Wettbewerb Landschaftspark Freiham

Am 30. Juni 2017 wurde die zweite Stufe des landschafts- und freiraumplanerischen Wettbewerbs für den Landschaftspark Freiham entschieden.

Landschaftspark Freiham, Sieger Wettbewerb 2. Stufe

Wettbewerb Stufe 2

Gegenstand der zweiten Wettbewerbsstufe, zu der sich die sechs Preisträger der ersten Wettbewerbsstufe qualifiziert hatten, war die Überarbeitung des in der ersten Stufe erarbeiteten Gesamtkonzeptes und die Realisierung des zirka 20 Hektar umfassenden ersten Bauabschnitts im Süden des Landschaftsparks.

Wettbewerbsverfahren mit prozessbegleitender Bürgerbeteiligung

Am 1. März 2016 beauftragte der Münchner Stadtrat das Baureferat, einen landschafts- und freiraumplanerischen Wettbewerb in zwei Stufen für den Landschaftspark Freiham auszuloben. Dieser wird Ausmaße von zirka zwei Kilometern in der Länge und 200 bis 400 Meter in der Breite haben: zwischen der A 99 im Westen, der künftigen Siedlungsgrenze im Osten, der S-Bahnlinie München-Geltendorf im Norden und der Bodenseestraße im Süden.

Auf Vorschlag des Baureferats hat der Stadtrat bereits im November 2014 entschieden, das Wettbewerbsverfahren für den Landschaftspark mit einer prozessbegleitenden Bürgerbeteiligung unter wissenschaftlicher Begleitung zu verknüpfen. Damit wird eine größtmögliche Akzeptanz der Planungen geschaffen und sowohl der stadtweiten Bedeutung des Landschaftsparks, als auch dem Umstand, dass das Neubauviertel Freiham erst in den kommenden Jahren entstehen wird, Rechnung getragen. Das zweistufige Vorgehen ermöglicht überdies, die Bürgerbeteiligung nicht nur im Vorfeld und nach Abschluss der beiden Wettbewerbe (Konzeptstufe und Realisierungsstufe) durchzuführen, sondern zusätzlich zwischen den beiden Stufen eine Phase der Bürgerbeteiligung anzubieten. Ziel war es, einerseits die gesamte interessierte Öffentlichkeit einzubinden und zu informieren und andererseits eine Gruppe von Münchnerinnen und Münchnern zusammenzustellen, die stellvertretend für die künftige Bewohnerschaft an verschiedenen Planungsdialogen mitwirken soll. So flossen bereits bei Planungsbeginn Empfehlungen aus der Bürgerschaft in die Auslobung ein. Vor Start der zweiten Wettbewerbsstufe wurden in einem moderierten Dialog mit der Bürgergruppe die sechs prämierten Arbeiten der ersten Stufe vorgestellt, diskutiert und weitere Empfehlungen für die Weiterbearbeitung abgegeben.

Aufgabenstellung

Am westlichen Rand des in Freiham entstehenden Wohngebiets soll der Landschaftspark auf einer Fläche von etwa 58 Hektar für die angrenzenden Stadtquartiere und -bezirke die Freiflächenversorgung übernehmen. Er dient der Naherholung sowie aktiver Freizeitgestaltung. Darüber hinaus wird er, wie alle anderen großen Münchner Parks, eine überörtliche Anziehungskraft entfalten und gezielt auch aus weiter entfernten Stadtquartieren und den Nachbargemeinden aufgesucht werden.

Die Stadt München hat eine bekannte Tradition der Parkentwicklung, obwohl sie heute eine der am dichtesten bebauten Großstädte Deutschlands ist. Der neue Landschaftspark Freiham soll diese Tradition fortsetzen und unter funktionalen, gestalterischen und ökologischen Gesichtspunkten zu einem zukunftsweisenden Landschaftspark entwickelt werden.

Ziel ist die Entwicklung einer Parklandschaft, die die an sie gestellten Nutzungsansprüche in einem schlüssigen landschaftsarchitektonischen Gestaltungskonzept vereint. Die Bürger wünschen sich eine natürliche und lebendige Gestaltung des Parks.

Gefordert war zum einen die Überarbeitung des Gesamtkonzeptes unter Berücksichtigung der Empfehlungen des Preisgerichts der 1. Wettbewerbsstufe, zum anderen die Landschafts- und Freianlagenplanung für den circa 20 Hektar umfassenden 1. Bauabschnitt im Süden des Landschaftsparks.

