Theaterpreis
Alle drei Jahre verleiht die Landeshauptstadt München den Theaterpreis für das herausragende Gesamtwerk.
Für ein herausragendes Gesamtwerk
Alle drei Jahre verleiht die Landeshauptstadt München – alternierend mit dem Tanzpreis und dem Musikpreis – den mit 10.000 Euro dotierten Theaterpreis für das herausragende Gesamtwerk von Künstlerinnen und Künstlern aus allen theatralen Schaffensbereichen (Schauspiel, Regie, Bühnenbild etc.).
Als Preisträgerinnen und Preisträger kommen nur Künstlerinnen und Künstler bzw. Ensembles in Betracht, die ihren Wohnsitz bzw. ihre Wirkungsstätte in München / der Region München haben und / oder deren Schaffen mit dem Theaterleben Münchens eng verknüpft ist. Vorschlagsrecht hat eine vom Stadtrat berufene Kommission, bestehend aus Fachjuroreninnen sowie Fachjuroren und Mitgliedern des ehrenamtlichen Stadtrats. Eigenbewerbung ist nicht möglich.
Den Theaterpreis erhielten
Jurybegründung
Hat München je eine Dramatikerin vom Format einer Marie-Luise Fleißer hervorgebracht? Eine Theaterautorin, welche die sozialen Verwerfungen unserer Gesellschaft mitsamt ihren durch Ordnungs- und Herrschaftsformen verbeulten Menschen derart scharf ins Auge fasst, dass man als Publikum zwischen dem Schmerz des Lachens und dem Schmerz der Bestürzung, der Empörung, der Wut nicht mehr unterscheiden kann? Nun. Hier ist sie: Nora Abdel-Maksoud.
Die 1983 in München geborene und aufgewachsene Dramatikerin, Regisseurin und Schauspielerin hat der Stadt das neue deutsche Volkstheater beschert. Im Blick dabei ein „Volk“, das Dank vielerlei Herkünfte vielerlei Geschichten in sich birgt. Gestartet in einem Kreuzberger Hinterhof, wo sie am Berliner Ballhaus Naunynstraße das sogenannte „postmigrantische Theater“ miterfand, führte ihre Karriere über das Münchner Volkstheater an die Maximilianstraße, ins Zentrum des Wohlstands und Bling-Blings.
Hier, an den Münchner Kammerspielen, entfalten ihre Theaterarbeiten seitdem ihre maximale Schärfe. „Jeeps“, „Doping“, „Wokey Wokey“ – man bräuchte das schwindelerregend hochtourige Sprechtempo ihrer Inszenierungen, um all die gesellschaftlichen Disruptionen aufzuzählen, die ihre aberwitzig in Schräglage versetzten Schauspieler*innen seitdem verhandeln. Über allem schweben, wie es auch Davide, der Lieferando-Fahrer aus Abdel-Maksouds „Rabatt“ skizziert, soziologische Theorien, etwa Pierre Bourdieus „Doxa“-Konzept. Dies beschreibt die unhinterfragten Überzeugungen einer Gesellschaft, mittels derer sich selbst Herrschaftsformen zu legitimieren wissen, die bei Lichte betrachtet dramatische soziale Ungleichheiten produzieren. Nora Abdel-Maksouds Stücke knipsen, um in der Metapher zu bleiben, alle Lampen an. Ein Vorgang, der die reichste Stadt Deutschlands, in der trotz des Wohlstands jede sechste Person als armutsgefährdet gilt, mitten ins Herz trifft. Und das auf großer Bühne.
Ihre Theaterarbeiten, die sie größtenteils selbst inszeniert und auch u.a. nach Berlin und Zürich exportiert, sind dabei keine vor Agitation scheppernden Dramen, sondern vielschichtige Kompositionen aus Screwball-Komödie, Sprachwitz und intellektueller Analyse, in denen alle, Ober-, Unter- wie Mittelschicht, im Schleudergang der Selbstreflexion bitterböse Momente der Erkenntnis erleben. Dies brachte ihr immer wieder Einladungen zu den großen Dramatiker*innen-Festivals Deutschlands ein. Sowie Auslastungszahlen, von denen andere nur träumen können (bis zu 99 Prozent!). Alle reden von Spaltung? Nora Abdel-Maksoud bringt die Gesellschaft zusammen. Im Lachen. Im Irrwitz. Und im Nachdenken über die zentrale Frage der Gegenwart: Wie wollen wir als Gesellschaft zukünftig miteinander leben?
Mitglieder der Jury
Der Jury unter dem Vorsitz von Kulturreferent Marek Wiechers gehörten an: Tilmann Broszat, (Theaterschaffender, Preisträger 2008), Prof. Dorte Lena Eilers (Professorin für Kulturjournalismus), Manon Haase (Kuratorin und Projektmanagerin), Ruth Geiersberger (Performancekünstlerin, Preisträgerin 2023), Stefan Merki (Schauspieler), Sahar Rahimi (Regisseurin und Performancekünstlerin), sowie aus dem Stadtrat: Stadtrat Leo Agerer (Fraktion der CSU mit FREIE WÄHLER), Stadtrat Jens Luther (Fraktion der CSU mit FREIE WÄHLER), Stadträt*in Mo Lovis Lüttig (Fraktion Die Grünen - Rosa Liste – Volt), Stadträtin Angelika Pilz-Strasser (Fraktion Die Grünen - Rosa Liste – Volt), Stadträtin Julia Schönfeld-Knor (SPD – Fraktion).
- 2026: Nora Abdel-Maksoud
- 2023: Ruth Geiersberger
- 2020: Walter Hess
- 2017: Annette Paulmann
- 2014: Christian Stückl
- 2011: Brigitte Hobmeier
- 2008: Tilmann Broszat und Gottfried Hattinger
- 2005: Jennifer Minetti
- 2002: George Froscher
- 1999: Dr. Elisabeth Schweeger
- 1997: Alexeij Sagerer
- 1995: Prof. Jürgen Rose
- 1993: Jörg Hube
- 1992: Max Keller