Münchner Frauen in den Kriegs- und Nachkriegsepochen des 20. Jhds

Münchner Frauen in den Kriegs- und Nachkriegsepochen des 20. Jahrhunderts

Frauen beim Nähen von Uniformen, ca. 1915

Während des Ersten Weltkriegs

Jubel über den Beginn des Krieges

In den verbreiteten Jubel über den Beginn des Krieges im August 1914 stimmten viele Münchnerinnen ein, rechneten sie doch mit einem kurzen und siegreichen Krieg. Die Gewehre der ausziehenden Soldaten schmückten die Frauen mit Blumen.

Vor der Feldherrnhalle

Jubelnde Menschenmenge vor der Feldherrnhalle
Stadtarchiv München - Fotosammlung, FS-C1914444

Jubelnde Menschenmenge vor der Feldherrnhalle anlässlich der Wachablösung am ersten Mobilmachungstag, 2. August 1914.

Ausmaschierende Soldaten

Ausmarschierende Soldaten des Artillerie-Landsturms, August 1914
Wilhelm Hümmer, Stadtarchiv München - Fotosammlung, FS-C1914393

Ausmarschierende Soldaten des Artillerie-Landsturms in der Dachauer Straße, begleitet von Münchnerinnen und Münchner, August 1914

Veränderungen durch den Kriegsalltag

Der Kriegsalltag brachte für viele Frauen große Veränderungen. In den meist traditionell geprägten Familien fehlte oft der Ernährer; Frauen, die nicht vollständig von der Kriegsfürsorge abhängig sein wollten und konnten, drängten auf den Arbeitsmarkt. Die anfänglich hohe Arbeitslosigkeit schlug bald in einen Arbeitskräftemangel um.

Offener Brief mit Verhaltensratschlägen

Offener Brief einer Münchner Frau
Stadtarchiv München - Zeitungsausschnitte, ZA-0640-02

Offener Brief einer Münchner Frau, veröffentlicht in den Münchener Neuesten Nachrichten vom 18. August 1914.

Hedwig Zimmermann-Reber gibt den Münchner Frauen Verhaltensratschläge für die Zeit des Krieges, die von der Opferfreudigkeit in zahlreichen Wirkungskreisen bis zur Bescheidenheit im "Aufputz" reichen.

Aufruf für bezahlte Arbeitsplätze

Aufruf an "Münchens Frauen!"
Stadtarchiv München - Zeitungsausschnitte, ZA-0640-01

Aufruf an "Münchens Frauen!", 23. August 1914.

Anita Augspurg, Lida Gustava Heymann und Kommerzienrat Josef Schülein appellieren in ihrem Aufruf, bezahlte Arbeitsplätze für Frauen nicht durch freiwillige Hilfstätigkeit zu gefährden.

Beschäftigung in "Männersparten"

Frauen fanden Beschäftigung in Berufssparten, die vorher ausschließlich Männern vorbehalten waren. Die Arbeitgeber zogen daraus den Vorteil geringerer Lohnkosten, denn es gehörte zu den unhinterfragten Selbstverständlichkeiten, dass weibliche Arbeitskräfte einen niedrigeren Lohn erhielten als ihre männlichen Kollegen.

Schaffnerinnen in Dienstuniform

Straßenbahnschaffnerinnen in Dienstuniform, 1916.
Georg Pettendorfer, Stadtarchiv München - Fotosammlung, FS-C1916081

Straßenbahnschaffnerinnen in Dienstuniform, 1916; Gruppenfoto, aufgenommen in einem Straßenbahndepot.

Briefträgerinnen in ihrer Dienstuniform, 1916. Link öffnet eine vergr

Briefträgerinnen in ihrer Dienstuniform, 1916.
Georg Pettendorfer, Stadtarchiv München - Fotosammlung, FS-C1916083

Briefträgerinnen in ihrer Dienstuniform vor dem Briefpostamt München 2 an der Hopfenstraße, 1916.

Schreiben des OB zur Bezahlung von Kriegsaushilfen

Schreiben des Münchner Oberbürgermeisters Wilhelm von Borscht, 14. November 1916.
Stadtarchiv München - Personalamt 466, PERSA-0466-001

Schreiben des Münchner Oberbürgermeisters Wilhelm von Borscht an die Referenten, Magistratsräte etc. bezüglich der Bezahlung von Kriegsaushilfen, 14. November 1916.

