Hitze und Gesundheit

Mit der Klimaerwärmung nimmt auch die Hitzebelastung zu. Diese beansprucht den Organismus des Menschen und bringt gesundheitliche Risiken mit sich.

Gesundheitliche Risiken durch Hitze

Hitzebelastung beansprucht den Organismus des Menschen in besonderer Weise und kann zu Problemen des Herz-Kreislaufsystems führen kann. Außerdem fördert eine hohe Lufttemperatur zusammen mit intensiver Sonneneinstrahlung die Entstehung von gesundheitsgefährdendem bodennahem Ozon. Anhaltend hohe Lufttemperaturen während Hitzeperioden stellen ein Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung dar. Bei Hitze kann das körpereigene Kühlsystem überlastet werden. Als Folge von Hitzebelastung können bei empfindlichen Personen Regulationsstörungen und Kreislaufprobleme auftreten.

Durch den Klimawandel werden Hitzeperioden sowohl in ihrer Intensität als auch Häufigkeit zunehmen.

Weitere Informationen zum Thema Hitze, dem Stadtklima Münchens und zur Klimaanpassung in München finden Sie hier.

Gesundheitliche Risiken und Tipps zum geeigneten Verhalten

Durch steigende und anhaltend hohe Temperaturen sind vermehrte hitzebedingte Gesundheitsprobleme zu erwarten. Ebenso können sich die Zahl der Infektionskrankheiten durch Wärme liebende Erreger erhöhen. Auch kann die Anzahl der Hautkrebserkrankungen durch die intensivere UV-Bestrahlung steigen.

Durch Hitze ausgelöste Gesundheitsprobleme werden häufig nicht differenziert betrachtet. Im Folgenden werden die verschiedenen Gesundheitsprobleme kurz näher erläutert:

Exsikkose
Exsikkose entsteht als Folge einer Dehydration. Sie bezeichnet einen Zustand des Flüssigkeits- und Wassermangels im Körper.

Hitzekollaps
Ein Hitzekollaps kann auftreten, wenn sich durch die Hitze die peripheren Blutgefäße, das heißt die kleinen Blutgefäße in den Armen und Beinen, erweitern und der Blutdruck abfällt. Durch die daraus folgende verminderte Gehirndurchblutung kann es zu Bewusstlosigkeit kommen.
Langes Stehen in der Sonne kann einen Hitzekollaps fördern und sollte daher möglichst vermieden werden.

Hitzschlag
Ein Hitzschlag ist die Folge eines Wärmestaus im Körper. Dieser kann immer dann auftreten, wenn sich der Körper durch Schwitzen nicht mehr ausreichend abkühlt.
Die Körpertemperatur kann dann innerhalb von zehn bis fünfzehn Minuten auf über 40 Grad ansteigen. Außerdem kann sich durch die akute Überhitzung ein Hirnödem bilden.
Oft sind von einem Hitzschlag Menschen betroffen, die zu warme oder luftundurchlässige Kleidung tragen oder ihren Körper durch, z.B. Sport oder schwere körperliche Arbeit zusätzlich belasten.

Sonnenstich
Ein Sonnenstich entsteht durch lange direkte Sonneneinstrahlung auf Kopf, Hals und Nacken. Zu den typischen Symptomen zählen Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel. Besonders gefährdet sind kleine Kinder und Personen mit weniger Kopfhaarbedeckung.

Hitzekrampf
Typische Symptome eines Hitzekrampfes sind starke Schmerzen und Krämpfe in der Muskulatur.
Diese können auftreten, wenn der Körper durch große körperliche Anstrengung zu viel Salze (Elektrolyte) und Flüssigkeit verloren hat.

Hitzeausschlag
Ein Hitzeausschlag entsteht, wenn durch enge oder nicht atmungsaktive Kleidung die ausreichende Verdunstung des Schweißes verhindert wird. Dann können die Ausführgänge der Schweißdrüsen verstopfen und es bilden sich sogenannte Hitzepickel. Das sind kleine juckende und brennende Bläschen auf der Haut.

Hitzeerschöpfung
Bei einer Hitzeerschöpfung fällt der Blutdruck sehr stark ab. Dies ist die Folge eines hitzebedingten Flüssigkeitsverlustes.

