Münchens Insektenvielfalt

Hier finden Sie einige Informationen zu den hier heimischen Insekten.

Bienen

Markus Bräu

Bienen haben mehr als nur Honig zu bieten - sie bestäuben Blütenpflanzen. Deutlich über 200 Arten sind in neuerer Zeit aus München nachgewiesen und noch immer gibt es jährlich Neu- oder Wiederfunde. Rund Hundert weitere wurden allerdings schon seit mindestens 20 Jahren nicht mehr beobachtet und sind wohl dem Verlust naturnaher Lebensräume durch Überbauung, Intensivierung der Landwirtschaft und dem Rückgang extensiver Nutzungsformen zum Opfer gefallen.

Auf den ersten Blick einer Honigbiene ähnlich, bildet diese „Solitärbiene“ keine Staaten. Vielmehr versorgt jedes Weibchen ihre eigenen Nachwuchs. Diese Art besucht hierfür Blüten vor allem verschiedener Schmetterlingsblütler und Lippenblütler. Sie trägt Pollen als Nahrungsvorrat in selbst gebaute Nester aus mit Speichel vermischtem Lehm und Sand ein und legt in jede Zelle ein Ei. Anders als die Honigbiene transportiert sie den Pollen nicht in einem „Körbchen“ an den Hinterbeinen, sondern in einer „Bauchbürste“. Die Nester baut sie in Hohlräumen an Mauern und Gestein.

Markus Bräu

Die Grauschwarze Weiden-Sandbiene wird hier stellvertretend für viele weitere Münchner Arten der Sandbienen vorgestellt, die oft sehr spezielle Ansprüche an ihren Lebensraum stellen. Sie sammelt ausschließlich an Weiden-Arten und fliegt daher schon im zeitigen Frühjahr. Außer Weidenpollen zur Brutversorgung braucht sie aber auch offene, etwas regengeschützte Bodenstellen mit grabbarem Boden, in den sie 25 bis 60 Zentimeter tiefe Nistgänge graben kann. Auch sie bildet keine Staaten, doch findet man oft Kolonien aus zahlreichen Einzelnestern.

Markus Bräu

Von Angesicht zu Angesicht kann das Männchen der Frühlings-Pelzbiene durchaus beeindrucken. Dabei ist es wie alle Wildbienen äußerst friedfertig. Wildbienen stechen nur in höchster Lebensgefahr, da sie ihr Brutgeschäft sonst nicht abwickeln und ihre Gene nicht weitergeben können. Die Männchen dieser Art lassen sich im Frühjahr gut beobachten, wenn sie von Blüte zu Blüte rasen und jeweils kurz kolibriartig davor schweben. Sie fliegen dabei immer wieder die selben mit Duftstoffen markierten Flugbahnen zu ergiebigen Futterplätzen und bei Patrouillenflügen zur "Überprüfung" auf paarungswillige Weibchen.

Markus Bräu

In Gärten, bis in die Innenstatt hinein und selbst an den Blumenständen des Viktualienmarktes taucht sie regelmäßig auf: Die Große Wollbiene. Wie die selteneren nah verwandten Arten der Gattung mit ebenfalls gelb-schwarzer Zeichnung gibt sie vor, eine „gefährliche“ Wespe zu sein und versucht sich damit gegen Feinde zu wappnen. Die in Wahrheit harmlose Art baut in Hohlräumen aller Art ihre Nester, sammelt recht unspezialisiert an vielen Pflanzen Pollen und ist daher anpassungsfähig. Einzig zum Brutzellenbau braucht sie flaumhaarige Pflanzenteile, von denen sie Pflanzenwolle für den Nestbau abschabt.

Einen Wissensartkiel zum Thema "Sind Wildbienen gefährlich?" finden Sie hier .

Den Flyer des Bund Naturschutz in Bayern e.V. über Bienen und Wespen in München finden Sie hier .

 

Wespen

Markus Bräu

An der Gesichtszeichnung lassen sich die verschiedenen Arten am besten unterscheiden. Die Tiere sind nützlich, da sie für die Versorgung Unmengen von teilweise für Gartenpflanzen schädliche Insekten fangen – aber leider manchmal auch lästig, weil die Arbeiterinnen wie viele Menschen Süßigkeiten lieben.

Markus Bräu

Die Familie der Goldwespen ist in Bayern mit 84 Arten vertreten. Münchens Goldwespenfauna ist unzureichend bekannt. Eine der nur acht bislang im Stadtgebiet nachgewiesenen Arten soll hier vorgestellt werden, sie ist hier bislang nur von der Fröttmaninger Haide bekannt und bewohnt vor allem Trockenbiotope. Goldwespen sind alle Brutparasiten, die ihre Eier in den Nestern von Wild­bienen oder Grabwespen ablegen. Die Larve verzehrt die Wirtslarve oder deren Futter. Die hier gezeigte Goldwespe ist Brutparasit bei der ihrerseits auf Heuschrecken als Beute spezialisier­ten Grabwespen-Art Tachysphex pompiliformis. Das Farbenspiel der Goldwespen entsteht nicht durch Pigmente, sondern durch feine Oberflächenstrukturen, die das Licht brechen (Strukturfar­ben).

