Starter Filmpreise
Auszeichnungen für künstlerisch herausragende Filme insbesondere von jungen, noch nicht etablierten Münchner Filmemacher*innen.
Über den Preis
Die Landeshauptstadt München vergibt jährlich drei mit jeweils 8.000 Euro dotierte Starter-Filmpreise für künstlerisch herausragende Filme insbesondere von jungen, noch nicht etablierten Münchner Filmemacher*innen, die in ihrer Arbeit einen kreativen Umgang mit dem Medium und stilistische Innovationsmomente erkennen lassen. Zusätzlich wird ein Starter-Filmpreis / Produktion vergeben - als geldwerte Leistung für die Postproduktion eines künftigen Films in Höhe von 10.000 Euro, gestiftet von Pharos – The Post Group. Eine Eigenbewerbung ist erforderlich. Die Starter Filmpreise werden seit 2019 im Rahmen des Filmfests München verliehen (2020 wurden sie aufgrund der Corona-Pandemie im Rahmen der Münchner Filmkunstwochen verliehen).
Preisträger*innen
- Anna-Maria Dutoit
- Lea El Attal und Anton Augsten
- Mira-Belle Rose Bryld
- Gisela Carbajal Rodríguez (Starter-Filmpreis / Produktion)
Jurybegründungen
Starter-Filmpreis 2026
Anna-Maria Dutoit: „Elysian Fields“
Mit „Elysian Fields“ ist Anna-Maria Dutoit ein eindrucksvoller Kurzfilm gelungen, der durch seine dichte Atmosphäre, starke Bildsprache und gesellschaftliche Relevanz überzeugt. Die Dimensionen und Auswirkungen der Klimakrise nehmen zwar seit Jahren einen diskursiven-politischen Raum ein, bohren sich aber häufig nur dann in das gesellschaftliche Bewusstsein, wenn Ereignisse katastrophalen Ausmaßes stattfinden. Die Klimakrise, eine sich in Zeitlupe entfaltende Katastrophe greifbar und erzählbar zu machen – l auch in ihrem ständigen, latenten Einfluss auf den Alltag –, ist eine gewaltige Herausforderung für Journalist*innen wie Medienschaffende.
Anna-Maria Dutoits hat einen Weg gefunden, dieser Herausforderung zu begegnen: Ihr Film widmet sich dem alltäglichen Kampf mit den sich immer schneller verändernden Bedingungen des Klimas. Beinahe sisyphusartig arbeiten sich die Protagonist*innen des Films, eine griechische Familie, die von ihrem Olivenhain lebt, an der ständigen Trockenheit und der Bedrohung durch Brände ab. In stiller Beobachtung und präzise gestalteter Bildsprache lässt Anna-Maria Dutoit genug Raum für die eigene Reflexion durch das Publikum. Sie verwebt bildlich und inhaltlich Natur und menschliche Existenz und macht durch diese Gleichzeitigkeit deutlich, wie abhängig wir von unserer Umwelt tatsächlich sind. Und gerade in der Entschleunigung liegt die besondere Stärke des Films. Er vermittelt große, schwer darstellbare Themen wie die Klimakrise, Vergänglichkeit und familiäre Kontinuität ohne didaktische Schwere und entfaltet so eine nachhaltige, berührende Wirkung. Poetisch inszeniert wie politisch relevant, kommt dieser Film ohne das Tosen großer Katastrophen aus, sondern gibt dem Gewicht, was im Alltag katastrophal wird.
Starter-Filmpreis 2026
Lea El Attal und Anton Augsten: „Was wir nur einander sagen“
Mit „Was wir nur einander sagen" ist den beiden Regisseur*innen Lea El Attal und Anton Augsten ein Film über das Trend-Thema KI gelungen, der weder vorschnell urteilt noch in die Klischeefalle überzeichneter Protagonist*innen tappt.
Stattdessen: ein Film, der in erster Linie den Menschen und ihren Beziehungen untereinander Raum gibt und die KI dabei fast beiläufig miterzählt – als Ansprechperson, als Ratgeber, als Unterstützung in schwierigen Lebensphasen, jedoch nie als Ersatz für die parallel stattfindenden menschlichen Interaktionen.
Der Film geht dabei spielerisch mit den Grenzen zwischen Inszenierung und dokumentarischer Beobachtung um, genauso wie mit den Grenzen zwischen KI und menschlicher Interaktion: Mal klingen die Fragen der Protagonistin an die KI fast mechanischer als die von einer menschlichen Stimme gesprochenen Antworten der künstlichen Intelligenz, mal wirken die Begegnungen der Freundesgruppe erst künstlich gesetzt, um dann fließend in Momente voller freundschaftlicher Intimität überzugehen. Ein Film, der mit Grenzen spielt und diese immer wieder auf überraschende Art und Weise aufweicht.
