Stipendien für Bildende Kunst

Das Kulturreferat vergibt jährlich vier Stipendien als Förderung von Projekten in allen Bereichen der Bildenden Kunst.

Förderung für junge Künstler*innen

Die Landeshauptstadt München vergibt jährlich sechs mit jeweils 8.000 Euro dotierte Stipendien im Bereich Bildende Kunst. Ziel der Stipendien ist die Förderung von Münchner Künstler*innen am Anfang der Professionalität. Für die Bewerbung wird eine abgeschlossene, einschlägige akademische Ausbildung vorausgesetzt.

Eine vom Stadtrat berufene Jury bereitet einen Entscheidungsvorschlag vor. Der Stadtrat entscheidet aufgrund der Vorschläge der Jury in nichtöffentlicher Sitzung.

Eigenbewerbung ist erforderlich.

Bewerbungen sind bis zum 28. April 2022 möglich.

Stipendien für Bildende Kunst erhielten

Jurybegründung
 

Beowulf Tomek

In seinem Projekt „Plantage Dachau“ (AT) befasst sich Beowulf Tomek (*1988) in einer künstlerischen Recherche mit einem Außenlager des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau. Die sogenannte „Plantage Dachau“, die nordöstlich der heutigen KZ-Gedenkstätte liegt, war ein bis zu 148 ha großes Gelände und zählte zu den „Versuchsgütern“ der Waffen-SS.

Ziel ist die Entwicklung einer digitalen Landkarte des Areals, durch die User*innen navigieren und sich so verschiedene Erinnerungsschichten und Erzählebenen erschließen können. Dazu sollen verschiedene Perspektiven und Dokumente eingebunden werden. Beowulf Tomek erweitert in diesem Projekt seine künstlerische Methodik, die sich bereits in früheren Projekten durch die Zusammenarbeit mit Personen und Gruppen anderer Disziplinen ausgezeichnet hat. Für die Umsetzung und Vermittlung des Projekts strebt Tomek unter anderem eine enge Zusammenarbeit mit Zeitzeug*innen und deren Angehörigen, zivilgesellschaftlichen Akteur*innen, Künstler*innen, Aktivist*innen und Institutionen wie der KZ-Gedenkstätte Dachau und dem NS-Dokumentationszentrum München an.

Die Dokumente und Spuren, die seine Recherche versammelt, sollen im Projektverlauf zu einem digitalen Panorama zusammengeführt werden, in dem sich Inhalte überlagern und verknüpfen lassen und damit eine Gleichzeitigkeit von unterschiedlichsten Perspektiven ermöglichen. Mit dem Projekt zur Geschichte der „Plantage Dachau“ werden wichtige Aspekte zur Wahrnehmung und Vermittlung des ehemaligen Konzentrationslagers verhandelt, aber auch Aspekte zur Wahrnehmung von erinnerungspoltischen und aktuelle Debatten, die Tomek hier mit Fragen nach der Rolle, die digitale Medien zukünftig in dieser Erinnerungskultur einnehmen können, verknüpft.

Janina Totzauer

In ihrem Projekt “Fairytales of the past for an unknown future“ wird die Münchner Künstlerin Janina Totzauer einen Video-Walk in Form eines inszenierten Computerspiels entwickeln, das einen interkulturellen Diskurs anregt. Dabei ist es ihr ein Anliegen, unbekannte Erzählungen ihrer Wahlheimat Mosambik mit Erzählungen aus dem bayerischen Alpenraum zu verstricken und daraus eine futuristische Fantasiewelt zu kreieren. Nicht nur die eurozentrische Sicht vieler Märchen will sie dabei aufbrechen, sondern eine audi-visuell hyperrealistische Alternativwelt schaffen, die sich an das Prinzip der überbordenden Ästhetik von Computerspielen bezieht.

Das Medium Video setzt Totzauer dabei ein, um Situationen aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten und das geschriebene oder mündlich überlieferte Wort in emotional erfahrbare Bilder zu übersetzen. Die Szenen in ihrer Wahlheimat Mosambik sind bereist abgedreht. Das Stipendium ermöglicht der Künstlerin, die noch fehlenden Szenen im bayerischen Alpenraum zu drehen, um dann die beiden Kulturräume in ihrem künstlerischen Projekt miteinander zu verbinden.

