, mit einer altersdiversen Gruppe zusammen zu arbeiten, die kaum Zugang zu oder Teilhabe an kulturellen Veranstaltungen hat. Sie freut sich auf die Umsetzung des Projekts und hofft auf eine erkennbare, eigenständige künstlerische Handschrift.
Die Jury empfiehlt, das Projekt in einer Höhe von 18.000 Euro zu fördern.

ELLE Kollektiv GbR „Graulieschen“

Betonspitzen der Großstadt, ab da führt eine staubige Landstraße Richtung Kirchenturm, zwischen den Alpenspitzen. Eine mehrstündige Busfahrt mit unerwarteten Zwischenstationen, etwas mehr als 9 Publikumsplätze, in der Reiseplanung erscheint die Karikatur mit 9 Katzen, die einen Sarg tragen - Heimatfilm und Hillbilly-Horror prägen diese Stadt-Land Beziehung. Was erwartet uns noch auf der anarchistischen und skurrilen Fahrt? Die auch ein wenig idyllisch anmutende Tour könnte in Moosach als gruseliges, aber lustiges und kathartisches Erlebnis enden. Elle-Kollektiv ist erprobt in Sachen Land und bayerische Seen und spielt gerne mit Absurdem. In Zusammenarbeit mit städtischem PATHOS und mit META-Theater – das seit Jahrzehnten die Welt in ein außergewöhnliches Haus am Dorfrand der ländlichen Münchner Umgebung holt – erobert das Kollektiv jetzt die Stadt. Auf einer Reise, die verschiedene Wege und Stationen und vor allem Laien und Profis verbindet. Zu einem Fest, in dem sich Fremde und Heimische begegnen und einen Tag miteinander verbringen.
Natur und Beton, Gemeinschaft und Anonymität, Unterhaltungs- und Hochkultur – Hand in Hand. Vorurteile und Klischees, Heimatkitsch und Gruselszenarien.
Das Konzept ist absolut überzeugend und hoch professionell und hat ein starkes partizipatives Spielelement. Im 30-köpfigen Team lernen Münchner und Moosacher Laien von den Expertisen ihrer professionellen Kolleg*innen und die Schauspieler*innen werden von den Herangehensweisen der Laien neu inspiriert. Auch die Einflüsse der bildenden Kunst sind stark spürbar. Die Jury ist beeindruckt von dem Mut und der Neugier des Projekts und empfiehlt eine Förderung in Höhe von 18.170 Euro.


Sabine Sabine „Fast Fashion – Tanztheater“

Sabine Karb zählt zum Urgestein der freien Münchner Tanzszene. Sowohl als Tänzerin als auch als Tanzpädagogin und Choreografin arbeitet sie konstant in diversen freien Projekten. In dem Tanzprojekt „Fast Fashion“ widmet sie sich nun mit vier Jugendlichen und zwei Student*innen der Iwanson Schule München dem Thema Mode in all ihrer politischen Bedeutungsvielfalt. Nicht nur Kinder und Jugendliche ergeben sich dem Druck der Mode-Industrie, stets gestylt mit dem neuesten Trend das eigene Image aufpolierend. Quer durch alle Alters-und Bevölkerungsschichten wird besonders auf Billigprodukte zugegriffen, welche in rasanter Kollektionsfrequenz den Markt zumüllen. Den katastrophalen Bedingungen, unter denen sie hergestellt sind, wird dabei meist keinerlei Bedeutung zugemessen. Ignoranz oder Gleichgültigkeit der Verbraucherinnen und Verbraucher führen in Ländern wie China und Indonesien zu menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen sowie unverantwortlichen Umweltschäden. Sabine Karb will mit der Wahl dieses brisanten Themas den Finger in die Wunde des Spannungsfeldes zwischen „dabei sein wollen“ und Müllkatastrophe samt Eigenverantwortung legen. Die geplanten Workshops an verschiedenen Schulen im Raum München geben vielen Kindern und Jugendlichen die Chance, das hochaktuelle Thema von verschiedenen Seiten zu beleuchten und somit ihr Bewusstsein zu erweitern.
Ihre Herangehensweise, „auf Augenhöhe“ mit den Jugendlichen zu arbeiten, sie in den gesamten Prozess der Stückentwicklung einzubeziehen, die Wahl eines politischen Themas, sowie die Kooperation mit jungen Nachwuchskünstler*innen, hat die Jury dazu bewogen, eine Förderung in Höhe von 19.860 Euro zu empfehlen.