Entscheidung des Preisgerichts

Zur zweiten Wettbewerbsstufe hat das Baureferat die sechs Preisträger der ersten Stufe geladen. Unter dem Vorsitz von Professor Gerd Aufmkolk beurteilte das Preisgericht, bestehend aus Baureferentin Rosemarie Hingerl, externen Fachleuten und Vertretern der Stadtratsfraktionen sowie des Bezirksausschusses 22 die eingereichten Arbeiten.

Die Jury vergab folgende Preise

Lützow 7 C. Müller J. Wehberg
Garten- und Landschaftsarchitekten

Prof. Cornelia Müller, Landschaftsarchitektin
Jahn Wehberg, Dipl. Ing. Landschaftsarchitekt
Lützowplatz 7, 10785 Berlin

Mitarbeit:
M.Sc. Carolina Keller, Dipl. Ing. Kristin Keßler,
Dipl. Ing. Tim Hagenhoff

Jury-Beurteilung des 1. Preises

Im Übergang von der Landschaft in den neu entstehenden Stadtraum von Freiham schaffen die Verfasser mit einer Abfolge aus unterschiedlichen Wäldchen, Gehölzgruppen, Lichtungen, Streuobstwiesen und offenen Wiesen eine vielfältig gestaltete und angenehm proportionierte Parklandschaft. Die vorgeschlagene Zunahme der Nutzungsintensität von West nach Ost hin zu den künftigen Baugebieten ist stringent.
Die Verfasser beziehen sich bei der Gestaltung der Parklandschaft auf vorhandene land-schaftliche Motive aus Moosschwaige und Aubinger Lohe und entwickeln ein überzeugendes Vegetationskonzept. Im Westen öffnen sich naturnah zusammengesetzte Wälder in Fortsetzung der Grünfinger zu Lichtungen, die überzeugend zwischen dem Park und der offenen Landschaft vermitteln. Sehr gut gelungen sind auch die Übergänge vom Park zur angrenzenden Wohnbebauung und zum Sportpark. Dem Sportpark ist ein „Foyer“ aus Bäumen vorgelagert, das die Freihamer Allee einbindet und Spiel- und Aufenthaltsangebote aufnimmt. Der Wohnbebauung direkt vorgelagert ist ein Obstbaumfilter, der wie selbstverständlich auf die unterschiedliche Höhenlage der Baufelder zu reagieren vermag. Das westlich angrenzende, teils baumüberstandene Band nimmt mit respektvollem Abstand zur Wohnbebauung eine Vielfalt öffentlicher Einrichtungen und Spielbereiche auf, ohne dass Konflikte mit der Bebauung zu erwarten wären.
Das vielfältige Wegenetz führt die Freihamer Allee geschickt weiter. Neben dieser neuen Parkpromenade werden geschwungene Fußwege und eine Vielzahl von Querungen vorgeschlagen, die den Park sehr gut an den neuen Stadtteil und an die Umgebung anbinden, abwechslungsreiche Raumerlebnisse im Park vermitteln und unterschiedliche Geschwin-digkeiten der Fortbewegung konfliktfrei erlauben. Die Anforderungen an Barrierefreiheit und Inklusion erfüllt der Entwurf wie selbstverständlich.
Angesichts des zu erwarteten Nutzungsdrucks macht die Arbeit eine Vielzahl von Angeboten. Unterstützt durch Erdmodellierungen entwickeln die Verfasser differenziert gestaltete, besondere Orte. Begrüßt werden die Aussichtspunkte, insbesondere der „Alpenblick“, der sich geschickt aus der Landschaftsbrücke heraus entwickelt.
Bereits der erste Bauabschnitt verspricht als vollwertiger Park mit vielfältigen Raum- und Nutzungsangeboten gut zu funktionieren. Dies gilt auch für das Gesamtkonzept, das mit seiner differenzierten Haltung einen gelungenen Beitrag im Wettbewerbsverfahren darstellt.

