Einheitliche Behördenrufnummer 115 in München

In diesem Jahr feiert die 115 ihr 15-jähriges Jubiläum. München ist seit 2012 mit dabei.

01. September 2026

"Retten wir morgen wieder die Welt"

Infostand der Behördennummer 115 auf dem Marienplatz
Tobias Hase
Die Behördennummer 115 stellt sich seit 2013 am Tag der Daseinsvorsorge den Münchner*innen vor: Das Team des Servicecenters beantwortet alle Fragen rund um Ihre Stadtverwaltung schnell und unkompliziert per Telefon.

Eine Bürgerin möchte wissen, welcher Brunnen aktuell Trinkwasser führt. Ein anderer fragt nach, warum seine Mülltonne nicht geleert wurde. Oder es geht um einen Termin im Kreisverwaltungsreferat, um eine Frage zu einem städtischen Bescheid oder um eine Leistung, die jemand online einfach nicht finden kann. Aktuell kommen viele Fragen zum Schienenersatzverkehr bei der U3/U6. „Jeder Anruf ist ein Überraschungsei,“ erzählt Thomas Möhrlein, stellvertretender Leiter des Münchner Servicecenters der einheitlichen Behördennummer 115.

In diesem Jahr feiert die 115 ihr 15-jähriges Jubiläum. Inzwischen kümmern sich 53 Servicecenter deutschlandweit um Fragen rund um die Verwaltung. München ist seit 2012 mit dabei.

Ruft jemand vom Festnetz 089 oder aus einer örtlichen Mobilfunkzelle an, landet er automatisch beim Team der 115 in München. Natürlich kümmern sich auch außerhalb von München die Kolleg*innen des 115-Verbunds um die richtige Auskunft. Wenn es nötig ist, wird aber auch gleich zum Team nach München verbunden.

Die städtischen Mitarbeiter*innen sind Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr erreichbar. Ziel ist immer, dass die gewünschte Auskunft vom Front- Office, das aus 27 Personen besteht, gleich gegeben werden kann. Sollte das nicht möglich sein, eröffnen die Mitarbeitenden ein Ticket und die Anfrage geht ins Back-Office. Dort sitzen weitere Teammitglieder, die sich um die gewünschte Auskunft kümmern, wie auch um Anliegen, die per Mail unter rathaus@muenchen.de oder 115servicecenter@muenchen.de eingehen. Wenn nötig, wird die Anfrage an den zuständigen Fachbereich weitergeleitet. Manchmal geht es auch nur darum, herauszufinden, wer die richtige Ansprechperson innerhalb dieser großen Stadt­verwaltung ist. Schließlich bekommen die Bürger*innen die gewünschte Information zurückgespielt.

Im Schnitt gingen dieses Jahr rund 13.400 Anrufe und 2.700 E-Mail- Anfragen pro Monat ein. Die durchschnittliche Wartezeit liegt bei 1:45 Minuten. Montag vormittags ist immer besonders viel los. Besser also am Montagnachmittag oder gleich erst ab Dienstag anrufen.

Wer meint, es rufen hauptsächlich ältere Menschen an, der irrt: es sind genauso junge Menschen, die eine Leistung online suchen, mit einem digitalen Formular nicht weiterkommen oder schlicht nicht wissen, welche Stelle zuständig ist.

Wer kein Deutsch kann, kommt mit Englisch weiter. Und da das Team der 115 so vielfältig wie seine Anrufer ist, kann gegebenenfalls auch in anderen Sprachen geholfen werden. Eine gute Verständigung gelingt immer.

Bevor es in den Feierabend geht, verabschiedet Thomas Möhrlein seine Kolleg*innen gern mit den Worten: "Retten wir morgen wieder die Welt."

Gesichter hinter der 115

Isabel Kücükbasil

Isabel Kücükbasil
Isabel Kücükbasil

"Superheldin - nur ohne Cape"

"Wir haben gut gelaunte Anrufer, hektische Anrufer, welche, die gut informiert sind oder, die viele Fragen haben. Das macht die Arbeit auch so vielfältig." Isabel Kücükbasil nimmt seit November 2022 Anrufe bei der 115 entgegen. Anfangs war sie sehr aufgeregt, aber inzwischen ist sie routiniert.

