LGBTIQ* in der Kinder- und Jugendhilfe

Informationen zu LGBTIQ* in der Kinder- und Jugendhilfe, zu Leitlinien, dem Qualitätslabel "Offen für Alle" und weiteren Studien und Materalien.

"Da bleibt noch viel zu tun..."

Nachdem die Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen im Jahr 2011 ihre LGBT-Jugendstudie "Da bleibt noch viel zu tun...!" veröffentlicht und dem Stadtrat vorgestellt hat, konnten viele Maßnahmen zur Verbesserung der Situation der LGBT-Jugendlichen initiiert werden. Diese werden hier vorgestellt.

Der Münchner Stadtrat hatte das Sozialreferat und das Referat für Bildung und Sport beauftragt, auf Grundlage der Jugendstudie Umsetzungskonzepte zu entwickeln. Mit Beschluss des Kinder- und Jugendhilfeausschusses vom 06. Oktober 2015 ist das Sozialreferat diesem Auftrag nun abschließend nachgekommen.

Der Stadtrat hat auf Vorschlag des Stadtjugendamts am 04.11.2014 folgende Maßnahmen beschlossen:

  • Entwicklung verbindlicher Leitlinien für die Arbeit mit LGBT*-Kindern, - Jugendlichen und jungen Erwachsenen
  • Verankerung des LGBT-Themas im Jugendamt durch eine Stärkung der Querschnittstelle GIBS (Gender, Interkult, Behinderung, Sexuelle Identität)
  • Aufnahme in die Jahresplanungsgespräche zwischen Stadtjugendamt und freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe
  • Entwicklung von verbindlichen Leitlinien für die Kinder- und Jugendhilfe Münchens zur Arbeit mit und für LGBT-Jugendliche
  • Durchführung eines Pilotprojekts in Kooperation der Schulsozialarbeit und des Referats für Bildung und Sport
  • Fachliche Verankerung des LGBT-Themas in der Kinder- und Jugendhilfe durch Fortbildungen für die Fachkräfte
  • Einrichtung einer Fachstelle Fortbildung bei Sub e.V. und LeTRa
  • Verstärkte Berücksichtigung des LGBT-Themas in der Öffentlichkeitsarbeit des Stadtjugendamts
  • Schulungen der Bezirkssozialarbeit und Führungskräfte in den Sozialbürgerhäusern und dem Stadtjugendamt

Am 06. Oktober 2015 legte das Stadtjugendamt einen weiteren Beschluss vor, mit dem die Infrastruktur der sozialen Versorgung von Lesben, Schwulen und Transgendern in München sichergestellt werden soll. Der Kinder- und Jugendhilfeausschuss hat aufgrund dieser hervorragenden Beschreibung beschlossen:

  • das Aufklärungsprojekt München e.V. mit einer halben hauptamtlichen Stelle zu unterstützen
  • eine Fach- und Beratungsstelle für Regenbogenfamilien einzurichten
  • eine Fach- und Beratungsstelle für Trans*- und Inter*personen einzurichten
  • das diversity-Jugendzentrum mit einer weiteren halben Stelle zu stärken
  • die Deutsch-Konversationskurse für Migrantinnen und Migranten von Sub und LeTRa zu finanzieren

Auch die Träger der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in München haben intensiv auf die Ergebnisse der Jugendstudie reagiert. Gemeinsam haben die Koordinierungsstelle, das Stadtjugendamt und die Träger der Freizeiteinrichtungen für Kinder und Jugendliche in München ein dreiteiliges Maßnahmenbündel umgesetzt:

  • ein Konzept zur Arbeit mit und für LGBT-Jugendliche
  • ein Qualitätslabel "Offen für Alle", welches an Einrichtungen verliehen wird, die ein umfangreiches Qualitätsprogramm für LGBT umgesetzt haben (erscheint Ende Oktober 2015)
  • eine Arbeitsmappe für Fachkräfte mit Informationen, Methoden und Angeboten, die es erleichtern soll, das Thema in den Jugendeinrichtungen aufzugreifen und gut zu bearbeiten (erscheint 2016)

LGBTIQ*-Leitlinien für die Kinder- und Jugendhilfe

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Leitlinien des Stadtjugendamts München

für die Arbeit mit LGBTIQ* Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Der Münchner Stadtrat hat in Folge der Studie "Da bleibt noch viel zu tun..." den Auftrag erteilt, verbindliche Leitlinien für die Arbeit mit lesbischen, schwulen, bisexuellen und trans* Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu entwickeln.

Das Stadtjugendamt München (Sozialreferat) hat hierfür einen umfangreichen Prozess durchgeführt, in dem in vorbildlich partizipativer Vorgehensweise die dann 2018 vom Stadtrat beschlossenen Leitlinien entstanden sind. Beteiligt waren das Stadtjugendamt (Federführung) und die Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen, Gruppen und Einrichtungen der LGBTIQ*-Community, Vertretungen der freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe und der Offenen Kinder- und Jugendarbeit.

Damit ist es gelungen, sowohl für den öffentlichen als auch für die freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe verbindliche Vorgaben für die Arbeit mit und für LGBTIQ*-Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in München festzulegen. Dem Stadtjugendamt München ein herzlicher Dank hierfür!

Konzept in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit Münchens

Titelbild Konzept OKJA

Die Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in München haben sich in Folge der Jugendstudie der Koordinierungsstelle zur Gleichstellung von LGBTIQ* intensiv mit der Zielgruppe schwuler, lesbischer und transgender Jugendlicher befasst.
Der Kreisjugendring München-Stadt, der Münchner Trichter, das Fachforum Freizeitstätten haben gemeinsam mit der Koordinierungsstelle, dem Stadtjugendamt und einigen Community-Einrichtungen ein Konzept entwickelt, in dem grundlegende Aussagen zur Arbeit mit lesbischen, schwulen und transgender Kindern und Jugendlichen gemacht werden.