Baureferentin Rosemarie Hingerl äußert sich sehr zufrieden zum Ergebnis des Realisierungswettbewerbs: „Durch die abwechslungsreiche Gestaltung von Landschaftsbestandteilen und Wegebeziehungen entsteht ein lebendiger Park in bester Münchner Tradition. Der Siegerbeitrag erfüllt mit seinen Raum- und Nutzungsangeboten die Erwartungen, die im Rahmen der Bürgerbeteiligung formuliert wurden. Auch das zentrale Thema Inklusion wird konzeptionell sehr gut gelöst.“

Franz Reschke Landschaftsarchitektur

Franz Reschke, Dipl. Ing. Landschaftsarchitekt
Gneisenaustraße 42, 10961 Berlin

Mitarbeit:
Janina Gäckler, Meruyert Syzdykova, Juliane Wichtmann,
Malgorzata Stryjek, Jan Ole Rolfes

Jury-Beurteilung des 2. Preises

Die Verfasser arbeiten ihre Grundidee der Gestaltung eines Parks in einer regenerationsbedürftigen Landschaft konsequent weiter durch. Die Abfolge linearer Elemente vom Stadtrandgarten anschließend an die Bebauung über eine durchgehende Wiesenzone bis zum lichten Wald vor der Autobahn wird besonders im 1. BA konkretisiert. Geschickt reagiert die Arbeit mit unterschiedlicher Breite der Zonen auf den zur Verfügung stehenden Raum. Es gelingt ein spannungsvolles, fließendes Raumgefüge, das mit Enge und Aufweitung spielt.
Besonders überzeugend ist die Ausbildung der mit dem Begriff „Hutewald“ programmatisch formulierten Waldzone. Sie verspricht im Wechsel von „lichter und dichter“ große räumliche Qualität. Die Integration intensiv genutzter Spiel- und Bewegungsbereiche in die Lichtungen dieser Waldzone ist richtig.
Das Wegesystem mit Führung doppelseitiger Hauptwege entlang der mittleren Wiesenzone bildet eine konsequente Erschließung in Nord-Süd-Richtung, das auch die Freihammer Allee geschickt als Abgrenzung der Waldzone nutzt. Dabei hätte man sich hin und wieder eine Brechung der langen Geraden gewünscht. Das Wegesystem wird durch zahlreiche Querwege ergänzt, die auf die östlich anschließenden Quartiere reagieren. Im Bereich des Hutewaldes bieten sich dem Nutzer des Parks weitere Wegemöglichkeiten, eine Erschließung der Wiesen mit weiteren Pfaden wird angedeutet.
Die Arbeit kommt ohne größere Veränderung des Walls aus, nutzt ihn aber im Zuge eines Panoramaweges zur Aussicht. Die räumliche Zäsur des Parks mit der grünen Brücke wird bewusst präzise konturiert. Dies wird kontrovers diskutiert. Die Wege führen beidseits barrierefrei darüber.
Die Arbeit zeigt auch im Bereich der Wiesen einen sensiblen Umgang mit Räumlichkeit. Angefangen vom Konzept der eingetieften Wiesenfugen zwischen Wall und Wald bis zur Gliederung der Wiesenflächen selbst durch unterschiedlich hohe Vegetation, wird ein lebendiges Raumerlebnis geschaffen, partiell noch gesteigert durch die Ausbildung flacher Mulden, die bei Starkregen fallweise mit Wasser überstauen können.
Auf die Kritik des Preisgerichts geht die Arbeit auch in den meisten anderen Punkten ein: die konsequente Auslagerung lärmintensiver Zonen in den Hutewald, die Konkretisierung der Nutzungen im sogenannten Stadtrandgarten mit Urban Gardening, Kleinkinderspiel etc. sowie die Berücksichtigung des Lärmschutzes nördlich der Kleingärten. Im Bereich der Stadtrandgärten bleibt die Arbeit aber weiterhin etwas vage, auch die Bewältigung des Höhenunterschieds zu den Wiesenflächen ist nicht überzeugend nachgewiesen.
Insgesamt entsteht ein sehr robustes Parkkonzept, das mit der Anlage starker Strukturen etwas Unverwechselbares entstehen lässt und dabei trotz Integration der meisten geforderten Nutzungen auch auf künftigen Nutzungswandel flexibel und sehr qualitativ reagieren kann.

hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH

Barbara Hutter, Dipl. Ing. Landschaftsarchitektin
Stefan Reimann, Dipl. Ing. Landschaftsarchitekt
Möckernstraße 68, 10965 Berlin

Mitarbeit:
Dipl. Ing. Anja Schier, M.Sc. Henning Holk,
B.Sc. Tamara Zimmermann

Fachberater
Martin Mencke trias Planungsgruppe, Glienicke / Nordbahn
B.Sc. Julia Bobertz

