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LiteraVision

Für beispielhafte TV-Sendungen über Bücher, Autorinnen und Autoren verleiht die Landeshauptstadt München den Preis LiteraVision.

Für beispielhafte Fernsehsendungen über Bücher und Autor*innen

Der Fernsehpreis LiteraVision wird seit 1991 (seit 2008 biennal) im gesamten deutschsprachigen Raum ausgeschrieben, in den Kategorien Kurz- und Langfilm vergeben und ist mit jeweils 8.000 Euro dotiert. Die Filme der engsten Auswahl werden in einer öffentlichen Jurysitzung unter Anwesenheit der Filmemacherinnen sowie der Filmemacher gezeigt und diskutiert.

Den Preis LiteraVision erhielten

Jurybegründungen

Cornelius Janzen: “Adorno Reloaded. Aspekte des neuen Rechtsradikalismus“ (ZDF/3sat)

Am 6. April 1967 hielt Theodor W. Adorno auf Einladung des Verbands Sozialistischer Studenten Österreichs an der Wiener Universität einen Vortrag über Aspekte des neuen Rechtsradikalismus, der heute neu in Buchform (Suhrkamp 2019) vorliegt: Vor dem Hintergrund des Aufstiegs der NPD, die bereits in den ersten beiden Jahren nach ihrer Gründung im November 1964 erstaunliche Wahlerfolge verzeichnen konnte, analysiert Adorno Ziele, Mittel und Taktiken des neuen Rechtsradikalismus und fragt insbesondere nach den Gründen für den Zuspruch, den die rechtsextremen Bewegungen damals, 20 Jahre nach Kriegsende, fanden. Sein Vortrag erscheint heute, 53 Jahre später, immer noch hochaktuell und wird von Filmautor Cornelius Janzen im Magazin-Korsett des 5- bis 6-Minuten-Formats visuell knapp und treffend umgesetzt. Adornosche Schlagwörter und Schlüsselsätze wie etwa die „Wundmale der Demokratie“, das „Zeitalter der Automatisierung“ oder die „Autoritätsgebundene Persönlichkeit“ werden in filmischen Collagen durch Schlagzeilen, Fotos und Grafiken veranschaulicht. „Adorno reloaded“ lebt auch von diesen punktgenauen, originellen und gut getimten Animationen von Konstantin Fuchs, die hier nicht wie so oft als Textfläche herhalten müssen, sondern wirklich ihre ganz eigene Geschichte erzählen und so den kleinen Beitrag ungemein bereichern. Inhalt, Form und Aktualität – alles ist verbunden und auf hohem Niveau umgesetzt. Ein kluger Filmbeitrag, liebevoll in der Animation und politisch wichtig.
 
Eva Menasse: „Ich habe kein Talent zum Hassen. Eva Menasse im Gespräch mit Robert Schindel“ (ZDF/3sat)

Das knapp vierzig Minuten dauernde Gespräch der Autorin Eva Menasse mit dem Dichter und Romancier Robert Schindel findet in einem großen, luftigen Raum statt, die beiden sitzen sich an einem Tisch gegenüber – das denkbar einfachste Setting. Man könnte auch sagen: das denkbar einfallsloseste, aber das Gegenteil ist der Fall: Der große Raum wird zum Spielraum einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Werk, der Autorenpersönlichkeit und der Lebensgeschichte Robert Schindels. Eine Geschichte reich an historischen Verwerfungen, den Säugling, ein gutes Jahr vor Kriegsende geboren, als Kind jüdischer Eltern und überzeugter Kommunisten doppelt gefährdet, rettet eine falsche Identität in der Klandestinität. Der Vater wird ermordet, die Mutter überlebt dank des Bürokratismus der NS-Diktatur das KZ – als Kommunistin sollte ihr erst der Prozess gemacht werden.

