Förderpreise Musik

Für künstlerisch herausragende Leistungen in den Bereichen Komposition, Arrangement und Interpretation.

Für herausragende Leistungen oder ungewöhnliche Positionen

Alle zwei Jahre vergibt die Landeshauptstadt München vier mit jeweils 6.000 Euro dotierte Förderpreise Musik für künstlerisch herausragende Leistungen bzw. ungewöhnliche künstlerische Positionen in den Bereichen Komposition, Arrangement, Interpretation. Beurteilt wird das gesamte bisherige künstlerische Schaffen.

Vergabekriterien

Als Preisträger*innen kommen nur Künstler*innen bzw. Ensembles in Betracht, die ihren Wohnsitz in der Region München haben (bei Ensembles mindestens die Hälfte der Mitglieder). Vorschlagsrecht hat eine vom Stadtrat berufene Fachkommission; die Entscheidung obliegt dem Stadtrat. Eine Eigenbewerbung ist nicht möglich.

Die Förderpreise Musik erhielten

Jurybegründungen

Andrea Hermenau

Andrea Hermenau (*1981) ist als herausragende Pianistin und Sängerin seit Jahren in der Münchner Jazzszene und weit darüber hinaus aktiv. Ihre Projekte zeugen von einem weiten musikalischen Horizont und verbinden erfolgreich verschiedene Welten.
Schon ihre Band „ETNA“ aus Studienzeiten war preisgekrönt und bereits hier zeigte sich ihr sehr persönliches Fingerspitzengefühl für subtile und gleichzeitig eingängige Kompositionen. Derzeit ist sie zusammen mit Sängerin Lisa Wahlandt und Bassistin Anna Veit im Trio „Drei Damen“ aktiv, das jazzig-poppige Arrangements, aber auch Eigenkompositionen im Repertoire hat, oder im Duo und Quartett mit Saxophonistin Carolin Breuer, von dem im Frühjahr 2021 ein erstes Album erscheinen soll.
Mit ihrem aktuellen Quintett mit Tenorsaxophonist Till Martin, Vibraphonist Tim Collins, Bassist Sven Faller und Schlagzeuger Bastian Jütte begeisterte sie beim BMW Welt Jazz Award 2020.
Andrea Hermenaus mal zartes, mal überraschend sperriges Klavierspiel erweitert sie immer wieder um ihren Gesang. Sie singt Songs, sie setzt ihre Stimme aber auch als zusätzliches Instrument ein und singt ohne Text. In ihren Kompositionen scheint immer wieder ihre Leidenschaft für osteuropäische Musik auf und hier zeigt sich, wie geschickt Andrea Hermenau es schafft, komplexe Rhythmen und spannungsvolle Harmonien zum Grooven zu bringen.
Der Musikförderpreis der Stadt München 2021 soll ihre Arbeit als Komponistin und Instrumentalistin unterstützen und ihr die Möglichkeit geben, sich noch stärker international zu profilieren.


Leonhard Kuhn

Als Gitarrist überzeugt Leonhard Kuhn unter anderem im Trio Le Café Bleu, derweil er mit seinen Elektronikas auch mal die Rhythmussektion der Monika Roscher Bigband verstärkt. Vor allem aber überliefert er als Arrangeur der Jazzrausch Bigband den Jazz einer zeitgemäßen Clubmusik, indem er die Bigband quasi spielt, als sei sie ein riesiger Synthesizer. Mit solchem zerlegte er auch zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven die Kompositionen des musikalischen Freigeists auf so erfrischend respektlose Weise, dass Kuhns Arrangements die klassischen Vorlagen bisweilen nur noch erahnen lassen. Das Ergebnis lädt auf dem bei ACT erschienenen Jazzrausch Bigband-Album „Beethoven´s Breakdown“ dazu ein, Beethovens Musik neu zu entdecken. Solchen sehr freien Aufbereitungen der Klassik stellt Kuhn zudem eine eigene vierteilige Sonate entgegen, die überraschend streng die klassische Form wahrt, wenngleich mit raffinierten Tricks versehen, die er bei Beethoven abgekupfert hat. Tatsächlich gelingt dem studierten Mathematiker, Gitarristen und Komponisten mit dieser Sonate ein großartiges Porträt Beethovens, das allein schon den diesjährigen Münchner Musikförderpreis für Kuhn begründen würde. Doch Kuhn überzeugte im letzten Jahr nicht nur als Teamplayer, sondern auch als Individualist, der die heuer im Hörbuch-Verlag „cc-live“ erschienene Lesung von George Orwells „1984“ mit einer Musik unterfüttert, die die im Roman als Zukunftsvision verhandelte Überwachung mit der heutzutage tatsächlich genutzten und weitaus stärkeren Überwachungstechnik konfrontiert. Dafür lässt Kuhn auch mal seine eigenen Nutzerdaten vom Online-Händler Amazon per Algorithmus in die Komposition einfließen. So gerät das, was als Soundtrack zur Lesung gedacht war, zugleich auch zum Kommentar derselben. Zum musikalischen Fingerzeig. Zur Aktualisierung einer vergangenen Zukunftsvision. 


