Hilfen erleichtern das Ankommen

In der Messe Riem finden Geflüchtete aus der Ukraine breite Unterstützung

19. April 2022

Hilfen erleichtern das Ankommen

Aufnahmen aus dem Ankunftszentrum Riem - Foto Michael Nagy Presseamt
Aufnahmen aus dem Ankunftszentrum Riem - Foto Michael Nagy Presseamt

Die Stadt stellt 84 Millionen Euro für die Erstbetreuung der Geflüchteten bereit. Auf der Flucht vor dem brutalen Krieg in ihrer Heimat sind bislang viele tausend Ukrainer*innen auch in München angekommen. Zentrale Anlaufstelle für Geflüchtete ist der Info-Point im Hauptbahnhof, wo es eine erste Versorgung und Beratung gibt. Wer am nächsten Tag weiterreisen will, erhält eine Übernachtungsmöglichkeit in Bahnhofsnähe.

Wer zunächst in München bleiben will, wird in das Ankunftszentrum in der Messe gebracht. Für vulnerable Gruppen wie Pflegebedürftige oder chronisch Kranke gibt es spezielle Unterbringungsmöglichkeiten, ebenso für unbegleitete Minderjährige.

Mit der Inbetriebnahme des Ankunftszentrums für Geflüchtete in Riem steht den Ankommenden neben Schlafplätzen und Sanitäranlagen auch ein umfassendes Beratungs- und Unterstützungsangebot der Stadt direkt vor Ort zur Verfügung.

Aktuell sind in den Messehallen rund 2.000 Personen untergebracht (Stand: 14. April), vorwiegend Frauen und Kinder. Sie erhalten täglich drei Mahlzeiten. In einem Shop können sie sich kostenfrei mit gespendeter Kleidung und Hygieneartikeln versorgen.

Bei Bedarf werden sie vor Ort ärztlich versorgt. Auch eine psychosoziale Beratung ist gewährleistet. Für die Kinder- und Sozialbetreuung ist ein eigener Bereich ausgewiesen.

Das Stadtjugendamt bietet dort Frühe Hilfen für Schwangere und Familien mit kleinen Kindern sowie weitere Unterstützungsangebote für Kinder, Jugendliche und Familien. Der Kreisjugendring organisiert eine Spiel- und Freizeitbetreuung und auch die freien Wohlfahrtsverbände stellen Sozialpädagog*innen für die Betreuung der Kinder ab. „Es ist uns wichtig, Kinder und Familien in der Messe möglichst gut zu unterstützen“, fasst Bürgermeisterin Verena Dietl die Bemühungen zusammen. Dafür hat der Stadtrat insgesamt 84 Millionen für die Erstbetreuung der Geflüchteten aus der Ukraine zur Verfügung gestellt.

Damit sollen der Betrieb von Unterkünften, Verpflegeung, Dolmetscher, Beratungs- und Betreuungsangebote für Familien finanziert werden.

Insgesamt sind derzeit 2.700 Geflüchtete in Interimsunterkünften untergebracht, 8.000 konnten von den Münchner Freiwilligen in Privatunterkünfte vermittelt werden.

Diese Unterbringungen sind aber nur eine Übergangslösung. Um auch mittel- und langfristige Unterbringungsmöglichkeiten zu finden, wurde im Sozialreferat deshalb die Task Force „Ukraine“ eingerichtet. Unter der Leitung von Bürgermeisterin Verena Dietl werden dort geeignete Objekte und Flächen gesucht.

Informationen zur Unterstützung Geflüchteter in München findet man unter muenchen.de/ukraine .

Oberbürgermeister Dieter Reiter

OB Dieter Reiter (Foto: M. Nagy / Presseamt)
OB Dieter Reiter (Foto: M. Nagy / Presseamt)

„Ich möchte, dass die Menschen, die bei uns Schutz suchen vor dem brutalen Krieg in ihrer Heimat, gut versorgt werden. Deshalb ein herzliches Dankeschön an die Münchner*innen für ihre große Hilfsbereitschaft und die vielen freiwilligen Helfer*innen für ihr riesiges Engagement.

Ein herzliches Dankeschön auch an die Hilfsorganisationen für ihre professionelle Unterstützung – und nicht zuletzt auch ein herzliches Dankeschön an die Kolleg*innen der Stadtverwaltung.