Die Aufstellung unterscheidet zwischen männlichen (A) und weiblichen (B) Aushilfen. Das Tagegeld für weibliche Aushilfen fiel in allen Altersstufen niedriger aus, ohne dass unterschiedliche Anforderungen angesprochen wurden. Für die weiblichen Aushilfen galt: „3. nach mindestens zweijähriger ununterbrochener Dienstzeit können auch weibliche Aushilfen bei befriedigender Dienstleistung bis zu 3 M 50 Pf. erhalten.“

Arbeiterinnen einer Dreherei

Arbeiterinnen und Arbeiter der Dreherei Ratzinger & Weidenkaff an der Plinganserstraße 136.
Stadtarchiv München - Fotosammlung, PK-ERG-09-0130

Arbeiterinnen und Arbeiter der Dreherei Ratzinger & Weidenkaff an der Plinganserstraße 136, ca. 1915.

Frauen in einer Textilfabrik

Frauen beim Nähen von Uniformen, ca. 1915
Stadtarchiv München - Fotosammlung, FS-ALB-092-05

Frauen in der Münchner Textilfabrik Knagge & Peitz (am Färbergraben 2-3) beim Nähen von Uniformen, ca. 1915.

Aufforderung des Arbeitsamtes

Aufruf des Münchner Arbeitsamtes an Frauen und Mädchen, 1918.
Stadtarchiv München - Plakatsammlung, PL-22694

Aufforderung des Münchner Arbeitsamtes an Frauen und Mädchen, sich für die Mitarbeit in kriegswichtigen Betrieben zu melden, 1918.

Aufrufe an die Opfer- und Einsatzbereitschaft

Zahlreiche Aufrufe appellierten an die Opfer- und Einsatzbereitschaft der Frauen für wohltätige Zwecke. Geld- und Sachspenden für die Soldaten im Feld, Metall für die Kriegsindustrie, aber auch tatkräftige Mithilfe in den Fürsorgeorganisationen und in der freiwilligen Krankenpflege waren gefragt. Bewusst oder unfreiwillig unterstützten sie die Kriegsziele, indem sie zur Stabilität an der „Heimatfront“ beitrugen.

Flugblatt des Vereins für Frauenstimmrecht

Flugblatt des Bayerischen Vereins für Frauenstimmrecht, 1915.
Stadtarchiv München - Zeitgeschichtliche Sammlung, ZS-511-08-02

Damen der Gesellschaft und Rotkreuz-Schwestern

Opfertag am 31. Juli 1916.
Carl Lechner, Stadtarchiv München - Fotosammlung, FS-C1916150

Opfertag am 31. Juli 1916, Damen der Gesellschaft und Rotkreuz-Schwestern als Losverkäuferinnen.

Weihnachtsbesuch in der Haas-Klinik

Weihnachtsfeier für verwundete Soldaten, ca. 1916.
Stadtarchiv München - Judaica, JUD-F-04-0001-HAA

Weihnachtsfeier in der Haas-Klinik an der Richard-Wagner-Straße 19, ca. 1916.

Die 1911 eröffnete Privatklinik des jüdischen Chirurgen Alfred Haas diente in den Kriegsjahren als Lazarett. Dr. Alfred Haas und seine Frau Elsa (5. und 4. von links) besuchten die dort untergebrachten Verwundeten zur Weihnachtsfeier.

Hort für Kinder von Kriegsteilnehmern

Hort für Kinder von Kriegsteilnehmern, 1914.
Wilhelm Hümmer, Stadtarchiv München - Fotosammlung, FS-C1914402

Hort für Kinder von Kriegsteilnehmern im Arco-Palais am Wittelsbacherplatz 1, 1914; Kinder und ihre Betreuerinnen.

Spendenaufruf zur Abgabe von Goldschmuck, ca. 1917.

