Geschichte des GeodatenService München

Vom Städtischen Vermessungsamt zum GeodatenService München.

Eine Reise durch Geschichte, Innovation und Zukunft

Historische Karte
Plan der Haupt- und Residenzstadt München 1806

Der GeodatenService München blickt auf eine lange und bedeutende Geschichte zurück, die bis ins Jahr 1889 reicht. In diesem Jahr wurde am 01. Dezember auf Weisung des Prinzregenten Luitpold ein städtischer Obergeometer berufen. Die Belegschaft bestand damals aus zwei Mitarbeitern, dem Obergeometer Karl Leon und seinem Büroassistenten. Vom Katasterbureau in der Residenz über das Städtische Vermessungsamt bis hin zum modernen Dienstleister GeodatenService München spielt das Amt heute eine zentrale Rolle im Kommunalreferat der Landeshauptstadt München. Mit der fortschreitenden Urbanisierung und den wachsenden Anforderungen an die Stadtentwicklung haben sich auch die Aufgaben des GeodatenService München kontinuierlich erweitert.

Die Anfänge: Das Städtische Vermessungsamt

Die systematische Vermessung Bayerns begann im Jahr 1801, als zur Stabilisierung des Haushalts sämtliche Grundstücke vermessen wurden. Ziel war die Einführung der Grundsteuer. Bereits 1860 hatten sich die Messmethoden verbessert, weshalb Teile Bayerns neu vermessen wurden. In München reichte der ursprüngliche Maßstab von 1:5.000 den Anforderungen einer wachsenden Stadt nicht mehr aus. Daher wurde München ab 1860 erneut vermessen und in den Maßstäben 1:2.500 und 1:1.000 auf Stein graviert dargestellt.

Im Jahr 1889 wurde schließlich ein Obergeometer bei der Stadt München angestellt, welcher die kommunalen Vermessungsaufgaben übernahm. München wuchs rasant, immer mehr Vororte wurden eingemeindet, was für das Städtische Vermessungsamt nicht nur einen größeren Personalstamm erforderte, sondern auch die Aufgabenstellung an die Geodaten veränderte. Die Grundaufgabe bestand darin, eine geordnete Stadtentwicklung durch präzise Vermessung, gezielte Grundstückskäufe und Infrastrukturprojekte wie Straßen und Brücken zu gewährleisten.

Diese frühen Bemühungen legten den Grundstein für eine systematische, datenbasierte Stadtplanung, die bis heute von zentraler Bedeutung ist. Das Vermessungsamt war zudem an der Entstehung wichtiger Bauwerke in München beteiligt, darunter die Anlagen für die Olympischen Spiele 1972 mit dem Olympiapark, der Überdachung der Freifläche beim Eissportstadion sowie dem Kulturzentrum am Gasteig. Diese Projekte verdeutlichen die Rolle, die das Vermessungsamt in der Entwicklung der städtischen Infrastruktur spielte.

Umbenennung und Neuausrichtung

Im Jahr 2014 wurde das Städtische Vermessungsamt in den GeodatenService München umbenannt. Diese Namensänderung war mehr als nur eine formale Anpassung. Sie symbolisierte einen grundlegenden Wandel innerhalb der Organisation. Die Umbenennung war notwendig, um den modernen Anforderungen an Geoinformationen und digitale Daten gerecht zu werden und dies auch nach außen durch die Bezeichnungsänderung darzustellen.

Mit dem Aufkommen digitaler Technologien und der fortschreitenden Digitalisierung der Stadtverwaltung hat der GeodatenService München eine zentrale Rolle in der digitalen Transformation übernommen. Ziel ist es, den Zugang zu Geoinformationen zu erleichtern und die Effizienz bei städtischen Planungsprozessen zu steigern. Durch die Nutzung von Geoinformationssystemen (GIS) können raumbezogene Daten präzise analysiert und visualisiert werden. Diese Fähigkeiten sind essenziell für fundierte Entscheidungen in der Stadtentwicklung.

