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Machbarkeitsstudie Seilbahn

Gutachterteam empfiehlt vertiefte Untersuchung der Teilstrecke über die Isar nach Unterföhring – keine Realisierung am Frankfurter Ring

Machbarkeitsstudie zur Seilbahn im Münchner Norden:

Visualisierung einer Seilbahn (bauchplan, 2018)
Visualisierung einer Seilbahn (bauchplan, 2018)

Gutachterteam empfiehlt vertiefte Untersuchung der Teilstrecke über die Isar nach Unterföhring – keine Realisierung am Frankfurter Ring

(16.2.2022) Die Machbarkeitsstudie zur Seilbahn am Frankfurter Ring hat ergeben, dass sie technisch grundsätzlich realisierbar und auch städtebaulich und naturräumlich integrierbar wäre. Allerdings bringt sie kaum neue Fahrgäste im Vergleich zu den untersuchten Alternativen Tram und Expressbus. Dafür sind die Kosten mit geschätzt 433 Mio. Euro ausgesprochen hoch.

Hohe Kosten und ein vergleichsweise geringer Nutzen werden zwar auch für eine Realisierung über die Isar nach Unterföhring prognostiziert. Dennoch spielt eine Seilbahn bei der Querung eines Hindernisses ihre Stärken aus. Daher empfiehlt das Gutachterteam, eine Verbindung zwischen Studentenstadt und Unterföhring vertieft zu untersuchen.

Oberbürgermeister Dieter Reiter: „Schade, dass die gewählte Streckenführung offenbar – entgegen der ursprünglichen Einschätzung der Verwaltung – keinen nennenswerten verkehrlichen Nutzen, aber vergleichsweise hohe Kosten bedeuten würde. Deshalb werde ich die Verwaltung bitten, darüber nachzudenken, ob es im Stadtgebiet, beziehungsweise in Verbindung mit der Region, Strecken gibt, die einen verkehrlichen Nutzen zu vertretbaren Kosten bringen. Auch über das Teilstück nach Unterföhring wird der Stadtrat in diesem Zusammenhang entscheiden.“

Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer: „Als Verkehrsministerium denken wir Mobilität breit. Urbane Seilbahnen können vor allem dort ihre Stärke ausspielen, wo Hindernisse überquert werden müssen – das zeigt das Gutachten noch einmal deutlich auf. Wir haben die Machbarkeitsstudie als Freistaat gerne unterstützt und würden uns freuen, wenn die Landeshauptstadt die Pläne in Bezug auf eine Trasse über die Isar nach Unterföhring weiterverfolgen würde.“

Georg Dunkel, Mobilitätsreferent der Landeshauptstadt München: „Wir sind als Mobilitätsreferat immer auf der Suche nach effizienten Lösungen. Die Machbarkeitsstudie hat ein klares Ergebnis: Die Seilbahn wäre zwar realisierbar, aber sie brächte keine spürbare Verbesserung für die Verkehrssituation am Frankfurter Ring, und das bei relativ hohen Kosten. Für die Lösung der Verkehrsprobleme im Münchner Norden werden wir insbesondere für den Öffentlichen Verkehr alternative Lösungen entwickeln.“

Ob und wie es weitergeht, darüber beraten nun die zuständigen Gremien auf der Grundlage der Empfehlungen der Gutachter und der Verwaltung. Für den Münchner Stadtrat ist noch in der ersten Jahreshälfte eine Beschlussvorlage geplant.

Die Machbarkeitsstudie wurde vom Mobilitätsreferat der Landeshauptstadt München in Auftrag gegeben, um neue Möglichkeiten auszuloten, wie die Verkehrssituation am Frankfurter Ring verbessert werden könnte. Verglichen wurden dabei eine Seilbahn, eine Straßenbahn und eine Expressbuslinie als alternative ÖPNV-Systeme hinsichtlich des Fahrgastpotenzials und der Kosten. Außerdem wurden die technische Machbarkeit sowie städtebauliche und naturräumliche Aspekte untersucht. Wegen ihrer überregionalen Bedeutung wurde die Studie zur Hälfte vom Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr (StMB) bezuschusst. Die Stadtwerke München GmbH und weitere städtische und staatliche Fachstellen waren eingebunden.

