Topmodern aus Tradition: Berufliches Schulzentrum Thomas Wimmer

Mit dem generalsanierten Schulzentrum präsentieren Stadtschulrat Kraus und Baudirektorin Lemke eine hochmoderne Ausbildungsstätte im markanten Baudenkmal.

11. September 2026

v.l.n.r.:  Robert Dick (Schulleiter der Städtischen beruflichen Schulen für das Spenglerhandwerk, Umwelt- und Versorgungstechnik), Iris Lemke (Leitende Baudirektorin),  Jürgen Schultheiß (Schulleiter der Städtischen beruflichen Schulen für das Bau- und Kunsthandwerk) und Stadtschulrat Florian Kraus bei der Einweihung des Beruflichen Bildungszentrums Thomas Wimmer in einer modern ausgestatteten Holzwerkstatt.
RBS/Tobias Hase

Berufliche Bildung mitten in München

Handwerks- und Ausbildungsberufe gehören in die Mitte der Gesellschaft. Deshalb hat sich der Münchner Stadtrat entschieden, den Schulstandort in der Maxvorstadt zu erhalten – auch wenn umfangreiche Modernisierungs- und Instandsetzungsarbeiten erforderlich waren. Heute öffnet sich das Städtische berufliche Schulzentrum Thomas Wimmer bewusst zur Stadt. Durch große Sichtfenster können Passant*innen den Schüler*innen bei der Arbeit in den ebenerdigen Werkstätten zusehen. Eine Verbindung zwischen Schulstandort, Handwerk und Stadtraum schaffen auch die Präsentationsflächen im Arkadenbereich sowie im Inneren des neu ergänzten Pavillons. So zeigt die Landeshauptstadt München: Berufliche Bildung ist uns wichtig, ebenso wie der Erhalt wertvoller Bausubstanz.

RBS/Tobias Hase

Traditionsreicher Schulstandort für Handwerksberufe und Baugewerbe

Große Werkhalle im Städtischen beruflichen Bildungszentrum Thomas Wimmer mit Lüftungsrohren, Maschinen und Besucher*innen bei der Einweihung.
RBS/Tobias Hase

Wie schon seit seiner Erbauung im Jahr 1952 wird der generalsanierte und erweiterte Standort Luisenstraße von etlichen beruflichen Schulen für Handwerksberufe und Baugewerbe genutzt: 

  • die Berufsschule für das Spenglerhandwerk, Umwelt- und Versorgungstechnik 
  • die Fachschule für Heizungs-, Sanitär- und Klimatechnik 
  • die Berufsschule für das Bau- und Kunsthandwerk
  • die Berufsfachschule für das Holzbildhauerhandwerk 
  • die Fachschule für Steintechnik 
  • die Fachschule für Bautechnik 
  • die Meisterschule für das Holzbildhauerhandwerk
  • die Meisterschule für das Gold- und Silberschmiedehandwerk

Die Landeshauptstadt München setzt in der Luisenstraße 9-11 ihre Strategie der Kompetenzzentren fort, bei der Aus- und Weiterbildungsangebote verwandter Disziplinen an einem Ort zusammengefasst werden und voneinander profitieren. Der Standort ist für rund 2.500 berufliche Schüler*innen ausgelegt. Bedingt durch die typische Abfolge von schulischen und betrieblichen Ausbildungsphasen nutzen sie die Räumlichkeiten im Wechsel.

