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Einweihungsfeier des Haus für Kinder Postillonstraße 11a

Am 15. Juli wurde das städtische Haus für Kinder in der Postillonstraße 11a feierlich eingeweiht. Ein WAU für Kinder in baulicher und tierischer Hinsicht.

18. Juli 2022

Gebäude in der Sonne mit dem umzäunten Garten davor. Darauf stehen Schirme und Tische. Kinder spielen auf dem Außengelände.
Im Sankasten zeigen die Kinder neben der Leiterin des Hauses Christina Landmann und Annabel stolz ihre kleinen Plüschtiere, welche aussehen wie Annabel.
Tobias Hase
Hausleiterin Christiane Landmann und ihre pädagogische Kollegin Annabel umringt von Kindern mit ihren Plüschhunden.

Ein Wau für Kinder

Ist sie da? An die neugierigen Blicke durchs Fenster hat sich Christiane Landmann, Leiterin des Hauses für Kinder an der Postillonstraße 11A, längst gewöhnt. Und auch daran, dass nicht sie von den Kindern so sehnlichst erwartet wird, die jeden Morgen an ihrem Fenster vorbei zur Eingangstür der Kita laufen. Sondern das mit Abstand populärste Teammitglied der Kindertagesstätte: Therapiebegleithund Annabel. Die vierjährige foxred Labradorhündin hat unter Landmanns Schreibtisch ihren Rückzugsort und macht dort regelmäßig ausgedehnte Nickerchen. Dann heißt es eigentlich: „Bitte in Ruhe lassen!“ Denn einfach unter den Schreibtisch kriechen und streicheln geht nicht. Das lernen alle Kinder der Einrichtung sehr schnell. Annabel braucht ihren sicheren Rückzugsraum, an dem sie nicht gestört werden darf. 

„Darf ich Annabel guten Morgen sagen?“, lautet daher die erste Frage, die ankommende Kinder Leiterin Christiane Landmann in der Früh stellen. Meistens erübrigt sich die Antwort von selbst: Annabel trottet dankbar zur Tür, um ihre Streicheleinheiten zu empfangen. Als Therapiebegleithund hat die Hündin in dem Haus für Kinder eine ganz besondere Aufgabe: Sie unterstützt die Kinder in deren ganzheitlichen Förderung, hilft Ihnen Selbstwirksamkeit zu verspüren, Selbstvertrauen aufzubauen und Ängste abzubauen.

Oben im Bild: Hausleiterin Christiane Landmann und ihre pädagogische Kollegin Annabel umringt von Kindern mit ihren Plüschhunden.
Tobias Hase

Eröffnung im Februar 2022

Referent Florian Kraus, Bildungsbürgermeisterin Verena Dietl und KITA Geschäftsbereichsleiterin Margit Braun überreichen Hausleiterin Christiane Landmann eine gravierte Baumstammscheibe.
Tobias Hase
vlnr: Referent Florian Kraus, Hausleiterin Christiane Landmann, Labrador Annabel, Bildungsbürgermeisterin Verena Dietl und KITA Geschäftsbereichsleiterin Margit Braun

Seit 2. Februar 2022 hat das Haus für Kinder an der Postillonstraße offiziell eröffnet. Annabel war von Anfang an mit dabei. Zunächst startete die Einrichtung mit zwei Gruppen, einer Krippen- und einer Kindergartengruppe. Ab Oktober wird sich die zweite Kindergartengruppe füllen und alle 74 Plätze werden voraussichtlich im Frühling 2023 belegt sein. Die große Einweihungsfeier fand coronabedingt erst im Sommer statt. Entsprechend aufgeregt hatten Annabel und ihr Frauchen Christiane Landmann dem 15. Juli 2022 entgegengefiebert: Zur offiziellen Einweihung des Hauses für Kinder begrüßten Münchens Bildungsbürgermeisterin Verena Dietl und Stadtschulrat Florian Kraus die anwesenden Gäste, unter ihnen auch weitere Mandats- und Würdenträger aus der Politik.

Für die Kinder waren mehrere Spielstationen aufgebaut, zudem hatten sie für den Tag eigens ein Theaterstück einstudiert, in dem die Gruppentiere Igel, Eichhörnchen, Eule und Fuchs Sprechrollen hatten – ebenso wie Annabel. Die Rolle des Hundes sei besonders beliebt, sagt Landmann und lacht. „Alle Kinder wollen Annabel spielen.“ Als Highlight gab es dann für alle anwesenden Kinder einen Stoffhund als Geschenk.

Eindrücke der Einweihungsfeier

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Positives Feedback der Kinder und Eltern

Und nicht nur die Kinder freuen sich über „Ihren“ Kita-Hund – selbst Eltern, die selbst Angst vor Hunden haben, geben ihre Kinder in die Einrichtung. „Wir bekommen seit der Eröffnung immer wieder Anfragen von Eltern, die ihre Kinder speziell wegen Annabel anmelden möchten. Natürlich ist das nicht für alle umsetzbar“, sagt Landmann. So steht eins bereits fest: Wenn das Haus im Frühjahr nächsten Jahres voll ist, werden Annabel jeden Morgen noch deutlich mehr kleine Hände streicheln als bisher.

