Mobil in München - aber sicher!

Protected Bike Lanes im Alltagstest und 40 Abstellplätze für E-Scooter

07. Juni 2022

Sicher Radeln auf geschützten Radfahrstreifen

Poller in der Brienner Straße
Michael Nagy
Die Poller in der Brienner Straße sorgen schon für mehr Sicherheit für Radler*innen. Bis Mitte Juni wird die Stadt alle fünf geplanten Teststrecken eingerichtet haben.

Protected Bike Lanes im Alltagstest: Stadt startet einjährigen Verkehrsversuch auf fünf ausgewählten Strecken

Fahrradfahren ist gesund, schont die Umwelt und spart Geld. Zuweilen kann es aber auf den Münchner Straßen auch gefährlich sein. Die Stadt unternimmt daher viel, um die Fahrrad-Infrastruktur und das Radwegenetz konsequent sicher und fahrradfreundlich auszubauen.

So installiert die Stadt gerade fünf geschützte Radfahrstreifen, sogenannte Protected Bike Lanes. „Ich freue mich, dass immer mehr Menschen in München mit dem Fahrrad unterwegs sind,“ so Oberbürgermeister Dieter Reiter. „Damit sie möglichst sicher ans Ziel kommen, hat der Stadtrat diesen Verkehrsversuch mit geschützten Radwegen auf den Weg gebracht.“

Sie sollen die Verkehrssicherheit für die Radelnden auf Abschnitten der Domagkstraße, der Brienner Straße, der Kapuzinerstraße sowie der Plinganser Straße erhöhen. Bereits fertig gestellt sind die Strecken Domagkstraße West zwischen Hans-Döllgast-Straße und Haltestelle Domagkstraße sowie Brienner Straße zwischen Karolinenplatz und Arcisstraße. Die restlichen drei Strecken sollen bis Mitte Juni zu Protected Bike Lanes umgewandelt sein.

Dabei werden auf bereits bestehenden Radfahrstreifen Schwellen, Poller oder andere Trennelemente angebracht, die den Radverkehr vom Kfz-Verkehr trennen. Das unerlaubte Befahren, Halten oder Parken von Autos oder Lieferwagen auf den Radfahrstreifen wird dadurch erschwert oder unmöglich gemacht.

Die Stadt testet die neuen Schutzvorrichtungen zunächst ein Jahr lang im Alltagsbetrieb. Dabei werden die Auswirkungen auf den Verkehr beobachtet und die unterschiedlichen Trennelemente geprüft. Es geht dabei unter anderem um die Haltbarkeit auch bei der Reinigung und beim Winterdienst, um Witterungsbeständigkeit und um Sichtbarkeit sowie die Entwässerung der Fahrbahnoberfläche. Trennelemente, die sich technisch im Großstadtalltag bewähren, sollen in Zukunft bei Bedarf dauerhaft eingesetzt werden.

E-Scooter parken, ohne andere zu gefährden

OB Dieter Reiter präsentiert die neue E-Scooter-Abstellfläche am Färbergraben.
Michael Nagy
OB Dieter Reiter präsentiert die neue E-Scooter-Abstellfläche am Färbergraben.

In der Innenstadt entstehen rund 40 Abstellplätze für E-Tretroller

E-Tretroller sind beliebt, sie sind mittlerweile Teil eines vielfältigen Mobilitätsangebots in München. Zuweilen stellen Nutzer*innen die E-Scooter jedoch so ab, dass Fußgänger*innen und insbesondere Menschen mit Sehbehinderung oder Mobilitätseinschränkung gefährdet sind. „Mich erreichen zahlreiche Beschwerden,“ so Oberbürgermeister Dieter Reiter.  „Viele Menschen ärgern sich – wie ich – über wild und geradezu gefährlich geparkte E-Scooter.“ Die Stadt hat daher eine Vereinbarung mit den Scooter-Anbietern getroffen und markiert gerade innerhalb des Altstadtrings ausgewiesene Abstellflächen.

Rund 40 Parkflächen für E-Tretroller sind vorgesehen. Markiert sind inzwischen über 20, etwa am Oberanger, in der Sonnenstraße oder am Rindermarkt. Mitte des Jahres sollen alle Abstellflächen eingerichtet sein. Ab diesem Zeitpunkt können die E-Tretroller innerhalb des Altstadtrings nur noch auf diesen Abstellflächen zurückgegeben werden. Die Gebühren laufen weiter, falls die Nutzer*innen sie außerhalb der Flächen stehen lassen.

Die Anbieter haben sich unter anderem auch dazu verpflichtet, die Nutzung der neuen Abstellflächen attraktiver zu machen, etwa durch finanzielle Anreize. Außerdem wird die Anzahl der E-Scooter pro Anbieter im Innenstadtbereich begrenzt.

Die Stadt hat die neue Regelung gemeinsam mit den fünf E-Tretroller-Anbietern und dem Bezirksausschuss 1 (Altstadt-Lehel) erarbeitet. „Ich danke den Anbietern für die Kooperation, erwarte aber gleichzeitig, dass sie jetzt intensiv auf eine Nutzung der neuen, eigens eingerichteten ‚Parkplätze‘ für die E-Scooter hinwirken,“ so der OB. Außerdem bittet er um Rücksicht: „Dort wo es noch keine Abstellflächen gibt, bitte ich einfach darum, die E-Scooter so abzustellen, dass sie niemanden gefährden. Mit gegenseitiger Rücksichtnahme kommen wir einfach alle weiter.“

Veranschaulichen mit dem Digitalen Zwilling

Radverkehr-Szenario an der Boschetsrieder Straße
Visualisierung: Kommunalreferat
Der Digitale Zwilling visualisiert das aktuelle (links) und zukünftige Radverkehr-Szenario an der Boschetsrieder Straße.

München auf Platz zwei beim Deutschen Fahrradpreis 2022

Mit einem 3D-Stadtmodell mögliche Umgestaltungen im Straßenraum visualisieren und gemeinsam darüber diskutieren – das macht die Stadt auf Basis des Digitalen Zwillings München, mit dem verschiedene Szenarien und Planungsvarianten anschaulich simuliert werden können.

In rund 40 Straßen in München sollen in den nächsten Jahren neue, breitere oder besser markierte Radwege entstehen. Vor der Umgestaltung entwirft die Stadt verschiedene Varianten im Digitalen Zwilling und stellt sie Anwohnenden, Gewerbetreibenden und Bezirksausschüssen vor. Erstmals setzte die Stadt den Digitalen Zwilling bei der öffentlichen Diskussion zum neuen Radwegekonzept Boschetsrieder Straße ein. Ein Beispielmodell ist unter https://bit.ly/3nOfcSz zu finden.

Mit dieser innovativen und besonders bürgernahen Informationsveranstaltung belegt München den 2. Platz beim bundesweiten Wettbewerb Deutscher Fahrradpreis 2022 in der Kategorie Service & Kommunikation. Der Preis wird vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr und der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW e.V. verliehen. Alle Sieger sind unter der-deutsche-fahrradpreis.de zu finden.

Die Stadt informiert

„Die Stadt informiert" erscheint immer dienstags in der Süddeutschen Zeitung und im Münchner Merkur. Dieser Beitrag ist vom 7. Juni 2022.