Umme Block

Nachdem sich Leoni Klinger und Klara Rebers früher bereits in anderen Projekten ausprobiert hatten, sind sie seit 2018 unter dem Namen Umme Block als Künstlerinnenduo aktiv und haben sich in kürzester Zeit mit ihrem Talent nicht nur die Gunst des Publikums, sondern höchste Anerkennung der Fachwelt verdient. 
Umme Block experimentieren mit analogen Synthesizern, Beatmaschinen, Gesang, Gitarre. Das Besondere ist die Verwendung der Synthies als Live-Instrument und die daraus resultierende Verschiebung von digital zu analog. Sonst werden Synthesizer meist als digitales Werkzeug zur Produktion elektronischer Elemente verwendet, bei Umme Block finden sie einen Platz als analoges Instrument in ihrem Live-Setting. 
Dies macht ihre Musik, die Kompositionen nicht nur interessant und spannend, sondern intensiviert ihre energetischen Live-Performances, mit denen sie in ihren Konzerten das Publikum regelmäßig weit über die Grenzen Münchens hinaus zum Toben bringen. Mit ihren musikalischen Möglichkeiten – nicht zuletzt mit der unverwechselbaren Stimme von Leoni Klinger und ihren gemeinsamen Harmonien – erschaffen die beiden eine atmosphärische Klangdichte, die ihresgleichen sucht. 
Auch für die lokale Szene spielen Umme Block eine wichtige Rolle. Ihre Präsenz als Künstlerinnen und als aktive Protagonistinnen im Münchner Musikgeschehen zeigt sich unter anderem in zahlreichen Kollaborationen mit lokalen Künstler*innen aus den Bereichen Musik, Videoproduktion, Ton- und Lichtdesign oder etwa durch ihre häufige Teilnahme an öffentlichen Diskussionsrunden. 
Für die Sichtbarmachung von Frauen in der Musik leisten Leoni und Klara einen bemerkenswerten Beitrag in der lokalen Szene und sind als Elektro-Pop-Duo innerhalb kurzer Zeit ein fester Bestandteil der Münchner Popkultur geworden.


Klaus-Peter Werani

Seit dem Jahr 2000 bereichert Klaus-Peter Werani das Musikleben in München. Von ähnlicher Bandbreite wie seine Studienabschlüsse – Violine, Musikwissenschaften, Philosophie und Mittellatein – ist dabei seine intensive Auseinandersetzung mit den unterschiedlichsten Ausdrucksformen und Spielarten von Musik. Neben seiner Verpflichtung als Bratscher beim Symphonieorchester der Bayerischen Rundfunks liegt ein Schwerpunkt seines künstlerischen Schaffens in der Neuen Musik, der er sich seit seinem Studium eng verbunden fühlt. 
Als Interpret, Solist und Komponist tritt KP Werani, wie er sich selbst nennt, in vielen Ensembles der Neuen Musik in Erscheinung. Eigene Projekte, wie das TrioCoriolis und das DUO2KW, sind seit Jahren fester Bestandteil der Szene. Und genau diese Szene der Neuen Musik in München ist es, die KP Werani ganz besonders am Herzen liegt. In vielfältiger Weise ist er hier engagiert und tritt als wichtige Schlüsselfigur in Aktion. Er entwickelt, vernetzt, vermittelt und veranstaltet. Die Vermittlung musikalischer Inhalte ist ihm ein großer Anliegen, das er sehr ernst nimmt und mit großer Verantwortung verfolgt. Den  Nachwuchs ermuntert er zum Hinhören, wie zum Beispiel im pädagogischen Projekt „BRSO Education: ReCompose“, das er mitinitiiert hat, zum In-Sich-Hineinhören, zum spielerischen und leichten Umgang mit „schwerem“ Material, welches leichter wird in der Auseinandersetzung. Barrieren können fallen und Neugier wird geweckt. 
Diese – im wörtlichen Sinne – Gier nach Neuem, ist für den Komponisten KP Werani eine starke Motivation: „Die unendlichen Möglichkeiten klanglicher Kombinationen und Konfrontationen halten mich andauernd in einem Zustand der Neugier, unablässig suche ich in musikalischen Gedanken nach Erweiterung und weiterer Ausdifferenzierung.“ 
So hört KP Werani ständig hin, ins Außen und ins Innere. Er hört zu, anderen und sich selbst. 
Für dieses Engagement für die Neue Musik der freien Szene Münchens und sein Schaffen als Komponist empfiehlt die Jury Klaus-Peter Werani für einen Musikförderpreis 2021.