Umfangreiche Baumaßnahme aus dem 2. Schulbauprogramm

Modern ausgestattete Metallwerkstatt im Beruflichen Bildungszentrum Thomas Wimmer mit Werkbänken, Maschinen und Absauganlagen.
RBS/Tobias Hase

Das umfangreiche Bauprojekt umfasst rund 23.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche. Neben der Generalinstandsetzung der beiden großen denkmalgeschützten Gebäudekörper wurde ein eingeschossiger Pavillon als Versammlungs- und Ausstellungsfläche behutsam und in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz ergänzt. Nach Fertigstellung stehen den städtischen beruflichen Schulen auf vier (Bauteil E) beziehungsweise fünf (Bauteil F) Geschossen 36 Werkstätten, Hallen und Labore, 38 Klassenräume, zehn Integrierte Fachunterrichtsräume, drei Technikzentralen und ein Versammlungsraum mit multifunktionalen Ausstellungsflächen zur Verfügung. Außerdem wurden Räumlichkeiten für eine Jugendfreizeitstätte integriert. Die genehmigten Gesamtkosten für die Maßnahme betragen 190,07 Millionen Euro. 

Ein wichtiger Aspekt der Generalinstandsetzung war die Verbesserung der Barrierefreiheit. Eine Rampe ermöglicht den barrierefreien Zugang zum Haupteingangsbereich. Dort erleichtert ein taktil gestalteter Lageplan Menschen mit Sehbeeinträchtigung die Orientierung. Ein Leitsystem weist ihnen den Weg zum Sekretariat im 1. Obergeschoss. An den Handläufen aller Treppen befinden sich zudem Plaketten mit Blindenschrift. Fünf Aufzüge in den Bauteilen E und F gewährleisten den barrierefreien Zugang zu allen Ebenen.

Die Künstlerin Karin Sander hat im Rahmen von QUIVID, dem Kunst am-Bau-Programm der Landeshauptstadt München, eine spiralförmig gemauerte Kaminsäule auf dem Dach des Berufsschulzentrums installiert. Die nach historischen Vorbildern gestaltete solitäre Skulptur „Lehrkamin/Salomonische Säule“ steht für das Zusammenspiel von Denkmalschutz und Erneuerung.

Fotos des Berufsschulzentrums

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Charakteristika des beruflichen Schulbaus

Künstlerisch gestaltete Stele auf dem Gelände des Beruflichen Bildungszentrums Thomas Wimmer mit dem Schriftzug ‚Städtisches berufliches Schulzentrum Thomas Wimmer‘
RBS/Tobias Hase

Berufliche Schulen sind mehr als nur Lernorte im traditionellen Sinne – sie sind darüber hinaus Werkstätten, Labore und Innovationsräume. Die bauliche Umsetzung spiegelt den dualen Charakter der Ausbildung wider: Theorie und Praxis greifen hier unmittelbar ineinander, die Räume bilden die Komplexität der beruflichen Handlungssituationen ab. Entsprechend beherbergt das generalsanierte Berufsschulzentrum unter anderem riesige Hallen für die Maurer*innen und Zimmerer*innen, eine Reihe von Übungskaminen für die Kaminkehrer sowie tageslichtdurchflutete Werkstätten für Holzbildhauer*innen, Kunsthandwerker*innen sowie Gold- und Silberschmied*innen. 

Eine zentrale Rolle spielt das Konzept der Integrierten Fachunterrichtsräume (IFU). IFUs ermöglichen einen Unterricht, der praxisnah und handlungsorientiert ist. Theoretische Inhalte können direkt an Maschinen, Werkstücken oder Modellen überprüft und vertieft werden – ohne zeitliche oder räumliche Trennung. Klassenzimmer, Werkstatt und Labor verschmelzen zu einem einzigen didaktischen Raum.

Herausforderungen für Statik und Baubetrieb

Gesamtansicht des sanierten und erweiterten Beruflichen Bildungszentrums Thomas Wimmer an der Luisenstraße mit begrünten Dachflächen und roten Figuren.
RBS/Tobias Hase

Insbesondere der Einbau der umfangreichen Anlagentechnik stellte eine Herkulesaufgabe für Projektplanung und Baulogistik dar. Um im denkmalgeschützten Gebäudekörper das notwendige Technikgeschoss zu realisieren, kamen innovative Lösungsansätze aus dem Brückenbau zum Einsatz. Unter anderem wurden bestehende Stahlbetonrippendecken mit Carbonfaserstreifen so verstärkt, dass sie die benötigten Traglasten erbringen. Carbonfaserverstärkter Textilbeton kam auch bei der Ertüchtigung der denkmalgeschützten Baustruktur des Shedhallen-Betondachs zur Anwendung. 

