Erinnerungszeichen für Opfer des NS-Regimes in München

Seit 2017 wird den Opfern des Nationalsozialismus in München dezentral gedacht und Erinnerungszeichen aufgestellt.

Webapp Erinnerungszeichen

Ausschnitt aus der Webapp Erinnerungszeichen

Zum Internationalen Holocaust Gedenktag am 27. Januar 2022 geht die neue Webapp Erinnerungszeichen online! Mit ihr können Sie die Standorte der Erinnerungszeichen in München finden finden und sich vor Ort über die Lebensgeschichten der verfolgten und ermordeten Menschen informieren. Schauen Sie gleich hinein und entdecken Sie die verschiedenen Routing-, Such- und Filterfunktionen.

 

Koordinierungsstelle | Erinnerungszeichen

Etwa 10.000 Frauen, Männer und Kinder verloren während der NS-Diktatur in München ihr Leben aufgrund rassistischer, politischer und religiöser Verfolgung, wegen ihrer sexuellen Orientierung, ihrer tatsächlichen oder angeblichen Krankheiten oder ihres unangepassten Verhaltens.

Zum Gedenken an diese Menschen werden auf Antrag an ihren einstigen Lebensmittelpunkten Erinnerungszeichen in Form von Tafeln an Hauswänden und Stelen vor Häusern auf öffentlichem Grund angebracht. Mit der Durchführung des Projektes ist die Koordinierungsstelle | Erinnerungszeichen im Stadtarchiv München beauftragt. Sie bearbeitet die Anträge und hilft den Initiatorinnen und Initiatoren bei ihren Recherchen.

Als Grundlage zur Erfassung der Namen aller Münchner Todesopfer des Nationalsozialismus erstellt die Koordinierungsstelle | Erinnerungszeichen eine Datenbank und organisiert in enger Zusammenarbeit mit Verbänden, Schulen sowie Trägern der Bildungs- und Erinnerungsarbeit themenspezifische Veranstaltungen, wie beispielsweise Seminare, Workshops oder Kolloquien.

Kontakt:

Barbara Hutzelmann: 089 233-30851
Dr. Maximilian Strnad: 089 233-30852

Erinnerungszeichen in Form von Tafeln und Stelen

Erinnerungszeichen in der Montgelasstraße 2
Stadtarchiv München, Foto: Thomas Hauzenberger

Erinnerungszeichen ermöglichen ein individuelles Gedenken auf Augenhöhe an Frauen, Männer und Kinder, die von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden. Sie werden auf Antrag in Form von Tafeln an der Hauswand oder von Stelen vor den Orten errichtet, an denen diese Menschen früher gelebt und gearbeitet haben oder an ihren Todesorten. Zusätzlich werden im Internet Biografien dieser Menschen veröffentlicht.

Erinnerungszeichen werden nach Entwürfen des Münchner Büros stauss processform ausgeführt. Die Wandtafeln bestehen aus einem 72 Zentimeter langen Element aus gebürstetem Edelstahl, in das bis zu fünf vergoldete, 12 x 12 Zentimeter große Tafeln eingefügt werden können. Die Anbringung ist horizontal und vertikal möglich. Erinnerungsstelen sind 186 Zentimeter hohe schlanke Edelstahlstäbe mit einer Kantenlänge von 60 Millimetern. Sie können maximal zwölf der vergoldeten, dreidimensionalen Hülsen aufnehmen. Alle sichtbaren Teile werden mit einer Oberflächenversiegelung versehen, damit sie besser vor Witterungseinflüssen und Fremdeinwirkung geschützt sind. 

In die Tafeln und Hülsen werden mit einem Laser die Lebens- und Verfolgungsdaten sowie gerasterte Bilder eingeschnitten. Die dadurch entstehende gelochte Oberfläche vermittelt nicht nur visuell Informationen, sie ist auch taktil erfahrbar. Alle Texte und Bilder sind auf Augenhöhe lesbar.

