Neuer Name für das Bildungszentrum für Erziehungsberufe
Das ehemalige Berufsschulzentrum an der Ruppertstraße trägt ab jetzt den Namen Städtisches Elisabeth-Selbert-Bildungszentrum für Erziehungsberufe.
Eine starke Namensgeberin für starke Berufe
Das im Jahr 2020 in Betrieb genommene Berufsschulzentrum an der Ruppertstraße wird in Elisabeth-Selbert-Bildungszentrum für Erziehungsberufe umbenannt. Damit soll das Vermächtnis einer der vier „Mütter des Grundgesetzes“ gewürdigt und gleichzeitig ein starkes Zeichen für Gleichberechtigung und gesellschaftliches Engagement gesetzt werden, hieß es in der Begründung des Münchner Stadtrats vom 3. Dezember 2025.
An der Feier nahmen neben Stadträtin Mo Lüttig, der Städtischen Gleichstellungsbeauftragten Nicole Lassal, Stadtschulrat Florian Kraus, Stadtdirektor Peter Scheifele sowie den Schulleitungen und der Schulfamilie auch Susanne Selbert teil, die eine Enkelin der namensgebenden Juristin und Frauenrechtlerin Dr. Elisabeth Selbert ist. Außerdem war Alexander Auner von den Münchner Farbe Schulen anwesend, der die markante Gedenktafel für Elisabeth Selbert gestaltet hat. Sie hängt jetzt im Eingangsbereich des Schulgebäudes.
Der Überzeugungskraft und dem Kampfgeist von Dr. Elisabeth Selbert verdankt die Bundesrepublik Deutschland die verfassungsrechtliche Gleichstellung der Geschlechter. So geht die normative Formulierung von Artikel 3, Absatz 2 des Deutschen Grundgesetzes – „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ – maßgeblich auf den Einsatz der Juristin und SPD-Politikerin zurück.
Dieses Vermächtnis stand im Zentrum der Namensgebungsfeier für das Elisabeth-Selbert-Bildungszentrum für Erziehungsberufe, an dem sich seit 2020 die Städtische Fachakademie für Sozialpädagogik, die Städtische Berufsfachschule für Kinderpflege, die Städtische Fachakademie für Heilpädagogik sowie die Städtische Fachschule für Grundschulkindbetreuung befinden. Die Redner*innen würdigten insbesondere den Zusammenhang zwischen pädagogischen Tätigkeiten und gesellschaftlicher Gleichstellung.
Stimmen zur Umbenennung
„Dr. Elisabeth Selbert hat mit großer Beharrlichkeit durchgesetzt, dass der Satz ‚Männer und Frauen sind gleichberechtigt‘ ins Grundgesetz aufgenommen wurde – ein Meilenstein unserer Demokratie und für die Gleichstellung von Frauen. Dies muss jedoch in der Lebensrealität ankommen. Eine verlässliche Kinderbetreuung ist der Grundpfeiler für Gleichstellung im Alltag. Dies gelingt nur mit genügend ausgebildete Mitarbeitenden. Deshalb ist die Benennung des Dr. Elisabeth-Selbert-Bildungszentrums ein wunderbares Symbol, wie abstrakte und konkrete Handlungen für Gleichstellung von Frauen und Männern zusammenkommen und für alle eine bessere Gesellschaft ermöglichen!“
„Elisabeth Selbert ist eine perfekte Namenspatronin für die pädagogischen Aus- und Weiterbildungen hier an der Ruppertstraße. Die Pädagog*innen sind wichtige Multiplikator*innen, um stereotype Geschlechterrollen im Kinder- und Jugendalter zu durchbrechen und geschlechterspezifischen Benachteiligungen entgegenzuwirken. Mit dem städtischen Konzept der geschlechtergerechten Pädagogik haben wir hier bereits einen starken Impuls gesetzt.“
„Dr. Elisabeth Selbert war ihrer Zeit weit voraus. An ihrem Vermächtnis für eine wahrhaft gleichberechtigte Gesellschaft arbeiten wir noch heute. Diese außerordentliche Frau als Namenspatronin einer städtischen Schule zu ehren, war mir schon lange ein persönliches Anliegen.“
„Dank Elisabeth Selbert wurden Gleichstellung und Frauenrechte in das Grundgesetz verankert und damit zum Fundament unserer Demokratie. Diese Namenspatin ist für das Bildungszentrum eine Ehre und ein Auftrag zugleich. Die tatsächliche Umsetzung von Geschlechtergerechtigkeit fordert bis heute unser Handeln – insbesondere auch in der Bildung und Erziehung."
„Das Engagement meiner Großmutter hat gezeigt, dass manchmal viel Mut und eine große Portion Hartnäckigkeit von Nöten sind, um demokratische Werte durchzusetzen. Machen wir also den Schüler*innen Mut, für eine gleichberechtigte Gesellschaft einzustehen, in der alle Menschen die gleichen Chancen haben.“
Über Dr. Elisabeth Selbert
Dr. Elisabeth Selbert (1896–1986) war Juristin, SPD-Politikerin und eine der vier „Mütter des Grundgesetzes“. Im Parlamentarischen Rat setzte sie 1948/49 durch, dass in Artikel 3 steht: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Sie kämpfte zeitlebens für Frauenrechte, soziale Gerechtigkeit und demokratische Teilhabe und prägte die junge Bundesrepublik nachhaltig.