Jury-Beurteilung des 3. Preises

Die Arbeit versteht den Entwurf als Erweiterung eines größeren Landschaftsraums, der sich mit dem Münchner Grüngürtel selbstverständlich in Bezug setzt und dadurch auch einen Übergang in den verbindenden Landschaftsraum Germering darstellt. Dieser Entwurfsgedanke überzeugt durch eine gut durchdachte Gliederung in einzelne Teilbereiche. Die drei thematisch unterschiedlichen Teilbereiche sind jeweils gleich gegliedert - in einen Waldsaum am Lärmschutzwall, einen freien offenen Wiesenbereich und einen Grünsaum mit Obstgehölzen entlang der Wohnbebauung bzw. der Sportfelder. Diese Aufteilung wirkt in ihrer Dimensionierung richtig und dem Ort angemessen.
Die Freihamer Allee wird zum zentralen Parkweg, der sich szenografisch durch den Park zieht. Die in der ersten Wettbewerbsstufe kritisch angemerkte Führung des Hauptweges im nordwestlichen  Parkbereich ist in diesem Wegekonzept nachvollziehbar, wurde aber in der Überarbeitung nicht berücksichtigt, wodurch die Problematik im Hinblick auf den Ausbau der A99 bestehen bleibt. Da es sich bei diesem Weg um den Hauptweg handelt, würde bei einer Umplanung das Entwurfskonzept beeinträchtigt.
Der Hauptweg ist über weite Abschnitte zu wenig beschattet. Das Wegenetz ist richtig an die umgebenden Quartiere angeschlossen, wird aber auch als etwas großmaschig angesehen. Die zur Verfügung stehenden Parkwege sind barrierefrei mit relativ geringen Steigungen versehen und somit ist das Ziel des inklusiven Parks erfüllt.
Die Raumbildung wird im Bereich der Grünfugen hervorgehoben, indem der Wald unterbrochen wird und eine sanfte Anböschung des Geländes zum Lärmschutzwall hin erfolgt. Hierdurch entstehen spannungsvolle Situationen, die intime Räume im Waldbereich, offene Wiesenflächen und weite Aussichten in die Landschaft ermöglichen. Während der Wald ein vielfältiges Spielangebot beinhaltet, laden die offen Wiesenflächen zu spontanerer Nutzung ein.
Die Idee einer Eingangsplatzfläche "Wiesenbalkon mit Wildwestgarten" an der Bodenseestraße ist grundsätzlich begrüßenswert, die Dimensionierung und Ausformulierung wird als nicht sinnvoll angesehen, da die Aufenthaltsqualität an der stark befahrenen Bodenseestraße kritisch beurteilt wird.
Die Anordnung der Spielangebote im Randbereich ist funktional und lärmschutztechnisch durchaus richtig. Insbesondere die Ausformulierung des Spielangebotes in den östlichen Quartierssäumen erscheint sehr schematisch und geht zu wenig auf die direkt angrenzenden Nutzungen ein (einerseits Sportnutzung, andererseits Wohnnutzung).
Der gesamte Landschaftspark wird perspektivisch durch Baumfelder in Szene gesetzt, die durch unterschiedlich große Waldfelder gegliedert sind und in ihrer Ausdehnung auf die Dimension des Raums reagieren. Dadurch wird gegenüber den dichteren Grünstrukturen innerhalb der bebauten Quartiere eine landschaftliche
Form von Freiraum als vermittelndes Element geschaffen.
Dieser Grundgedanke, mittels einer freieren Auffassung von Landschaftspark eine komplementäre Gestaltungsidee zu entwickeln, welche die Großzügigkeit vom Wohnen am Stadtrand vermittelt, wird positiv bewertet.

Wettbewerb Stufe 1

Ende Oktober 2016 wurde die erste Stufe des landschafts- und freiraumplanerischen Wettbewerbs für den Landschaftspark Freiham entschieden. Gegenstand der ersten Wettbewerbsstufe, des „Konzeptwettbewerbs“, war der Entwurf eines grundlegenden landschafts- und freiraumplanerischen Gestaltungskonzeptes für den Landschaftspark.

Wettbewerbsverfahren mit prozessbegleitender Bürgerbeteiligung

Am 1. März 2016 beauftragte der Münchner Stadtrat das Baureferat, einen landschafts- und freiraumplanerischen Wettbewerb in zwei Stufen für den Landschaftspark Freiham auszuloben. Gegenstand der ersten Wettbewerbsstufe war der Entwurf eines Gesamtkonzeptes für den Landschaftspark Freiham. Dieser wird Ausmaße von zirka zwei Kilometern in der Länge und 200 bis 400 Meter in der Breite haben: zwischen der A 99 im Westen, der künftigen Siedlungsgrenze im Osten, der S-Bahnlinie München-Geltendorf im Norden und der Bodenseestraße im Süden.