Meilensteine der Entwicklung

In seiner über 135-jährigen Geschichte hat der GeodatenService München zahlreiche bedeutende Meilensteine erreicht, die die Entwicklung und den Fortschritt der Geoinformation in München geprägt haben. Über die Jahre hinweg war der GeodatenService München stets ein Vorreiter bei technologischen Innovationen im Bereich der Geoinformatik. Zu den wichtigsten historischen Entwicklungen zählen:

  • Seit Anfang der 1950er Jahre: regelmäßige stadtweite Luftbildbefliegungen und die Gründung der Zentralen Luftbildstelle.
  • 1996: Fertigstellung der Digitalen Stadtgrundkarte.
  • 1996/97: Bereitstellung der Digitalen Stadtgrundkarte auf CD-ROM („GeoInfo CD“).
  • 2001: Einführung des ersten digitalen 3D-Modells auf Basis der damaligen Luftbildbefliegungen.
  • 2006: Etablierung des Geodatenpools München als zentrale Datenbankdrehscheibe innerhalb der Stadtverwaltung.
  • 2008: Bereitstellung der Stadtgrundkarte im Intranet unter dem Namen GeoInfoWeb.
  • 2017: Entwicklung des Konzepts eines Digitalen Zwillings der Stadt mit der Technischen Universität München
  • 2019: Entwicklung und Aufbau des Digitalen Zwillings München im Rahmen eines Förderprojekts des Bundesministeriums für Verkehr.
  • 2021-2025: Beteiligung am Förderprojekt Connected Urban Twins (CUT) gemeinsam mit Hamburg und Leipzig.
  • 2022: Verstetigung des Digitalen Zwillings durch einen Beschluss des Münchner Stadtrats.
  • seit 2023: Teilnahme der Landeshauptstadt München am EU-Projekt ASCEND .
  • Digitale Transformation: Die Einführung digitaler Datenbanken und moderner GIS-Anwendungen hat die Art und Weise, wie Geoinformationen erfasst, gespeichert und bereitgestellt werden, grundlegend revolutioniert. Diese digitale Transformation hat nicht nur die Effizienz gesteigert, sondern auch die Datenqualität verbessert, was zu zuverlässigeren Analysen führt.
  • Öffnung von Daten: Der GeodatenService München unterstützt die Open-Data-Bestrebungen der Landeshauptstadt München und stellt zahlreiche seiner Geodaten offen zur Verfügung. Diese Initiative fördert Transparenz, ermöglicht Bürger*innen sowie Unternehmen den Zugang zu relevanten Informationen und unterstützt die Entwicklung eigener Projekte. Der offene Datenzugang trägt somit zur Öffentlichkeitsbeteiligung bei und fördert Innovationen in verschiedenen Bereichen.
  • Interaktive Plattformen: Das GeoPortal ist eine benutzerfreundliche Plattform, die sowohl Fachleuten als auch der breiten Öffentlichkeit den Zugriff auf eine Vielzahl von Geodaten ermöglicht. Nutzer*innen haben Zugang zu interaktiven Karten, um Informationen zu Themen wie Verkehr, Umwelt und Stadtentwicklung abzurufen und anschaulich zu visualisieren.
  • Innovative Projekte: Der GeodatenService hat zudem innovative Vorhaben umgesetzt, darunter die Entwicklung und Weiterentwicklung von 3D-Stadtmodellen. Diese realistischen Darstellungen der urbanen Umgebung sind sowohl für die Stadtplanung als auch für die Bürger*inneninformation und die -beteiligung von Bedeutung. Sie erlauben die Simulation verschiedener Szenarien und helfen, die Auswirkungen von Planungsentscheidungen besser abzuschätzen.
  • Grundlagenerfassung: Auch im digitalen Zeitalter bleibt die Erhebung von Grundlagendaten essenziell. Der GeodatenService München ist für die Technische Vermessung sowie die Grundstücksvermessung verantwortlich. Diese Aufgaben bilden die verlässliche Basis für Stadtplanung, Infrastrukturprojekte und Geobasisdaten.

Ausblick in die Zukunft

Der GeodatenService München wird auch künftig eine zentrale Rolle in der Stadtentwicklung spielen. Angesichts der Herausforderungen wie Wohnungsnot, Mobilität, Klimawandel und digitaler Transformation ist geplant, moderne Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) und Big Data noch umfangreicher zu nutzen und zu integrieren. Diese Innovationen sollen eine noch präzisere Analyse und Vorhersage ermöglichen, um datenbasierte Entscheidungen zum Wohle der Stadtgesellschaft treffen zu können.