Seit über zwei Jahren arbeiten sie bereits im Corona-Krisenmodus und leisten jetzt auch Außerordentliches für die Geflüchteten in unserer Stadt – sei es direkt vor Ort oder indirekt, indem sie die Aufgaben ihrer dafür abgestellten Kolleg*innen zusätzlich mit übernehmen.“

Mammut-Aufgabe für die Stadtverwaltung

Die Hilfe für geflüchtete Ukrainer*innen stellt eine gewaltige Herausforderung dar

Mit der Fluchtbewegung aus der Ukraine ist auf die Münchner Stadtverwaltung neben der Corona-Pandemie eine weitere Flut an zusätzlichen Aufgaben zugekommen. Sehr früh hat Oberbürgermeister Dieter Reiter deshalb unter seiner Leitung einen Krisenstab zur gesamtstädtischen Koordinierung eingerichtet.

Am dringlichsten waren zunächst die Organisation einer 24/7 Erstbetreuung am Hauptbahnhof und die Schaffung von Akutunterkünften. Innerhalb von eineinhalb Wochen wurden rund 7.000 Bettplätze eingerichtet. Dazu mussten tausende Feldbetten beschafft werden, dazu 50.000 Decken, Kissen, Bettzeug und Hygieneartikel.

Catering, Sicherheits- und Reinigungsdienstleistungen sowie die Betriebsführung für die Standorte mussten ebenso organisiert werden wie Sanitäranlagen und die Versorgung mit Strom, Wasser, Heizung und ITAusstattung.

Nachdem zunächst vor allem Schulturnhallen belegt worden waren, konnten diese nach dem Aufbau des Ankunftszentrums in der Messe (siehe Artikel oben) weitgehend in den Stand-by-Modus versetzt oder wieder freigegeben werden.

Um die medizinische Versorgung der Geflüchteten in den Unterkünften kümmern sich drei mobile Teams aus Ärzten, Sanitätern und Dolmetschern. Sie haben bisher rund 850 Personen behandelt.

Außerdem werden Coronatests und Impfaktionen durchgeführt. Für positiv getestete Personen stehen Quarantäne- Unterkünfte bereit.

Koordiniert wird die Umsetzung der Maßnahmen vom Operativen Stab Ukraine aus Sozialreferat, Feuerwehr und Gesundheitsreferat, über den auch die Unterstützung durch andere Referate wie das Baureferat und das IT-Referat, das Kommunalreferat und das Planungsreferat eingebunden wird.

An Kitas und Schulen wurden schnell geflüchtete Kinder aufgenommen. Spezielle „Drop-in-Gruppen“ in Kitas und Willkommensgruppen an Schulen werden gerade aufgebaut. Darüber hinaus organisiert das Referat für Bildung und Sport auch an den Unterkünften Spielund Sportangebote.

Um Unterstützungsleistungen wie finanzielle Hilfen oder einen Krankenschein zu erhalten, müssen Geflüchtete vom Sozialreferat nach dem Asylbewerberleistungsgesetz registriert werden.

Dort wurden in den wenigen Wochen mittlerweile über 9.300 Haushalte mit 19.700 Personen erfasst – das sind dreimal soviele Fälle wie vor dem Ukrainekrieg hier insgesamt registriert waren.

Einen enormen Anstieg der Fallzahlen muss auch das Bürgerbüro im KVR stemmen. Dort haben bereits mehr als 11.000 Geflüchtete aus der Ukraine ihren Wohnsitz in München angemeldet. Darüber hinaus rechnet das KVR mit bis zu 24.000 Geflüchteten, denen die Ausländerbehörde vor allem eine Aufenthaltserlaubnis erteilen muss, die auch zur Aufnahme einer Arbeit nötig ist.

Um all diese zusätzlichen Aufgaben bewältigen zu können, reichen in den besonders belasteten Dienststellen Überstunden und Wochenendarbeit nicht mehr aus, zum Teil muss auch im Schichtbetrieb gearbeitet werden. Deshalb müssen hier Kolleg*innen aus anderen Bereichen der Verwaltung zur Unterstützung abgestellt werden – ein Verfahren, das bereits zur Bewältigung der Corona-Pandemie praktiziert wird.

Hier waren in den vergangenen zwei Jahren insgesamt mehr als 2.800 Beschäftigte vorübergehend vor allem zur Unterstützung des Gesundheitsreferats im Einsatz. Koordiniert wird das von der Task Force Personaleinsatzmanagement (PEIMAN) im Personalreferat. Dort rechnet man jetzt mit knapp 1.100 zusätzlichen Stellen, die durch Umschichtungen und Umpriorisierungen aus anderen Dienststellen bereitgestellt werden müssen – und dort natürlich bei der Erledigung ihrer eigentlichen Aufgaben fehlen.