Kulturbühne Spagat / HORIZONT e.V. „EMOTIONS - DOMAGK DANCE PROJECT“

Nach dem Motto: Alle können und dürfen miteinander tanzen/erleben/fühlen, ohne Muss! Angeleitet von professionellen Künstler*innen können Stadtteilbewohner*innen des Domagkparks und der angrenzenden Viertel ihre Stadtteile, deren ungeschriebene Geschichten, die Gefühlswelten im Quartier und den Eindruck der Architektur durch selbst erarbeitete Bewegungssprache und Tanz-Performances erlebbar machen.
Generationenübergreifend, integrativ, inklusiv und gendergerecht möchte das Projektteam der Kulturbühne Spagat von HORIZONT e.V. nachhaltige Teilhabe am urbanen Zusammenleben schaffen und dabei - ohne den erhobenen Zeigefinger des Vermittelns - die ansässigen Menschen für diese Herzensangelegenheit gewinnen und begeistern.
Die aufsuchende Zielgruppenansprache verspricht eine rege Teilnahme. Auch der Open-Air Aspekt des Konzepts ist nicht nur wegen der Corona-Pandemie positiv zu erwähnen, sondern auch weil dies Menschen, die nicht aktiv am Projekt teilnehmen können, die Möglichkeit gibt als Zuschauer*innen zu partizipieren. Die Jury empfiehlt eine Förderung in Höhe von 12.730 Euro.

Lara Paschke „playing places“

Das Kollektiv Galli (Choreographie) | Lindner (Choreographie) | Paschke (Choreographie) | Voigt (Architektur) feierte mit „playing places“ bereits im Juli 2022 im Rahmen des THINK BIG! Festivals sehr erfolgreich Premiere.
10 professionelle Tänzer*innen/ Performer*innen, zwei Musiker*innen und rund 300 Zuschauende kamen auf dem Münchner Max-Joseph-Platz zusammen. Architektur, Stadt(-gesellschaft) und zeitgenössischer Tanz begegneten einander in einer experimentellen Outdoor-Performance. Der öffentliche Raum wurde so neu erobert, als Begegnungsort, als Freiraum und interdisziplinäres Experimentierfeld für eine diverse Stadtgesellschaft, die mitgestaltet. Nun wird das Konzept für „playing places 2023“ erweitert und zugleich neu gedacht: zahlreiche Schüler*innen aus Schulen unterschiedlicher Stadtviertel werden durch die Choreograf*innen und Performer*innen der Produktion in künstlerischen Workshopformaten an „playing places“ herangeführt. Sie erkunden gemeinsam mit den Künstler*innen die darin erarbeitete Bewegungssprache, Verwebungen zwischen Raum und Tanz, zwischen Individuum und Gemeinschaft und werden schließlich aktiver Teil der Performances, die erneut im öffentlichen Raum stattfinden werden. Insgesamt können so rund 750 Kinder und Jugendliche erreicht werden, viele von ihnen begeben sich dabei auf für sie völlig neues Terrain. Junge und ältere Menschen unterschiedlichster Herkunft treffen in „playing places 2023“ zusammen und gestalten jene klug konzipierte und nun sehr fein weiter gearbeitete Performance als kollektive Ortserkundung mit. Die Jury befürwortet eine Förderung in Höhe von 16.620 Euro.

