Georg Elser-Preis

Für das couragierte Handeln und den Einsatz für demokratische Errungenschaften.

Über den Preis

Der Preis wird seit 2013 alle zwei Jahre im November als Preis der Landeshauptstadt München verliehen. Er ist mit 5.000 Euro dotiert.

Mit dem Georg Elser-Preis wird das Wirken und Handeln von Menschen mit Zivilcourage, die sich für die demokratischen Errungenschaften einsetzen, gewürdigt. Der Preis wird seit 2013 alle zwei Jahre im November als Preis der Landeshauptstadt München verliehen. Er ist mit 5.000 Euro dotiert.

 

Vergabekriterien

Der Georg Elser-Preis wird in der Regel an einzelne Personen vergeben. In Ausnahmefällen ist eine Verleihung an Gruppen/Initiativen möglich. Der Preis kann an Menschen im deutschsprachigen Raum überreicht werden und ist nicht auf München beschränkt.

Der Georg Elser-Preis wird auf Vorschlag einer vom Stadtrat der Landeshauptstadt München berufenen Jury verliehen; die Entscheidung über den Preisträger oder die Preisträgerin obliegt dem Stadtrat. Eine Eigenbewerbung ist nicht möglich.

Den Georg Elser Preis erhielten

Jurybegründung

Als Preisträgerin des Georg Elser Preises 2021 hat sich die Jury am 8. Juni 2021 für die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Başay-Yildiz ausgesprochen.

Seda Başay-Yildiz hat sich in den letzten Jahren für die Hinterbliebenen der Opfer der schwersten rechtsextremen Attentate mit großer Empathie und außerordentlichem Engagement eingesetzt. Im NSU-Prozess vertrat sie die Familie des ersten Mordopfers der Terrorzelle, Enver Şimşek, und arbeitete u. a. das nicht ausermittelte Unterstützernetzwerk des NSU in Nürnberg heraus. In Zusammenhang mit dem rassistischen Attentat am Olympiaeinkaufszentrum vertrat sie im Prozess gegen den Waffenhändler Philipp K. die Mutter des ermordeten Choussein Daitzik. Aktuell vertritt Seda Başay-Yildiz die Rechte der Familien von Serdat Gürbüz, Fatih Saraçoğlu und Gökhan Gültekin, die 2020 in Hanau erschossen wurden. Sie kritisiert die mangelnde Unterstützung für ihre Mandant*innen öffentlich, thematisiert institutionellen und gesellschaftlichen Rassismus und setzt sich, u. a. auch als Verteidigerin von mutmaßlichen Islamist*innen, für Menschen ein, die keine Lobby haben.

Seda Başay-Yildiz betont immer wieder die Bedeutung des Rechtsstaats und der staatlich garantierten Grundrechte. Im Falle des 2018 rechtswidrig abgeschobenen Sami A. - die Stadt Bochum hatte sich damals über einen Gerichtsentscheid hinweggesetzt - erwirkte sie zweimal ein Zwangsgeld gegen die Stadt.

Nur wenige Tage später erhielt Seda Başay-Yildiz ein Drohschreiben des sogenannten NSU 2.0. Darin drohte man, ihre damals zweijährige Tochter zu „schlachten“. Die gesperrte Adresse war von einem Frankfurter Polizeicomputer abgerufen worden. In dem Zusammenhang wurde eine rechte Chatgruppe sowie Dutzende rechtsextreme Verdachtsfälle bei der hessischen Polizei ermittelt. Nach einem Umzug wurde auch Seda Başay-Yildiz neue, streng geheime Adresse im Darknet veröffentlicht. Mehr als zweieinhalb Jahre lang konnte der sog. NSU 2.0 über 100 Drohschreiben v. a. an Frauen in ganz Deutschland verschicken. Obwohl die Drohungen gegen Seda Başay-Yildiz und ihre Familie nicht aufhörten und der Mord an Walter Lübcke abermals demonstrierte, wie schnell Hetze zu einer Gewalttat führen kann, setzte die engagierte Anwältin ihre Arbeit mutig mit unverändertem Engagement fort. Sie lobte eine Belohnung auf Hinweise zur Ergreifung des Täters aus, kritisierte die schleppenden Ermittlungen und die Tatsache, dass sie für die Sicherung ihrer Wohnung selbst aufkommen musste.

Der Schutzlosigkeit, die viele ihrer Mandant*innen als Angehörige von Opfern rechtsextremer Morde erfahren mussten, war Seda Başay-Yildiz schließlich selbst ausgesetzt.

"Was muss man eigentlich tun, um Teil der deutschen Gesellschaft zu sein?" hat Seda Başay-Yildiz gefragt.
Im Jahr 2020 haben rechtsextreme Straftaten einen Höchststand erreicht. Fälle von Rechtsextremismus innerhalb der Sicherheitsbehörden werden regelmäßig bekannt. Die Drohungen gegen Personen des öffentlichen Lebens haben erschreckende Ausmaße angenommen. Nicht nur der NSU 2.0 bedroht in erster Linie Frauen und verdeutlicht die Misogynie von Rechtsextremen.
Vor diesem Hintergrund soll der Georg Elser Preis Seda Başay-Yildiz Kraft für ihre weitere Arbeit geben, ein Symbol für den erforderlichen Schutz für sie und ihre Familie sein und klarstellen, dass sie selbstverständlich Teil der vielfältigen bundesdeutschen Gesellschaft sind.
Für Ihr hohes Engagement erhält Seda Başay-Yildiz den Georg Elser Preis 2021 der Landeshauptstadt München.

  • 2021
    Seda Başay-Yildiz für ihr außerordentliches Engagement und ihren Einsatz für die Hinterbliebenen der Opfer der schwersten rechtsextremen Attentate.
  • 2019
    Michael Buschheuer für sein Engagement mit der Organisation Sea-Eye e.V. zur Rettung schiffbrüchiger Geflüchteter.
  • 2017
    Ernst Grube für sein Engagement, über die Verbrechen der NS-Diktatur aufzuklären und Konsequenzen diktatorischer Systeme aufzuzeigen.
  • 2015
    Angelika Lex für ihr Engagement für die persönlichen Belange von Flüchtlingen, Migrantinnen und Migranten ein sowie gegen ein rigides Asyl- und Ausländerrecht.
  • 2013
    Peter Ohlendorf und Thomas Kuban für ihr gesellschaftliches Engagement gegen Rechtsextremismus.

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