Spendenaufruf zur Abgabe von Goldschmuck, ca. 1917.
Stadtarchiv München - Fotosammlung, PK-ERG-09-0103

Engagement in Wohltätigkeitsvereinen

Frauen engagierten sich traditionell in zahlreichen, in den einzelnen Stadtbezirken tätigen Wohltätigkeitsvereinen. Als Mitglieder des Armenrats, des in die politischen Entscheidungen einbezogenen Gremiums, waren sie in München seit 1910 zugelassen.

Wohlfahrtsausschuss Isarvorstadt

Mitglieder des Wohlfahrtsausschusses des X. Stadtbezirks (Isarvorstadt), 1917.
Stadtarchiv München - Fotosammlung, WKI-STL-0064

Gruppenaufnahme der Mitglieder des Wohlfahrtsausschusses des X. Stadtbezirks (Isarvorstadt) mit Magistratsrat Eduard Schmid (vorne Mitte).

Eingabe des Verbands der Armenpflegerinnen

Eingabe des Verbandes der Armenpflegerinnen, 4. Februar 1918,
Stadtarchiv München - Wohlfahrt 197, WOHL-0197-001

Eingabe des Verbandes der Armenpflegerinnen an den Magistrat der Stadt München, 4. Februar 1918.

Zu den Unterzeichnerinnen gehörten Vertreterinnen der wichtigsten Frauenvereine Münchens, darunter die erste städtische Armenrätin Luise Kiesselbach.

Beschaffung von Lebensmitteln

Als sich die Ernährungslage im Verlauf des Krieges verschlechterte, forderte die Beschaffung der Lebensmittel den Frauen viel Zeit und Kraft ab. Das stundenlange Anstehen um Brot, Kartoffeln, Milch oder die jeweiligen „Ersatzstoffe“ gehörte zum Alltag.

Anstehen für Lebensmittel

Anstehen für Lebensmittel an der Schrannenhalle, 1916.
Georg Pettendorfer, Stadtarchiv München - Fotosammlung, FS-C1916110

Frauen und Männer beim Anstehen für Lebensmittel an der Schrannenhalle, 1916.

Plakatanschlag der Polizei

Plakatanschlag der Kgl. Polizeidirektion, 30. März 1916.
Stadtarchiv München - Plakatsammlung, PL-23104

Plakatanschlag der Kgl. Polizeidirektion, 30. März 1916.

Lange Schlange an der Orleansstraße

Anstehen für Lebensmittel in der Orlandostraße, April 1918.
Stadtarchiv München - Fotosammlung, PK-ERG-09-0137

Anstehen um Lebensmittel in der Orlandostraße, April 1918.

Frauen werfen Verwaltungsbehörden Versagen vor

Den Mangel lasteten viele Münchnerinnen den Verwaltungsbehörden und politischen Gremien an, in denen sie kaum Mitspracherecht besaßen. Die Hungerproteste der Frauen seit Sommer 1916 trugen zum wachsenden Autoritätsverlust der Obrigkeit bei.

Erste Hungerproteste

Erste Hungerproteste von Frauen auf dem Münchner Marienplatz, 18. Juni 1916.
Stadtarchiv München - Chronik 1916, CHR-438-2214

Erste Hungerproteste von Frauen auf dem Münchner Marienplatz, 18. Juni 1916.

Auszug aus der Stadtchronik:
„Heute mittag sammelten sich am Marienplatz und beim Rathaustorwart einige Frauen an, die auf dem Markte nichts bekommen hatten und insbesondere Brotkarten verlangten. Sie wurden an die Brotkartenverteilungsstellen in den Schulhäusern verwiesen. Die zum Teil erregte Unterhaltung ließ Neugierige sich ansammeln, die sich aber gegen abend auf persönliches Eingreifen des Polizeipräsidenten wieder zerstreuten. Mit Einbruch der Dunkelheit kam weiteres Publikum, insbesondere Männer, leider auch verschiedene Soldaten, in der Hauptsache ja doch halbwüchsige Burschen. Angeblich, weil aus benachbarten Häusern Wasser herabgegossen worden war, wurden Steine gegen das Café Rathaus geworfen. Die Menschenansammlung wurde größer, bis schließlich die Schutzmannschaft mit Militär den Platz säuberte. ...“

