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Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Am 25. November ist der „Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen“. Er erinnert daran, dass Gewalt gegen Frauen weltweit die häufigste Menschenrechtsverletzung ist

25. November 2022

OB Dieter Reiter und Gleichstellungsbeauftragte Nicole Lassal mit einem Plakat der Kampagne „Gleichberechtigung schützt vor Gewalt“

„Schau nicht weg, frag nach!"

OB Dieter Reiter mit einem Plakat der Kampagne „Gleichberechtigung schützt vor Gewalt“

In diesem Jahr gilt die Solidarität am „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“ ganz besonders den Frauen im Iran und allen, die dort mit so viel Mut für ihre Rechte und eine freie Gesellschaft kämpfen. In München findet zum Aktionstag am heutigen Freitag, 25. November, eine Demonstration statt, organisiert vom Münchner Aktionsbündnis 8. März. Beginn ist um 18 Uhr mit einer Auftaktkundgebung auf dem Josephsplatz.

Am 25. November 1960 wurden in der Dominikanischen Republik drei Regimegegnerinnen, die Schwestern Mirabal, auf Befehl des Diktators Trujillo verschleppt, vergewaltigt und ermordet. Ihre politische Arbeit galt dem Sturz der Diktatur und dem Widerstand gegen die sexuelle Versklavung der Frauen. 1961 riefen lateinamerikanische Feministinnen diesen Tag zum Widerstandstag gegen Gewalt an Frauen aus, 1999 wurde er zum internationalen Aktionstag durch die Vereinten Nationen deklariert. Weltweit finden an diesem Tag Aktionen zur Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt an Frauen statt.

Ein breites Aktionsbündnis von 47 Organisationen hat in den letzten Wochen in München ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm mit zahlreichen Fortbildungen, Filmvorführungen, Selbstbehauptungskursen und Diskussionen durchgeführt. Parallel dazu läuft die Öffentlichkeitskampagne „Gleichberechtigung schützt vor Gewalt“ der Stadt München gegen geschlechtsspezifische Gewalt, die für das Thema sensibilisieren, Wege aus der Gewalt aufzeigen und über das Münchner Beratungs- und Unterstützungssystem informieren will. Gleichzeitig ist die Kampagne ein Aufruf an die Gesellschaft, hinzusehen.

Oberbürgermeister Dieter Reiter: „Schau nicht weg, frag nach. Mit der Kampagne ,Gleichberechtigung schützt vor Gewalt‘ zeigen wir als Stadt München Haltung gegen Sexismus und gegen sexualisierte Gewalt. Wir alle sollten Verantwortung übernehmen, wenn wir sexualisierte Gewalt beobachten oder vermuten. Die einfachste und beste Möglichkeit ist nachzufragen und das Gespräch zu suchen. Es gibt Unterstützung und es gibt Wege aus der Gewalt.“

Nur ein Bruchteil der Verbrechen wird angezeigt

Jede vierte Frau in Deutschland erlebt Misshandlungen durch ihren Partner, europaweit gilt das sogar für jede dritte Frau. Jeden dritten Tag tötet ein Mann in Deutschland seine Partnerin oder Expartnerin, jeden Tag versucht das ein Mann. Jede siebte Frau in Deutschland wird im Laufe ihres Lebens Opfer von strafrechtlich relevanter sexualisierter Gewalt. Über die Hälfte der Frauen erlebt im Laufe ihres Lebens sexuelle Belästigung. Ein Kind, das sexuell missbraucht wird, muss bis zu sieben Mal eine erwachsene Person ansprechen, bis es Hilfe erhält. Frauen mit Behinderung berichteten zwei bis drei Mal häufiger von sexualisierter Gewalt als Frauen ohne Behinderung. Wohnungslose Frauen und Frauen, die in der Sexarbeit tätig sind, sind ebenfalls deutlich häufiger von sexualisierter Gewalt betroffen – dies gilt auch für transgeschlechtliche und nicht-binäre Menschen.

Im vergangegen Jahr 2021 wurden beim Polizeipräsidium München 2.611 Fälle „Häuslicher Gewalt“ und 1.657 Delikte gegen die sexuelle Selbstbestimmung erfasst. Durch zivilrechtliche Schutzanordnungen nach dem Gewaltschutzgesetz wurden beim Amtsgericht München 577 Täter wegen häuslicher Gewalt der Wohnung verwiesen und/oder mit einem Kontaktverbot belegt. Es kam im Bereich „Häusliche Gewalt“ zu sechs Tötungsdelikten, hiervon wurden drei vollendet. Nur ein Bruchteil dieser Verbrechen wird angezeigt, und wiederum nur ein kleiner Teil der angezeigten Verbrechen führt zu Verurteilungen.

Der beste Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt ist der Abbau von Ungerechtigkeiten und Diskriminierung und die tatsächliche Gleichstellung von allen Geschlechtern auf allen Ebenen: rechtlich, sozial, ökonomisch, politisch.

Um geschlechtsspezifische Gewalt wirksam zu bekämpfen, ist es notwendig, umfassende Maßnahmen zur Prävention von und zum Schutz vor Gewalt auf rechtlicher, gesellschaftlicher und sozialer Ebene zu gewährleisten. Dies beinhaltet zum Beispiel ein ausreichendes Angebot von Beratungsstellen, Frauenhausplätzen und Therapiemöglichkeiten ebenso wie eine flächendeckende Täterprävention und Empowerment-Angebote.

