Städtisches Luisengymnasium wird 200 Jahre alt

Das älteste städtische Gymnasium in München feierte am 2. Dezember seinen 200. Geburtstag.

05. Dezember 2022

Große Feier im Gymnasium

Das Bild wurde bei der 200-jährigen Jubiläumsfeier des Städtischen Luisengymnasiums im Gebäude aufgenommen. Zu sehen sind von links nach rechts Gesa Hollauf (Schulleitung), Verena Dietl (3. Bürgermeisterin) und Florian Kraus (Stadtschulrat).
Presse- und Informationsamt - Michael Nagy

Das älteste städtische Gymnasium in München feierte am 2. Dezember seinen 200. Geburtstag. Zur Feier war die Schule voll: Über 150 Gäste kamen zum Jubiläumsempfang in die festlich beleuchtete Aula des Luisengymnasiums. Dort übernahm zunächst die SMV (Schule mit Verantwortung) die Regie. Zwei Schülersprecher*innen begrüßten die Gäste gut gelaunt in vielen unterschiedlichen Sprache, die am Luisengymnasium gesprochen wurden und werden. Als musikalischen Einstieg gab es dann die "Happy Birthday Suite" von Dennis Armitage durch ein Streichquartett aus Schüler*innen unterschiedlicher Klassenstufen. 

Nach der anschließenden offiziellen Begrüßung durch Schulleiterin Gesa Hollauf und einem ersten Grußwort von Bürgermeisterin Verena Dietl war Stadtschulrat Florian Kraus an der Reihe. Er hob besonders die Weichenstellungen hervor, mit denen das Luisengymnasium Schulgeschichte geschrieben habe. 

Florian Kraus: "Dem Luisengymnasium scheint immer wieder die Kombination zu gelingen aus anspruchsvoller Bildung, gelebter Schul-Gemeinschaft und der Gestaltung von Schule als Lebensraum, der den gesellschaftlichen Entwicklungen Rechnung trägt. Vielleicht liegt das ja ein wenig an der besonderen Lage hier mitten in der Stadt. Natürlich bringt diese auch immer wieder besondere Herausforderungen und Belastungen mit sich. Aber zugleich ist sie auch eine besondere „Schule fürs Leben“. Denn das Umfeld prägt die Schule – oder wie es auf treffende Weise der frühere Schulleiter Dr. Josef Kunz einmal formulierte: Schule muss offen sein für das, was draußen geschieht."

Zum Abschluss seiner Rede bedauerte er zunächst schmunzelnd, dass seine Möglichkeiten als Stadtschulrat beschränkt seien, ähnlich wie beim 100-jährigen Schuljubiläum 1922 für drei freie Unterrichtstage zu sorgen. Dafür hatte er für die Schulfamilie eine andere Überraschung dabei: Er gab nach einer vorherigen finalen Abstimmung zwischen dem Baureferat und RBS-ZIM dem Luisengymnasium die Zusage für den ersehnten neuen Sonnenschutz. Die Maßnahmen sollen ab Juni bis zum Ende der Sommerferien 2023 stattfinden. Unterhaltsam war anschließend auch die Festrede von Horst Rückert, ehemaliger Lehrer und Verfasser der Schulchronik. Den musikalischen Schlusspunkt setzte die Schul-Bigband "King Luis" unter begeistertem Applaus des Publikums.

Bilder der Feier

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Entstehungsgeschichte

Auf dem Bild ist ein Kunstwerk zur Feier des 200. Geburtstags des Städtischen Luisengymnasiums zu sehen. Es besteht auf vielen bunten Handabdrücken und in der Mitte steht
Presse- und Informationsamt - Michael Nagy

Gegründet wurde das Luisengymnasium am 2. Dezember 1822 als Städtische Höhere Töchterschule im Auftrag des Münchner Stadtrats und auf Initiative des Kaufmanns Simon Spitzweg, dem Vater des später berühmten Malers Carl Spitzweg. Wenige Tage danach begann der Unterricht im Schulhaus am Kreuz. Seit 1961 heißt die Schule offiziell Städtisches Luisengymnasium.

1901 kam der Umzug der damals rund 500 Schülerinnen in das von Theodor Fischer entworfene moderne Schulhaus in der Luisenstraße. 1911 wurde erstmals ein Gymnasialzweig eingerichtet. In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts war das Luisengymnasium dann das größte Mädchengymnasium in Bayern. 1927 wurde die gymnasiale Ausbildung an Mädchenschulen neu geregelt und sie unterschieden sich im Aufbau und Lehrplan nicht mehr von den Jungengymnasien. Die „Luisenschule“ nutzte ab dem Schuljahr 1927/1928 als erste Schule in Deutschland diese Möglichkeit; jahrzehntelange Forderungen der Frauenbewegungen nach einer gleichwertigen Ausbildung von Mädchen waren endlich erfüllt.

1938 wurde aus dem Luisengymnasium als Folge der nationalsozialistischen Umstrukturierung der Schullandschaft eine Oberschule mit fremdsprachlichem und hauswirtschaftlichem Zweig - bei deutlicher Geringschätzung des Intellektuellen in der Mädchenbildung. Im selben Jahr folgte ein Erlass, der jüdischen Schüler*innen den Besuch höherer Schulen untersagte. In der letzten Kriegsphase wurden die Keller des "Luisen" zum öffentlichen Luftschutzbunker für 200 Menschen, in der Turnhalle standen 94 Betten als Notquartiere für Flüchtlinge oder Obdachlose. In der Nacht vom 23. auf den 24. April 1944 wurde das Nebengebäude zerstört. Am 7. Januar 1945 zerstörte ein Luftangriff schließlich das Hauptgebäude.

1949 erfolgte Wiedereinzug in das renovierte Gebäude, nachdem die Zerstörungen des zweiten Weltkrieges eine vierjährige Evakuierung notwendig gemacht hatte. Richtungsweisende Entwicklungen folgten: 1969 kam als eine der größten Reformen die Einführung der Koedukation. 2005 entschied sich die Schule als eines der ersten Gymnasien Münchens für den Ganztag, 2010 folgte die Einführung eines musischen Zweigs. Am 9. Dezember 2019 erhielt das Luisengymnasium die Urkunde zur „Umweltschule in Europa/Internationale Nachhaltigkeitsschule“.

Heute prägen das einzigartige Schulgebäude, die besondere Geschichte des Städtischen Luisengymnasiums und seine Bedeutung als zentral gelegenes Ganztagsgymnasium mit musischem Zweig nach wie vor die Münchner Schullandschaft.

Historische Bilder

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