Angst ist der vorherrschende Gott meiner Kindheit heißt es an einer Stelle, und es gelingt Eva Menasse eindrucksvoll, dies im Gespräch als Schlüssel zum Werk und politischen Wirken Schindels herauszuarbeiten. Der Verzicht auf dramaturgische „Geschmacksverstärker“ ist wohltuend, er ermöglicht und erlaubt die hohe Konzentration, die das weitgreifende und im besten Sinn ernsthafte Gespräch über Politik, Weltanschauungen, ästhetische Gestaltung, Geschichte und Lebensgeschichte erfordert. Robert Schindel erweist sich als nachdenklicher, lebendiger Erzähler ohne Hang zur Selbststilisierung – nicht zuletzt, weil Menasse auf floskelhaftes Aufrufen von Lebens- und Werkstationen in Influencer-Manier verzichtet und stattdessen kenntnisreich Werk und Leben verknüpft. Gut ausgewählt ist auch das eingespielte Archivmaterial, das – mehrere Jahrzehnte umspannend – das (umfang-)reiche Werk und die komplexe Künstlerpersönlichkeit des Lyrikers, des Essayisten und politischen Romanautors Robert Schindel sinnfällig illustriert.

Die ursprünglich im Rahmen des Münchner Literaturfests geplante zweitägige öffentliche Jurysitzung und Preisverleihung Ende November musste coronabedingt leider entfallen.


Mitglieder der Jury

Der Jury 2020 gehörten an: Ingo Fliess (Filmproduzent), Dagmar Knöpfel (Filmregisseurin, Drehbuchautorin), Volker Koepp (Dokumentarfilm-Regisseur), Antje Kunstmann (Verlegerin), Dagmar Leupold (Autorin) und Thilo Wydra (Autor, Journalist) sowie die Stadträtinnen und Stadträte Klaus Peter Rupp (SPD/Volt), Beatrix Burkhardt (CSU), Marion Lüttig (Die Grünen-Rosa Liste), Thomas Niederbühl (Die Grünen-Rosa Liste) und Dirk Höpner (ÖDP/FW).