Gegenstand der zweiten Stufe ist der Realisierungswettbewerb für den zirka 20 Hektar umfassenden ersten Bauabschnitt im Süden des Landschaftsparks; er wird voraussichtlich Ende Juni 2017 entschieden.

Auf Vorschlag des Baureferates hat der Stadtrat bereits im November 2014 entschieden, das Wettbewerbsverfahren für den Landschaftspark mit einer prozessbegleitenden Bürgerbeteiligung zu verknüpfen, um eine größtmögliche Akzeptanz der Planungen zu schaffen und sowohl der stadtweiten Bedeutung des Landschaftsparks, als auch dem Umstand, dass das Neubauviertel Freiham erst in den kommenden Jahren entstehen wird, Rechnung zu tragen. Das zweistufige Vorgehen ermöglicht überdies, die Bürgerbeteiligung nicht nur im Vorfeld und nach Abschluss der beiden Wettbewerbe (Konzeptstufe und Realisierungsstufe) durchzuführen, sondern zusätzlich zwischen den beiden Stufen eine Phase der Bürgerbeteiligung durchzuführen. Ziel ist es, einerseits die gesamte interessierte Öffentlichkeit einzubinden und zu informieren und andererseits eine Gruppe von Münchnerinnen und Münchnern zusammenzustellen, die stellvertretend für die künftige Bewohnerschaft an verschiedenen Planungsdialogen mitwirken soll. So werden vor Start der zweiten Wettbewerbsstufe in einem moderierten Dialog mit der Bürgergruppe die prämierten Arbeiten vorgestellt, diskutiert und Empfehlungen für die Weiterbearbeitung abgegeben.

Aufgabenstellung

Am westlichen Rand des in Freiham entstehenden Wohngebiets soll der Landschaftspark auf einer Fläche von etwa 58 Hektar für die angrenzenden Stadtquartiere und -bezirke die Freiflächenversorgung übernehmen. Er dient der Naherholung sowie aktiver Freizeitgestaltung. Darüber hinaus wird er, wie alle anderen großen Münchner Parks, eine überörtliche Anziehungskraft entfalten und gezielt auch aus weiter entfernten Stadtquartieren und den Nachbargemeinden aufgesucht werden.

Die Stadt München hat eine bekannte Tradition der Parkentwicklung, obwohl sie heute eine der am dichtesten bebauten Großstädte Deutschlands ist. Der neue Landschaftspark Freiham soll diese Tradition fortsetzen und unter funktionalen, gestalterischen und ökologischen Gesichtspunkten zu einem zukunftsweisenden Landschaftspark entwickelt werden.

Ziel ist die Entwicklung eines Landschaftsparks, der die an ihn gestellten Nutzungsansprüche in einem schlüssigen landschaftsarchitektonischen Gestaltungskonzept vereint. Die Bürger wünschen sich eine natürliche und lebendige Gestaltung des Parks.

Gefordert war ein Gesamtkonzept der Gestaltung und Nutzung des Landschaftsparks mit Grünstrukturen und Vegetationselementen, Spiel- und Erholungsangeboten, einem zweckmäßigen Wegenetz sowie der Anbindung an die umliegenden bebauten und unbebauten Bereiche.

Entscheidung des Preisgerichts

Zur ersten Wettbewerbsstufe - dem Konzeptwettbewerb - hat das Baureferat acht Landschaftsarchitekturbüros geladen und weitere 30 Teilnehmer über ein vorgeschaltetes Bewerbungsverfahren bestimmt; 28 Arbeiten wurden schließlich eingereicht. Unter dem Vorsitz von Professor Gerd Aufmkolk beurteilte das Preisgericht, bestehend aus Baureferentin Rosemarie Hingerl, externen Fachleuten und Vertretern der Stadtratsfraktionen sowie des Bezirksausschusses 22 die eingereichten Arbeiten und wählte eine Preisgruppe von sechs Arbeiten, die mit gleichwertigen Preisen prämiert wurden, für die Teilnahme an der zweiten Wettbewerbsstufe aus. Diese sind in alphabetischer Reihenfolge:

Hager Partner AG, Zürich

hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH, Berlin

KLA kiparlandschaftsarchitekten GmbH, Duisburg

Lützow 7 C. Müller J. Wehberg, Berlin

realgrün Landschaftsarchitekten, München

Franz Reschke Landschaftsarchitektur, Berlin

„Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis des Konzeptwettbewerbes. Jede der sechs ausgewählten Arbeiten bietet hohes Potential für die weitere Entwicklung im Verfahren“, erklärt Baureferentin Rosemarie Hingerl.

