Klimaschutz im peruanischen Regenwald

Seit 1997 besteht Münchens Klimapartnerschaft mit den Asháninka, dem größten indigenen Volk im peruanischen Regenwald.

Partnerschaft mit den Asháninka

Partnerschaft mit dem Volk der Ashaninka
Iris Pufe

Im Rahmen ihrer langjährigen Mitgliedschaft im Klima-Bündnis europäischer Städte mit indigenen Völkern der Regenwälder e.V. arbeitet die Landeshauptstadt München in Kooperation mit dem Nord Süd Forum München e.V. eng mit den Asháninka zusammen, um deren rechtliche und wirtschaftliche Situation zu verbessern. Die Zusammenarbeit mit den Asháninka ist eine Kooperation auf Augenhöhe. Sie beruht auf drei Säulen:

  • Bildungs- und Informationsarbeit, um die Menschen in München für die globale Bedeutung des Regenwaldes zu sensibilisieren.
  • Unterstützung konkreter Projekte im peruanischen Regenwald, nach Schwerpunkten, die die Asháninka setzen.
  • Politische Unterstützung zum Schutz des Regenwaldes und seiner Bewohnerinnen und Bewohner.

So profitieren nicht nur die Asháninka von der Partnerschaft, sondern auch die Münchner Bürgerinnen und Bürger, insbesondere durch die Begegnungen mit indigenen Delegierten.. Diese berichten bei ihren Aufenthalten in München in Schulen und Universitäten sowie bei Fachgesprächen und Konferenzen aus erster Hand über ihr Leben im Regenwald, über die unmittelbaren Auswirkungen des Klimawandels und über ihre Vorhaben und Projekte.

Hintergrund und Unterstützung

Durch ihre traditionelle Lebensweise wird der tropische Regenwald geschützt. Nur mit ihnen kann er auch in Zukunft erhalten bleiben. Jedoch kämpfen die Asháninka gegen die zunehmende Bedrohung und Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen: Massiver Raubbau durch Holzfirmen, Drogenmafia, Landnahmen für industrielle Landwirtschaft sowie die Vergiftung der Flüsse durch Bergbau und illegalen Goldabbau.

 

Es gibt verschiedene Möglichkeiten die Partnerschaft mit den Asháninka und ihre Bemühungen um den Erhalt des Regenwaldes zu unterstützen, z.B. durch den Kauf des fair gehandelten München-Kaffees. Ins Leben gerufen wurde diese Möglichkeit durch das Nord Süd Forum München e.V. in Zusammenarbeit mit Fairkauf Handelskontor München eG. Die Rohstoffe der Produkte stammen aus dem Fairen Handel. Pro verkaufte Packung gehen jeweils 5 Cent an die Projekte der Asháninka. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter: www.fairkauf-muenchen.de.

Auch eine Mitarbeit im Arbeitskreis München-Asháninka des Nord Süd Forum München e.V., der die Partnerschaft begleitet, ist sehr willkommen.

Über kleinere Spenden freuen sich die Projektpartner:
Nord Süd Forum München e.V.
Bank für Sozialwirtschaft München
BLZ: 700 20 500, Konto: 88 33 100
IBAN: DE 29 7002 0500 0008 833100
BIC: BFSWDE33MUE
Stichwort Asháninka

Landeshauptstadt München

Referat für Klima- und Umweltschutz
SG Nachhaltige Entwicklung, Umweltberichterstattung

Einzelne Projekte

Illustrationsbild zum Projekt Buen Vivir, das indigene Dorfbewohner*innen auf einem Platz zeigt.
Landeshauptstadt München, Referat für Gesundheit und Umwelt

Ein wesentlicher Aspekt der Partnerschaft ist die Unterstützung bei der Sicherung kollektiver Landrechte. Traditionell gibt es in indigenen Dörfern keinen privaten Grundbesitz. Die Dorfgemeinschaft vergibt lediglich Nutzungsrechte an ihrem Gemeinschaftsland. Dieses kann nur mit einem offiziell anerkannten und eingetragenen Landtitel rechtlich gesichert und geschützt werden. Die amtliche Anerkennung der Landrechte ist ein langwieriges und für die Dorfgemeinschaften kostspieliges Verfahren. Mit der Hilfe Münchens konnten sich die Asháninka über 35.000 Hektar Regenwald sichern.

Wo Teile des Regenwaldes durch Holzfirmen, Erdölförderung oder Neusiedler zerstört worden sind, kämpfen die Dorfgemeinschaften mit den negativen Auswirkungen: Mangel an Nahrungsmitteln, ein verändertes Mikroklima, Wasserknappheit sowie gleichzeitige Überschwemmungen nach starken Regenfällen. Mit mehreren Projekten zur Wiederaufforstung soll dem begegnet werden.

Als wichtiges Element der Kooperation wird zweisprachige Bildung und die indigene kulturelle Identität gefördert. Die Herausgabe des Wörterbuches Asháninka - Spanisch hat große Bedeutung für den zweisprachigen Unterricht. Auch anderer Lesestoff in der Sprache der Asháninka stand bisher kaum zur Verfügung. Der Verband der zweisprachigen Lehrerinnen und Lehrer hat mündlich überlieferte Geschichten zusammen getragen und ein zweisprachiges Lesebuch veröffentlicht. Eine Auswahl dieser Geschichten ist auf deutsch erhältlich.

Mit Unterstützung Münchens wurden in mehreren Dörfern im Landkreis Rio Negro einfache Standesämter eingerichtet und circa 20 indigene Standesbeamt*innen ausgebildet, die inzwischen auch Trauungen vollziehen. Denn in der Vergangenheit war die Eintragung in die behördlichen Geburtsregister oft nicht möglich. Ohne den Geburtsurkunden war es den Asháninka nicht möglich Schulen zu besuchen, einen Personalausweis zu erhalten und zu wählen. Jetzt haben fast 95 Prozent der Menschen in diesem Landkreis gültige Geburtsurkunden und Ausweise und können nun ihre Bürgerrechte wahrnehmen.

München unterstützt auch verschiedene Initiativen der Asháninka im Sinne einer Solidarischen Ökonomie. So haben sich Frauen aus mehreren Dörfern auf die Herstellung von Schmuck aus Naturmaterialien des Regenwaldes spezialisiert. Die Frauengruppen sind sehr erfolgreich: Inzwischen existiert ein kleiner Laden und eine Firma mit eigenem Label. Mit dem Erlös können auch Fortbildungskurse finanziert werden. Der Arbeitskreis Asháninka vom Nord Süd Forum München e.V. verkauft den Naturschmuck in München.