Hungerdemonstration

Bericht über eine Hungerdemonstration von Münchner Frauen, 14. August 1918.
Stadtarchiv München - Chronik 1918, CHR-453a-277

Bericht über eine Hungerdemonstration Münchner Frauen, 14. August 1918; Auszug aus der Stadtchronik:

"Am Nachmittag sammeln sich trotz der wiederholten polizeilichen Warnungen und ernsten Abmahnung in der Presse neuerdings Frauen auf dem Marienplatz. Da sie von dort weggewiesen werden, ziehen sie zum Regierungsgebäude, von dem sie durch ein grösseres Schutzmannaufgebot in kurzer Zeit ohne besondere Vorkommnisse zerstreut werden.
Im Anschluss an diese Mitteilung warnt die Polizeidirektion allen Ernstes vor der Wiederholung solcher Ansammlungen."

Staatliche Zensur der Kriegsgegnerinnen

Lida Gustava Heymann (vorne links) und Anita Augspurg (vorne rechts),
Stadtarchiv München - Fotosammlung, PK-ERG-09-0260
Lida Gustava Heymann (vorne links) und Anita Augspurg (vorne rechts), hier auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1912.

Die Stimmen der wenigen Kriegsgegnerinnen in München wurden durch staatliche Zensur zum Schweigen gebracht. Zu den ersten Frauen, die sich öffentlich gegen den Krieg aussprachen, gehörten Lida Gustava Heymann und Anita Augspurg. Das bayerische Kriegsministerium beschlagnahmte ihre Schriften und erteilte ihnen Schreibverbot. Trotz Reisebeschränkungen gelang es ihnen, 1915 an dem ersten Internationalen Kongress europäischer und amerikanischer Frauen in Den Haag teilzunehmen.

Zwischen den Weltkriegen

Die im November 1918 ausgerufene Republik verwirklichte mit der rechtlichen Gleichstellung von Männern und Frauen und mit der Einführung des Frauenstimmrechts zentrale Forderungen der Frauenrechtsbewegung.

Gleichstellung von Männern und Frauen

Die im November 1918 ausgerufene Republik verwirklichte mit der rechtlichen Gleichstellung von Männern und Frauen und mit der Einführung des Frauenstimmrechts zentrale Forderungen der Frauenrechtsbewegung.

Friedenskundgebung der sozialistischen Parteien

Friedenskundgebung 1918
Franz Xaver Hartl, Stadtarchiv München - Fotosammlung, PK-Erg-09-0274

Friedenskundgebung der sozialistischen Parteien auf der Theresienwiese am Nachmittag des 7. November 1918. (Die auf der Fotopostkarte handschriftlich vermerkte Datierung ist falsch.)

Wahlplakat der SPD

Wahlplakat zur Nationalversammlung 1919
Stadtarchiv München - Plakatsammlung, PL-03739

Wahlplakat der SPD für die Wahlen zur Nationalversammlung im Januar 1919.

Drei Frauen gehören dem Stadtrat an

In München gehörten dem ersten, nach dem Prinzip des freien und gleichen Wahlrechts zusammengesetzten Stadtrat drei Frauen an; in den ersten bayerischen Landtag nach Kriegsende zogen sechs weibliche Abgeordnete (von insgesamt 180) ein.

Auszählen von Stimmzetteln

Städtisches Wahlamt, ca. 1920
Stadtarchiv München - Fotosammlung, WRep_0069

Auszählen von Stimmzetteln im Städtischen Wahlamt, ca. 1920.

Luise Kiesselbach

Luise Kiesselbach, um 1925
Stadtarchiv München, Fotosammlung, Bestand Personen

Luise Kiesselbach, erste Armenrätin in München seit 1910, Stadträtin für die Deutsche Demokratische Partei von 1919 bis 1927; Porträt, ca. 1920.

Luise Kiesselbach (1863-1929) engagierte sich schon vor dem Ersten Weltkrieg intensiv im Wohlfahrtswesen, insbesondere in der Jugendpflege. Von 1913 bis zu ihrem Tod 1929 führte sie den Vorsitz in dem Verein für Fraueninteressen, 1914 gründete sie den Stadtbund Münchener Frauen.

