Pop-Programmförderung

Die Landeshauptstadt München fördert nicht-kommerzielle Konzertreihen und Musikfestivals aller Genres der Popmusik.

Pop-Programmförderung

Die Landeshauptstadt München vergibt jährlich 90.000 Euro an Mitteln für Programmförderung für nicht-kommerzielle Konzertreihen in kleineren Musik-Locations oder Off-Locations vergleichbarer Größe und Musikfestivals in allen Genres der Popmusik. Es können Förderungen in Höhe von 10.000 Euro oder 15.000 Euro oder 20.000 Euro beantragt werden.

 

Eine Pop-Programmförderung erhielten

Friedrich & Irro „CoreChaosConcerts“ GbR: Rites of Spring & The Summer Ends Festival

Das kuratorische Zwillingsprojekt „Rites of Spring“ und „The Summer Ends“ von CoreChaosConcerts bereichert die Münchner Subkultur um ein präzise konzipiertes Festivalformat, das weit über lokale Grenzen hinaus strahlt. Durch die ambitionierte Auseinandersetzung mit dem historischen und ästhetischen Spektrum der Emo-Musik – von den radikalen Hardcore-Wurzeln bis zu experimentellen, melodischen Strömungen – gelingt es dem Kollektiv, eine strukturelle Lücke in der bayerischen Musiklandschaft nachhaltig zu schließen und München erfolgreich als Fixpunkt im europäischen Netzwerk dieser Subkultur zu etablieren.

Besonders hervorzuheben ist der reflektierte, kuratorische Ansatz des Kollektivs: Anstatt das Genre als Nostalgieprojekt zu begreifen, fungieren die Festivals als lebendige Diskursräume. CoreChaos überzeugt dabei nicht nur durch die Auswahl hochkarätiger internationaler wie lokaler Acts, sondern auch durch eine vorbildliche Haltung: Ein solidarisches Preismodell
ermöglicht kulturelle Teilhabe unabhängig von ökonomischen Ressourcen, während das konsequente Festhalten an DIY-Prinzipien – etwa durch den Verzicht auf ökologisch bedenkliche „Fly-In“-Shows – Glaubwürdigkeit schafft. Zudem leistet das Kollektiv durch ein ambitioniertes FLINTA*-fokussiertes Booking und die aktive Förderung einer inklusiven, diskriminierungssensiblen Veranstaltungsumgebung einen wichtigen Beitrag zur Modernisierung von Genre-Strukturen, die traditionell als männlich dominiert gelten.

Die Jury würdigt die konzeptionelle Tiefe, die hohe internationale Strahlkraft trotz kompakter Formate sowie das vorbildliche soziokulturelle Engagement des Kollektivs. Um das Festivalprojekt als Fixpunkt in der europäischen Szene und als wertvolle Bereicherung der Münchner Kulturlandschaft zu unterstützen, empfiehlt die Jury nachdrücklich die Förderung im Rahmen der Pop Programmförderung 2027.

Wir in Giesing e.V.: Giesing Is A Feeling 2027 - Der Sommer der Protestsongs

Giesing Is A Feeling hat sich in den vergangenen Jahren als unverwechselbares Open-Air- Format der Münchner Musiklandschaft etabliert. Die Reihe verbindet ein sorgfältig  zsammengestelltes Musikprogramm mit einem offenen, niedrigschwelligen Zugang und schafft damit einen kulturellen Treffpunkt, der weit über den Stadtteil hinaus ausstrahlt. Die Konzerte ziehen längst nicht mehr nur das Publikum aus dem Stadtteil an, sondern bringen regelmäßig Besucherinnen aus anderen Teilen Münchens nach Giesing. Besonders überzeugend ist die konsequente Bespielung öffentlicher Räume, die Musik, Nachbarschaft und Begegnung auf natürliche Weise zusammenbringt.

Das Programm für 2027 setzt mit dem Schwerpunkt „Protestsong-Traditionen im zeitgenössischen Pop“ ein klares inhaltliches Zeichen, dass gut zu Giesing passt. Die ausgewählten Acts greifen aktuelle gesellschaftliche Themen auf und zeigen, wie Musik Menschen berühren, Haltung ausdrücken und Diskussionen anstoßen kann. Gleichzeitig bietet die Reihe zahlreichen Münchner Künstler*innen und Nachwuchsacts eine sichtbare Bühne.

