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Jahreswirtschaftsbericht

(5.7.22) Münchens Wirtschaft steht im Spannungsfeld zwischen Post-Corona und Ukraine-Krieg. Der aktuelle Bericht liefert alle wichtigen Daten zum Wirtschaftsstandort

Münchner Wirtschaft 2022

Fotos vom Arnulfsteg sowie drei Mitarbeitern in einem Hightech-Büro Umfeld
Andreas Heddergott, LHM

Münchens wirtschaftliche Erholung hat wieder Fahrt aufgenommen, auch in den von Corona besonders betroffenen Branchen. Jedoch verändert der Ukraine-Krieg die politische und wirtschaftliche Lage in Europa, in Deutschland und damit auch in München massiv. Unsicherheit und Unwägbarkeiten zeigen die neueren Wirtschaftsdaten.

Der hier vorliegende Münchner Jahreswirtschaftsbericht 2022   bietet - wie jedes Jahr - eine umfassende ökonomische Bestandsaufnahme des Wirtschaftsstandortes München, seiner verschiedenen Teilmärkte und wichtigsten Branchen. Er analysiert die ökonomische Entwicklung Münchens und gibt einen Ausblick auf das noch laufende Jahr.

Indikatoren und Kennziffern der Münchner Wirtschaft 2021

Im folgenden finden Sie einige Eckdaten zu Münchens Wirtschaft nach zwei Jahren Corona:

  • Die Wirtschaftsleistung / Bruttoinlandsprodukt (BIP): Nach dem Einbruch des BIP um -5 Prozent 2020 in Deutschland verzeichnete 2021 wieder ein Wachstum der Wirtschaftsleistung - in Deutschland  um 2,9 Prozent und in  Bayern um 3,0 Prozent. Erfahrungsgemäß liegt das Münchner BIP etwas über dem bayerischen Wert; dies dürfte auch für München 2021 eine deutliche Zunahme der Wirtschaftsleistung bedeuten. (→JWB 2022, S. 14)
  • Kaufkraft: coronabedingt sank 2020 die Kaufkraft bundesweit, in München um -2,3 Prozent. Dem gegenüber stand 2021 wieder ein Anstieg - bundesweit +2,4 Prozent und in München +0,5 Prozent. Aufgrund der hohen Inflation ist real jedoch eher von Kaufkraftverlusten bei den privaten Haushalten auszugehen. Münchens Kaufkraft liegt nun bei 33.100 Euro pro Einwohner und damit rund 35 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Zum Vergleich: Düsseldorf als zweitplazierte Großstadt liegt 16 Prozent und Hamburg 11 Prozent über dem bundesdeutschen Kaufkraftniveau.   (→JWB 2022, S. 13)
  • Gründungen und Insolvenzen: Es gab keine deutliche Zunahme der Insolvenzen durch die Coronapandemie. Die ausgesetzte Insolvenzantragspflicht sowie die staatliche Unterstützung durch die verschiedenen Wirtschaftshilfen haben sich ausgezahlt. In München sank im Jahr 2021 die Zahl der Insolvenzmeldungen um -13,9 Prozent. Insgesamt kam es zu 334 Unternehmensinsolvenzen; rund 1.400 Arbeitnehmer waren betroffen. Die Zahl der Gewerbeanmeldungen stieg deutlich und lag wieder auf Vor-Corona-Niveau (+7,8 Prozent); insgesamt waren es 17.248  (→JWB 2022, S. 19 f.)
  • Rekordjahr für Münchens Start-ups bei Finanzierungsrunden: Münchner Start-ups erhielten 4,2 Mrd. Euro an Investitionsmitteln, im Durchschnitt 24,3 Mio. Euro je Finanzierung - gegenüber 2020 ein Anstieg um das 3,5-fache. Investments flossen vor allem in Hightech-Bereiche wie Enterprise Software, Transport, Energie und Robotik. Zehn Investments lagen über 100 Mio. Euro. Mit Celonis hat München sein erstes Decacorn, ein Start-up mit einer Bewertung von über 10 Mrd. Dollar.