Die Stadt München hat im Rahmen der Kampagne die Postkarte „Hinsehen – Zuhören – Hilfe holen“ mit Adressen der Beratungsstellen aktualisiert und neu aufgelegt sowie Informationen zur Unterstützung nach sexueller Gewalt herausgegeben. Die Postkarte steht zum Download bereit unter gleichberechtigung-schuetzt-vor-gewalt.de.

Medizinische Versorgung und psychosoziale Beratung

Das Gesundheitsreferat (GSR) hat im ersten Halbjahr 2022 mit der Rechtsmedizin der LMU, der Beratungsstelle Frauennotruf München, der München Klinik Harlaching, der Frauenklinik der LMU, dem Klinikum rechts der Isar der TU München und dem Klinikum Dritter Orden ein medizinisches Set zur Spurensicherung sowie Qualitätsstandards zusammengestellt, um eine rechtssichere Untersuchung zu garantieren. Das Gesundheitsreferat übernimmt hierfür die Kosten. Die Kliniken wurden mit den Materialien ausgestattet und geschult. Bestandteil der Qualitätsstandards sind Aufklärung und Information, Anamnese inklusive Angaben zu Übergriff, körperlicher Untersuchung und Abklärung von weiteren Maßnahmen (z.B. Pille danach oder Nachsorge).

Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek: „Ich möchte Frauen, die die schreckliche Erfahrung von sexueller Gewalt machen, ermutigen, sich Hilfe zu holen und sich ärztlich untersuchen zu lassen – auch wenn dies schwerfällt. Wichtig zu wissen ist dabei: Wenn betroffene Frauen sich später für eine Anzeige entscheiden, können diese Befunde für die Verurteilung des Täters herangezogen werden. Sind die Betroffenen einverstanden, besteht die Möglichkeit, bei der ärztlichen Untersuchung Spuren und Verletzungen im Zuge einer sogenannten vertraulichen Spurensicherung zu dokumentieren und sicherzustellen. Weder die Frau noch die Ärzt*innen müssen eine Strafanzeige stellen. Es besteht ärztliche Schweigepflicht, solange die erwachsene Betroffene dies nicht anders entscheidet: Ohne Einverständnis darf die Polizei nicht informiert werden. Wichtig nach einem sexuellen Übergriff oder einer Vergewaltigung ist neben der medizinischen Versorgung auch und vor allem die psychosoziale Beratung. Die Münchner Beratungsstellen helfen im Umgang mit der erlebten Gewalt und den Folgen, beraten zur Anzeigeerstattung und bieten psychosoziale Begleitung – absolute Vertraulichkeit ist durch die Berater*innen garantiert.“

PK Motto Kampagne

Gleich­berechtigung schützt vor Gewalt!

Die Kampagne der Gleichstellungsstelle für Frauen der Landeshauptstadt München - mehr Informationen und alle Plakat- und Postkartenmotive zum Download
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Erste Sitzbank in Orange

Enthüllung der orangen Bank

Das Baureferat hat am Sebastiansplatz in der Altstadt die erste Sitzbank auf städtischem Grund aufgestellt, die in orangener Signalfarbe zum Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt aufruft. Bürgermeisterin Katrin Habenschaden hat sie gemeinsam mit Baureferentin Dr.-Ing. Jeanne-Marie Ehbauer und Dr. Ursula Wandl als Vertreterin des Münchner ZONTA-Clubs anlässlich des heutigen Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen und Mädchen enthüllt.

Bürgermeisterin Katrin Habenschaden: „Jede dritte Frau erfährt in ihrem Leben Gewalt – auch bei uns in Deutschland. Als Bürgermeisterin setze ich mich dafür ein, dass sich hier bei uns in München etwas verändert. Die orangefarbenen Bänke sind dafür ein Symbol, denn Orange ist die Farbe, die die Vereinten Nationen für den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen ausgewählt haben. Wir packen in München den Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt auch mit konkreten Maßnahmen an. Dafür haben wir einen eigenen Aktionsplan und kümmern uns zum Beispiel um zusätzliche Frauenhausplätze oder wir verbessern die Akutversorgung nach sexualisierter Gewalt.“

Baureferentin Dr.-Ing. Jeanne-Marie Ehbauer: „Diese Bank setzt ein unverkennbares Zeichen, dass Gewalt gegen die seelische und körperliche Unversehrtheit in der Münchner Stadtgesellschaft keinen Platz hat. Orange steht für das Recht auf ein selbstbestimmtes und ein gleichberechtigtes Leben. Ich empfinde es als unsere Pflicht, immer und überall für diese Werte einzustehen, denn sie sind der wirksamste Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt.“

Dank der Initiative und Finanzierung durch ZONTA, einem internationalen Club berufstätiger Frauen, der sich seit 1919 weltweit für die Rechte von Frauen einsetzt und beratenden Status bei der UN hat, kann diese Bank am Sebastiansplatz nahe der Prälat-Zistl-Straße durch das Baureferat aufgestellt werden. Sie trägt als Widmung die Aufschrift „Kein Platz für Gewalt gegen Frauen“. Dr. Ursula Wandl von ZONTA: „Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen haben die Münchner ZONTA-Clubs das Projekt entwickelt, mit orangenen Bänken im Stadtgebiet auf das Thema aufmerksam zu machen und auf Hilfsangebote zu verlinken.“