Auguste Halbmeier

Auguste Halbmeier, ca. 1925
Stadtarchiv München - Fotosammlung, Bestand Personen

Auguste Halbmeier, Stadträtin für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands von 1919 bis 1929; Porträt, ca. 1920.

Auguste Halbmeier (1867-1955) war seit 1914 als Wohlfahrtspflegerin in München-Schwabing tätig und setzte sich besonders für Jugendliche und Arbeiterfamilien ein. Sie vertrat im Stadtrat zunächst die Unabhängigen Sozialdemokraten, seit 1922 gehörte sie der Fraktion der Vereinigten Sozialdemokraten an. Während der NS-Zeit emigrierte sie nach New York, wo ihre Töchter

Große Wohnungsnot

Die Versorgungslage verbesserte sich in der Stadt nach Kriegsende zunächst nicht; darüber hinaus herrschte bald große Wohnungsnot, bedingt durch das Fehlen von Neubauten seit 1914 und durch den Zustrom von Flüchtlingen, etwa aus dem Rheinland oder dem Ruhrgebiet.

Notleidende Familie zu Beginn der 1920er Jahre.

Notleidende Familie, ca. 1920
Stadtarchiv München - Fotosammlung, WRep_0038

Reproduktion aus: Das Münchener Kind nach dem Krieg, München 1921.

Wirtschaftliche Folgen der Demobilmachung

Die wirtschaftlichen Folgen der Demobilmachung führten insbesondere unter den Frauen zu hoher Arbeitslosigkeit. Als Kriegsaushilfen eingestellte Frauen im öffentlichen Dienst, beispielsweise bei der Post oder der Straßenbahn, wurden schnell entlassen; die Einstellung von zurückkehrenden Soldaten hatte uneingeschränkte Priorität.

Im Verwaltungsbericht der Städtischen Straßenbahnen Münchens für die Jahre 1913 bis 1920 ist nachzulesen:
„Im September 1915, nachdem verschiedene andere Städte gute Erfahrungen mit weiblichem Fahrpersonal gemacht hatten, wurden zunächst 30 Schaffnerinnen eingestellt. Da diese sich ziemlich gut bewährten, zögerte man nicht mehr, ihre Zahl zu erhöhen, sodaß Ende 1915: 93, Ende 1916: 448, Ende 1917 und 1918: rund 800 Schaffnerinnen im Betrieb verwendet wurden. …
Nach Beendigung des Krieges machte sich mit der Rückkehr der vom Heeresdienst entlassenen Fahrbeamten naturgemäß ein Personalüberschuß geltend. In erster Linie wurde den nur für Kriegsdauer eingestellten 800 Schaffnerinnen für 1. April 1919 gekündigt.“
Verwaltungsbericht 1913 mit 1920, S. 6-7; Verkehrsbetriebe 53.

Schreiben von Oberbürgermeister Wilhelm von Borscht an die Referate

Schreiben des Oberbürgermeisters an die städtischen Referate, 1919
Stadtarchiv München - Personalamt 597, PERSA-0597-001

Schreiben von Oberbürgermeister Wilhelm von Borscht an alle städtischen Referate, Bekanntgabe einer Entschließung des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes mit der Forderung nach „sofortigem Abbau der Frauenarbeit“, 4. März 1919.

Der Zweite Weltkrieg

In der nationalsozialistischen Ideologie spielten Frauen als Mütter und „Hüterinnen der Rasse“ eine wichtige Rolle. Frauenvereine, die für die emanzipatorischen Bestrebungen nach Gleichberechtigung kämpften, wurden nach der Machtergreifung 1933 schnell verboten und aufgelöst. Die 1931 gegründete NS-Frauenschaft propagierte die traditionelle Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern und pries die „wesensmäßige Bestimmung“ der Frau als Mutter und Schützerin der Familiensphäre.

Während des Zweiten Weltkrieges

Wilhelm Nortz, Stadtarchiv München - Fotosammlung, NS-01429

Kriegsgauappell im Kongreßsaal des Deutschen Museums, 28. April 1940; Gaufrauenschaftsleiterin Römmelt bei einer Propagandarede.

