Warum München städtische Schulen braucht

Städtische Schulen verbinden staatliche Bildungsstandards mit individueller Förderung. Sie schaffen Chancen, stärken Integration und reagieren flexibel auf Bedarfe.

Foto: Vier Schüler*innen arbeiten gemeinsam an einer Werkbank mit Holz im Werkraum der Mittelschule an der Rockefellerstraße.
Referat für Bildung und Sport / Amelie Niederbuchner

Was städtische Schulen auszeichnet

München betreibt 127 städtische Schulen, die von rund 68.000 Schüler*innen besucht werden. Es sind öffentliche Schulen, die den schulrechtlichen Vorgaben und Lehrplänen des Freistaats Bayern folgen. Sie führen zu denselben anerkannten Abschlüssen wie staatliche Schulen.

Was die städtischen Schulen auszeichnet, ist ihr zusätzlicher Gestaltungsspielraum: Als Schulträgerin und Arbeitgeberin des pädagogischen Personals kann die Landeshauptstadt München über die staatlichen Vorgaben hinaus eigene bildungspolitische Akzente setzen. Sie kann zusätzliche Angebote finanzieren und damit gezielt auf die besonderen Anforderungen einer wachsenden, vielfältigen und internationalen Großstadt reagieren. Über die bildungspolitischen Schwerpunkte entscheidet der Münchner Stadtrat.

Referat für Bildung und Sport / Amelie Niederbuchner
Erfolg

Das städtische Schulwesen in Zahlen

127 städtische Schulen, rund 68.000 Schüler*innen und ein gemeinsames Ziel: Bildungserfolg unabhängig von Herkunft, Einkommen oder individuellen Voraussetzungen. Zu den städtischen Schulen gehören: 20 Realschulen, 14 Gymnasien, eine Gesamtschule, eine schulartunabhängige Orientierungsstufe, drei Schulen des zweiten Bildungswegs und 88 berufliche Schulen.

Die Vorteile des kommunalen Schulwesens

Referat für Bildung und Sport / Amelie Niederbuchner

München ist vielfältig. Kinder und Jugendliche bringen unterschiedliche sprachliche, soziale und persönliche Voraussetzungen mit. Die städtischen Schulen nehmen diese Vielfalt auf und unterstützen Schüler*innen gezielt dabei, ihre Potenziale zu entfalten und einen erfolgreichen Schulabschluss zu erreichen.

Wie gut das gelingt, zeigen die Ergebnisse: Im Schuljahr 2023/2024 hatten 38 Prozent der Schüler*innen an städtischen Gymnasien einen Migrationshintergrund. An den staatlichen Gymnasien in München waren es 28 Prozent, an den staatlichen Gymnasien in Bayern 17 Prozent. Trotz dieser unterschiedlichen Ausgangslage sind die Abiturschnitte an den städtischen Gymnasien beinahe identisch mit dem Landesdurchschnitt.

An den städtischen Realschulen haben rund 55 Prozent der Schüler*innen einen Migrationshintergrund. Gleichzeitig erwarben zuletzt 98 Prozent der Abschlussschüler*innen erfolgreich die Mittlere Reife. Diese Ergebnisse zeigen: Eine vielfältige Schülerschaft und erfolgreiche Bildungsabschlüsse sind kein Widerspruch. Zusätzliche Förderung kann dazu beitragen, unterschiedliche Startbedingungen auszugleichen und Schulen zu Orten gelingender Integration zu machen.

Referat für Bildung und Sport / Tobias Hase
Städtische Willy-Brandt-Gesamtschule

Allgemeinbildende Schulen

Bei den allgemeinbildenden Schulen verfolgt die Landeshauptstadt München einen sozialräumlichen Förderansatz. Das bedeutet: Die zusätzliche Unterstützung richtet sich auch nach den Bedingungen am jeweiligen Schulstandort. Schulen mit besonderem Unterstützungsbedarf erhalten zusätzliche Ressourcen – zum Beispiel für Sprachförderung, individuelle Förderung, Alltagskompetenzen und kulturelle Bildung.
Hintergrund ist, dass Bildungschancen auch innerhalb Münchens unterschiedlich verteilt sind und der Bildungserfolg weiterhin eng mit der sozialen Herkunft zusammenhängt. Das zeigt sich unter anderem am Zusammenhang zwischen dem Sozialindex einer Grundschule und der Übertrittsquote ans Gymnasium.
Die zusätzlichen Ressourcen und eigenen pädagogischen Schwerpunkte der städtischen allgemeinbildenden Schulen werden im „Münchner Weg“ gebündelt. Das pädagogische Gesamtkonzept wird seit den 1990er-Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Neben der bedarfsorientierten Förderung einzelner Schulstandorte stellt die Stadt zusätzliche Ressourcen für Maßnahmen und Angebote bereit, von denen städtische Schularten profitieren.

Dazu gehören unter anderem:

  • das Münchner Lernhauskonzept,
  • zusätzliche Schulpsychologie und Sozialpädagogik,
  • Inklusion und Beratung,
  • Medienpädagogik,
  • Demokratiebildung,
  • Bildung für nachhaltige Entwicklung,
  • geschlechtergerechte Pädagogik und Chancengleichheit für alle Geschlechter sowie
  • ganztägige Bildung, insbesondere der offene Ganztag mit rhythmisierten Elementen an den städtischen Gymnasien.

Der Münchner Weg orientiert sich an den unterschiedlichen Bedürfnissen und Fähigkeiten der Schüler*innen. Ziel ist es, Bildungserfolg unabhängiger von der sozialen Herkunft zu ermöglichen und Bildungschancen gerechter zu verteilen.