Die Beurteilung der prämierten Arbeiten durch das Preisgericht

Pascal Posset Dipl. Ing. Landschaftsarchitekt
Bergstraße 50, 8032 Zürich

Mitarbeit
Dipl. Ing. Architektur Mirjam Scharnofske

Hilfskräfte
B. Sc. Landschaftsarchitektur David Obernberger

Bewertung der Jury

positive Aspekte:

  • Thema „Weite“ ist gelungenes Leitbild für den Landschaftspark
  • ruhiges Erscheinungsbild durch den bewussten Einsatz weniger ausgewählter Gestaltungselemente: Waldrahmen, Wiesental, Parkweg
  • Die vorgeschlagenen Geländemodellierungen binden den Lärmschutzwall überzeugend in den Park ein und korrespondieren harmonisch mit den Baumpflanzungen.
  • sehr schöne Parkkulisse im Westen des Parks auf der flach verzogenen Böschung
  • Lage der an der westlichen Waldkante für Spiel und Sport vorgesehenen Flächen für Spiel und Sport überzeugt räumlich, allerdings sind die Flächen zu klein dimensioniert und teilweise zu stark schallexponiert
  • Lage der Kleingärten am Nordrand hinsichtlich Parkierung und Zugänglichkeit sinnvoll, allerdings Schallschutzmaßnahme direkt entlang der Bahnlinie mit Magerrasenflächen für Eidechsen erforderlich
  • Entwurf bewegt sich bei den Herstellungs- und Unterhaltskosten im wirtschaftlichen Rahmen

Kritikpunkte:

  • fehlende Ausdifferenzierung der Wälder an der westlichen Parkkante (differenzierte Waldtypen, Lichtungen o.ä.)
  • Hauptwegeführung könnte spannungsvoller sein
  • Gestaltung der Parkfinger sehr sparsam
  • Urban Gardening könnte besser in den Park integriert werden
  • zu dichte Waldpflanzungen direkt an der Wohnbebauung, lockere Ausgestaltung wünschenswert
  • konfliktträchtige Lage von sozialen Einrichtungen und Spielplätzen direkt an den Wohngebäuden
  • West-Ost-Querungen durch den Landschaftspark unklar und keine überzeugende Anbindung nach Norden über S-Bahn-Gleise
  • Parkeingang im Süden durch Parkplatz überzeugt nicht
  • Platz als Parkeingang im Norden an den Kleingärten unklar
  • Wegeführung im Süden bindet nicht optimal an die Freihamer Allee an

Barbara Hutter, Dipl. Ing. Landschaftsarchitektin
Stefan Reimann, Dipl. Ing. Landschaftsarchitekt
Möckernstraße 68, 10965 Berlin

Mitarbeit
Dipl. Ing. Anja Schier, M. Sc. Henning Holk
B.Sc. Janika Schmidt, Antonia Eger, Nikola Pohl

Bewertung der Jury

positive Aspekte:

  • Die Arbeit weist klare Zonierungen auf. Eine großzügige Wallstruktur bildet den westlichen Rand des Parks, eine durchgehende Wiesenfläche bildet das Zentrum des Parks und zur Bebauung hin entsteht eine locker mit Bäumen bestandene Übergangszone.
  • Der durchgehende zentrale Raum schafft eine Großzügigkeit und Weite.
  • Beide Ränder sind differenziert gehalten und schaffen jeweils eine bewegte räumliche Kante.
  • Die Funktionen wie Freizeit und Spiel- und Sportnutzungen werden jeweils in die räumlichen Vegetationsstrukturen integriert und lassen so den mittleren Wiesenraum für informelle Nutzungen frei.
  • Die Topografie des Lärmschutzwalles wird in Teilbereichen auf Höhe der Grünfinger angepasst: Hier entstehen nutzbare abgeflachte Wiesen.
  • Es entsteht ein differenziertes Wegesystem mit Haupt-, Neben- und Rundwegen.
  • Die drei Waldzonen am westlichen Parkrand werden in jeweils unterschiedliche Waldbilder differenziert, die den jeweiligen Bereichen eine unterschiedliche Identität geben.
  • Die Freihamer Allee wird fortgesetzt und schafft Orientierung.
  • Die Anordnung der Kleingartenanlage im Norden ermöglicht eine gute Erschließung und wird positiv gesehen.