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Sie bei sich selbst oder anderen Personen Kreislaufbeschwerden, Kopfschmerzen, ein steigendes Unruhegefühl, Schwindel oder ein erhöhtes Schwäche- und Erschöpfungsgefühl beobachten.
Außerdem können ein trockener Mund, eine trockene Zunge, sowie trockene und eingefallene Haut bei gleichzeitig hoher Körpertemperatur Anzeichen für Gesundheitsprobleme im Zusammenhang mit Hitze sein.

Personengruppen wie ältere und pflegebedürftige Menschen aber auch Personen, die beruflich starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind, sollten zur Vermeidung von gesundheitlichen Beeinträchtigungen während Hitzeperioden besondere Aufmerksamkeit walten lassen.

Ältere Personen über 70 Jahre, kleine Kinder und chronisch oder akut Erkrankte sind besonders anfällig für gesundheitliche Probleme an heißen Tagen.

Bei älteren Personen, sowie Kindern und Pflegebedürftigen ist die Thermoregulation, also die Fähigkeit die Körpertemperatur konstant auf etwa 37 Grad zu halten, verändert. Somit sind sie an heißen Tagen besonders gefährdet. Bei Bettlägerigen und Heimbewohnern kommt erschwerend dazu, dass sie einen allgemein schlechteren Gesundheitszustand vorweisen und meist abhängig von Unterstützung sind.

Nicht vergessen werden sollte, dass zu den Risikogruppen auch sozial isolierte Menschen, Obdachlose, Personen mit geringen finanziellen Mitteln und Arbeitende, die beruflich sehr viel der Sonne ausgesetzt sind, zählen.

Grundsätzlich gelten die Verhaltenstipps gleichermaßen für ältere und pflegebedürftigen Personengruppen wie für gesunde Menschen. Trotzdem sollten Sie als Angehörige oder Pflegepersonal besonders an heißen Tagen etwas aufmerksamer sein und folgende Empfehlungen beachten:

Kontrollieren Sie morgens und abends die Raumtemperatur und achten Sie darauf, dass diese 26 Grad nicht überschreitet.

Lüften Sie in den frühen Morgen- und in den späten Abendstunden ausreichend und dunkeln Sie untertags Wohn- und Aufenthaltsbereiche soweit möglich ab.

Verwenden Sie leichte Materialien bei Bekleidung und Bettwäsche. Verschwitze Wäsche sollte so oft wie möglich gewechselt werden.

Achten Sie darauf, dass ausreichend getrunken wird. Bieten Sie dafür ungesüßte Tees, Fruchtsäfte, oder Mineralwasser an. Die Getränke sollten kühl, aber nicht kalt sein. Am besten sollte regelmäßig über den Tag verteilt getrunken werden.Sollte krankheitsbedingt etwas gegen eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr sprechen, klären Sie dies bitte mit einem Arzt ab.

Bei starkem Schwitzen sollten Sie darauf achten, den Salzverlust (Natriumverlust) auszugleichen. Dafür verwenden Sie am besten natriumhaltiges Mineralwasser. Der Natriumgehalt sollte eine Konzentration von 20 mg/l jedoch nicht überschreiten.

An heißen Tagen sollte am besten leichte Kost wie wasserreiches Obst, Gemüse und Salate verzehrt werden. Verbrauchen Sie angebrochene Lebensmittel, wie Milch-, Joghurt- und Wurstprodukte zeitig auf. Verdorbene Lebensmittel können Durchfallerkrankungen verursachen.

Kontrollieren Sie täglich, bei großer Hitze auch mehrmals täglich, die Körpertemperatur (möglichst mit dem Ohrthermometer). Die Körpertemperatur sollte nicht über 36,9 Grad Celsius steigen.

Zur zusätzlichen Kühlung können Sie kühlende Bäder/Fußbäder zubereiten. Außerdem können Sie kühlende Körperlotion oder ein Thermalwasserspray zur Kühlung verwenden.

Bereits die Beachtung einiger weniger Verhaltensregeln kann hilfreich sein, um die heißen Tage des Jahres erträglich zu gestalten.

Schutz vor der Hitze

Bitte achten Sie darauf, niemals Kinder oder gesundheitlich geschwächte Menschen in einem geschlossenen Fahrzeug zurück zu lassen!
Außerdem sollten Säuglinge, Kinder unter einem Jahr, nicht der direkten Sonnenstrahlung ausgesetzt werden, da diese empfindlicher auf hohe Außentemperaturen und starke Sonnenbestrahlung reagieren.

