Ökologische Ausgleichsflächen

Die Stadt bestimmt geeignete Ausgleichsflächen und sichert so für Flora und Fauna neue Lebensräume.

Neue Lebensräume für Flora und Fauna

Laubfrosch
Matthias Schwahn, München

Die Großstadt München beherbergt eine bemerkenswerte Vielfalt seltener Pflanzen und Tiere. Die meisten von ihnen sind wahre Spezialisten – sie haben sich über Jahrhunderte hinweg den spezifischen Lebensräumen der Münchner Landschaft angepasst. Einst fanden sie auf trockenen Heiden oder feuchten Niedermoorwiesen ihre Heimat. Heute siedeln sie in stillgelegten Bahnanlagen, verlassenen Industriebrachen, Kiesgruben oder verwilderten Gärten. Doch der Bau neuer Wohnquartiere, Straßen und Gewerbegebiete verdrängt auch diese Areale immer mehr. Die Stadt bestimmt geeignete Ausgleichsflächen und sichert so für Flora und Fauna neue Lebensräume.

Hier ist die Natur zuhause

Aufgabe des Baureferates ist es, ein neues Zuhause für Wildbiene, Wechselkröte, Zauneidechse & Co. auf den ökologischen Ausgleichsflächen der Stadt zu realisieren und zu pflegen. Dafür werden bestehende naturferne Areale so aufgewertet, dass sie sich zu wertvollen Rückzugsräumen für die Natur weiterentwickeln können. Die Biotope im direkten Umfeld eines Bauvorhabens zu realisieren ist dabei wünschenswert, nicht aber zwingend erforderlich. Denn hoher Mehrwert für Natur-, Arten- und Klimaschutz entfaltet sich nur dann, wenn die Ausgleichsflächen sinnvoll miteinander vernetzt und im Kontext der Naturschutzgebiete des Stadtgebiets entstehen.

Gestalten und pflegen

Damit sich Ausgleichsflächen in Biotope voller Leben verwandeln können, sind meist umfassende Maßnahmen notwendig. Im Detail bedeutet dies zum Beispiel: Bodenschichten modellieren; charakteristische Vegetation säen oder sogar umsiedeln; Tränken und Laichgewässer einbauen sowie Nist- und Überwinterungsmöglichkeiten schaffen. Dem folgt umsichtiges Pflegemanagement. So sorgen etwa regelmäßiges Mähen oder traditionelle Schafbeweidung dafür, dass Gebüsch und hohe Gräser nicht zu stark wuchern und dadurch niedere Pflanzen verdrängen.

Vielfalt auf karger Fläche

Ausgleichsflächen machen intakte Natur direkt vor unserer Haustür erfahrbar. Nicht immer fällt es jedoch leicht, den hohen ökologischen Nutzen sofort zu erkennen. Denn gerade in frühen Phasen oder nach Pflegegängen wirken viele der Flächen sehr karg. Oft bringt aber schon der nächste Sommer ein buntes Blütenmeer hervor. Dann zeigt sich der Artenreichtum dieser Biotope besonders üppig: Es wimmelt von Wildbienen und seltene Schmetterlinge flattern über blauem Enzian; zahlreiche Heuschrecken und Käfer tummeln sich. Zauneidechsen und Wechselkröten finden Lebensraum, Vögel und Fledermäuse ihr Jagdrevier.

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Sie können mitwirken!

Nur im rücksichtsvollen Umgang mit der Natur lässt sich der hohe ökologische Wert dieser Flächen, die zahlreiche gefährdete Tier- und Pflanzenarten der Roten Liste Bayerns beherbergen, erhalten. Seien Sie anderen ein Vorbild und helfen Sie mit, die Münchner Biotope zu bewahren. Freilaufende Hunde stören das ökologische Gleichgewicht ebenso wie Spazierengehen, Radfahren oder Reiten außerhalb der gekennzeichneten Wege. Müll, Gartenabfälle und Rasenschnitt haben in den geschützten Landschaften nichts verloren. In besonderem Maß können Sie sich engagieren, indem Sie eine Biotop-Patenschaft übernehmen.

Das Baureferat (Gartenbau) informiert Sie dazu gerne:
gartenbau@muenchen.de
www.muenchen.de/gartenbau

Freiham Süd

Lebensraum für Vögel, Kleintiere und Insekten

Die ökologischen Ausgleichsflächen in Freiham Süd umfassen die Kulturlandschaft um das Gut Freiham und Lebensräume auf mageren, trockenen Standorten bis zu den Flächen entlang der Bahn.
Bunt blühende Mähwiesen mit Margerite und Salbei, Obstwiesen und Hecken mit Schlehen, Wildrosen und Pfaffenhütchen sind Lebensraum für Vögel, Kleintiere und Insekten. Neben der landschaftsbildprägenden Freihamer Allee umrahmen lichte Baumhaine aus Eichen, Kiefern und Ahorn die Wiesen.
Die sogenannte Vernetzungsachse verbindet das ehemalige Gleislager mit den Lebensräumen entlang der Bahngleise. Zusammen mit den Flächen neben der Geothermie dienen diese Standorte vorrangig dem Artenschutz: hier leben beispielsweise Zauneidechse, Ödlandschrecke und Idas-Bläuling. Artenreiche Magerrasen und Rohbodenflächen, Staudenfluren und Gebüsche bilden ein abwechslungsreiches Mosaik. Diese wertvollen Strukturen werden durch eine kontrollierte Pflege offen gehalten.