Die Erweiterbarkeit der Erinnerungszeichen ermöglicht es an einem Ort mehrerer Menschen zu gedenken. Durch eine entsprechende Anordnung werden die familiäre Strukturen der Opfer sichtbar gemacht. Das Anliegen von Familienangehörigen hat Priorität - gegen ihren Willen werden keine Erinnerungszeichen realisiert.

Erinnerungszeichen initiieren

Teaser_Antrag
Stadtarchiv München, Foto: Thomas Hauzenberger

Erinnerungszeichen können beantragt werden für Personen,

  • die auf Grund nationalsozialistischer Verfolgung ihr Leben verloren haben und die zwischen dem 30. Januar 1933 und 8. Mai 1945 in den heutigen geografischen Grenzen der Landeshauptstadt München lebten,
  • die ihren letzten Wohnsitz in München hatten bevor sie interniert, deportiert oder in eine Heilanstalt eingewiesen wurden und
  • die in München verfolgungsbedingt ums Leben gekommen sind

Zweifelsfälle werden durch den Fachbeirat entschieden. Dies gilt grundsätzlich für Funktionsträger des NS-Regimes sowie Mitglieder der NSDAP und ihrer Gliederungen, die Opfer des NS-Regimes wurden.

Für jede Person ist ein eigener formloser Antrag zu stellen, in dem soweit bekannt

  • die vollständigen Lebensdaten (Name, Vorname, Geburtsname, Geburtsdatum und -ort),
  • die Verfolgungs- und Todesumstände sowie
  • das Todesdatum und der Todesort

genannt werden. Die Angaben von Ehepaaren und Eltern mit ihren Kinder könne in einem Antrag zusammen gefasst werden.

Bitte schicken Sie ihre Anträge per Post, per Email oder per Fax an:

Koordinierungsstelle | Erinnerungszeichen
Stadtarchiv München
Winzererstr. 68
80797 München

Fax: +49 (0) 89 233 30831
Email: erinnerungszeichen@muenchen.de

Die Kosten für die Erinnerungszeichen bestehend aus einem Grundelement und einem vergoldeten Gedenkelement belaufen sich auf 1.800 €. Jedes weitere Gedenkelement kostet 580 €. Den Initiatorinnen und Initiatoren ist es freigestellt, in welcher Höhe sie sich an den Kosten beteiligen, die Landeshauptstadt München übernimmt den Restbetrag.

Sprechen Sie uns an, wenn Sie das Projekt finanziell unterstützen und Patin oder Pate eines oder mehrerer Erinnerungszeichen werden möchten.

Erinnerungswerkstatt München e.V.

Selbstverständnis
„Gebt der Erinnerung Namen“ forderte Saul Friedländer, als er 1998 den Geschwister-Scholl-Preis für sein Buch „Das Dritte Reich und die Juden“ entgegennahm. Mehr als zwanzig Jahre später kennen wir einen Großteil der Namen jener Kinder, Frauen und Männer, die von den Nationalsozialisten zwischen 1933 und 1945 in Deutschland verfolgt und ermordet wurden. Darüber hinaus wissen wir meist jedoch nur wenig über ihr Leben.

Wer wir sind
2018 haben sich historisch interessierte Personen zur Erinnerungswerkstatt München zusammengeschlossen, im Oktober 2020 erfolgte die Gründung als Verein. Im Sinne Friedländers wollen wir den Verfolgten nicht nur einen Namen geben, sondern auch ihre Geschichten erzählen. Mit Unterstützung des Münchener Stadtarchivs begeben wir uns auf Spurensuche, recherchieren in verschiedenen Archiven Details zu ihrem Leben und schreiben Biografien, die wir veröffentlichen.

Haben Sie Interesse mitzuarbeiten?
Dann kommen Sie zu unseren öffentlichen Treffen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Wir treffen uns an jedem 2. Dienstag im Monat um 18.00 Uhr im Filmsaal (2. OG) des Stadtarchivs München (ACHTUNG: Auf Grund der Pandemie ist eine Teilnahme derzeit nur nach vorheriger Anmeldung möglich). Oder besuchen Sie eine unserer Veranstaltungen, der Eintritt ist frei.

Kontakt: info@erinnerungswerkstatt-muenchen.de