Im Widerspruch dazu stand der Arbeitskräftebedarf in vielen Betrieben, insbesondere aber in der Rüstungsproduktion, die schon seit Mitte der 1930er Jahre und dann vor allem mit Kriegsbeginn 1939 wuchs. Mit eindringlichen Appellen wurden die Frauen zur freiwilligen Mitarbeit in den Betrieben aufgefordert. Auf die Einführung einer allgemeinen Frauendienstpflicht verzichtete das Regime.

Wilhelm Nortz, Stadtarchiv München - Fotosammlung, NS-01428

Unterricht für künftige Straßenbahnschaffnerinnen, September 1939; hier beim Einhängen des "Stangerls".

Wilhelm Nortz, Stadtarchiv München - Fotosammlung, NS-1428

Frauen bei der Überprüfung von Uniformteilen im Heeresbekleidungsamt, März 1940.

Stadtarchiv München - Fotosammlung, RAW_33_004_02

Arbeitseinsatz von Frauen im Reichsbahnausbesserungswerk Freimann, August 1942.

Stadtarchiv München - Zeitgeschichtliche Sammlung, ZS-225-01-003

Verpflichtungsbescheid für die Schauspielerin Thea Fuhrmann zur Arbeit bei den Bayerischen Motorenwerken, September 1944.

In der Endphase des Krieges, zum 1. September 1944, wurden die Theaterbühnen geschlossen und die dort Beschäftigten für den Kriegseinsatz in der Rüstungsindustrie verpflichtet.

Einen erschreckenden neuen Status bekam die „Heimatfront“ während des Zweiten Weltkrieges durch die Luftangriffe. Das Ergreifen von Luftschutzmaßnahmen gehörte ebenso zum Aufgabengebiet der „Kämpferinnen an der Heimatfront“ wie der Einsatz im Fürsorgewesen für Fliegergeschädigte. Die Angst um das eigene Leben und um die Familie beherrschte den Alltag, der durch die zunehmende Zerstörung der Versorgungsbetriebe erheblich erschwert war.

Stadtarchiv München - Familien, FAM-1082-02

Bescheinigung des Reichsluftschutzbundes, Ortsgruppe München-Ost, über die Teilnahme an einer Luftschutzausbildung, Juli 1939.

Wilhelm Nortz, Stadtarchiv München - Fotosammlung, WKII-STL-0518

Möbelbergung in der Gollierstraße nach dem Luftangriff vom 20. September 1942.

Stadtarchiv München - Fotosammlung, FS-ALB-044-06

Aus dem Fotoalbum einer Mitarbeiterin der Firma Soennecken & Co. GmbH: Fotolaborantinnen helfen sich gegenseitig bei der Möbelbergung nach der Zerstörung einer Wohnung durch einen Bombenangriff, 1944.

Stadtarchiv München - Familien, FAM-1082-01

"Lebenszeichen" von Frau Martha Maurer an Familienangehörige nach überstandenem Bombenangriff vom 22. Juli 1944.

Stadtarchiv München - Fotosammlung, Reproduktion einer Leihgabe

Die Produktion konnte in vielen Betrieben nur mit Hilfe einer großen Zahl ausländischer Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aufrecht erhalten werden. Bei den aus Polen und der Sowjetunion deportierten Ostarbeitern lag der Frauenanteil bei über 50 Prozent. Die Arbeits- und Lebensverhältnisse der Zwangsarbeiterinnen lagen deutlich unter dem Standard der deutschen Bevölkerung. Ihre Rechte waren erheblich eingeschränkt. Ihre Versorgungs- und Unterbringungssituation war vielfach katastrophal und lebensbedrohlich.

Die in München lebenden Juden – Frauen, Männer und Kinder – wurden entrechtet, enteignet, deportiert und grausam ermordet. Jüdinnen, die mit einem nichtjüdischen Ehepartner verheiratet waren, oder Jugendliche, deren Eltern in sogenannten Mischehen lebten, mussten ebenfalls Zwangsarbeit leisten und waren den Schikanen der NS-Behörden ausgesetzt.

Stadtarchiv München - Fotosammlung, NS-00019

Jüdische Münchnerinnen, kurz vor ihrer Deportation, November 1941.