Starter-Filmpreis 2026
Mira-Belle Rose Bryld: „Engine of Love“
Asta ist Musikerin und Mama. Ihr Zuhause ist liebevoll und bunt, ihr Alltag chaotisch und kompliziert. Wenn sie abends in der Kneipe singt und kellnert, macht ihre Tochter Ello im Hinterzimmer Hausaufgaben und hört die Songs, die sie nachmittags mit ihrer Mama geschrieben und aufgenommen hat. In knalligen Bildern, schnellen Schnitten und mit wunderbaren Popsongs wird in dieser eigenwilligen Dramedy von einer unkonventionellen Mutterschaft erzählt. Authentisch und echt porträtiert Regisseurin Mira-Belle Rose Bryld eine komplexe und zeitgemäße Familie, die sich zofft, immer wieder verträgt und das Leben alles andere als unter Kontrolle hat. Mit viel Feingefühl erzählt sie von Spießern und Freigeistern, Ordnung und Chaos und immer wieder von ganz viel Liebe und Humor.
Starter-Filmpreis / Produktion 2026
Gisela Carbajal Rodríguez: „Corazón ausente“
„Corazón ausente (Abwesendes Herz)“ begleitet eine Mutter in Mexiko bei der Suche nach den Überresten ihres verschwundenen Sohnes. Gemeinsam mit anderen Frauen organisiert sie eigenständig Suchaktionen und widersetzt sich der staatlichen Untätigkeit. Der Film beschreibt eine Lebensrealität, die von Verlust und dem beharrlichen Ringen um Gewissheit geprägt ist.
Der Regisseurin Gisela Carbajal Rodríguez gelingt es, dokumentarisches Material und innovative Computeranimation auf eindrucksvolle Weise zu verbinden. Gemeinsam mit dem Animationsregisseur Felix Klee setzt der Film auf ruhige Fahrten durch eine der Realität entrückten Welt, die die Suche der Mutter und ihre Trauer erfahrbar macht. Ohne plakative Emotionalisierung oder Voyeurismus finden Film und Animation eine Form für das Unsagbare. Dabei schützen sie konsequent die Protagonistin, indem sie nie direkt gezeigt wird.
Besonders hervorzuheben ist auch der mutige und engagierte Einsatz der Produzentin Johanna Huber, die dieses sensible und politisch brisante Thema in einer so eigenständigen filmischen Form ermöglicht hat.
Innovativ, eindrücklich und zutiefst menschlich eröffnet „Corazón ausente“ einen Zugang zu einer Lebensrealität, die sich der direkten Darstellung entzieht und gerade dadurch umso nachhaltiger wirkt.
Mitglieder der Jury
Jury unter dem Vorsitz von Kulturreferent Marek Wiechers:
Daood Alabdulaa (Filmemacher, Preisträger 2025), Dunja Bialas (Filmjournalistin), Erec Brehmer (Filmemacher, Preisträger 2022), Linus Einsiedler (Medienzentrum München de JFF), Julia Fuhr Mann (Filmemacher*in/Preisträger*in 2024), Julia Weigl (Filmfest München) und aus dem Stadtrat: Mo Lovis Lüttig (Fraktion Die Grünen-Rosa Liste-Volt), Thomas Niederbühl (Fraktion Die Grünen-Rosa Liste-Volt), Leo Agerer (Fraktion der CSU mit FREIE WÄHLER), Hans-Peter Mehling (Fraktion der CSU mit FREIE WÄHLER), Lars Mentrup (SPD-Fraktion)
- 2025
Lou von Sohlern, Matilda Mokina, Maximilian Weigl, Louise Zenker, Daood Alabdulaa, Nathan Engelhardt (Starter-Filmpreis / Produktion) - 2024
Emil Klattenhoff, Camille Tricaud und Franziska Unger, Aaron Arens, Julia Fuhr Mann - 2023
Nikita Gibalenko, Viktor Schimpf, Marie Zrenner, Daniel Asadi Faezi und Mila Zhluktenko (Starter-Filmpreis / Produktion 2023) - 2022
Felix Klee, Hilarija Laura Ločmele, Lara Milena Brose & Kilian Armando Friedrich, Erec Brehmer (Starter-Filmpreis / Produktion 2022) - 2021
Linda-Schiwa Klinkhammer, Josef Fink, Verena Wagner, Denise Riedmayr (Regie), Lillian Malan und Philipp Link (Produktion) (Starter Filmpreis / Produktion gestiftet von ARRI Media GmbH) - 2020
Mariko Minoguchi, Anna Roller, Berthold Wahjudi, Narges Kalhor (Starter Filmpreis / Produktion gestiftet von ARRI Media GmbH) - 2019