Markus Bräu

In Bayern gibt es über 210 Arten von Grabwespen, zu denen auch die Kotwespe gehört. Ihren we­nig schmeichelhaften deutschen Namen erhielt sie, weil sie gern die Hinterlassenschaften von Säugetieren aufsucht. Von dieser fühlt sich ihre Lieblingsbeute magisch angezogen: in Regenwür­mern parasitierende Wurmfliegen (Pollenia rudis). Die Kotwespe erbeutet aber auch viele andere Fliegenarten, wie hier im Bild eine Schwebfliege. Sie nistet oft in größeren Ansammlungen in san­dig- bis lehmigem Boden, in den sie meist 30–45 cm tiefe gelegentlich aber bis in über 1 m Tiefe reichende Nestgänge gräbt. Die Fliegen werden belauert oder regelrecht angepirscht, mit einem Sprung erbeutet sowie durch einen Stich gelähmt und unter dem Körper zum Nest transportiert. Dort dienen sie nach dem Schlupf der Grabwespenlarve dieser als Proviant.

Markus Bräu

Die mit 85 Arten in Bayern vertretenen Wegwespen leben im Gegensatz zu den Wildbienen räube­risch und erbeuten zur Versorgung ihrer Brut ausschließlich Spinnen. Die Rotschwarze Spinnen­wespe ist dabei auf Wolfsspinnen (Lycosidae) spezialisiert. Die Beutespinnen werden nur gelähmt und als „Lebendkon­serve“ als Larvenproviant in die Nester eingetragen. An jede Spinne wird nur ein Ei gelegt und die geschlüpfte Larve frisst die paralysierte Spinne. Man findet die Art an Waldrändern und Waldlichtun­gen, aber auch auf Brachflächen und in Gärten.

Markus Bräu

Die mit 85 Arten in Bayern vertretenen Wegwespen leben im Gegensatz zu den Wildbienen räube­risch und erbeuten zur Versorgung ihrer Brut ausschließlich Spinnen. Die Weibchen werden schon kurze Zeit nach dem Schlupf von den früher erscheinenden Männchen befruchtet. Es wird ein bis zu neun Zentimeter tiefer Gang in den Boden gegraben, wobei der Sand trichterförmig um den Ein­gang zum Liegen kommt. Die Brut wird mit Wolfspinnen (Lycosidae) versorgt. Es werden ein bis maximal sieben Brutzellen pro Nest angelegt, je eine Spinne eingetragen und ein Ei pro Zelle ab­gelegt. Transportiert wird die Beute entweder vorwärts getragen oder rückwärts gezogen. Die viel schwereren Spinnen werden dabei über Stock und Stein ins Nest transportiert – eine beachtliche Leistung. Sie werden zunächst vor dem Nesteingang abgelegt und wird anschließend das Nest bis zu eine halbe Stunde lang kontrolliert und nötigenfalls ausgebessert, bevor erst die Beute an den Spinndrüsen in das Nest gezerrt wird. Schließlich wird das Nest mit Steinchen verschlossen und anschließend mit Sand zugescharrt, der mit gekrümmtem Hinterleib festgestampft wird.

Alles über die Aktion Wespenschutz erfahren Sie hier .

Den Flyer des Bund Naturschutz in Bayern e.V. über Bienen und Wespen in München finden Sie hier .

Heuschrecken

Markus Bräu

Mit 77 derzeit in Bayern vorkommenden Arten gehören die Heuschrecken zu den überschaubaren Insektengruppen. 47 davon sind aus dem Stadtgebiet gesichert nachgewiesen. Fünf Arten sind gesichert ausgestorben. Immerhin 36 Arten haben aktuell bodenständige Vorkommen, bei einigen ist der Status unklar. Die meisten Arten lassen sich am besten an ihren „Gesängen“ unterscheiden.

Der Warzenbeißer ernährt sich insbesondere von Kleintieren, verschmäht aber auch Pflanzen nicht. Der Name rührt daher, dass man das Tier wegen seiner ätzenden Verdauungssäfte früher in Warzen beißen ließ und sich dadurch eine heilende Wirkung erhoffte. Die wegen ihrer Größe imposante Art kommt in München nur auf der Panzerwiese und im benachbarten Hasenberglwäldchen vor.