Die Jury würdigt insbesondere die gelungene Verbindung aus künstlerischem Anspruch, lokaler Verankerung und einem offenen, konsequent niederschwelligen Zugang für alle Besucher*innen. Giesing Is A Feeling zeigt, wie lebendig, relevant und gemeinschaftsstiftend Popkultur im öffentlichen Raum sein kann und stellt damit eine echte Bereicherung nicht nur für den Stadtteil Giesing dar.


Botia Mena & Reed GbR: chucuXchucu – Sonic Dialogues

chucuXchucu – Sonic Dialogues ist eine innovativ kuratierte Münchner Plattform für transkulturelle Club- und Liveformate zwischen Lateinamerika, der Karibik und Europa und sollte mit der Pop-Programmförderung der Landeshauptstadt München 2027 unterstützt werden.

Die divers aufgezogene Veranstaltungsreihe verbindet gekonnt Konzerte, DJ-Sets, Soundsystem-Kultur und performative Formate zu einem Erlebnisraum kollektiver Tanz- und Clubkultur, in dem unterschiedliche musikalische Traditionen, künstlerische Perspektiven und Communities auf Augenhöhe in einen Dialog treten.

Nach Auffassung der Jury stärkt dies das international ausgerichtete Musikprofil Münchens: Präsentiert werden soll ein Querschnitt von afro-karibischen Rhythmustraditionen über queere Latinx-Clubkulturen bis hin zu hybriden elektronischen Club-Formaten sowie der Picó- und Soundsystem-Kultur der kolumbianischen Karibik. Elektronische Cumbia, Neo Perreo, Tropical Bass, Baile Funk und weitere Stilistiken verbinden im Konzept gekonnt lokale musikalische Traditionen mit modernen digitalen Ansätzen; Die Veranstaltungsreihe unterstreicht dabei die Relevanz kollektiver Räume wie Clubs, Soundsystem-Dances und selbstorganisierten Szenen als wichtige Labore der Münchner Stadtgesellschaft, in denen Migrationserfahrungen und zeitgenössische Clubästhetiken miteinander in einen spannenden Diskurs treten.

Neben diesem wertvollen Fokus und der musikalischen Qualität überzeugte die Jury insbesondere auch die Formatvielfalt und Zugänglichkeit: Ergänzt werden die Konzerte und DJ-Abende und andere durch Workshops, Bailables (offene Tanzabende) und Artist Labs, die explizit Austausch, Wissensvermittlung und kollaborative Produktionsprozesse fördern. Ein weiterer herausragender Schwerpunkt liegt dabei auf der Vernetzung der Münchner Szenen mit internationalen Künstler*innen sowie auf der Sichtbarkeit von FLINTA*- und BIPoC- Perspektiven. Auch queere Clubkulturen sowie relevante Performanceformen wie Ballroom, Voguing oder Drag sollen dabei ins Zentrum gerückt werden.


Valentin Ullmann: Sound like Munich

Die Jury empfiehlt, dem Projekt „Sounds Like Munich" von Valentin Ullmann eine Pop-Programmförderung in Höhe von 20.000 Euro zuzusprechen. Das Konzept überzeugt durch eine schlüssige Weiterentwicklung der bereits etablierten Reihe „Ohne Fans" zu einem eintägigen Festival in der Off-Location Zirka, das gewachsene Erfahrung mit einer klaren
Perspektive für die Szene verbindet. Auf zwei Bühnen treffen Acts mit erster überregionaler Aufmerksamkeit auf Newcomerinnen der „Ohne Fans Stage" – so entstehen neue Begegnungen zwischen unterschiedlichen Teilen der Münchner Musikszene.

Besonders überzeugt hat die Jury der freie Eintritt, der die Veranstaltung auch Menschen zugänglich macht, die sich Konzerttickets sonst nicht leisten könnten, bei gleichzeitig fairer Vergütung aller Mitwirkenden. Auch die Maßnahmen zu Diversität, Awareness und Barrierefreiheit sind substanziell: Mindestens 50 % der Acts sind FLINTA*-Personen, ein sichtbares Awareness-Team sowie die barrierefreie Location schaffen einen respektvollen und sicheren Rahmen.

