Thalkirchner Brücke kann verbreitert werden

Die Thalkirchner Brücke, auch bekannt als Tierparkbrücke kann verbreitert werden, jedoch muss der Überbau nach mehr als 30 Jahren dringend instandgesetzt werden.

28. Dezember 2023

Verbreiterung ist der beste Weg zum Erhalt der Tierparkbrücke

Foto vom Pressetermin an der Thalkirchner Brücke am 28.12.2023 mit Bürgermeister Dominik Krause, Baureferentin Dr.-Ing. Jeanne-Marie Ehbauer (rechts) und Konstanze Hofinger, der Erbin des Urheberrechts an der Thalkirchner Brücke (Mitte).
Bürgermeister Dominik Krause, Konstanze Hofinger und Baureferentin Dr.-Ing. Jeanne-Marie Ehbauer

Die Thalkirchner Brücke, auch bekannt als Tierparkbrücke, ist bei vielen Münchner*innen sehr beliebt. Sie ist aber auch dringend sanierungsbedürftig und der Brückenquerschnitt für die aktuellen verkehrlichen Anforderungen nicht mehr ausreichend. Auf Initiative von Baureferentin Dr.-Ing. Jeanne-Marie Ehbauer hat das Baureferat prüfen lassen, ob eine Verbreiterung der charakteristischen Raumfachwerkkonstruktion möglich wäre. Die Prüfung ergab, dass die Gründung und das Raumfachwerk der Brücke in einem guten Zustand sind und erweiterbar wären, jedoch der Überbau nach mehr als 30 Jahren dringend instandgesetzt werden muss. Das tragende Raumfachwerk der Brücke kann in Richtung Süden verbreitert werden. Dies würde eine Mehrbreite am Überbau von 5,60 Meter ermöglichen. Diese Verbreiterung kann erfolgen, ohne das äußere Erscheinungsbild der Thalkirchner Brücke grundsätzlich verändern zu müssen. Die Holzbrücke könnte weiterhin vom Individualverkehr bis zu drei Tonnen Gewicht genutzt werden. Zusätzlich zu einer dann möglichen sicheren Querung per Fahrrad eröffnet sich die Möglichkeit, dass der Minibus (Linie 135) über die Brücke verkehren könnte. Die Voraussetzung, diese Verbreiterungsoption überhaupt weiter verfolgen zu können, war die urheberrechtliche Zustimmung, auf die das Baureferat erfolgreich hinwirken konnte.

Bürgermeister Dominik Krause: „Wer schon mal an einem schönen Ausflugsnachmittag die Thalkirchener Brücke überquert hat, weiß nur zu gut, wie sehr sich Fußgänger, Radfahrer und der Autoverkehr aneinander vorbeiquetschen müssen. Gerade, weil hier viele Familien mit kleinen Kindern unterwegs sind, bedarf es einer sicheren Lösung. Eine zweite Brücke für den Fuß- und Radverkehr wurde mehrfach diskutiert, aber dieser Ansatz würde einen weitreichenden Eingriff in das sensible Isarbett nach sich ziehen. Die jetzt vom Baureferat aufgezeigte Verbreiterung ist der beste Weg, um die beliebte Tierparkbrücke zu erhalten und sicherer zu machen für alle Verkehrsteilnehmer.“

Baureferentin Dr.-Ing. Jeanne-Marie Ehbauer sagt: „Die Thalkirchner Brücke hat nicht nur eine wichtige verkehrliche Funktion. Das charakteristische Raumfachwerk verleiht ihr auch ein außergewöhnlich elegantes Erscheinungsbild. Ihre modulare Bauweise lässt eine effektive Brückenverbreiterung zu. Der vorausschauende Entwurf ihres Architekten Richard Dietrich hat diese Option theoretisch vorweggenommen. Unsere statischen Berechnungen haben die praktische Machbarkeit einer Verbreiterung bestätigt. Mein großer Dank gilt der Familie Dietrich und Hofinger, die es uns durch ihre urheberrechtliche Zustimmung ermöglicht, die zwingende Sanierung der Thalkirchner Brücke mit einer mehrwertstiftenden Verbreiterung verbinden zu können. Die urheberrechtliche Erlaubnis ist auch Voraussetzung dafür, die wichtigen Abstimmungen mit den anderen städtischen Stellen, mit den angrenzenden Bezirksausschüssen und Stakeholdern angehen sowie mit der Vorplanung loslegen zu können. Im Zuge der Vorplanung wird das Baureferat auch den weiteren Zeit- und Ablaufplan bis zu einer möglichen Umsetzung ausarbeiten und dem Stadtrat zur Entscheidung vorlegen.“