Bei der Fassade des Werkstattgebäudes und des Arkadengangs mussten die historischen Glasbaustein-Betonelemente durch neue Thermo-Glasbausteine und dämmende Betonelemente ersetzt werden, um den geltenden gesetzlichen Normen gerecht zu werden. Ein mit zusätzlichen Trägern versteifter, zwei Geschosse hoher Stahlbetonrahmen ermöglicht höhere Verkehrslasten in den Werkhallen. Zusätzliche Herausforderungen entstanden durch die zentrale, innerstädtische Lage. Die für die Baustelleneinrichtung verfügbare Fläche war durch Feuerwehrzufahrten und Anliegereinfahrten stark limitiert. Hinzu kam, dass die U-Bahn-Röhren der Linien U1 und U2 direkt unter dem Baugrund verlaufen. Zwangsläufig mussten unter diesen Bedingungen etwa die Anlieferungen von Material und Maschinen nach dem Just-in-time-Prinzip erfolgen.

Statements zur Inbetriebnahme

RBS/Tobias Hase
RBS/Tobias Hase

„Aus- und Weiterbildung auf Top-Niveau: Das bietet das Städtische berufliche Schulzentrum Thomas Wimmer nur einen Steinwurf vom Hauptbahnhof entfernt. Im Zuge der Generalinstandsetzung konnte das denkmalgeschützte Ensemble mit modernsten Werkstätten, Maschinen und Anlagentechnik ausgestattet werden. Generationen von Maurer*innen, Spengler*innen, Zimmerer*innen, Bau- und Umwelttechniker*innen werden sich hier ebenso wie Stein- und Holzbildhauer*innen, Gold- und Silberschmied*innen optimal qualifizieren können. So ist diese Generalinstandsetzung ein starkes Bekenntnis zum Stellenwert der beruflichen Bildung und eine Investition in den Wirtschaftsstandort München."

RBS/Tobias Hase

„Das Projekt war eine außergewöhnliche und anspruchsvolle Aufgabe für den Hochbau. Wir haben die wertvolle Bausubstanz von 1952 generalsaniert – unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes – und zugleich das historische Ensemble fit gemacht für die Zukunft, so dass es den technischen Anforderungen und Bedarfen der verschiedenen Ausbildungsberufe am Standort entspricht. Da galt es etwa höhere Traglasten und schwerere Maschine in die Rechnung aufzunehmen. Nur mit Mut zur Innovation konnten wir das Ensemble energetisch, statisch und technisch auf ein neues Level bringen. Aus meiner Sicht gehören insbesondere die Thermo-Glasbaustein-Betonelemente und die Carbonfaser-Verstärkungen zu den innovativen Highlights."

Die Bildungsbauoffensive der Stadt München

Das Bild zeigt eine Collage von 3 Fotos - ein Mädchen mit Schulheften in der Hand, ein Außenfoto einer Schule und einem Foto vom Inneren eines Klassenzimmers.
Impressum siehe 4, 5 & 6

Die Landeshauptstadt München setzt mit Investitionen von über 8,7 Milliarden Euro für über 200 Bildungsbauprojekte das größte kommunale Bildungsbauprogramm Deutschlands um. Neben dem Bau von Gymnasien, Grund-, Mittel- und Realschulen sowie beruflichen Schulen, Kindertageseinrichtungen, Sportanlagen und Pavillonanlagen umfassen die bisherigen Bauprogramme zahlreiche Erweiterungen und Sanierungen von bestehenden Schulgebäuden und Kindertagesstätten.