Für die Studie wurden neun Streckenvarianten begutachtet. Die knapp elf Kilometer lange Strecke entlang des Frankfurter Rings zwischen dem S-Bahnhöfen Fasanerie und Unterföhring weist dabei für die Seilbahn mit 23.000 Fahrgästen/Tag das größte Fahrgastpotenzial auf. Daher wurde sie als Vorzugsvariante vertieft untersucht. Es wurden u.a. Straßenquerschnitte und die Situierung von Umlenkbauwerken geprüft, außerdem z.B. mögliche Abschattungen durch Stationsbauten oder Kabinen sowie eventuelle Sicht- und Geräuschbelastungen der Anwohnerschaft.

Eine Seilbahn könnte demnach als Dreiseil-Umlaufbahn betrieben werden: In jeder der 84 Kabinen, die für den urbanen Betrieb eher schmal sein müssen, fänden ca. 20 Personen Platz. Die Kabinen würden im Abstand von 45 Sekunden (260 Metern) in die mittig gelegenen Haltestationen einfahren und dort ca. 33 Sekunden bleiben. Die Fahrzeit einer Kabine für die Strecke mit neun Haltestellen läge bei 29,9 Minuten. Eine Stärke der Seilbahn liegt in ihrer geringen Störungsanfälligkeit. Sind jedoch Wartungsarbeiten notwendig, muss der betroffene Seilbahnabschnitt (sogenannte Seilschleife) komplett stillgelegt werden.

Der verkehrliche Nutzen der Seilbahn ist beispielsweise gegenüber einem alternativen Expressbus allerdings gering. Das Fahrgastpotenzial liegt nur 3.000 Beförderungsfälle pro Tag höher. Dem stehen jedoch Investitionskosten in Höhe von 433 Mio. € für die Seilbahn und 19,02 Mio. € für den Expressbus gegenüber. Außerdem wäre auch für eine Seilbahn abschnittsweise an den Stationen der Entfall von Fahrspuren auf dem Frankfurter Ring nötig. Dies hängt mit den Zugängen für die Fahrgäste zu den Haltestellen zusammen. In Abwägung des Nutzen-Kosten-Verhältnisses wird seitens der Gutachterbüros deshalb empfohlen, eine Seilbahn auf dem Abschnitt Frankfurter Ring nicht weiter zu verfolgen.

Grundsätzlich spielen Seilbahnsysteme ihre Vorteile eher bei der Überwindung von Barrieren aus, beispielsweise über Gleistrassen oder die Isar. Das Gutachterteam empfiehlt daher, das Teilstück vom U-Bahnhof Studentenstadt zur S-Bahn-Haltestelle Unterföhring vertieft zu untersuchen (ca. 3,7 km, drei Stationen, ca. zehn Minuten Fahrzeit), da hier auch mit einem touristisch bedingten Fahrgastaufkommen zu rechnen wäre (Englischer Garten). Allerdings werden auch hier Kosten in Höhe von rund 160 Mio. Euro geschätzt, bei einem Beförderungspotenzial von 2.900 Fahrgästen/Tag.

Als Nächstes wird das Mobilitätsreferat der Landeshauptstadt München die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie bewerten und dem Stadtrat im Rahmen einer Beschlussvorlage eine Empfehlung vorlegen. Dabei werden im Vorfeld weitere Gespräche mit der Gemeinde Unterföhring, dem Freistaat Bayern und möglichen Betreibern zu Fragen der politischen Bewertung der Gutachterempfehlung, der Finanzierung und des Betriebs im Falle einer möglichen Umsetzung geführt. Im Rahmen der Fortschreibung des Themenfeldes Infrastruktur des Münchner Nahverkehrsplans wird das Mobilitätsreferat weitergehende Untersuchungen zur Entwicklung eines attraktiven und leistungsfähigen innerstädtischen Nordrings anstellen. Eine neue ÖV-Achse entlang des Frankfurter Ringes kann sich dabei neben Expressbussystemen sowohl aus einem Trambahnnetz Richtung Amalienburgstraße oder der Tram Westtangente im Westen oder nach Unterföhring bzw. Johanneskirchen im Osten entwickeln als auch als U-Bahnachse mit einem weiteren Einzugsradius bis Pasing bzw. Arabellapark, Messestadt oder in das östliche Münchner Umland.