Berufliche Schulen

Auch an den beruflichen Schulen setzt die Landeshauptstadt München zusätzliche Ressourcen bedarfsorientiert ein. Anders als bei den allgemeinbildenden Schulen richtet sich die Förderung dabei weniger nach dem Schulstandort als nach den konkreten Bedarfen der Schüler*innen. Ein Schwerpunkt liegt auf der sprachlichen und individuellen Förderung.

Ein Beispiel ist die Deutschförderoffensive. Dabei wird der Sprachunterricht für neu zugewanderte Schüler*innen in den regulären Stundenplan integriert. Das erleichtert die Teilnahme und unterstützt die Schüler*innen dabei, ihre Deutschkenntnisse parallel zur beruflichen Ausbildung weiterzuentwickeln.

Die zusätzlichen Angebote sollen mehr Bildungsgerechtigkeit ermöglichen und gleichzeitig die berufliche Qualifizierung stärken. Davon profitieren auch Unternehmen und Branchen, die besonders vom Fachkräftemangel betroffen sind.

Als kommunale Schulträgerin kann die Stadt darüber hinaus bestehende Ausbildungswege weiterentwickeln und auf neue Bedarfe reagieren. Ein Beispiel ist das KiPrax-Modell in der Kinderpflegeausbildung. Ein höherer Praxisanteil und eine zusätzliche Vergütung sollen die Ausbildung attraktiver machen.

Auch bei der Vollzeit-Weiterbildung zur staatlich anerkannten Heilpädagog*in hat die Stadt die Rahmenbedingungen angepasst: Fachkräfte können während der Weiterbildung weiterhin als pädagogische Fachkraft tätig sein. So verbinden sie Weiterbildung und Berufspraxis und beziehen weiterhin ein Einkommen.

Kommunale Schule in der Praxis

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Praxisbeispiel: Feuerwehrberufe

Mit zwei Berufsfachschulen für Feuerwehrberufe reagiert die Landeshauptstadt München auf den Fachkräftemangel bei der Münchner Berufsfeuerwehr. Die Berufsfachschule für Leitstellenwesen und die Berufsfachschule für Feuerwehrhandwerk ermöglichen Schüler*innen, direkt nach dem Schulabschluss eine Ausbildung für einen Feuerwehrberuf zu beginnen. Bisher mussten Interessent*innen zunächst eine andere Ausbildung abschließen, bevor sie sich für einen Feuerwehrberuf weiterqualifizieren konnten. Diese zusätzliche Hürde entfällt mit den neuen Ausbildungswegen.

Praxisbeispiel: Berufsintegration

Auf dem Bild ist ein Schüler der Berufsschule zu sehen, der an einem Rad in der Fahrradwerkstatt etwas repariert.

2016 hat die Landeshauptstadt München mit der Gründung der Städtischen Berufsschule zur Berufsintegration auf die seit 2015 gestiegene Zahl neu zugewanderter Menschen reagiert. Die Berufsschule verbindet Sprachförderung, Allgemeinbildung, berufliche Qualifizierung und werteorientierte Persönlichkeitsbildung. In zwei aufeinander aufbauenden Schuljahren können die jungen Erwachsenen den erfolgreichen oder den qualifizierenden Mittelschulabschluss erwerben. Damit schaffen sie eine wichtige Voraussetzung für ihre berufliche Perspektive und gesellschaftliche Teilhabe.

Ein starkes München-Netzwerk eröffnet außerschulische Lernorte

Ob allgemeinbildende oder berufliche Schulen: Das Referat für Bildung und Sport fördert und organisiert die Zusammenarbeit der städtischen Schulen. Gemeinsame Strukturen und Standards ermöglichen es, Synergien zu nutzen, Ressourcen effizient einzusetzen und gleichzeitig auf die individuellen Bedarfe der einzelnen Schulen einzugehen.
Die kommunale Struktur erleichtert zudem die Zusammenarbeit mit anderen städtischen Stellen sowie mit freien Trägern, Vereinen, kulturellen Einrichtungen, Betrieben, Kammern und Innungen. So erhalten Schüler*innen vielseitigen Zugang zu außerschulischen Lernorten, Beratungsangeboten, kultureller Bildung, Sport und Kontakten in die Arbeitswelt.

Fazit: Warum München städtische Schulen braucht

Städtische Schulen geben München die Möglichkeit, Bildungspolitik gezielt an den Herausforderungen und Chancen der eigenen Stadt auszurichten. Sie verbinden die verlässlichen Standards des bayerischen Bildungssystems mit zusätzlicher Förderung, kommunalen Gestaltungsmöglichkeiten und schnellen Antworten auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen. So kann München dort gezielt handeln, wo unterschiedliche Startbedingungen Bildungschancen beeinträchtigen oder neue Bedarfe entstehen. Das städtische Schulwesen ist damit ein wichtiges Instrument für mehr Bildungsgerechtigkeit, gelingende Integration und die Zukunftsfähigkeit Münchens.

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Investitionen in die kommunalen Schulen sind Investitionen in Bildungsgerechtigkeit. Sie stärken die Teilhabe junger Menschen und damit langfristig auch den Wirtschaftsstandort, den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserer Stadt und unsere Demokratie.

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Florian Kraus Stadtschulrat der Landeshauptstadt München

Wir reagieren mit Bildungsangeboten auf die Herausforderungen in der Großstadt München. Das sind andere als auf dem Land. Die Anpassungsfähigkeit der städtischen Schulen ist eine Stärke, die muss man ausspielen.

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Peter Scheifele Stadtdirektor, Referat für Bildung und Sport