Gülbin Ünlü

Im Rahmen ihres Projektes "The Future is now and it's freakin' me out" setzt sich die Künstlerin Gülbin Ünlü mit künstlerischen Mitteln damit auseinander, wie sich unsere Vorstellungen von „Gegenwart“ durch die Prinzipien des Samplings und der Collage be- und hinterfragen lassen. Basierend auf der Lektüre der gegenläufigen Theorien von Mark Fisher und Ursula K. Le Guin entwickelt Gülbin Ünlü „Bildformeln“, die nach Ordnungen außerhalb gewöhnlicher Konventionen suchen und sich weder enzyklopädisch noch chronologisch sortieren lassen. Der künstlerische Prozess wird das Private und Politische sowie das Biologische und Kulturelle gleichermaßen integrieren und so die Grenzen zwischen Digitalem/Analogem und Privatem/Öffentlichem verschwimmen lassen. Dabei werden sich die Medien Malerei, Video und Musik verschränken und ineinandergreifen. Die entstehenden Bilder kollidieren mit akustischen Mash-Ups aus recherchierten Sound-Samples und performativen Videoclips mithilfe der Greenscreen-Technik.

Durch die Kopplung von analogem und digitalem Material und der inhaltlichen Vermengung kollektiver und individueller Inhalte erschafft Gülbin Ünlü ästhetisch und inhaltlich faszinierende und gleichzeitig irritierende, visuelle Annäherungen an eine hochkomplexe Gegenwart.

Paul Valentin

Mit einer beeindruckenden künstlerischen Entwicklung und Praxis wurde Paul Valentin in den letzten Jahren in verschiedenen Kontexten mit ambitionierten Projekten sichtbar.

In seiner künstlerischen Arbeit beschäftigt er sich beispielsweise mit philosophischen Dilemmata sowie mit klassischen Themen der Metaphysik, und setzt sich dabei mit der paradoxen Frage nach der Darstellbarkeit unterschiedlicher Vorstellungsmodellen zu Begriffen wie „Wahrheit“ oder dem „Nichts“ auseinander. Diese großen und zeitlosen Themen verhandelt Valentin vor dem Hintergrund aktueller Lebensrealitäten. Dabei spielt er geschickt mit der Erwartungshaltung der Betrachter*innen und ermöglicht erweiternde Perspektiven.

Bei seiner Recherche zu den jeweiligen Werkkomplexen greift Paul Valentin tief in die Kunstgeschichte wie in die historische Wissenschaftsgeschichte und Philosophie, und bezieht dabei ebenso aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und Diskurse mit ein. Bei aller Recherche und Theorie entstehen dennoch keine spröden oder theoretischen Arbeiten, sondern Werke, die eine Leichtigkeit vermitteln und dadurch auf ganz unmittelbare Weise emotional berühren, erschüttern und staunen lassen. Virtuos arbeitet Valentin so etwa mit neuester, digitaler Videotechnik, und lässt – bei allen Bezügen und Verweisen, die er knüpft – extrem eigenständige Bildwelten entstehen.

In seinem Projekt „Strange Glasses“ steht das Thema des individuellen Erlebens globaler Entwicklungen und Geschehnisse zentral. Dabei wird die Arbeit im Kontext von Kunst im öffentlichen Raum gedacht. Wie in seinen früheren Arbeiten verbindet Valentin Fiktion mit Realität, das Analoge mit dem Digitalen und das Historische mit dem Aktuellen. Es geht dabei um die Multiperspektivität auf eine gemeinsame Realität, nicht um den Glauben an verschiedene oder „alternative“ Realitäten, wie es aktuell von Querdenker*innen und schon länger von Klimaleugner*innen und Reichsbürger*innen verbreitet wird.