Markus Bräu

Diese Art ist weit verbreitet in Biergärten - auf Laub- und Nadelbäumen, an denen sich viele Blattläuse laben. Von ihnen lebt diese Art, deren „Gesang“ nur im leisen Trommeln mit den Beinen auf Blättern besteht und kaum auffällt.

Markus Bräu

Ein wenig „Alien-artig“ sieht dieses zarte Wesen mit den durchscheinenden Flügeldecken schon aus. Tatsächlich war das zur Grillenverwandtschaft gehörende Weinhähnchen früher der Münchner Heuschreckenfauna fremd. Seit mindestens 1994 hat sich die im weiten Umkreis fehlende Art, die sonst typisch ist für Weinbaugebiete, in München fest angesiedelt. Zugereist sind die ersten wahrscheinlich als blinde Passagiere in Güterwaggons, da die Art anfangs jahrelang nur zwischen Bahnsteigen an der Donnersbergerbrücke lebte und dort an lauen Sommerabenden ihren wohlklingender Gesang ertönten ließ.

Markus Bräu

Die Blauflügelige Ödlandschrecke ist sicher die „prominenteste“ Heuschreckenart Münchens. Sie besitzt hier einen ihrer wichtigsten bayerischen Verbreitungsschwerpunkte und ist auf vegetationsarmen Trockenflächen eine typische Art. Leider zeigt die Tarnungskünstlerin erst bei Auffliegen ihren namensgebenden blauen Hinterflügel, der Feinde verwirren soll.

Den Flyer des Bund Naturschutz in Bayern e.V. über Heuschrecken in München finden Sie hier .

Libellen

Markus Bräu

50 Libellenarten sind aus dem Münchner Stadtgebiet sicher nachgewiesen. Bei neun Arten liegen die letzten Beobachtungen jedoch lange zurück, und es ist zu befürchten, dass sie ausgestorben sind. 31 Arten dürften sich aktuell mehr oder weniger regelmäßig in Münchner Still- und Fließgewässern fortpflanzen. Durch den Rückgang ihres natürlichen Lebensraumes sind viele Libellenarten jedoch bedroht.

Von ähnlichen Arten ist die Becher-Azurjungfer anhand ihrer Hinterleibszeichnung unterscheidbar. Der in München vorkommenden Libelle kann man nicht nur an unseren Baggerseen regelmäßig begegnen, sondern auch an Gartenteichen. Sie begnügt sich selbst mit spärlicher Gewässervegetation. Eine Koexistenz mit Fischen ist aber wie bei fast allen Arten nur bei Vorhandensein von Rückzugsbereichen wie Unterwasser- oder Verlandungsvegetation für die Libellenlarven möglich.

Markus Bräu

Tatsächlich übersteht die Gemeine Winterlibelle als einzige der in München vorkommenden Libellenarten den Winter als erwachsenes Tier an geschützten Stellen in dichter Vegetation, um schon im zeitigen Frühjahr Gewässer zur Fortpflanzung aufzusuchen. Sie bevorzugt dabei solche mit Flachwasserzonen und Röhrichtvegetation und ist in München nicht häufig.

Den Flyer des Bund Naturschutz in Bayern e.V. über Libellen in München finden Sie hier .

Tagfalter

Markus Bräu

Aus dem Münchner Stadtgebiet sind 103 der 176 aus Bayern bekannten Arten an Tagfaltern nachgewiesen worden. Mindestens 30 Arten sind jedoch ausgestorben.
65 Arten konnten auch nach 2010 noch beobachtet werden und bilden den aktuellen Artenbestand.

Der in Bayern ansonsten meist seltene und stark gefährdete Idas-Bläuling besitzt in München einen Verbreitungsschwerpunkt und ist hier eine für nährstoffarme Brachflächen sehr typische Art. Wo der Idas-Bläuling ist, sind Sklavenameisen-Arten meist nicht weit, die mit den Raupen dieses Bläulings eng zusammenleben. Wegen der Bindung dieser Ameisen an wenig bis lückenhaft bewachsene trockene Flächen, ist auch diese Falterart auf entsprechende Standorte beschränkt. Als einzige von mehreren Bläulingen Münchens zeigt die Unterseite eine Reihe metallisch blauer Flecken.

Markus Bräu

Magere Böden mit Vorkommen des Hufeisenklees, der Hauptnahrungspflanze seiner Raupen, sind Voraussetzungen für das Vorkommen dieser Bläulingsart mit strahlend himmelblauer Oberseite und geschecktem Flügelsaum. Auf den Münchner Haiden leben noch bedeutende Bestände dieser bayernweit bedrohten Spezies.

Den Flyer des Bund Naturschutz in Bayern e.V. über Tagfalter in München finden Sie hier .

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