Passen Sie wenn möglich Ihren Tagesablauf an die Mittagshitze und die kühleren Morgen- und Abendstunden an.
 

Vermeiden Sie Tätigkeiten im Freien während der Mittagshitze und nutzen Sie dafür die kühleren Morgen- und Abendstunden.
 

Versuchen Sie körperliche Belastungen, wie Sport und andere Arbeiten während den kühleren Tageszeiten oder im Schatten abzuhalten.
 

Als persönlichen Sonnenschutz empfehlen sich ein Sonnenhut mit einer breiten Krempe, eine Sonnenbrille und Sonnenschutzmittel mit mindestens Lichtschutzfaktor 15+ und „UV-A/-B“-Schutz.
 

Bei heißen Tagen ist es wichtig, dem Körper ausreichend Flüssigkeit zuzuführen. Dies sind bei Erwachsenen mindestens zwei bis zweieinhalb Liter über den Tag verteilt. Hierzu eignen sich besonders natriumhaltiges Mineralwasser, ungesüßte Tees und Säfte, aber auch Brühen und Suppen. Ebenfalls geeignet sind wasserhaltiges Obst und Gemüse, beispielsweise Melonen, Erdbeeren, Pfirsiche und Gurken und Tomaten. Es empfiehlt sich über den Tag verteilt mehrere kleine, leichte Mahlzeiten zu sich zu nehmen.
 

Getränke mit Alkohol, Koffein und viel Zucker sollten gemieden werden, da sie den Körper austrocknen. Ebenfalls ungünstig sind sehr kalte Getränke, da sie Magenbeschwerden verursachen können.

 

Um einen Raum bestmöglichst zu kühlen, empfiehlt es sich, äußere und innere Wärmequellen unter die Lupe zu nehmen.

Verminderung der äußeren Wärmequellen

Wärme kann auf unterschiedlichen Wegen von außen in einen Raum, oder ein Gebäude gelangen. Der offensichtlichste Weg ist der Übertritt von Strahlungswärme durch das Fenster. Aber auch durch die Außenwände gelangt Wärme in den Raum. Zusätzlich kommt Wärme in den Raum über Dächer, durch die Wand von Nachbarräumen und durch den Luftstrom über Fenster und Fugen.

Austausch der Verglasung

Sonnenstrahlen sind kurzwellige Strahlen, die normales Fensterglas leicht passieren können. Wenn diese Strahlen auf Oberflächen in den Räumen treffen, wandelt sich die kurzwellige in langwellige Wärmestrahlung um. Das Fensterglas ist für die langwellige Wärmestrahlung undurchlässig und die Wärme bleibt im Raum.

Um diese Problem zu beheben, kann die Verglasung durch eine modernere Sonnenschutzverglasung ersetzt werden. Diese lässt im Vergleich zu normalem Fensterglas weniger Sonnenstrahlung in den Raum. Somit kann danach weniger Wärmestrahlung entstehen.

Wenn Sie einen Austausch der Verglasung vornehmen möchten, empfiehlt es sich, unbedingt einen Fachmann zu Rate zu ziehen.

Anbringen von Sonnenschutz

Ein Sonnenschutz soll die Sonnenstrahlen daran hindern in den Raum zu gelangen und sich zu Wärmestrahlung umzuwandeln. Dafür eignet sich am besten ein Sonnenschutz, der außen an das Fenster angebracht ist. So wird ein großer Teil der Sonnenstrahlen reflektiert, bevor diese überhaupt auf das Fenster auftreffen.

Wird der Sonnenschutz innen, also hinter der Verglasung angebracht, kann die Wärmestrahlung die hinter dem Glas entsteht nicht mehr nach außen entweichen und erwärmt den Raum.

Als Sonnenschutz eignen sich Jalousien, Rollläden, Vordächer und Markisen . Ebenso wie selbstklebende Sonnenschutzfolien werden diese außen an die Verglasung angebracht. Zu bedenken ist hierbei, dass die außen angebrachten Vorrichtungen verschiedenen Umwelteinflüssen, wie Verschmutzung, ausgesetzt sind.

Lüftung

Es empfiehlt sich, besonders in den kühlen Morgen- und Abendstunden die Räume bzw. die Wohnung ausgiebig zu lüften und die Fenster während der heißeren Mittagsstunden geschlossen zu halten und abzudunkeln.