Benedikt Schwarzer, Lisa Voelter, Christian Hödl und Lene Pottgießer, Alex Schaad und Richard Lamprecht und Veronika Faistbauer (Starter Filmpreis / Produktion gestiftet von ARRI Media GmbH) - 2018
Sylvain Cruiziat und Mila Zhluktenko, Jovana Reisinger, Anatol Schuster, Anna Roller und Tanja Schmidbauer (Starter Filmpreis / Produktion gestiftet von ARRI Media GmbH) - 2017
Moritz S. Binder, Annelie Boros, Michael Ciesielski, Yulia Lokshina, Isabelle Bertolone, Marius Ehlayil (wirFILM) (Starter Filmpreis / Produktion gestiftet von ARRI Media GmbH) - 2016
Mirjam Orthen, Matthias Koßmehl, Alexander Costea, Jakob Gross (Starter Filmpreis / Produktion gestiftet von ARRI Media GmbH) - 2015
Franziska Schönenberger und Jayakrishnan Subramanian, Paul Meschùh, Helen Simon, Ozan Mermer (Starter Filmpreis / Produktion gestiftet von ARRI Media GmbH) - 2014
Isa Micklitza, Isa Willinger, Anna Brass, Lukas Baier (Starter Filmpreis / Produktion gestiftet von ARRI Media GmbH) - 2013
Wolfram Huke, Anna Frances Ewert, Pauline Roenneberg, Sebastian Bartetzko, Philip Grabow, Tobias Huber (Starter Filmpreis / Produktion gestiftet von ARRI Media GmbH) - 2012
Michael Reithmeier, Peter Künzel und Frank Müller, Claudia Heindel, Josef Mayerhofer, Konstantin Ferstl (Starter Filmpreis / Produktion gestiftet von ARRI Media GmbH) - 2011
Mareille Klein und Julie Kreuzer, Jesper Petzke, Christine Repond, Claudia Lehmann und Daria Onyshchenko (Starter Filmpreis / Produktion gestiftet von ARRI Media GmbH), Peter Baranowski (lobende Erwähnung) - 2010
Jens Junker, Andy Wolff und Stefanie Brockhaus, Tomasz Emil Rudzik, Benedikt Böllhoff und Max Frauenknecht, Via Film GbR (Starter Filmpreis / Produktion gestiftet von ARRI Media GmbH) - 2009
German Kral, Pia Strietmann, Stefanie Brockhaus und Pary El Qualqili (geteilter Preis), Mickel Rentsch (Starter Filmpreis / Produktion gestiftet von ARRI Media GmbH) - 2008
August Pflugfelder, Alexander Riedel, Tim Trachte, Kathrin Geyh, Daniela Ljubinkovic, Regisseurin und Co-Produzentin Michaela Kezele, Target Film Produktion GbR, Mieko Azuma - 2007
Oliver Haffner, Baran Bo Odar, Saara Aila Waasner - 2006
Jens Christian Börner, Florian Gaag, Eva Marel Jura, Korinna Krauss und Janna Ji Wonders - 2005
Jakob M. Erwa, Sonja Heiss, Gil Mehmert - 2004
Sikander Goldau, Benjamin Heisenberg, Judith Malek–Mahdavi, Jens Schanze - 2003
Maurus vom Scheidt, Ralf Westhoff - 2002
Johannes Kaltenhauser und Florian Vogel, Stefanie Sycholt, Anthony Lew Shun - 2001
Bettina Timm, Maren Ade, Markus Mörth - 2000
Marco Petry, Christian Ehrhardt, Steffen Schäffler - 1999
Florian Gallenberger, Christoph Stark, Sebastian Steinbichler und, Florian Vogel - 1998
Matthias Lehmann, Benjamin Herrmann, Harald Rumpf, Thomas Riedelsheimer - 1997
Jochen Kraus, Florian Schneider, Beryl Schennen, Vuk Jevremovic, Peter Thorwarth - 1996
Uli Kick, Thomas Ciulei, Ulrich Gambke - 1995
Stephan Puchner, Henrik Heckmann, Patrick Hörl - 1994
Ulrich Weis, Erica und Paco Joan, Veit Helmer, Stefan Schneider ⁄ Walter Feistle - 1993
Rainer Matsutani, Hans–Christian Schmid, Katja von Garnier - 1992
Alexander Ammer, Walter Wehmeyer, Wladek Brobowski, Romuald Karmakar, Carsten Steigerwald - 1991
Rainer Kaufmann, Hans Lang (Dokumentarpreis) - 1990
Ralf Huettner, Nicolas Humbert (Dokumentarpreis) - 1989
Maris Pfeiffer, Werner Prenzel (Dokumentarpreis) - 1988
Lutz Konermann, Peter Heller (Dokumentarpreis) - 1987
Philip Gröning, Claus Strigel und Betram Verhaag, DENKmalfilm (Dokumentarpreis) - 1986
Ute Wieland - 1985
Maria Knilli