  • 2018
    Volker Koepp für seinen Film „Wiederkehr. Reisen zu Johannes Bobrowski“
    Nico Weber für ihren Kurzfilm „Der Dichter Oswald Egger“
  • 2016
    Anita Hugi für ihren Film „Undine Gruenter: Das Projekt der Liebe“ (Schweizer Fernsehen )Benjamin Unger für seinen Kurzbeitrag „Peter Wawerzinek: 'Der Schluckspecht'“ (NDR)
  • 2014
    Dominik Graf für seinen Film „Lawinen der Erinnerung. Ein Film über Oliver Storz.“ (SWR / arte / WDR)
    Hans-Michael Marten für seinen Kurzfilm „artour: David Wagners Roman ‚Leben‘“ (MDR)
  • 2012
    Yasemin Ergin für den Kurzbeitrag „Marina Lewycka – Das Leben kleben“ (NDR)
    Arpad Bondy für seinen Film „Eugen Ruge – Eine Familiengeschichte wird zum Bestseller“ (ARTE/rbb)
  • 2010
    Gabriele Denecke für den Kurzbeitrag über Rayk Wielands autobiografischer Erzählung „Ich schlage vor, dass wir uns küssen“ im Kulturmagazin „Stilbruch“ (rbb)
    Rolf Bergmann (rbb) für seinen Film „Der Freund und der Fremde: Eine Annäherung an Benno Ohnesorg"
  • 2008
    Lutz Pehnert für den Kurzbeitrag über den DDR-Schriftsteller Werner Bräunig im Kulturmagazin „Stilbruch“ (rbb)
    Frank Wierke für seinen Film „Michael Hamburger – Ein englischer Dichter aus Deutschland“ (ZDF/3sat)
  • 2007
    Gabriela Hermer und Carsten Hueck für den Kurzbeitrag „Traumreise ins All. Die unglaublichen Alltagsnotizen des Peter Ginz“ (HR)
    Joachim Lang für das Autorenportrait „Brecht - Die Kunst zu leben“ (SWR)
    Nico Weber und Sabrina Dittus für ihren Magazinbeitrag „Indien schreibt im Plural“ (Kulturmagazin „Metropolis“ von arte/ZDF lobende Erwähnung)
    Christoph Rüter für seinen Film „Rohstoff“ über den Schriftsteller Jörg Fauser (lobende Erwähnung)
  • 2006
    Simone Reuter für das Autorenporträt „Deutsche Lebensläufe: Hannah Arendt – Eine Jüdin aus Deutschland” (SWR)
    Thomas Rautenberg für den Magazinbeitrag „Frankfurter Grün. Oder: Wie einer loszog und lernte, die Pflanzen zu lieben” (HR)
  • 2005
    Ludwig Peter Leippe für das Autorenporträt über Walter Kempowskis „Echolot“ (ZDF) und Julia Benkert für den Magazinbeitrag „Agenda 3000“ (BR, Lesezeichen)
  • 2004
    Ludwig Metzger für das Autorenporträt "Hier Himmel – Aglaja Veteranyi" (WDR⁄ Schweizer Fernsehen SF DRS⁄ ARTE)
    Julia Benkert für den Magazinbeitrag "Fitzgerald Kusz 'Wouhii'" (BR, Lesezeichen).
  • 2003
    Hanns Zischler für das Autorenporträt "Kafka geht ins Kino" (WDR⁄ ARTE)
    Armin Kratzert für den Magazinbeitrag "LeseZeichen: Peter Waterhouse" (BR)
    Thomas Rautenberg für den Magazinbeitrag des SWR–Literaturmagazins "Bücher, Bücher" mit "Sergio Pitol: Eheleben".
  • 2002
    Frank Hertweck und Susanne Bienwald für das Autorenporträt "Hans Erich Nossack: Innenleben eines Außenseiters" (SWR)
    Thomas Palzer für den Magazinbeitrag des SWR–Literaturmagazin "Karl Ignaz Hennetmair: Ein Jahr mit Thomas Bernhard" (SWR).
    Ehrende Anerkennunen erhielten Frauke Sandig für "Das Fremde und ich – Die Schriftstellerin Barbara Honigmann" (Deutsche Welle) und
    Nicolas Humbert und Werner Penzel für "Robert Lax,Poetquot; (BR ARTE).
  • 2001
    Peter Goedel für das Autorenporträt "Verbrechen in Florenz – Die Schriftstellerin Magdalen Nabb" (BR)
    Claudia Kucza für den Magazinbeitrag des NDR–Kulturjournal "Elke Schmitter: "Frau Sartoris" (NDR)
    Ehrende Anerkennungen erhielten Frank Hertweck für "Kulturzeit: Martin Heidegger" (3sat) und Ulrich Harbecke für "Stille Rebellen – Bürgermut gegen Naziterror. Ein Treffen in Berlin" (WR)
  • 2000
    Ralf Zöller für das Autorenporträt "Der diskrete Charme des Hans Magnus Enzensberger" (ARTE⁄ WDR⁄ SWR)