  • Immobilienmärkte: Nach dem Rückgang 2020 zeigte auch der Münchner Immobilienmarkt 2021 eine deutliche Erholung: Der Büroflächenumsatz stieg um 17 Prozent auf 664.500 m². Diese Gesamtfläche lag trotzdem rund 15 Prozent unter dem 10-Jahres-Durchschnitt. Der Leerstand stieg in München auf 1,1 Mio. m², eine Verdoppelung seit dem Vor-Corona-Jahr 2019. Die Leerstandsquote liegt damit in der Region München bei 4,7 Prozent, allerdings für die Stadt selbst nur bei 3,7 Prozent und im Umland bei 7,5 Prozent.   (→JWB 2022,S. 63 ff.)

  • Rückgang der Arbeitslosigkeit: Aufgrund der Corona-Pandemie stieg die Arbeitslosigkeit in München 2020 auf 4,5 Prozent und blieb bei diesem Wert auch für das Gesamtjahr 2021. Jedoch war eine Trendumkehr zu beobachten: bis zum Frühjahr 2021 setzt sich die Zunahme der Arbeitslosigkeit noch fort; ab Frühsommer zeigte sich eine deutliche Besserung. Die aktuelle Arbeitslosenquote beträgt 3,7 Prozent. (→JWB 2022,S. 46)
  • Die Verbesserung am Arbeitsmarkt gilt leider nicht für alle Gruppen, denn es gab einen massiven Anstieg bei Langzeitarbeitslosen (+46,7 Prozent oder +9.005 mehr Langzeitarbeitslose). Besonders betroffen sind Arbeitssuchende in gering qualifizierten Jobs.

  • Kurzarbeit verhinderte Schlimmeres am Arbeitsmarkt: Höchstwert während der ersten Pandemiephase im April 2020 183.000 Kurzarbeiter; aber auch im Winter 2021 nochmals Anstieg der Kurzarbeit auf über 100.000

  • Die Corona-Pandemie brachte 2020 den Münchner Beschäf­tigungszuwachs zum Stillstand. Doch 2021 stieg die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wieder um 1,2 Prozent oder 10.500 Beschäftigte an. Den größten Zuwachs an Beschäftigten verzeichnete die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) mit +7,1 Prozent (6.628 SV-Beschäftigten). Darauf folgten die Unternehmensnahen Dienstleistungen mit +4,7 Prozent (6.485 SV-Beschäftigten) und das Gesundheits- und Sozialwesen mit +4,1 Prozent (4.255 SV-Beschäftigten).  (→JWB 2022, S. 14 ff., S. 25 ff.)

Auswirkungen der Corona-Pandemie auf einzelne Branchen

Gastgewerbe

Mit am stärksten von Corona betroffene Branche (→JWB 2022, S. 35 f.)

  • Massive Beschäftigungseinbrüche im Gastgewerbe: 2021 nochmals -12 Prozent
  • Beschäftigungsrückgang in den beiden Pandemiejahren von knapp 8.000 Beschäftigten oder -20 Prozent.
  • Umsatzeinbrüche im gesamten Gastgewerbe 2020 in Bayern rund -40 Prozent, im Jahr 2021 nochmals -1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Im gesamten Gastgewerbe lag der Umsatz um mehr als 40 Prozent unter dem Niveau von 2019. Besonders spürbar waren dabei die Ausfälle durch den Tourismus.

Die Tourismusbilanz im Zwei-Jahresvergleich 2019-2021:

  • Gästeankünfte: -65 Prozent (-5,6 Mio. weniger Gäste),
  • Übernachtungen: -57 Prozent (-10,3 Mio. weniger Übernachtungen)

Einzelhandel

Corona-Pandemie verschärft Situation für den lokalen Einzelhandel (→JWB 2022, S. 32 ff. und S.35 ff.)