Thalia Schöller „Freispruch“

Thalia Schöller beschäftigt sich in ihren Arbeiten als Theatermacherin, Autorin und Aktivistin immer wieder mit Machtdynamik, Grenzüberschreitung und An-/Unansprechbarkeit von Erlebtem. In ihrem Projekt „Freispruch“ nimmt sie zusammen mit Klarissa Flückiger die oft verdrängte und verschwiegene Rape Culture in Deutschland in den Blick. Weit mehr Menschen als öffentlich wahrgenommen, und insbesondere Frauen, sind in ihrem Leben mit sexuellen Übergriffen, Missbrauch oder Vergewaltigung konfrontiert – gleichwohl findet darüber kaum ein öffentlicher Diskurs statt. „Freispruch“ will diesen mit künstlerischen Mitteln und unter Einbindung von Laien und ihren Erfahrungen mit Rape Culture befördern. Die Selbstermächtigung, die die Künstlerinnen und die beteiligten Laien in ihrer Auseinandersetzung einfordern, wird dabei auch auf die Theaterarbeit mit Laien selbst übertragen: mit ihr werden zum einen die Betroffenen selbst Teil des Projekts, gleichzeitig werden durch ihre Einbindung auch die theaterüblichen Hierarchien hinterfragt, die sich selbst als so anfällig für sexuelle Übergriffe zeigen. Die Jury begrüßt es sehr, dass sich Theaterschaffende mit diesem schweren, aber enorm wichtigen Thema beschäftigen und empfiehlt, das Projekt in einer Höhe von 20.000 Euro zu fördern.

Mitglieder der Jury

An der Jurysitzung haben teilgenommen:

Denijen Pauljević, Josef Eder, Julia Opitz, Simone Schulte-Aladağ, Karen Breece, Mustafa Akça
sowie aus dem ehrenamtlichen Stadtrat: Marion Lüttig und Thomas Niederbühl (Fraktion Die Grünen / Rosa Liste), Beatrix Burkhardt (Fraktion CSU mit FREIE WÄHLER), Nicola Holtmann (Fraktion ÖDP / München Liste), Roland Hefter (Fraktion SPD / Volt).

  • 2023
    Iris Mirjam Behnke „memory – generationenübergreifendes Tanz-Performance-Projekt“
    ELLE Kollektiv GbR „Graulieschen“
    Sabine Sabine „Fast Fashion – Tanztheater“
    Kulturbühne Spagat / HORIZONT e.V. „EMOTIONS - DOMAGK DANCE PROJECT“
    Lara Paschke „playing places“
    Thalia Schöller „Freispruch“
     
  • 2022
    Callie Arnold: „Puls der Gemeinschaft: Co-Existing Rhythms“
    Bellevue di Monaco eG: „Gilgamesch 2022“
    Chris Hohenester und Young Pathos Kollektiv: „Visionen“
    Andrea Marton & Stephanie Felber: „Du. Er. Sie. Wir! ZUSAMMEN-geh-HÖREN“
    Verena Regensburger: „München – Augenblick mal!“
    Caroline Tajib-Schmeer: Ein szenisches gespieltes und getanztes Live-Hörspiel zum Thema „Corona“ erarbeitet und dargestellt von Jugendlichen gemeinsam mit Profis
  • 2021
    Iris Mirjam Behnke: „#the truth will set U free – vom Suchen und Verlieren von Wahrheit“
    Bellevue Di Monaco EG: „Arriving in Munich – I‘ve got a paper“
    Barbara Galli-Jescheck & Philipp Jescheck: „Lieblingsorte #domagk“
    Kultur Le Muc: „Deutsche Sagen leicht gekürzt“
    What you See is what you get – Theaterkollektiv: „Als ich mal anders war“ (AT)

  • 2020
    Callie Arnold: „Puls der Gemeinschaft: Suche nach Verbindung“
    Angela Guerreiro: „WIR“
    AsylArt e.V.: „Kommen wir zusammen?“
    Theaterkollektiv „what you see is what you get“: „Die Resi und der Kasperl“
    Chris Hohenester: „Young Pathos Kollektiv“
    Marie Nüzel: „Der kleine Wassermann“
    Spielen in der Stadt e.V.: „Tanz.Die.Invasion“

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