Debütförderung für Freie Theaterschaffende

Die Förderung richtet sich an professionelle Künstler*innen aller Altersgruppen, um ihnen den Weg in die künstlerische Berufstätigkeit zu erleichtern.

Über die Förderung

Die Landeshauptstadt München vergibt jährlich Debütförderungen für ein konkretes Arbeitsvorhaben im Bereich Theater.

Ziel der Debütförderung ist es, erste professionelle Arbeitsprojekte zu fördern. Zielgruppe sind Künstler*innen aller Altersgruppen, die im Rahmen beziehungsweise zum Abschluss ihrer professionellen Ausbildung oder durch eine gleichwertige Referenz unter Beweis gestellt haben, dass sie einen qualitativ hohen und eigenständigen künstlerischen Ansatz verfolgen.
Die Förderung ist grundsätzlich mit je bis zu 20.000 Euro dotiert und an ein konkretes Arbeitsvorhaben gebunden, wobei eine Aufführung nicht notwendig den Abschluss des Vorhabens bilden muss.

Die Debütförderung für Freie Theaterschaffende erhielten

Girişken, Tanju: Forward into the Past
"Forward into the Past" ist eine Art szenisches Roadmovie. Zehn Jahre nach ihrer Flucht machen sich die zwei Protagonisten, Tanju und Murschif, auf die Reise entlang ihrer einstigen Migrationsrouten. Von Deutschland aus geht es in die Türkei bzw. nach Syrien. Sie sprechen mit Weggefährten, prüfen die Proportionen des Gefühls von 'Heimat' und landen vermutlich wieder in einer Situation, die nicht notwendig als lebenswert erfahren werden kann. Das szenische Setting ist scheinbar einfach: Während die Reise überwiegend audiovisuell erzählt wird, bezeugen die Performer in physischer Präsenz die autobiografische Erzählung, die von zehn Jahren unfreiwilliger Migration geprägt ist. Überzeugend für die Jury ist, dass der Antrag freimütig das Fabulieren und die notwendige Fiktionalität andeutet, die jeder besseren autobiografischen Theaterarbeit ihren szenischen Reiz verleiht. Die Jury empfiehlt die Förderung des Projekts mit 20.000 Euro.

Hoffmann, Felizitas: Glorya und Christine
Als 2024 und 2025 zwei Frauen in psychischen Ausnahmezuständen mit der Begründung von Gefährdung dritter Personen durch Polizeischüsse zu Tode kommen, zeichnet die mediale Resonanz ein einseitiges Bild der Hergänge um Christine H. und Glorya K. Sie werden als aggressive Täterinnen dargestellt, ihre psychische Verfassung wird in der Berichterstattung außer Acht gelassen. Die Leerstellen hinter den Ereignissen dokumentarisch aufzubereiten und im performativen Audiowalk an den zwei Tatorten im Westend und in Untersendling kritisch zu hinterfragen, hat sich Felizitas Hoffmann für ihr Debüt vorgenommen. Einbezogen zum Thema Krisenintervention und -prävention ist auch die damals zuständige Polizeistation. Die anonymisierte Statistik lässt wenig Rückschlüsse auf den Zustand der durch polizeilichen Schusswaffengebrauch getöteten Personen zu. Diesen ein Gesicht zu geben, lädt zur Auseinandersetzung mit dem Thema ein. Die Jury spricht sich deshalb für eine Förderung in Höhe von 20.000 Euro aus.

Kraus, Malin: Vierzehn Klöße auf einmal essen
„Vierzehn Klöße auf einmal essen“ verdichtet ein Leben zwischen Gleiwitz/Polen und München und erzählt von Migration, Sprachverlust und Erinnerung. Ausgehend von Interviews entwickelt Malin Kraus ein dokumentarisches Solo-Theaterstück über polnische Migrantinnen in Deutschland, das biografische Erfahrungen mit Ritualen und Strukturen des Exils verbindet. Küche und Kirche fungieren dabei als eindrückliche Erinnerungs- und Gegenwartsräume. Der Ansatz überzeugt durch seine klare konzeptionelle Setzung sowie die sensible Verbindung von persönlicher Geschichte und gesellschaftlicher Relevanz. Die geplante Einbindung privater Fotografien eröffnet zudem partizipative Zugänge. Insgesamt handelt es sich um einen sorgfältig ausgearbeiteten Debütantrag, für den die Jury eine Förderung in Höhe von 20.000 Euro empfiehlt.

  • 2026
    Kollektiv bzw.; Klara Pfeiffer; Teresa Rizos; Yue Ying,
  • 2025
    Paul Furtwängler; Sascha Hoffmann; Anna Gesa-Raija Lappe; Cornelia Maschner; Thalia Schoeller;
  • 2024
    Carbó Bogner; Fabiola Kuonen; Leonard Bernd Henri Mandl; Benjamin Truong
  • 2023
    Johannes Böhringer; Daniela Gancheva; Anna Malena Große; Lennart Boyd Schürmann;
  • 2022
    Ines Hollinger, Constanze Hörlin