Das Konzept ist Bestandteil der "Rahmenkonzeption der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in München! Es wurde von der Facharbeitsgemeinschaft aller Träger der Münchner Einrichtungen am 10.04.2014 verabschiedet.

Enthalten sind die Kapitel

- Werte und Haltungen in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA)
- Methodische Standards
- Interventionsmöglichkeiten auf pädagogischer Ebene

"Offen für ALLE" - ein Qualitätslabel

Offen für alle

Das Qualitätslabel "Offen für ALLE" wurde von der Koordinierungsstelle, dem Stadtjugendamt, einigen Communityeinrichtungen und der Initiative "Wir sind die Zukunft ", dem Zusammenschluss der Träger der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in München entwickelt.

Die Auszeichnung wird durch "Wir sind die Zukunft " an Einrichtungen verliehen, die ein umfangreiches Programm durchlaufen und sich fit gemacht haben für die Arbeit mit und für lesbischen, schwulen und transgender Jugendlichen.
In den Bereichen Personal, Standards, Methoden und pädagogische Angebote, Öffentlichkeitsarbeit und Informationen sind den Einrichtungen Punkte vorgegeben, die umgesetzt werden müssen.
Geprüft wird dies immer durch eine Fachkraft aus der Kinder- und Jugendhilfe gemeinsam mit einer Vertretung einer LGBT-Einrichtung bei einem gemeinsamen Einrichtungsbesuch.

LGBTIQ*-Jugendordner: Informationen, Fachwissen, Methoden

Jugendordner 1
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Beim Thema geschlechtliche und sexuelle Identität stellen sich für Fachkräfte der Jugendarbeit viele Fragen, z.B. wie spreche ich mit Jugendlichen über Fragen zu Lesben und Schwulen, Bi- und Transsexualität? Was kann ich tun, wenn Jugendliche oder Eltern sich negativ über Lesben, Schwule oder Transgender äußern? Gibt es gute Materialien wie Filme oder Bücher?

Die Suche nach Antworten ist meist schwierig und aufwändig.

Die Koordinierungsstelle zur Gleichstellung von LGBTIQ* hat deshalb gemeinsam mit dem Stadtjugendamt, der Initiative „Wir sind die Zukunft“ (Kreisjugendring, Münchner Trichter, Fachforum Freizeitstätten), Pro Familia, dem Aufklärungsprojekt München e.V. und diversity München e.V. einen gut gefüllten Ordner entwickelt, der umfassende Informationen zu Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern enthält. Der Ordner bietet außerdem Anregungen zum Umgang mit LGBTIQ*-Feindlichkeit bei Jugendlichen, gibt viele methodische Tipps und beinhaltet die Materialien der städtischen Jugendkampagne „wirsindfuerdichda.org“.

Die Ordner wurden an alle Kinder- und Jugendfreizeitstätten in München verteilt.

Studie_Coming-out

Coming out - und dann...!? - Studie des DJI

Studie des Deutschen Jugendinstitus zu Coming-out-Verläufen und Diskriminierungserfahrungen von lesbischen, schwulen, bisexuellen und trans* Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland. Mit Empfehlungen für Politik, Wissenschaft und Praxis.
Studie

Angebote für pädagogische Fachkräfte

In München gibt es für pädagogische Fachkräfte in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, der Offenen Kinder- und Jugendarbeit sowie der Bildungsarbeit (Schulen) folgende Möglichkeiten, das Thema in die Arbeit mit jungen Menschen einzubauen oder sich selber damit zu beschäftigen.

Hilfen für Lehrkräfte und Erziehende

Die Koordinierungsstelle bietet gemeinsam mit der Beratungsstelle für schwule Männer von Sub e.V. und der LeTRa-Lesbenberatungsstelle eine Fortbildung zum Thema "Fachwissen zu gleichgeschlechtlichen Lebensweisen" an, die auf die Bedürfnisse der jeweiligen Einrichtung zugeschnitten werden kann.
Die Koordinierungsstelle bietet zudem Fachberatung im Einzelfall und Fachgespräche für Teams usw. an.

Die Lernpakete zu den Themen "LesBiSchwules Leben" und "Leben mit Behinderung" sind erprobte Konzepte und Materialien, zum Beispiel für den Einsatz im handlungsorientierten Deutsch-, Ethik- oder Religionsunterricht. Sie sind geeignet für den Einsatz ab der achten Jahrgangsstufe und können der jeweiligen Leistungsfähigkeit der Kinder und Jugendlichen vor Ort angepasst werden.
Die Lernpakete werden Ihnen persönlich vorgestellt; Sie können sie ausprobieren und sich über die pädagogische Umsetzung austauschen. Das Material kann kostenlos am Pädagogischen Institut ausgeliehen werden.

PI - Fachbereich Soziale Bildung

Die beiden Aufklärungsprojekte bieten Besuche in Schulklassen oder Jugendgruppen, um mit den Jugendlichen ins Gespräch über das Thema Schwule, Lesben und Transgender zu kommen. Im Mittelpunkt steht dabei, dass junge Lesben, Schwule und Transgender für die Jugendlichen sichtbar und erlebbar werden und viele Fragen gestellt und beantwortet werden, für die sonst nirgends ein Rahmen ist.

Aufklärungsprojekt München

diversity@school