Kritikpunkte:

  • Die Führung des Hauptweges auf dem Damm im nordwestlichen Parkbereich wird kritisch gesehen, da hier voraussichtlich aus Sicherheitsgründen ein Zaun bzw. Abgrenzung zur steilen Böschung Richtung Autobahn erforderlich sein wird.
  • Die Wegeverbindung nach Norden fehlt.
  • Lärmschutz für die Kleingartenanlage fehlt.
  • Der vorgeschlagene See wird aufgrund der hohen Unterhaltskosten (wg. Verschlammung etc.) kritisch bewertet. Ebenso in Kombination mit der Rampe zum Höhenweg.
  • Die Intensität der Aktivitäten (Lärm) in der Pufferzone wird problematisch gesehen. Hier entstehen Konflikte mit der Wohnbebauung. Diese sind zu reduzieren.
  • Die Nutzungsmöglichkeiten des Waldes werden nicht deutlich. Die drei vorgeschlagenen Themen werden in der Umsetzung zu prüfen sein.
  • Korridor Zauneidechsen nicht dargestellt.

Dr. (I) Arch., Dipl. Ing. Andreas Kipar
Landschaftsarchitekt
Philosophenweg 61, 47051 Duisburg

Mitarbeit
Dipl. Ing. Stadtplanerin Susanne Gombert
Dipl. Ing. Landschaftsarchitektin Kornelia Keil
M. Sc. Raumentwicklung und Landschaftsarchitektur
Martin Thoma

Bewertung der Jury

positive Aspekte:

  • sensibler Umgang mit der Topographie des Lärmschutzwalls
  • Der Wall wird zum Landschaftselement erweitert (Landschaftskamm).
  • Höhenweg auf dem Landschaftskamm erlaubt gute Übersicht bzw. Fernsicht.
  • Die Kammstruktur erzeugt diverse, spannungsreiche, gut nutzbare Teilräume (Kammern).
  • gute Ost-West-Anbindung der Wohnquartiere
  • Die Freihammer Allee wird wie selbstverständlich aufgenommen.

Kritikpunkte:

  • stringente, schematische Führung der Hauptwege
  • schützenswerte Spiel- und Sportflächen auf dem Wall wegen Lärm und Sicherheit nicht möglich
  • der Lage im Stadtraum unangemessen breite Promenade an der Stadtkante
  • Stellplätze der Kleingartenanlagen zu weit entfernt angeordnet
  • Lärmschutz der Kleingartenanlage fehlt, ist erforderlich

Garten und Landschaftsarchitekten
Prof. Cornelia Müller, Landschaftsarchitektin
Jahn Wehberg, Dipl. Ing., Landschaftsarchitekt
Lützowplatz 7, 10785 Berlin

Mitarbeit
M. Sc. Carolina Keller
Dipl. Ing. Kristin Keßler
Dipl. Ing. Tim Hagenhoff

Bewertung der Jury

Der Entwurf generiert eine Dramaturgie aus unterschiedlichen Raumfolgen (offene Räume, geschlossene Räume) von Süd nach Nord. Der Lärmschutzwall wird durch einen dichten Gehölzgürtel abgepflanzt und es entsteht ein grünes Rückgrat für den Park. Als Pendant zum grünen Rückgrat wird der Park zur Stadtkante hin durch ein grünes Band gefasst, was auf zwei Ebenen zwischen Stadt und Parkfläche vermittelt. Im direkten Anschluss zur städtebaulichen Kante wird ein grüner Filter ausgebildet, der durch lockere Gehölzpflanzung bestanden ist. Auf einer darunter liegenden Ebene werden vielfältige wohnungsnahe Freiraumnutzungen angeboten.

Zur linearen Topographie des Lärmschutzwalls werden punktuell Kontrapunkte gesetzt, die besondere Nutzung aufnehmen, wie z.B. die vier verschiedenen Aussichtspunkte, die Blicke über den Lärmschutzwall ermöglichen und barrierefrei erschlossen sind.

positive Aspekte:

  • Erschließungssystem mit kleinen Punkten hilft, das komplexe Nutzungsprogramm auf die Fläche zu bringen. Das Erschließungssystem besteht aus Wegen unterschiedlicher Hierarchie. Ein Promenadenweg erschließt den Park auf schnellem Weg und definiert klare Eingangsbereiche im Norden und Süden. Ein Serpentinenweg lädt zum Flanieren ein und eröffnet immer wieder überraschende Blicke in den Park. Darüber hinaus sind ein Haupt- und ein Nebenradweg vorgesehen. Die Freihamer Allee wird fortgeführt und mündet in einen kleinen Platz. Die intensiveren Nutzungen werden punktuell an Kreuzungspunkten des Wegesystems im Park verteilt.
  • Es liegt ein differenziertes Konzept für die Vegetationsstrukturen mit Biotopvernetzung und die Leitbaumarten vor.
  • Das Konzept bietet Räume unterschiedlicher Qualität und Nutzungen an. Wie z.B. Flächen für Urban Gardening, Spiel- und Liegewiesen, Kleingartenanlagen, welche sich gut in die Parkstrukturen einfügen und eine hohe Aufenthaltsqualität bieten.
  • Intensivere Freiraumnutzungen werden am Fuß des Walles und am Sportcampus konzentriert.
  • Bei Großzügigkeit der Gesamtkomposition gute Differenzierung im Detail.

Kritikpunkte:

  • Kritisch gesehen wird der See mit Café und Veranstaltungsplatz hinsichtlich Pflege, Wirtschaftlichkeit und Erschließung.
  • Fehlender Lärmschutz an der Kleingartenanlage.

Klaus - D. Neumann, Dipl. Ing., Landschaftsarchitekt
Wolf D. Auch, Dipl. Ing., Landschaftsarchitekt
Mariahilfstraße 6, 81541 München

Mitarbeit
Lynn Hennies
Lukas Rückauer
Patrizia Scheid
Michael Schmölz

Bewertung der Jury

positive Aspekte:

  • in Fortsetzung der Freihamer Allee zentrale Wegeführung (getrennt nach Rad- und Fußweg) bis zur S-Bahn im Norden, von einem lichten Baumhain begleitet
  • klare Anbindung der Wegeführungen aus den Grünfingern mit Vernetzung der Wohnquartiere
  • abwechslungsreiche Baumstellungen mit Auflockerungen und Verdichtungen
  • Anordnung der Spieleinrichtungen am Rundweg, abgerückt vom ruhigen Zentralweg mit Lärmschutz durch Absenken gegenüber der Wohnbebauung
  • großzügige Wiesenflächen auf Plateaus, die vielfältige freie Nutzungen ermöglichen
  • sinnvolle Anordnung von Kleingärten im Norden mit Gastronomie sowie Urban Gardening mit Kiosk am südlichen Grünfinger

Kritikpunkte:

  • erhöhte Wiesenplateaus verursachen hohe Herstellungskosten und erschweren die Barrierefreiheit
  • unattraktive räumliche Fassung der Wiesenflächen im Westen durch den unveränderten Lärmschutzwall
  • fragliche Lärmschutzwirkung durch Absenken der Jugendspieleinrichtungen zur Wohnbebauung
  • Lärmschutzwand entlang S4 beeinträchtigt Magerrasenband (Zauneidechsenhabitat)

Franz Reschke, Dipl. Ing. Landschaftsarchitekt
Gneisenaustraße 42, 10961 Berlin

Mitarbeit
Janina Gäckler
Nild Belting
Juliane Wichtmann

Bewertung der Jury

positive Aspekte:

  • Wegeführung: Die Freihamer Allee führt überzeugend von Süden durch den gesamten Park und findet Anschluss im Norden über eine neu zu schaffende Brücke über die S-Bahn.
  • Klare Wegeführung, die das Raster der Bebauung aufnimmt.
  • Der Hutewald zwischen Bodenseestraße im Süden und dem Germeringer Weg im Norden nimmt vielfältige Aktivitäten in seinen ausgeprägten Lichtungen auf.
  • Das vorhandene Sickerbecken am Lärmschutzwall wird geschickt kaschiert.
  • Die Kleingärten sind gut erschlossen im Norden situiert.
  • Geothermie und die ökologische Ausgleichsfläche werden im Norden gestalterisch gut eingebunden.
  • Die großzügige, zusammenhängende Wiesenfläche lässt vielfältige Nutzungen zu.

Kritikpunkte:

  • Die öffentlichen Nutzungen / Spielflächen am westlichen Stadtrand sind zu nahe an der Bebauung, Konflikte vorprogrammiert.
  • In der Auseinandersetzung mit dem Element Wasser in einer anderen Form als ein See fehlt ein Vorschlag.
  • Die Ausgestaltung des Stadtgartens vor der Bebauung bleibt sehr vage und formal fragwürdig.
  • Lärmschutz für Kleingartenanlage fehlt.
  • Korridor Zauneidechsen nicht dargestellt.