Während dieser Zeit kann man die Türen zu angrenzenden Gängen, oder kühleren Zimmern öffnen. Auch eine Ausnutzung des „Kamineffekts“, also Auslüften über kühlere Treppenhäuser, kann hier Abhilfe schaffen.

In Privatwohnungen können Sie auch während der Nacht das Fenster geöffnet lassen, um die deutlich kühlere Nachtluft hereinzulassen. Am Arbeitsplatz sollten Sie dies aus versicherungstechnischen Gründen vorher mit Ihrem Arbeitgeber absprechen.

Außerdem gibt es die Möglichkeit Fensterflügel motorisch betreiben zu lassen. Die Steuerung wird hier über eine computergestützte Steuerungszentrale durchgeführt, die mit verschiedenen Sensoren verknüpft ist.

Kühlen

Zusätzlich zu aktiven Kühlgeräten können Ventilatoren oder Fächer verwendet werden. Auch können feuchte Tücher im Luftzug der Fenster aufgehängt werden, um somit eine Kühlung durch Verdunstung zu erzeugen.

Verminderung der inneren Wärmequellen

Personen, Beleuchtung und auch Maschinen und Geräte, wie Beleuchtung, PCs, Kühlschränke, andere elektronische Geräte, geben in Innenräumen Wärme an die Umgebung ab. Je mehr sich von diesen Quellen in einem Raum befinden, desto größer wird die Wärmebelastung.

Austausch älterer Geräte

Es empfiehlt sich, ältere Geräte (EDV und Beleuchtung) mit höherer Wärmeabgabe durch modernere Geräte mit geringerer Wärmeentwicklung zu ersetzen. Damit kann vor allem in Büroräumen mit vielen Geräten ein deutlicher Rückgang der inneren Wärmelast erzielt werden. Aber auch in Privathaushalten bringt der Austausch durch weniger Wärme belastenden Geräten eine erhebliche thermische Erleichterung mit sich.

 

Informationen für medizinische Fachangestellte und Pflegekräfte

Für den Bereich der Gesundheitsberufe ergeben sich durch den Klimawandel generell neue Herausforderungen. So ist zu erwarten, dass der Betreuungsaufwand in den heißen Monaten ansteigt, da die Gesundheit älterer und pflegebedürftiger Personen durch Hitzeeinwirkungen deutlich stärker gefährdet ist.

Für den Bereich der Gesundheitsberufe, besonders für das Pflegepersonal, ergeben sich durch den Klimawandel verschiedene Herausforderungen. Durch den demografischen Wandel gibt es mehr ältere Menschen, die zu pflegen sind. In den heißen Monaten steigt dieser Aufwand zusätzlich noch an, da ältere und pflegebedürftige Personen ein erhöhtes Risiko haben, an einer Exsikkose zu erkranken. Um dies frühzeitig zu verhindern, gilt es für das Pflegepersonal die Anzeichen von hitzebedingten Gesundheitsproblemen rechtzeitig zu erkennen.

Besonders wichtig ist es, an heißen Tagen das Trink- und Essverhalten der Patienten genau zu beobachten. Daran lässt sich meist gut erkennen, ob eine akute gesundheitliche Gefahr für den Patienten entstehen kann. Außerdem sollten dem Pflegepersonal die wichtigsten Anzeichen für bestimmte hitzebedingte Erkrankungen, wie Exsikkose, Hitzschlag, Sonnenstich, Hitzeausschlag, etc., bekannt sein. Wenn auffällige Anzeichen bei einem Patienten erkennbar sind, sollte frühzeitig eingegriffen werden und gegebenenfalls ein Arzt informiert werden.

Langfristig würde es sich empfehlen das Pflegepersonal speziell auf hitzeassoziierte Gesundheitsprobleme zu schulen und ihnen Tipps für den Umgang mit Patienten nahezubringen. Außerdem können Interventionen eingeleitet werden, die die Erkennungen und den Umgang mit gesundheitlichen Problemen in den heißen Monaten erleichtern.

Bildungsmodul der LMU München

Die LMU hat ein Bildungsmodul für medizinische Fachangestellte und Pflegepersonen entwickelt, das wissenschaftliche Kenntnis zu diesem Thema vermitteln soll.
Bei Interesse an dem Thema und den Unterrichtsmaterialien können Sie sich unter nachfolgendem Link an die Zuständigen des Projektes wenden.

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