  • 2019
    Ebru Düzgün, Matthias Lindermayr, Masako Ohta, das Duo Schlachthofbronx
  • 2017
    Minas Borboudakis, Erol Dizdar, die Band Candelilla, Verena Marisa
  • 2015
    BEISSPONY, Salewski, Federico Sánchez Nitzl, Hugo Siegmeth
  • 2013
    Ardhi Engl, Kofelgschroa, Polina Lapkovskaja, Johannes X. Schachtner
  • 2011
    Micha Acher, Gregor „Amadeus“ Böhm, Geoff Goodman. Albert Pöschl
  • 2009
    Georg Glasl, Sachiko Hara, Christoph Reiserer, Klaus Schedl
  • 2007
    Sabine Liebner, Helga Pogatschar, Markus Schmitt, Tom Sora
  • 2005
    Mathis Mayr, Robert Merdzo, Bernhard Weidner, Wolfram Winkel
  • 2003
    Carl Oesterhelt, Axel Frank Singer, Alexander Strauch, Projekt „Musik zum Anfassen“
  • 2001
    Zoro Babel, Ensemble TrioLog, Martin Wolfrum, Adelheid M. Thanner
  • 1999
    Thomas Stabenov, Nikolaus Brass
  • 1998
    Sabine Liebner, Johannes Enders
  • 1997
    Silke Avenhaus, piano possibile (Philip Kolb)
  • 1996
    Cornelia Melién, Jörg Widmann
  • 1995
    Gunnar Geisse, Roberto Di Gioia
  • 1994
    Caroline Anne Widmann, Kalle Lahr
  • 1993
    Sebi Tramontana, "Die Interpreten"
  • 1992
    Larry Porter, Walter Kiesbauer
  • 1991
    Xsemble, Modern String Quartet
  • 1990
    Anja Lechner, Peter Ludwig
  • 1989
    Jürgen Seefelder
  • 1988
    Maximilian Beckschäfer
  • 1987
    Robyn Scholkowsky
  • 1986
    Franz Hummel
  • 1985
    Harald Rüschenbaum
  • 1984
    Jannis Kaimakis
  • 1983
    Hans Jürgen von Bose
  • 1982
    Paul Engel
  • 1981
    Heinz Winbeck
  • 1980
    Meinrad Schmitt
  • 1979
    Peter Kiesewetter
  • 1978
    Anton Ruppert
  • 1977
    Peter–Michael Hamel
  • 1976
    Ulrich Stranz
  • 1975
    Herbert Blendinger
  • 1974
    Karl Haupt
  • 1973
    Dieter Schnebel
  • 1972
    Carl Heinrich Veerhoff
  • 1971
    Wilfried Hiller
  • 1970
    Hans Ludwig Hirsch, Robert Maximilian Helmschrott
  • 1969
    Nikolaus A. Huber
  • 1968
    Peter Jona Korn
  • 1967
    nicht verliehen, (Kompositionsauftrag an Michael Rüggeberg)
  • 1966
    Franz Xaver Lehner
  • 1965
    Helmut Lachenmann
  • 1964
    Hans Stadlmair
  • 1963
    Prof. Günter Bialas
  • 1962
    Prof. Harald Genzmer
  • 1961
    Ludwig Kusche
  • 1960
    nicht verliehen, (Kompositionsauftrag an Günter Bialas)
  • 1959
    Josef Anton Riedl
  • 1958
    Rochus Gebhardt
  • 1957
    Wilhelm Killmayer
  • 1956
    Joseph Haas
  • 1955
    Mark Lothar
  • 1954
    Robert Heger
  • 1953
    Wolfgang Jacobi
  • 1952
    Fritz Büchtger
  • 1951
    Alfred von Beckerath
  • 1950
    Karl Höller
  • 1949
    Werner Egk
  • 1948
    Karl Amadeus Hartmann
  • 1947
    Carl Orff

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