Ein Jahrhundert Abwasserreinigung für München
Das Klärwerk Gut Großlappen am Nordrand Münchens feiert sein 100-jähriges Bestehen.
Klärwerk Gut Großlappen im Wandel der Zeit
Das Klärwerk Gut Großlappen am Nordrand Münchens feiert sein 100-jähriges Bestehen. Seit der Inbetriebnahme 1926 trägt die nachhaltige Abwasserreinigung entscheidend zum Gewässerschutz in und um München bei. Das Klärwerk sorgt dafür, dass das gesammelte und gereinigte Abwasser von fast zwei Millionen Menschen sowie der Industrie der Region sauber in den Wasserkreislauf zurückfließt.
Erweiterungen, Neubauten und technische Modernisierungen haben das Klärwerk über ein Jahrhundert hinweg an den aktuellen Stand der Technik angepasst. Stetige Investitionen garantieren optimalen Gesundheits- und Umweltschutz durch eine nachhaltige Abwasserreinigung.
Die Münchner Stadtentwässerung (MSE) feiert das Betriebsjubiläum über das Jahr hinweg mit verschiedenen Veranstaltungen. So zeigt eine Wanderausstellung ab dem 23. März drei Wochen lang in der Halle des Neuen Technischen Rathauses in der Friedenstraße die Entwicklung des Klärwerks. Ende Oktober werden sich alle Interessierten beim jährlich stattfindenden Tag der offenen Tür auf dem Klärwerk über die Abwasserreinigung informieren können. Beide Veranstaltungen können kostenfrei besucht werden.
Anlässlich des Betriebsjubiläums blickt die MSE stolz auf die Geschichte des Klärwerks zurück: Die Ursprünge der Münchner Abwasserreinigung reichen bis ins späte 19. Jahrhundert zurück, als 1890 die Schwemmkanalisation eingeführt wurde. Das wachsende Abwassernetz führte zu einer zunehmenden Verunreinigung der Isar. Bis Anfang der 1900er-Jahre forderten immer mehr Bürger*innen eine Kläranlage, die mindestens 60 Prozent der Haushalte anschließen sollte. Der Stadtrat beschloss 1912 den Bau. Nach dem Ersten Weltkrieg starteten die Arbeiten 1922 in Großlappen, und 1926 nahm die mechanische Kläranlage ihren Betrieb auf. Die erste Abwasserreinigung erfolgte über Grobrechen und sogenannte Emscherbecken, die bis 1989 zuverlässig funktionierten. Die weitsichtigen Planungen von damals bewährten sich durch die Beständigkeit und Zuverlässigkeit der Anlage.
Mit wachsendem Umweltbewusstsein wurde die Anlage kontinuierlich angepasst: 1960 kam ein zweiter Zulauf mit mechanischen Reinigungsstufen hinzu. 1973 folgte eine vollständige biologische Reinigungsstufe, und 1994 wurde eine zweite biologische Reinigungsstufe zur Stickstoffentfernung in Betrieb genommen.
Die zahlreichen Umbauten und Modernisierungen prägten die Betriebsabläufe über die Jahre. Aufgrund begrenzter Flächen realisierten die Planer neue Anlagenteile oft nur durch den Rückbau bestehender Strukturen. Um den steigenden Anforderungen der wachsenden Stadt und Region gerecht zu werden, wurde zudem ein weiteres Klärwerk in Eching-Dietersheim errichtet.
Heute arbeiten das Klärwerk Gut Großlappen und das Klärwerk Gut Marienhof in Dietersheim eng zusammen. Gemeinsam reinigen sie das Abwasser von rund zwei Millionen Menschen sowie aus Gewerbe- und Industriegebieten in und um München das ganze Jahr über auf höchstem Niveau, rund um die Uhr.
Das Klärwerk Gut Großlappen beeindruckt durch seine durchdachte Architektur: Die 2008 in Betrieb genommenen Faulbehälter, die aus Klärschlamm wertvolles Biogas zur Eigenenergieversorgung gewinnen, erhielten einen Architekturpreis. Die Betriebsanlagen – Becken, Gebäude, Wegführung – passen sich harmonisch den örtlichen Gegebenheiten an und stehen miteinander in Verbindung. Im Untergrund verläuft ein weit verzweigter Installationskanal für die witterungsunabhängige Wartung und den Betrieb der Gesamtanlage. In den Becken des Klärwerks stellen die Prozesse der Natur die Klärung des Abwassers auf kleinstem Raum und in bestmöglicher Zeit nach.