Bereits vor der Corona-Pandemie wurden im lokalen Einzelhandel sinkende Umsätze festgestellt. Grund für diese Entwicklung war und ist der steigende Anteil des Online-Handels.

Insgesamt stieg der Umsatz im bayerischen Einzelhandel im Jahr 2021 real um 3,4 Prozent; diese Zuwächse sind jedoch über die einzelnen Sparten ungleich verteilt.

Beim Versand- und Internethandel belief sich das Umsatzplus 2021 auf 12 Prozent, nachdem bereits im ersten Corona-Jahr 2020 ein Zuwachs von 24 Prozent zu verzeichnen war.

Beim Einzelhandel mit Textilien, Einrichtungsgegenständen, Sport und Spielwaren liegen die Umsatzrückgänge 2021 gegenüber 2020 nochmals zwischen -4 bis -5 Prozent

Diese Umsatzeinbrüche zeigen sich auch in der Beschäftigung: Der Einzelhandel verlor 2021 in München -3,7 Prozent, das waren -1.944 Beschäftigte.

Im Einzelhandel zeigte sich zudem das Ausbleiben der Touristen: Vor Corona verbuchte die Branche jährlich rund 3 Mrd. Euro Umsatz durch den Tourismus, der auch 2021 noch fehlte. Ebenfalls negative Auswirkungen im Einzelhandel hat die hohe Inflationsrate. 

Information- und Kommunikation (IKT)

Münchens Erfolgsgeschichte geht weiter  (→JWB 2022, S. 38 f.)

Der IKT-Sektor ist inzwischen einer der bedeutendsten Wirtschaftssektoren in München: 93.400 Beschäftigte, das sind knapp 11 Prozent aller Beschäftigten, arbeiten hier. Hinzu kommen weitere 47.800, die im Umland im IKT-Bereich beschäftigt sind.

2021 gab es erneut einen Zuwachs um 7,1 Prozent (+6.628 Arbeitsplätze). Somit liegt in den letzten zehn Jahren das Beschäftigungsplus bei 72 Prozent oder +41.600 Stellen, die in München neu geschaffen wurden.

Die Attraktivität Münchens zeigt sich an der Vielzahl der hier ansässigen Unternehmen. Der Standort München ist zum Sitz von Global Playern und Marktführern geworden.

Kommunale Finanzen

Nachzahlungen von Unternehmen sorgten 2021 für Gewerbesteuerrekord (→JWB 2022,S. 69 ff.)

Die Corona-Pandemie brachte 2020 die kommunalen Finanzen aus dem Gleichgewicht: Zunächst brachen aufgrund massiver Umsatz- und Gewinnausfallerwartungen die Gewerbesteuerzahlungen deutlich ein und lagen mit 1,7 Mrd. Euro um gut eine Millarde Euro unter dem Niveau des Vor-Corona-Jahres 2019. Mit Hilfe der Ersatzzuweisungen von Bund und Land in Höhe von 670 Mio. Euro, konnte das Defizit teilweise kompensiert werden.

2021 dann verhalfen Nachzahlungen von Unternehmen der Stadt München zu einer Gewerbesteuerrekordeinnahme von über 3,3 Mrd. Euro.

Für das laufende Jahr wird derzeit noch mit einer Gewerbesteuer von rund 2,8 Mrd. Euro gerechnet. Allerdings ist bei einbrechender Konjunktur mit niedrigeren Einnahmen zu rechnen.

Infolge der Einnahmeausfälle 2020 musste sich München 2020 erstmals seit vielen Jahren wieder mit einem Betrag von 989 Mio. Euro neu verschulden. Die Pro-Kopf-Verschuldung Münchens stieg daher massiv an, von 412 Euro pro Einwohner (2019) auf 965 Euro pro Einwohner (2021).

Aufgrund der anhaltend sehr hohen Investitionsausgaben der Stadt München (2021: 1,5 Mrd. Euro; 2022: geplant 1,9 Mrd. Euro), ist weiterhin mit einem Anstieg der Verschuldung zu rechnen.

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