Die Jury ist überzeugt, dass „Sounds Like Munich" Nachwuchsförderung, faire Arbeitsbedingungen und niedrigschwelligen Zugang zu einem überzeugenden Festivalformat mit deutlichem Bezug zur Stadt München verbindet, und wünscht Valentin Ullmann viel Erfolg bei der Umsetzung.


Kulturleben in der Studentenstadt e.V.: StuStaCulum 2027

Der Antrag überzeugt die Jury als Paradebeispiel für gelebtes, ehrenamtliches Engagement mit hoher popkultureller Relevanz für den Münchner Nachwuchs und setzt sich im Bewerber*innenfeld primär durch seine herausragende, datenbasierte Transparenz und die strukturelle Nachhaltigkeit des Festivalkonzepts durch. Durch den Fokus auf lokale Künstler*innen erfüllt das Festival einen klaren popkulturellen Förderauftrag.

Das FLINTA*-Scouting setzt auf ehrliche, strukturelle Weiterentwicklung und das Inklusionskonzept ist vorbildlich und geht weit über Standardmaßnahmen hinaus. Besonders hervorzuheben sind das kostenlose Ticketing für Begleitpersonen, der persönliche Abholservice ab der U-Bahn-Station für Blinde, die Bereitstellung eines Rollstuhllifts für die Halle sowie die Einrichtung eines reizarmen Rückzugsraums.

Die Umstellung auf jahresneutrale Festivalbändchen und Helfer-Shirts zur Müllvermeidung sowie das Konzept „Digital vor Print“ bei der Bewerbung belegen ein zeitgemäßes, ressourcenschonendes Planungsbewusstsein. Die Einhaltung der Kapazitätsgrenzen pro Einzelbühne (unter 1.500 Personen) wurde über historische StuStaPay-Daten schlüssig nachgewiesen. Nicht zuletzt ist die Förderung angesichts steigender Produktionskosten notwendig, um die faire Vergütung von Newcomer*innen bei gleichzeitig moderaten, studentischen Ticketpreisen zu sichern.

Mitglieder der Jury
Der Jury gehörten an: Andreas Alt (Glockenbachwerkstatt), Jakob Döring (Fachstelle Pop), Danijela Kufner (Event- und Tourmanagement), Lukas Schätzl (VPBy), Antje Zelnitschek (miau | music is a unit) sowie die Stadträt*innen David Süß (Die Grünen - Rosa Liste Stadtratsfraktion), Lorenz Stradtner (Die Grünen - Rosa Liste Stadtratsfraktion), Sabine Bär (CSU-Stadtratsfraktion), Roland Hefter (SPD-Stadtratsfraktion) und Maire Burneleit (Die PARTEI im Rathaus München). 

  • 2026

    Blitz Club GmbH & Co. KG: Blitz Listening Bar, Michael Huber / David Englert: Katzenclub, Schlachthofbronx GbR: 10 Jahre Blurred Vision – Bass für Alle, Unkreativ e.V.: Kadrei Konzertreihen – Sticky Sessions, 
    Jan Gutzeit: We Won’t Shut Up! 2026, Kulturleben in der Studentenstadt e.V.: StuStaCulum 2026

  • 2025
    CoreChaos (Janine Irro und Alexander James Friedrich): CoreChaos 2025, Markus Naegele: LOST IN MUSIC: Book & Cover, Ikoko Kharis: Nelles Room, Veit Oberrauch: 8 Jahre Behind the Green Door | Infinite ∞ Festival,    Wir in Giesing e.V.:  Giesing Is A Feeling  
  • 2024
    Die Projekte „Alternative Fakten Festival“ von Thomas Bauer, „KREW love“ von Axel Gunderman, KREW sowie „PICKNICK VOICES & NOISES“ von Stephanie Müller und Alligator Gozaimasu Kollektiv,  „Actionella“ von BetweenArt&People e.V. und „HipHop Conects“ von Taiga Trece
  • 2022

    „WahalaWahala Live Music & Talks von AfroDiaspora 2.0, „Polyphonic Symphony – 2. Satz & 2nd Movement“ von Agency & UG, „Giesing Is A Feeling“ von Wir in Giesing e.V., „4NDREAS & Noise Raid präsentieren“ von 4NDREAS.Konzerte „Prater Sessions“ von Marcel Zoetl

  • Kulturreferat

    Abteilung 1
    Bildende Kunst, Darstellende
    Kunst, Film, Literatur, Musik,
    Stadtgeschichte, Wissenschaft

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