    Susanne Brand für den Magazinbeitrag "Bianca Döring: Hallo Mr. Zebra" (NDR)
    Eine ehrende Anerkennung erhielten Brigitte Kleine für: Michel Houellebeqc "Ausweitung der Kampfzone" (3sat) sowie Ulrich Kasten für "Ich liebe, mein Gott, ich liebe – Das kurze Leben der Brigitte Reimann" (SFB⁄ORB)
  • 1999
    Andreas Christoph Schmidt für den Film "Brecht und Moskau" (SFB)
    Joachim Lang (Südwestfunk ⁄ ARTE, lobende Erwähnung)
    Elisabeth Weyer (Hessischer Rundfunk, lobende Erwähnung)
    Frank Hertweck (Magazinbeitrag)
    Susanne Brand (ehrende Anerkennung)
  • 1998
    Eva Severini (Magazinbeitrag)
    Frank Hertweck (ZDF – 3sat Kulturredaktion, ehrende Anerkennung)
    Gabriele Conrad (ORB) (ehrende Anerkennung)
    Gabriele Denecke (ehrende Anerkennung)
    Martina Zöllner (SDR–Fernsehen Kultur, Autorenporträt)
    Osman Okkan (ehrende Anerkennung)
  • 1997
    Ginka Tscholakowa für das Autorenporträt "Edgar Hilsenrath – Das Gesicht des Fremden trägt meine Züge" (SFB)
    Ulrike Kahle für den Magazinbeitrag "Barbara Gowdy: Mister Sandman" (NDR)
    Eine ehrende Anerkennung erhielten André Schäfer und Andrew Davies für den Langbeitrag "Die Blutsauger Viktorias" (WDR) und Goggo Gensch für den Kurzbeitrag "Wagner - Lehrer, Dichter, Massenmörder" (SWR)
  • 1996
    Prof. Thomas Schmitt und Dr. Hubert Winkels für das Autorenportrait "Jetzt zieht Leutnant Jünger seinen Mantel aus - Ernst Jünger wird 100."
    Paul Kersten für den Kurzbeitrag "Peter Rühmkorf – TABU I Tagebücher 1989 – 1991". Eine ehrende Anerkennung erhielten Franz Xaver Karl für den Kurzbeitrag "Bertolt Brecht"
  • 1995
    Andreas Christoph Schmidt für den Langbeitrag "Im Schatten Pasternaks, Peredelkino, ein Ort mit Schriftstellern"
    Dr. Christoph Bungartz für seinen Kurzbeitrag: "Ernst Jünger zum 99."
    Maja Ulbrich für den Kurzbeitrag: "Vor 45 Jahren: Thomas Mann besucht Deutschland."
    Ehrende Anerkennung: Hans–Dieter Grabe: "Er nannte sich Hohenstein – Aus dem Tagebuch eines deutschen Amtskomissars im besetzten Polen 1940 – 1942".
  • 1994
    Werner Zeindler für das Autorenportrait "Allein unter Leuten. Der Erzähler Peter Bichsel"
    Thomas Palzer für den Kurzbeitrag "Wittgenstein".
    Eine ehrende Anerkennung sprach die Jury aus für Volker Bohns "Deutsche Literatur seit 1945 – Nachrichten von Büchern und Menschen."
  • 1993
    Susanne Freund für die Dokumentation Kobalek oder das Sichtbare und das Verborgene"
    Andreas Ammer für den Kurzbeitrag "Norbert E. Kaser"
    Eine ehrende Anerkennung erhielten Thomas Rautenberg für das Autorenportrait "Wo ist Lichtenberg? Notizen eines Liebhabers" und Martin Hielscher ⁄ Paul Kersten für den Beitrag über das Buch "Jakob Littners Aufzeichnungen aus einem Erdloch" von Wolfgang Koeppen
  • 1992
    Brita Steinwendtner für das Autorenportrait "Schreiben ist sterben lernen" über die österreichische Dichterin Ilse Aichinger
    Martin Weinhart für den Kurzbeitrag "Luis Bunuel. Die Flecken der Giraffe".
    Eine ehrende Anerkennung erhielten Andreas Ammer für den Magazinbeitrag "Lesen. Nachdenken über öffentliche Büchereien im Fernsehzeitalter" und
    Ernst Jürgens für den Kurzbeitrag "Poesie – Videos".
  • 1991
    Carmen Tartarotti für die Dokumentation "1 Häufchen Schuh" über die Schriftstellerin Friederike Mayröcker
    Dagmar Brendecke für das Kurzportrait "Raymond Federmann".
    Eine ehrende Anerkennung erhielt Gert Conradt für den Kurzbeitrag "Experiment Deutsch: Jürgen Becker ‘Junger Mann’ ".

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