Die Nachkriegszeit

Mit dem Einmarsch der Amerikaner im Mai 1945 endete für die Münchnerinnen und Münchner die Bedrohung durch den Bombenkrieg. Doch die Versorgungslage verschlechterte sich in den folgenden Monaten und Jahren dramatisch. Wiederum fiel die Aufgabe, mit Organisationtalent und Improvisationsgabe die Versorgung der Familien zu sichern, in erster Linie den Frauen zu.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

U.S.Army Photograph, Stadtarchiv München - Fotosammlung, NK-Stl-0094

Einmarsch der Amerikaner durch die Dachauer Straße, 30. April 1945.

Wolf Pelikan, Stadtarchiv München - Fotosammlung, NK-Stl-0060

Aufräumarbeiten am Färbergraben, 1947.

Wilhelm Nortz, Stadtarchiv München - Fotosammlung, NK-Stl-0041

Protestmarsch von Münchner Hausfrauen in der Brienner Straße, 1948.

Stadtarchiv München - Fotosammlung, NK-Stl-0046

Protestierende Hausfrauen im Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, 1948.

Durch die Kapitulation 1945 wurde die NS-Ideologie mit ihrem militaristischen Größenwahn und dem menschenverachtenden Rassismus geächtet. Viele Frauen kritisierten alles Soldatische und die überwiegend männlich geprägte Politik, die diesen Krieg ausgelöst hatte. Sie setzten große Hoffnungen auf einen Neubeginn, an dem sie sich aktiv beteiligen wollten, und engagierten sich vorzugsweise in parteipolitisch unabhängigen Frauenarbeitskreisen.

Inge Loeffler, Stadtarchiv München - Fotosammlung, Loeff_F23K_04

Konferenz der Arbeitsgemeinschaft der Wählerinnen im Münchner Rathaus, Januar 1952; mit der Stadträtin und Landtagsabgeordneten Hildegard Hamm-Brücher (l.) und der Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Olga Amann.

Primäres Ziel der überparteilich arbeitenden Arbeitsgemeinschaft (gegründet 1950 nach amerikanischem Vorbild) war es, Frauen zu einer engagierten politischen Mitarbeit zu gewinnen.

Die amerikanische Militärregierung setzte Frauen gerne in Bereichen ein, die für die Umerziehung zum demokratischen Denken relevant waren: in Presse und Rundfunk sowie im Schulwesen. In den Gremien, die für die politische Neugestaltung verantwortlich zeichneten, waren Frauen weiterhin deutlich unterrepräsentiert. Die wenigen Politikerinnen erhielten vor allem in sozialen und kulturellen Fragen Mitspracherecht.

Stadtarchiv München - Fotosammlung, Bestand Personen

Zita Zehner, Porträt, ca. 1950.

Dem ersten, von der amerikanischen Besatzungsmacht einberufenen Stadtrat nach Kriegsende gehörte nur eine Frau an. Zita Zehner war Mitglied des Wohlfahrts- und Schulausschusses. Von 1946 bis 1970 vertrat sie die CSU im Bayerischen Landtag.

Inge Loeffler, Stadtarchiv München - Fotosammlung, Loeff_F19_78

Ilse Weitsch (Mitte), die Leiterin des Frauenfunks beim Bayerischen Rundfunk, mit Kolleginnen, 1950.

Für die neue Verfassung, das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, erkämpften weibliche Abgeordnete, allen voran Elisabeth Selbert, die Aufnahme des Gleichberechtigungsgrundsatzes. Doch die der Gleichberechtigung entgegenstehenden zivilrechtlichen Bestimmungen des BGB sollten übergangsweise noch bis 1953 gelten. Das erste Gleichberechtigungsgesetz wurde schließlich erst im Jahr 1957 verabschiedet; bis dahin bestand in zahlreichen familienrechtlichen Fragen große Rechtsunsicherheit für die Frauen.

Inge Loeffler, Stadtarchiv München - Fotosammlung, Loeff_F19_82

Die Journalistin Marianne Feuersenger beim Interview mit dem Direktor des Instituts für Arbeitsrecht in Köln, Professor Hans Nipperdey, für eine Sendung über "Das Recht der Frau auf Arbeit", 1951.

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