Tiergestützte Pädagogik

Nur weil der Hund an der Postillonstraße nicht mehr wegzudenken ist, bedeutet das allerdings nicht, dass Kitas sich einfach so einen anschaffen können. Tiergestützte Interventionen sind schon seit langen Jahren ein pädagogischer Schwerpunkt vom Referat für Bildung und Sport, bei dem in unterschiedlichen Bereichen (Aktivität, Pädagogik und Therapie) Kinder Erfahrungen mit Tieren machen können. Bei städtischen Kitas sind dies Kleintiere wie Meerschweinchen und Kaninchen, aber auch Hunde und sogar Pferde – letztere sind allerdings nicht direkt in den Einrichtungen untergebracht.

Die Eingangs- und Zugangsvoraussetzungen für tiergestützte Interventionen sind hoch, denn es geht um einen professionellen, konzeptionellen, qualitativen und reflektierten Einsatz eines geeigneten Tieres unter tierschutzrechtlichen, artgerechten und ethischen Grundlagen. Es bedarf beispielsweise eines ausgefeilten Hygieneplanes, einer fundierten Ausbildung von Mensch und Tier, eines Rückzugsort sowie ausgiebigen Trainings für die Tiere und ihre Halter*innen. Insgesamt neun Mensch-Hunde Teams sind derzeit in Kitas der Stadt München im Einsatz.

Im Referat für Bildung und Sport kümmern sich Koordinator*innen um die tiergestützten Interventionen im jeweiligen Bereich und speziell um den Einsatz der Hunde in städtischen Einrichtungen. Die Beschäftigten überprüfen die Eingangs- und Zugangsvoraussetzungen der Hunde und Halter und geben Unterstützung bei etwaigen Problemen. Im Einsatz sind die Hunde in Kindergarten- , Hort- oder Tagesheimgruppen.

Aus vielerlei Gründen wird der Einsatz von Hunden bei Kindern im Alter bis zwei Jahren nur als Beobachtungstier durchgeführt. So können jüngere Kinder aufgrund noch fehlender Auge-Hand-Koordination und Kraftdosierung ihre Motorik bei Berührungen mit dem Tier nicht bewusst steuern. Auch der Geräuschpegel der Kleinkinder ist gerade für Hunde unter Umständen unangenehm und mit Stress verbunden.
 

Bei der Stadt München hat Hund Annabel aktuell noch ein Alleinstellungsmerkmal. Nachdem die beiden alten Therapiebegleithunde Cleo und Paula in der letzten Zeit verstorben sind, hat sie derzeit als Therapiebegleithündin die langwierigste Ausbildung hinter sich. Ihre acht tierischen Kolleginnen werden als pädagogische Assistenzhunde eingesetzt. Im Gegensatz zu ihnen könnte Annabel in Zukunft auch therapeutisch bei Inklusionskindern eingesetzt werden. „Im Moment sind wir noch nicht so weit, da wir die Einrichtung gerade neu eröffnet haben. Aber für die Zukunft ist es eine tolle Perspektive mit Annabel“, sagt Leiterin Landmann.

1,5 Jahre dauerte Annabels Ausbildung. Jährlich muss Christiane Landmann mit dem Labrador eine Rezertifizierung durchlaufen, um nachzuweisen, dass der Hund für seinen Einsatz als Therapiebegleithund weiterhin geeignet ist. Für alle Mensch-Hunde-Teams sind spezielle Versicherungen gefragt, die den Einsatz des Hundes in der Kindertageseinrichtung absichern.

 

Annabel wird beispielsweise in der täglichen Arbeit mit Kindergartenkindern bei Motorik- und Koordinationsübungen, bei der Verkehrserziehung, beim Basteln oder in der Präventionsarbeit eingesetzt. „Manchmal liegt sie aber auch einfach nur im Raum und schläft. Es ist erwiesen, dass Menschen entspannter sind, wenn ein Hund im Raum schlummert,“ sagt Landmann. Dabei steht eins jedoch immer fest: Annabels Einsätze sind zeitlich begrenzt und finden nicht täglich statt. Nach einem Einsatz darf sie wieder an ihren Rückzugsort. Denn jeder Einsatz mit Kindern bedeutet für Annabel Arbeit. Schließlich sind diese auch mal wild und laut. Es ist sehr entscheidend, dass es dem Hund im Einsatz auch gutgeht. „Auf die Bedürfnisse von Tieren nehmen Kinder generell sehr viel mehr Rücksicht als auf die von Menschen. Daher klappt das Zusammenleben im Alltag sehr gut“, meint Landmann.

Ich finde es absolut sinnvoll, einen Therapiebegleithund in einer Kita zu haben. Daher habe ich mir bei meiner Bewerbung auch gewünscht, dass Annabel eingesetzt werden darf.

Platzhalter Zitat
Christiane Landmann Leiterin des Hauses für Kinder