  • 2020
    Samuel Fischer-Glaser und Angela Stiegler, Laura Leppert, Anna M. Pascó Boltà, Viola Relle und Raphael Weilguni
  • 2019
    Gretta Louw, Lorenz Mayr, Jonas von Ostrowski, Judith Neunhäuserer und Mathias R. Zausinger
  • 2018
    Elke Dreier, Stefan Fuchs, Lee JiYoun, Lena Policzka
  • 2017
    Timothy Bennett, Federico Delfrati, Zita Schüpferling, Carina Shoshtary
  • 2016
    Ben Goossens, Lukas Kindermann, Keiyona Constanze Stumpf, Verena Seibt & Thomas Splett
  • 2015
    Felix Leon Westner, Agnes Jänsch, Stefanie Hofer, Carsten Nolte
  • 2014
    Heike Jobst, Angela Stauber, Anja Uhlig, Lisa Katrin Winkler
  • 2013
    Ulrich Gebert, Esther Rutenfranz, Peter Weiss, Ralf Homann / Manuela Unverdorben
  • 2012
    Anuk Miladinović, Elisabeth Magdalena Reitmeier, Ulla Rossek, Franz Wanner
  • 2011
    Gürsoy Dogtas, Jadranka Kosorcic, Stefan Lenhart, Nina Annabelle Märkl
  • 2010
    Benedikt Gahl / Veit Kowald, Kaori Nakajima, Andreas Lang, Susanne Wagner
  • 2009
    Albert Coers, Daniel Permanetter, Christian Schnurer, Clea Stracke & Verena Seibt Anna McCarthy
  • 2008
    Veronika Dimke, Lisa Erb, Silke Markefka & Nikolai Vogel und Peggy Meinfelder
  • 2007
    Andrea Faciu, Lucia Falconi, Paul Huf und Alexander Steig
  • 2006
    Helen Britton, Christian Engelmann, Stefano Giuriati und Erika Krause
  • 2005
    Beate Engl, Gregor Passens, Stefanie Trojan, Valio Tschenkov
  • 2004
    Heike Döscher, Stefan Eberstadt, Jens Kabisch, Claudia Wieser
  • 2003
    Nevin Aladag, Tom Früchtl und Wolfgang Stehle, Michael Schrattenthaler, Stephanie Senge
  • 2002
    Petra Gerschner, Jürgen Heinert, Eva Leitolf, Martina Salzberger
  • 2001
    Loretta Lux, Stephanie Maier, Thomas Thiede, Friederike & Uwe
  • 2000
    Lela Budde, Angela Dorrer, Wolfgang Groh, Veronika Veith
  • 1999
    Burkard Blümlein, Pauline Schimmelpenninck, Ulrich Schmitt, Andreas Wutz
  • 1998
    Angelika Böck, Angelika Hoegerl, Julia Kissina, Ursula Rogg
  • 1997
    Sabine Fockner, Pia Lanzinger, Anna Leonie, Theda Radtke, Nevin Aladag (Leonhard– und Ida–Wolf–Gedächtnispreis)
  • 1996
    Christiane Dörrich, Rawle Harper, Sabine Haubitz, M + M
  • 1995
    Maria Buchner, Karl Fritsch, Sabrina Hohmann, Kristine Oßwald
  • 1994
    Stefan Becker, Zoltan Jokay, Michael Lutz, Martin Schmidt
  • 1993
    Roland Fischer, Iris Hackl, Michael Hauffen, Thomas Huber
  • 1992
    Anna Anders, Johannes Brunner&Raimund Ritz, Kay Winkler, Jess Walter
  • 1991
    Sabine Kammerl, Eva Ruhland, Hubertus von Skal, Stefanie Unruh
  • 1990
    Patricia London Ante Paris, Uwe Oldenburg, Bert Rückert, Pavel Schmidt
  • 1989
    Carola Heine, Gabi Höbel, Hans-Peter Porzner, Brigitte T.A. Tischler
  • 1988
    Doris Titze, Reiner Wiesemes, Wolfgang Achmann, Michael Kunze
  • 1987
    Michaela Melián, Johannes Muggenthaler, Haralampi (Harald) Oroschakoff, Alexandra Stadtbäumer
  • 1986
    Magdalena Jetelova, Michael Böhmer, Petra Linck, Angelika Bader ⁄ Dietmar Tanterl
  • 1985
    Aribert von Ostrowski, Svava Björnsdottir, Monika Huber, Anna Tretter
  • 1984
    Hubertus Reichert, Regine von Chossy, Christoph Drexler, Samuel Rachl
  • 1983
    Lali Johne–Honsell, Stephan Huber, Kuno Lindenmann, Ursel Lill–Stühler, Michael Eckle, Peter Casagrande, Joachim Jung, Rotraut Fischer, Horst Thürheimer, Herbert Rometsch
  • 1982
    Helmut Rieger, Michael von Cube, Albert Hien, Viktor Kraus, Lukas Duwenhögger, Peter Mell, Heiko Herrmann, Wilhelm Holderied, Rainer Silbereisen, Stephan Kern
  • 1981
    Hormtientong Somboon, Erhard Haller, Gerd Jäger, Alfred Görig, Jockel Heenes, Ingo Glass, Bodo Buhl, Reinhard Fritz, Franziska Ablinger, Angelika Hofmann
  • 1980
    Nikolaus Gerhart, Dieter Villinger, Marianne Lautensack, Hans Seeger, Hansfried Münchberg, Shirley Shilling, Barbara Henning, Cristine Gruber, Ralf Meyer–Ohlendorf, Otto Künzli

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