Literaturarchiv von Rachel Salamander

Rachel Salamander schenkt der Stadt München ihr umfangreiches Archiv zur Literatur des Judentums.

14. Dezember 2022

Das Foto zeigt Oberbürgermeister Dieter Reiter, Rachel Salamander und die Leitung der Monacensia, Anke Büttner
Michael Nagy / Presseamt München

Stadt München erhält das Archiv von Rachel Salamander

Die Publizistin, Kulturwissenschaftlerin und Gründerin der Literaturhandlung Rachel Salamander schenkt der Stadt München ihr umfangreiches Archiv zur Literatur des Judentums. Die einmalige, über vier Jahrzehnte aufgebaute Sammlung ist von hohem kulturgeschichtlichen und wissenschaftlichen Wert. Sie wird Eingang in das städtische Literaturarchiv Monacensia im Hildebrandhaus finden.
Das Archiv Salamander ist ein Schlüsselbestand zur Geistesgeschichte jüdischer Literatur, Kultur und Wissenschaft sowie zur Realität jüdischen Lebens in Deutschland. Darin enthalten sind unter anderem Originalunterlagen und Tonaufnahmen von Dan Diner, Saul Friedländer, David Grossman, Hans Jonas, Imre Kertész, Amos Oz, Marcel Reich-Ranicki und Grete Weil. Die Sammlung dokumentiert die Entwicklung der Literatur zum Judentum nach 1945 im weitesten Sinne und veranschaulicht eindrücklich die sie begleitenden Debatten und ihre internationale Vernetztheit. Zudem enthält das Archiv wertvolle Materialien sowohl für die internationale Holocaustforschung als auch für die Biografieforschung.
Oberbürgermeister Dieter Reiter: „Ich danke unserer Ehrenbürgerin Rachel Salamander für ihre einzigartige Schenkung und für das große Vertrauen, das sie damit der Stadt München entgegenbringt. Das ‚Archiv Salamander‘ ist ein wegweisendes Geschenk, mit dem wir jüdisches Leben und Literaturgeschichte noch stärker in unserem kollektiven Gedächtnis verankern können. Die Kraft der Zeitzeugnisse und das Wirken von Rachel Salamander sind beeindruckend. Wir können uns glücklich schätzen, sie in München zu haben.“
Rachel Salamander: „Mehrfach in dieser Stadt ausgezeichnet und geehrt, will ich nun der Stadt etwas zurückgeben. Die Monacensia, vom Urgroßvater meines Mannes Stephan Sattler, Adolf von Hildebrand, erbaut, ist für mich auch wegen ihrer jüdischen Geschichte das dafür prädestinierte Zuhause. Mein bislang unsichtbares Archiv soll hier sichtbar gemacht werden und Synergien mit Beständen der Monacensia erzeugen.“
Kulturreferent Anton Biebl: „Die jüdische Kultur gehört zum historischen Erbe Münchens. 50 Jahre nach der Bücherverbrennung hat Rachel Salamander mit der Gründung der Literaturhandlung einen Ort geschaffen, an dem jüdisches Denken und Schreiben wieder höchst gegenwärtig wurde. Ihre großzügige Schenkung ermöglicht es, jüdische Autorinnen und Autoren auf vielfältige Weise zu entdecken und in den Kontext heutiger Debatten zu stellen. Die Monacensia ist der richtige Ort dafür.“ Anke Buettner, Leiterin der Monacensia im Hildebrandhaus: „Als literarisches Gedächtnis der Stadt sammeln und bewahren wir in der Gegenwart das, was einmal zukünftige Erinnerung ausmachen wird. Durch diese wertvolle Schenkung wird jüdisches Kultur- und Geistesleben zu einem selbstverständlichen Teil unserer gemeinsamen Erinnerungskultur. Das Archiv Salamander erlaubt uns einen neuen Blick auf unseren eigenen Bestand. Das verändert automatisch unsere künftige Sammlungspraxis, unser Programm und die Forschung.“
Die Erschließung, wissenschaftliche Aufarbeitung, konservatorische Sicherung und Digitalisierung des Archivs Salamander wird durch eine großzügige Förderung der Alfred Landecker Foundation unterstützt. Die Erkenntnisse und Forschungsergebnisse bilden in einem weiteren Schritt die Basis für eine nachhaltige Kulturvermittlung. Geplant ist eine Sonderausstellung und darüber hinaus ein digitales Forum, um mit überregionalen Partner*innen neues Wissen zu schaffen und zu teilen.

Michael Nagy / Presseamt München