"Vieles weiß ich inzwischen, aber es gibt immer wieder mal Fragen, bei denen ich mich erst informieren muss. Das gefällt mir. Wegen dieser Abwechslung und dem tollen Team hier, komme ich jeden Tag gerne zur Arbeit. Abends gehe ich zwar müde, aber mit einem guten Gefühl nach Hause."

An einen Anruf kann Isabel sich besonders erinnern: "Ich hatte einmal eine 6-Jährige am Telefon, die wissen wollte, wo ihre Mutter ist. Sie sei mit dem Hund raus und schon so lange weg. Ich habe das Mädchen beruhigt, mit ihr über Kinder­serien gesprochen. Die Mutter kam nach kurzer Zeit zurück, bedankte sich bei mir. Das Mädchen meinte dann, ich sei wie eine Superheldin – nur ohne Cape. Da musste ich sehr lachen. Aber das war eine Selbstverständlichkeit, auch wenn es keine Verwaltungsauskunft war."

Tanja Merker

Tanja Merker
Tanja Merker

"Der Verlauf eines Telefonats entscheidet sich immer innerhalb der ersten drei Sekunden," hat Tanja Merker festgestellt. Sie ist seit Oktober 2024 im Team der 115 und liebt ihren Job.

"Man merkt - was ist das für ein Anrufer, hat er gerade ein Problem, ist er aufgebracht. Da müssen wir einfach da sein. Ich habe schon immer mit Menschen zu tun gehabt, das merken die Bürger auch. Ich kann beruhigen, ich sage, wir fangen jetzt erst mal ganz von vorne an. Das ist das Tolle hier: wir arbeiten ohne Druck. Wir helfen dem Bürger, egal welches Problem er hat. Da kann ein Telefonat auch mal etwas länger dauern.

Und das ist auch wichtig für unsere mentale Gesundheit: es tut gut zu wissen, dass wir diesen Menschen geholfen haben. Und wir haben Zeit, den Bürger da abzuholen, wo er gerade ist. Dabei lernen wir aber auch in Schulungen, nicht in den Smalltalk abzudriften. Es soll schon um die Anfrage gehen. Wir wissen, was mit behördlichen Begriffen gemeint ist und können daher gut helfen, das Gesuchte zu finden. Und dann ist hier einfach ein toller Zusammenhalt. Wir unterstützen uns."

Maximilian Blasl

Maximilian Blasl
Maximilian Blasl

"Ein bunter Blumenstrauß"

"Ich bin als Teamleiter vor allem stolz auf meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter." Maximilian Blasl ist zuständig für acht Mitarbeitende und kennt den Alltag im Telefonservice aus eigener Erfahrung.

"Wir haben einen unglaublich bunten Blumenstrauß an Menschen und Anfragen. Jeden Tag erlebe ich, mit wie viel Engagement und Kompetenz meine Kolleginnen und Kollegen versuchen, den Bürgerinnen und Bürgern weiterzuhelfen. Dabei sind wir selbst der Querschnitt der Gesellschaft, so bunt ist unser Team. Hinter der Telefonnummer 115 sitzen keine anonymen Auskunftsmaschinen, sondern Menschen, die zuhören, mitdenken und versuchen, aus einer manchmal komplizierten Verwaltungswelt einen möglichst einfachen Weg für die Bürgerinnen und Bürger zu machen. Das ist für mich der eigentliche Mehrwert unseres Telefonservices: Wir machen Verwaltung nicht nur erreichbar – wir machen sie ein Stück verständlicher. Wir bekommen aber auch mit, wenn Frust oder Unmut in der Bevölkerung herrscht. Wir sind auch Puffer. Daher gibt es Schulungen und psychosoziale Unterstützung."

Information

Die Stadt informiert

"Die Stadt informiert" erscheint in der Regel dienstags in der Süddeutschen Zeitung und im Münchner Merkur. Dieser Beitrag ist vom 1. September 2026.