Konstanze Hofinger, Erbin des Urheberrechts: „Als Tochter des Architekten Richard Dietrich freue ich mich, dass die Thalkirchner Brücke erhalten und in ihrem Erscheinungsbild erweitert werden soll. Dies wäre auch im Sinne meines 2019 verstorbenen Vaters. Die Thalkirchner Brücke ist ein Symbol seiner Auffassung von schön gestalteter und nachhaltiger Ingenieur-Architektur. Er hat hier in München neben Wohnungsbauprojekten noch weitere Brücken realisiert, wie die Fußgängerbrücke über die Schenkendorfstraße, die Kettenbrücke in Neuperlach, oder die St.-Emmeram-Brücke in Oberföhring.

Mein Vater hatte schon in den 1970er Jahren mit seinem Bausystem Metastadt Architekturgeschichte geschrieben. Ein multifunktionales Stahlbau-System, das modular erweiterbar und zurückbaubar ist und damit eine städtebauliche Nachverdichtung für Wohnen und Gewerbe vorsah. Ein Thema, das aktueller denn je ist.

Mit seiner Spezialisierung auf das Thema Brückenbau hat mein Vater ab den 1980er Jahren europaweit Brücken geplant und ausgeführt, darunter die längste Spannbandbrücke in Holz über den Main-Donau-Kanal und die Thalkirchner Brücke, die mit ihrer Gesamtlänge von 197m nach wie vor als eine der längsten Holzbrücken der Welt gilt.

Mit seinem Buch „Faszination Brücken“, das 1998 erschien und schon in Neuauflagen ging, hat mein Vater spannend über das Thema Brückenbaukunst geschrieben. Ihm war bei der Gestaltung die Logik in der Konstruktion, sowie das Einbinden der Umgebung wichtig. Beton war für ihn nicht der Baustoff aus dem Brücken geschaffen werden, sondern Holz und Stahl. Die Thalkirchner Brücke ist eine Raumfachwerk-Konstruktion aus Stahlknoten mit Holz. Das Prinzip des Raumfachwerks erinnert an das frühere Metastadt-Bausystem. Als hätte es mein Vater geahnt, dass die Brücke später einmal erweitert werden soll. Denn mit seiner Idee ist dies tatsächlich leicht möglich. Die bestehende Brücken-Konstruktion kann nun im gleichen standardisierten System in die Breite erweitert werden. Somit wird die Thalkirchner Brücke in ihrem Erscheinungsbild erhalten bleiben und für die Zukunft angepasst werden.“

Die Thalkirchner Brücke wurde in ihrer bestehenden Form als Raumfachwerk-Konstruktion nach den Plänen von Richard J. Dietrich von 1989 bis 1991 errichtet. Dieses Prinzip wurde damals erstmals für eine Brücke eingesetzt. Die Holzbrücke nutzte die Beton-Fundamente der Vorgängerkonstruktion, sodass kein Eingriff ins Flussbett erforderlich war. Das Fachwerk besteht aus Fichtenleim- und Lärchenvollholz und wird von Stahlknoten zusammengehalten. Insgesamt wurden 520 m³ Holz verbaut. Im Jahr 1992 erhielt die Brückenkonstruktion eine Auszeichnung beim Deutschen Holzbaupreis. Mit ihrer Gesamtlänge von 197 Metern gilt sie nach wie vor als eine der längsten Holzbrücken der Welt.