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Horst-Salzmann-Weg

Hier befindet sich ein kleines Naturparadies!

Inmitten von Wohngebieten und Sportanlagen entfaltet sich auf den Ausgleichsflächen eine bunte Artenvielfalt. Viele seltene Pflanzen fühlen sich auf einem nährstoffarmen Untergrund wohl. Deshalb wurde hier eine geeignete Grundlage für Golddistel, Karthäuser-Nelke, Königskerze und Habichtskraut geschaffen. Mehrere Pfade wurden neu angelegt, um die wertvollen Flächen erlebbar zu machen. Auf einem ehemaligen Acker wurden Wiesenflockenblume, Klappertopf und Wiesen-Salbei angesät, deren Nektar von Hummeln und Bläulingen genutzt wird.
Das vor vielen Jahren auf einem alten Bahndamm entstandene Biotop ergänzen nun neu gepflanzte Gehölze und Hecken. Holz-Apfel, Vogel-Kirsche und Mehlbeere bieten Nahrung für Vögel wie die Klappergrasmücke. Durch regelmäßiges Mähen und gelegentlichen Gehölzschnitt werden die Flächen gepflegt, damit der Blütenreichtum und die Artenvielfalt erhalten bleiben.

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Ehemaliges Gleislager Neuaubing

Ein einzigartiger Lebensraum

Seit der Nutzungsauflassung in den 1980er Jahren hat sich auf dem 13 Hektar großen Gelände ein überregional bedeutsames Biotop entwickelt, das zahlreichen geschützten Tier und Pflanzenarten Lebensraum bietet. Auf den verbliebenen Gleissträngen, verwitternden Hallenböden und kiesigen Lagerflächen entstand ein Mosaik aus unterschiedlichsten Vegetationsstandorten trockener und magerer Ausprägung. Für die Zauneidechse, gefährdete Heuschreckenarten und seltene Wildbienen ist das Gleislager einer der bedeutendsten Lebensräume Münchens. Viele bedrohte Pflanzenarten zeichnen diesen Ort als wahren Schatz aus, für den die Landeshauptstadt München besondere Schutzverantwortung
trägt. Um den offenen und weiträumigen Charakter dieses einzigartigen Lebensraumes zu erhalten, werden die mageren Wiesen nach einem durchdachten System gemäht und aufkommendes Gehölz zurückgeschnitten. Zusammen mit den Ausgleichsflächen um das Gut Freiham, dem Ausbesserungswerk Neuaubing und dem Neuaubinger Wäldchen leistet das Biotop einen wichtigen Beitrag zur städtischen Biodiversität und Biotopvernetzung.

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Würmgrünzug

Artenreiche Wiesen und heimische Gehölze

Blütenreiche Wiesen geben den ehemaligen Ackerflächen entlang der Würm heute ein neues Gesicht. Hier wachsen jetzt Wiesen-Salbei, Glatthafer, Karthäuser-Nelke, Klappertopf und viele andere Kräuter. Sie sind Nahrungsquelle für zahlreiche Insekten, wie zum Beispiel den Schachbrettfalter.
Eine Sommer- und eine Herbst-Mahd jährlich sichern den Erhalt der artenreichen Wiesen und den Fortbestand der seltenen Arten. Das Mähgut wird als Pferdefutter in der Landwirtschaft eingesetzt. Dafür dürfen allerdings keine Verunreinigungen durch Hundekot die Futterqualität belasten und zu einer Erkrankung der Tiere führen.
Heimische Gehölze, darunter Wildapfel und Eberesche, wachsen in den Wäldchen zwischen den Wiesen und entlang der Straße. Wald und Wiesen bilden zusammen mit den Ufergehölzen der Würm einen idealen Lebensraum für Insekten, Kleinsäuger und Vögel. Fledermäusen dienen Rund- und Flachkästen, die jährlich kontrolliert und gesäubert werden, als Tagesverstecke.
Die abwechslungsreiche, malerische Auenlandschaft ist Landschaftsschutzgebiet und als Teil des Würmgrünzuges zwischen Pasing und Allach ein beliebtes Naherholungsgebiet.

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Am Blütenanger / Pappelallee / Am Schnepfenweg

Hier leben Wechselkröten!

Das Gelände einer ehemaligen Gärtnerei, auf dem die Amphibien bisher heimisch waren, wurde bebaut. Die seltene Art ist vom Aussterben bedroht und daher streng geschützt. Mit dieser karg wirkenden ökologischen Ausgleichsfläche wurde für sie sowie für Mauerbiene und Tausendgüldenkraut ein idealer Lebensraum neu geschaffen. Dazu wurden in dem rohen Kiesboden fünf Laichgewässer und zwei Landlebensräume angelegt. Die Gewässer trocknen von Zeit zu Zeit aus, so werden Fressfeinde der Kaulquappen wie Libellenlarven und Fische zurückgedrängt. Kies- und Sandhaufen, Wurzelstöcke und Steine dienen als Verstecke; niedrig wachsende heimische Gehölze bieten Schutz. Nahrung finden die Wechselkröten auf blütenreichen Wiesen und Magerrasen, die eine vielfältige Insektenwelt anlocken. Der wertvolle Lebensraum wird der Natur überlassen und sein offener Charakter mit einer kontrollierten Pflege erhalten.

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